Zeitschriften im Test: Private Peepshow

Das Ende der Praline stürzt Stammleser natürlich in eine heikle Situation. Da kommt der hoch konstruktive Charakter dieses Blogs perfekt zum Tragen. “Private Peepshow” kann dem verstorbenen Objekt zwar nicht das Wasser reichen, ist aber trotzdem super.

Würdiger Praline-Nachfolger?

“Private Peepshow” ist super. Ein Magazin, das sich ganz der Zielgruppe verschreibt. Wobei schreiben nicht allzu wörtlich genommen werden darf. Denn Schreiben steht sicher nicht im Fokus der Redaktion. Man verzichtet hier getrost auf zu lange Texte. Das macht die Sache besser.

Verzicht auch in Sachen Inhaltsverzeichnis. Macht aber nichts. Steht alles auf dem Titel. Zwar ohne Seitenzahlen. Aber die verkleben ja ohnehin immer zuerst.

Aus dem Inhalt:

Andrea, sonst still, spricht auch beim Sex nie, Verena, Steffi und Nina erklären ihre Liebe zum Vibrator (“Beim Bumsen bin ich echt unersättlich”, “Natürlich denke ich daran ganz fest an seinen strammen Lümmel”, “Männer sind morgens oft viel zu müde zum Bumsen”), Hausfrau Claudia sucht muschhänderingend einen Mann, der ihr beim Backen, die Sahne vom eher schlaffen Körper leckt und die Prostituierte Kelly erzählt davon, wie sexgeil sie ist. Und davon, dass Kunden, bei denen sie Spaß hat, auch nicht bezahlen müssen.

Dabei langweilt “Private Peepshow” den geneigten Leser niemals mit zu viel Information. Jede Geschichte ist pointiert in wenigen Zeilen erzählt. Im Mittelpunkt – der Name ist Programm – stehen Bilder. Bilder von Frauen, wie Dir und mir.

Da darf eine Frau wie die Mutti beim Fotoshooting mit ihrer Tocher (“Wir wollen es mal zu dritt treiben”) in der Sauna Hängetitten haben oder auch mal keine, wie nylon-geile Nora (“In Nylons komme ich mehrmals zum Höhepunkt”).

“Private Peepshow” ist ein Blick in deutsche Schlafzimmer (“Scharfe Hausfrauen treiben es mit ihrer Nachbarin”), der uns vor Augen führt, wie es in anderer Leute Betten aussieht. Das Magazin beschönigt nichts (“Dauer-Liebhaberin Andrea stöhnt: Mehr als vier Männer schaffe ich nicht im Bett”) und unternimmt nicht den Versuch, die Augen vor den alltäglichen Gelüsten zu verschließen (“Edwin (45) aus Husum gesteht: Ich bin süchtig nach scharfen Frauenfüßen”).

Dabei widmet sich der SPN-Verlag konsequent auch der Nachwuchsförderung. “Bahn frei für eine echte Sexbombe” heißt der Beitrag über Fiona, die gestern noch ein SMS-Girl war und dank gezielter Förderung durch das Magazin morgen schon in Erotik-Filmen zu sehen sein wird (“Es soll aber kein Porno-Film werden – darauf legt Fiona wert: ‘Es soll ansprechend und lustfördernd sein – kein platter Porno!’ … ‘Dann werde ich noch berühmter! Jetzt erkennen mich die Leute schon auf der Straße – so fühle ich mich wie ein echter Star!’”).

Eine Erfolgsgeschichte, die der Dame auf den Folgeseiten (“Die blone Dunja ist dauerfeucht: Zum Vorspiel bleibt die Strumpfhose an!”) womöglich noch bevorsteht.

Die Volkstümlichkeit, die Nähe zum Leser, die Förderung junger Talente – mit alledem folgt “Private Peepshow” der Tradition des Verlages, der mit seinem Haupt-Titel, den Sankt-Pauli-Nachrichten auch SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust einst eine publizistische Heimat gab. Eine gute Zeitschrift.

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10 comments on “Zeitschriften im Test: Private Peepshow

  1. Mann² sagt:

    Excellent. Ich glaube das ist einer der besten Reviews die ich hier bisher gelesen habe (sorry Franzi).

  2. dekan sagt:

    Applaus! Das war super.

  3. Marcus sagt:

    Ich sags ja auch nur ungern. Aber der Herr Sebas macht seine Sache hier wirklich sehr gut. Und er scheint auch verdammt viel Spaß an den Zeitschriften-Tests zu haben.

  4. Fronk sagt:

    Wird das Titelbild mit Paint gelayoutet? Ich weiß es zwar eigentlich nicht, aber ich behaupte mal dass die anderen Blätter im Erotikwald sich ein wenig mehr Mühe geben.
    Dennoch würde ich gerne mal sehen wie die Sex-Post abgeht, denn darunter kann ich mir nun beim besten Willen überhaupt nichts vorstellen.

  5. Sebas sagt:

    Marcus: Nein, Spaß macht das nicht. Aber es muss getan werden. Und einer muss es ja tun.

    Fronk: Tut mir leid, ich wollte gerade nachsehen. Aber die Seiten sind verklebt.

  6. franziska sagt:

    Herr Mann2: Frechheit!

  7. Frank sagt:

    Ein Witz für diese Zeitschrift:
    Women`s like a hurricane. When she`s come, she`s wet `n wild and when she`s going, she take away your house and car.

  8. Sandra sagt:

    ja ein kostenloser bzw gratis chat w.w.w.coldtube.c.o.m

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