Das Eva-Dings. Plädoyer für mehr Einsicht.

So. Setzen wir uns doch mal im Kreis hin und reden mal ernsthaft über Eva und ihr Prinzip. Ich finde das, was sie sagt, ja nur so halbverkehrt. In der Analyse gebe ich Frau Herman nämlich durchaus recht. Niedrige Geburtenquoten in höheren Einkommensschichten, soziale Verwahrlosung – das alles findet ja tatsächlich statt.

Und ich glaube auch, meinen zu dürfen, dass sich in der Tat viele Frauen vollkommen von ihrer Doppelrolle überfordert fühlen. In einer Welt männlicher Rituale sollen Sie Karriere machen, ohne stutenbissig zu wirken und zu Hause sollen sie zurück in ihre Frauenrolle finden und den Haushalt schmeißen, ohne bei alledem die Kinder zu vernachlässigen.

Die Emanzipation in ihrer jetzigen Phase ist kein Erfolgsmodell.

Aber.

Da gibt es nun eine Weggabelung. Frau Herman plädiert für den geordneten Rückzug. Was hunderte von Jahren gut gegangen ist, kann ja nicht falsch sein. Meint sie. Es ist der alte Adenauer-Konservatismus “Keine Experimente”. Sie ist ein Schisser, der zurück ins warme Nest will.

Soll sie doch. Ich glaube, sie liegt mit ihren Konsequenzen aus der durchaus richtigen Zustandsbeschreibung falsch.

Ich glaube, das Gegenteil ist richtig. Die Fortschreibung der Emanzipation hin zu einer wirklichen Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und mal Hand aufs Herz. Hier glaubt doch wirklich niemand, dass die auch nur annähernd existiert?

Frauen werden diskriminiert, wo Männer einst allein regierten. Und Männern widerfährt Diskriminierung, wo sie in klassische Frauenrollen einsteigen.

Was hält denn die Abteilung von einem Chef, der sich eine einjährige Baby-Pause gönnt? Wie finden wir dass denn, wenn ein junger Mann sich im Kindergarten um unseren Nachwuchs kümmert? Sind wirklich alle Flugbegleiter schwul? Und steht der “Hausmann” nicht einfach nur unter dem Pantoffel seiner Frau? Die Liste ist beliebig verlängerbar. Kurzum: Es wird Männern nicht einfach gemacht, den Frauen ihre historisch gewachsenen Pflichten abzunehmen.

Das aber wäre nötig, um eine wirkliche Gleichberechtigung herzustellen. Kein Mensch kann alles gleichzeitig unter einen Hut bringen. Das ganze Leben ist Substitution. Wenn Frauen mit allen Konsequenzen Karriere machen wollen, dann bedarf es Zweierlei: Dann brauchen wir Männer, die ihnen Aufgaben abnehmen. Und wir brauchen eine Gesellschaft, die Frauen zulässt.

Denn auch dass wollen wir doch mal nicht unter den Teppich online casino kehren. Junge Frauen könnten Kinder kriegen und haben damit ein hohes Ausfallrisiko, sind also nur zweite Wahl bei der Besetzung von Jobs. Mittelalte Frauen ohne Kinder hören die biologische Uhr schon ticken, Gefahr Schwangerschaft. Mittelalte Frauen mit Kindern haben Kinder, die krank werden können. Ständige Ausfälle. Also nur zweite Wahl.

Und wenn sie es doch geschafft haben, finden sie sich in einer Welt männlicher Rituale wieder. Männer kommunizieren anders, die bestimmen ihre Postition anders, die tragen Konflikte anders aus. Sie nehmen einen anderen, einen pavianöseren Weg nach oben, wo Frauen eher leise pragmatisch agieren würden.
Frauen, die sich dieser Männlichkeit zu entziehen versuchen, bleiben auf dem Weg nach oben zwangsweise hängen. Wer an der Macht partizipieren will, muss ihre Rituale kennen, verstehen und anwenden. Frauen, die sich dem anpasse, landen schnell in der Stuten-Schublade, gelten als tendenziell hysterisch und im Zweifelsfall auch als Karriere-Frauen.

Und das ist ja nun wirklich eine ganz schlimme Vokabel, die gern mit einer zweiten solchen, der Rabenmutter nämlich, einhergeht. Und hier zeigt sich das Dilemma. Männer, die Karriere machen, sind Männer. Den Begriff Rabenvater hört man eher selten.

Solange sich eine Frau vor Kolleginnen und Kollegen rechtfertigen muss, dass sie ihr Kind noch vor Vollendung des dritten Lebensjahres in eine Betreuung gibt (und das ist ja gleich noch ein ganz eigenes Thema), ist die Gesellschaft nicht soweit, wie sie eigentlich sein sollte.

Und das ist die eigentliche Herausforderung. So wenig, wie Menschen sich durch eine Hautfarbe qualifizieren, so wenig qualifizieren sie sich durch ein Geschlecht. Wer allen gleiche Chancen einräumen will, muss die soziale Infrastruktur dafür schaffen. Inwieweit Menschen ihre Potenziale ausschöpfen, sich entwickeln und beweisen können, ist vielmehr von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig.

Die zu verändern, weiter in Richtung tatsächlicher Gleichberechtigung zu treiben, könnte die andere Konsequenz aus der korrekten Zustandsbeschreibung sein. Ich halte die Diskussion darüber für wichtig. In Wahrheit aber verschließt man die Augen vor dieser Notwendigkeit, in dem man Eva Herman einfach nur als dummes Sumpfhuhn abtut.

15 comments on “Das Eva-Dings. Plädoyer für mehr Einsicht.

  1. Danny sagt:

    Klasse! Das ist genau das, was ich in den letzten Tagen beim Lesen der Artikel zum Thema vermisst habe. Ganz meine Meinung! Warum traut sich sonst niemand das auszusprechen?

  2. mark793 sagt:

    Diesen sehr vernünftigen Beitrag kann ich als Hausmann und praktizierender Papi nur unterschreiben. Gleichwohl habe ich nach wie vor den Verdacht, dass Eva Hermann nicht ganz zurechnungsfähig ist.

  3. HinRichter sagt:

    Da hast du auf jeden Fall ein paar gute Punkte angesprochen. ie Gleichberechtigung ist halt so eine Sache, weil die Menschen ja Individuen sind. Ich denke mal, in 15-20 Jahren haben sich dann auch die letzten engstirnigen Altmanager aus den Führungspositionen in den Ruhestand verkrümelt, dann wird das schon besser werden.
    Allerdings muss ich sagen: ihr Frauen habt da auch einiges an Intoleranz getankt.
    ich habe 4 Monate in einer Frauenfirma gearbeitet und habe dann fluchtartig gekündigt. Bei denen war halt alles auf weiblichen Denkstrukturen aufgebaut. Für die Damen sicherlich sehr effektiv, für mich war es aber nicht umsetzbar. Nachdem dann mehrfach der Befehl kam, ich solle gefälligst alles so machen wie gehabt, hatte ich die Schnauze voll.

  4. BelleNoir sagt:

    einfach mal *Applaus*

  5. Henriette sagt:

    Unterschreibe ich ebenfalls aus vollem Herzen. Chapeau!

  6. Amina sagt:

    Stimmt, vor allem die Sache mit dem Chef, der ein Jahr Babypause macht, finde ich am frappierendsten. Der könnte sich doch nicht mehr ernsthaft in seinem Betrieb behaupten, wenn das Jahr vorbei ist. Ich frage mich nur, wie dieser Wandel der Einstellung der Öffentlichkeit zu diesem Thema stattfinden soll. ich habe bisher nicht den Eindruck, dass die Politik da die notwendigen Grundlagen ebnet.

  7. Dave-Kay sagt:

    hmm..wo fange ich an?
    Ich kann all diese Gedankengänge nachvollziehen und wieder nicht. So lange ich denken kann, habe ich mehr Frauen um mich gehabt als Männer, weil ich mit Frauen immer besser klar kam. Ich mag die wenigsten Männer, am wenigsten die, die diese Rollenverteilung leben und noch weniger die, die ihren Argumentationen im Streben nach Macht folgen. Ich verabscheue die Ellbogenmentalität im Job (das schlimmste Ellbogenvieh in unserem Stall ist aber weiblich) Also kurz, ich lebe eher in einer Frauenwelt. Gleichwohl bekomme ich Parameter wie männlich, zuweilen machohaft, oder nach Coolness bestrebt angehaftet, für mich nicht nachvollziehbar, aber sei\’s drum, egal.
    Worauf ich aber hinaus will, ich denke, ich bin so wie ich bin, weil ich von einer Mutter erzogen wurde, die den Unterhalt sehr wohl mitbestreiten musste.

  8. Dave-Kay sagt:

    ah..könnten sie den kommetar bitte editieren? das wichtigste fehlt..html und so.

  9. franziska sagt:

    Hab ihn editiert, war aber kein html zu finden, deshalb wäre ein Hinweis nett, was ich noch so verändern soll :)

  10. Dave-Kay sagt:

    dann ist wohl alles nach der Klammer verloren gegangen. Ich wollte auch nur sagen, dass die Männer immer noch von Frauen erzogen werden, der Rest ist in der Zwischenzeit nicht nur im Internet verloren gegangen :)

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