Mai #28, San Francisco

Kalifornien. Je länger ich hier bin, desto mehr wird mir bewusst, wie sehr mich diese Gegend in meinem bisherigen Leben schon begleitet hat. Unzählige Western habe ich früher gesehen, von denen viele hier gedreht worden sind, Bonanza wurde zwar in Nevada gedreht, aber liegt ja zumindest hier um die Ecke und hat was mit dem ganzen Gold-Wahn zu tun. Jetzt also San Francisco, Gründungsort von Levi’s (irgendwann in den 90ern war die 501 die hippste Jeans, erinnert sich da noch jemand dran?), Hippie-Bewegung, Namensgeber für diesen Scott-McKenzie-Song, den ich jetzt nicht zitiere, weil ihr sonst alle mit einem Ohrwurm endet, Cable Cars und aus neuerer Zeit der Heimatort für hippe Start-ups wie Twitter oder Internet-Größen wie Apple und Facebook.

San Francisco. Endlich Sonne und T-Shirt-Wetter.

Ich entscheide mich, mich am ersten Tag erst einmal ein bisschen durch die Stadt treiben zu lassen. Startpunkt ist der Union Square, die Shopping-Gegend. Macy’s, Bloomingdales, Urban Outfitters, Banana Republic, Gap, Abercrombie & Fitch – alle haben hier ihre Filialen. Ich bin nicht wirklich in Shoppinglaune, weshalb ich mich entschließe, erst einmal zu schauen, was auf der anderen Seite des Hügels liegt. Und obwohl ich vorgewarnt wurde: Ich mache mich zu Fuß auf den Weg, habe ja schließlich am Tag zuvor einen Berg bestiegen, da wird mir das Erklimmen dieses Hügelchens mit links gelingen.

San Francisco

Natürlich ist der Weg anstrengender als gedacht. Mich überholen die Cable Cars, die ich zur Strafe ausgiebig fotografiere, ich durchquere Chinatown, wo ich mir lebendige Fische, Riesen-Äpfel und exotisches Gemüse anschaue und komme irgendwann an den Washington Square, der umgeben von netten Cafés liegt – italienischer Flair. Der erste Eindruck: schöne Stadt. Wenn auch ein bisschen unpraktisch gelegen.

Powell Street

Pier 39 ist die Hölle. Doch weil wir uns am Abend dort noch einmal zum Mittagessen treffen wollen, versuche ich meine Vorurteile klein zu halten und gebe Fishermans Wharf auch noch eine Chance, die eigentlich nicht verdient ist. Unzählige Shops, in denen man billige Fleecejacken, Outdoorjacken, Pullover oder T-Shirts mit der Aufschrift „San Francisco“ kaufen kann. Oder Sonnenbrillen, Süßigkeiten, Postkarten oder sonstige Mitbringsel. Obwohl es in jedem Laden das gleiche Angebot gibt, ist der Fußgängerweg überfüllt. Mich am Nachmittag am Wasser aufhalten zu wollen, war keine gute Idee.

Cable Car

Und die Idee, mit dem Cable Car wieder auf die andere Seite des Hügels zu fahren, war auch eher mittel. Vor der Haltestelle ist eine riesige Schlange und am Fahrkartenschalter steht ein Schild: 45 Minuten Wartezeit. Ok, dann nicht. Der 30er Bus fährt um die Ecke ab und nimmt mich mit.

Alcatraz

In der Union-Square-Gegend schaue ich mich dann halt noch ein bisschen um. Ich entdecke den Apple-Store und spiele mal kurz auf einem iPad herum, entdecke Schuhläden (Camper!) und genieße ein bisschen die wärmende Sonne. Gab es ja ne Weile nicht.

Fishermans Wharf

Um zum Dinner zu gelangen, setze ich diesmal nicht auf meine Füße, die müssen ja noch ein paar Tage durchhalten, sondern auf ein Cable Car. Ein bisschen schockt mich die Besessenheit der Touristen, möglichst stehend das entgegenkommende Cable Car zu fotografieren – mit vollem Körpereinsatz und höchster Nähe zu dem entgegenkommenden Gefährt. Ich fotografiere stattdessen sitzend.

Robben am Pier 39

Nach dem Essen höre ich den Gesängen der Robben am Pier 39 zu (ja, ich weiß, das war jetzt sehr romantisiert, ich könnte auch schreiben dem Geschrei der stinkenden Robben) und werfe einen Blick auf die Golden Gate Bridge. Sonnenuntergang inklusive.

Mai #27, Yosemite

Am Abend haben wir erfahren, dass der Ranger im Yosemite Park es nicht sonderlich mag, wenn man zu spät kommt. Doch pünktlich zu sein, ist nicht immer einfach. Die geschätzten Fahrzeiten der amerikanischen Kollegen weichen bereits seit Tagen immer sehr stark von den tatsächlichen ab. Auch wenn wir versuchen, pünktlich zu sein, werden aus den geschätzten 30 Minuten locker 50. Und der Ranger schimpft auch gar nicht.

Wasserfall

Auf dem Programm stehen zwei Stunden wandern. Nur ein Nordlicht wie ich kann davon ausgehen, dass es sich dabei um einen ebenen Rundgang handelt. Schon nach wenigen Metern geht es hinauf, die Steigung ist ordentlich, allerdings nicht vergleichbar mit dem, was da noch auf mich zukommt. Wir laufen die ersten beiden Etappen des Sierra Trails, ein sehr ausgebauter und offenbar extrem beliebter Wanderweg durch den Yosemite Park. Das Ziel: der Nevada Wasserfall. Der Weg: beschwerlich. Aus dem gepflasterten Weg wird schnell ein steiniger Untergrund, irgendwann zu Treppen gehauen – unterschiedlich hoch, so dass wirklich alle Muskeln beansprucht werden. Dann wird es nass, weil wir uns dem Wasserfall nähern, die letzten 100 Meter Luftlinie werden die anstrengendsten, die Beine sind mittlerweile Gummi, ich schwitze und heitere mich auf, in dem ich mir die tollen Regenbogen anschaue, die ständig entstehen. (Ja, Sonne! Finally!)

Regenbogen

Der Weg hinunter ist ähnlich beschwerlich, da Beine aus Gummi nicht unbedingt die beste Voraussetzung sind, hohe Treppen hinunterzusteigen, ohne dabei auf die Nase zu fallen. (Es gelingt, wie der geneigte Leser mittlerweile ahnen wird.) Ich muss sicherlich nicht dazu sagen, dass die Pizza im Tal sehr sensationell geschmeckt hat. Zur Feier des Tages dazu eine Diet Coke getrunken.

Yosemite Valley

Wer seine unteren Extremitäten beim Wandern fordert, muss am Nachmittag für Ausgleich sorgen: mein Oberkörper wurde beim Rafting trainiert. Und auch die heiße Dusche am Abend war die beste, die ich seit langem gehabt habe.

21 Uhr: im Bett.

Mein erstes Mal: Rafting

Eigentlich kenne ich Rafting bisher nur im Zusammenhang mit BWLer-Sprech. „Der Erfolg eines Unternehmens basiert im wesentlichen auf seinen Mitarbeitern.“ „Ein Team performt nur gut, wenn man die Fähigkeiten jedes einzelnen Teammitgliedes perfekt aufeinander abstimmt und abruft.“ Blablabla. Was aber helfen soll, um den Zusammenhalt im Team zu fördern, ist Mannschaftssport. Mittlerweile gehen viele auch in die Wildnis und üben sich im Surviven. So ähnlich habe ich mich auch gefühlt nach der ersten Stromschnelle, die einige von uns beinahe aus dem Boot katapultiert hätte.

Der Merced River schlängelt sich vom Yosemite Park entlang der Straße (ok, eigentlich andersrum) nach Mariposa. Das Wasser stammt aus dem Park, Tauwasser, Regenwasser – das je nach Jahreszeit für einen hohen oder eben niedrigen Wasserstand sorgt. Wenn der Sommer sehr trocken ist, versiegen im Yosemite Park die Wasserfälle und dementsprechend schwierig gestaltet sich dann das Rafting auf dem Merced River. Da das Wetter in Kalifornien in diesem Jahr eine ähnlich schlechte Performance wie das deutsche Wetter (some call it the „Kachelmann-Effekt“) hingelegt hat, ist der Fluss gut gefüllt. Beim Umziehen freue ich mich, dass der Regen wenigstens jetzt mal eine Pause macht, so dass ich nicht schon nass werde, bevor ich auf dem Wasser bin.

Als Alitia die Sicherheitsregeln erklärt, bekomme ich Muffensausen. Offenbar geht sie davon aus, dass wir alle schon einmal über das weiße Wasser geheizt sind. Soll ich mich melden und sagen, dass meine einzige Erfahrung, die irgendwie in diese Richtung geht, die Kanutrips sind, die ich zwischen meinem 13. und 15. Lebensjahr unternommen habe? Ich entscheide mich dagegen, checke aber bei den Kollegen ab, wie wahrscheinlich es ist, dass einer von uns über Bord geht, gerettet werden muss oder das Boot sich komplett überschlägt. Die Erfahrungen sind gemischt, nur haben sie alle eines gemeinsam: Geraftet wurde meistens bei Sonnenschein, so dass man sich sogar freiwillig in das eiskalte Wasser begeben hat.

Es sind höchstens 13 Grad, als ich das Boot betrete. Wir üben die Aktionen: vorwärts, rückwärts, Rechts- und Linkskurve, alle nach links, alle nach rechts und von vorn. In diesem Moment sind meine Füße bereits zu Eisklumpen geworden – die so genannten Wasserschuhe halten, was sie versprechen.

Dann geht es los. Alitia zeigt uns gleich bei der ersten Stromschnelle, wie wichtig der Teamgedanke (Sic!) ist. Wenn sie vorwärts sagt, dann müssen wir vorwärts paddeln, auch wenn wir vor Ehrfurcht vor der großen Welle erstarren wollen. Na gut. Die einzelnen Schnellen tragen alle Namen, von denen ich die meisten schon wieder vergessen habe. Einer war auf jeden Fall „Balls to the Wall“ und einen anderen haben wir umbenannt, weil es auf dem Weg dahin so gerauscht hat wie eine weit entfernte Autobahn (guess the new name).

Nach einer halben Stunde haben wir es raus: Wir rudern vorwärts, in Kurven, rückwärts – und bleiben trotzdem irgendwann an einem Stein hängen, so dass wir sogar den „Alle-nach-links-rüber“-Move performen dürfen. So richtig bewusst wird mir der Ernst der Lage erst, als ich ins Gesicht von Alitia schaue: ausgeprägte Sorgenfalte auf der Stirn in Kombination mit Stieraugen. Die Arme.

Nachdem sie uns gerettet hat, vergesse ich so langsam die Kälte („Füße? Sicher, dass ich auch sowas habe?“) und beobachte mit Interesse, wie ich von Stromschnelle zu Stromschnelle nasser werde. Wasser läuft mir über den Kopf und kitzelt, doof nur, dass da der Helm ist. Irgendwann spüre ich, dass das Flusswasser auch meine Unterwäsche erreicht hat. Herrjeh. Die Landschaft ist atemberaubend. Berge säumen den Weg, Hänge mit Feldblumen, Feigenbäume am Wasserrand. Für die vorbeifahrenden Touristen sind wir eine große Attraktion. Wir werden kräftig angehupt, bewunken, begafft.

Und am Ende des Trips passiert es dann doch: Wir nähern uns rückwärts dem Ufer, um aus den Booten auszusteigen und bleiben an einem Stein hängen. Wer errät, welche Person aus dem Boot die Chance ergreift, über Bord zu gehen? I don’t wanna talk about it.

Mai #26, Tuolumne

Ich wusste bisher nicht, dass Kalifornier auch backen können. Seit dem Frühstück im „Gunn House“ werde ich sie aber auch dafür in Erinnerung behalten. Hier gibt es nämlich vor allem Kuchen zum Frühstück. Carrot Cake (hab ich nicht probiert), unzählige Sorten Muffins, Obstkuchen und ein Schokoladenkuchen, den man sich wirklich allerhöchstens zum Frühstück leisten kann – göttlich.

Erst auf dem Parkplatz bemerke ich, dass das W-Lan, das eigentlich auch auf dem Zimmer funktionieren soll, hier perfekt funktioniert. Nur einer der vielen Momente, in denen man über einen Internetzugang verfügt, zum Telefonieren aber keinen Empfang hat. Nicht dass ich es will, aber die Möglichkeit zu haben, ist grundsätzlich nicht so schlecht.

Columbia State Park

Der erste Stop ist der Columbia State Park, noch einmal Geschichte, noch einmal alte Goldzeit. In dem Park gibt man sich sehr viel Mühe, zu zeigen, wie das Leben damals so war. Wie hunderttausende in die Gegend kamen, auf der Suche nach Gold. Aus allen möglichen Ländern. Wie sie ihr Glück versuchten und dann doch auch andere Dinge machten. In dem Park laufen alle in Kleidung von früher rum, die Häuser sind toll hergerichtet. Ich fühle mich ein bisschen wie in einem der Western, die ich vor Jahrzehnten mal gesehen habe. Der schönste Moment: Ein sehr süßes älteres Ehepaar erzählt von den Deutschen, die da angekommen sind. Der Mann hat deutsche Wurzeln und spricht ein perfektes Deutsch und er erzählt so herzlich und begeistert, dass ich zwischendurch beinahe vergesse, worum es eigentlich geht. Im wahren Leben ist der Mann Rentner, er macht diese Auftritte ehrenamtlich, wie so viele hier in der Gegend. Ein anderer trug sogar einen Orden an seiner Brust: 5500 Stunden hat er bereits an ehrenamtlicher Arbeit geleistet.

Saloon, Groveland

Mittagessen in Groveland, einem kleinen Ort, der leider nicht viel zu bieten hat – außer den ältesten Saloon. Ich bin nicht sonderlich beeindruckt, finde aber die an der Decke hängenden Geldscheine lustig – kennt man ja auch aus Filmen. Das Essen im Groveland Hotel gereicht – ein Hotel, in dem ein Geist haust, der den Namen Lyle trägt.

Me @Yosemite Park

Ich bin froh, dass wir den Rückweg nicht über diese sehr serpentinige Straße nehmen, sondern durch den Yosemite Park fahren. Das dauert zwar deutlich länger, da uns allen aber schon auf dem Hinweg schlecht geworden ist, ist das die richtige Entscheidung. Auch weil der Blick atemberaubend ist. Wald, Berge, Wasserfälle, der Merced River – tolltolltoll.

Mariposa

In Mariposa angekommen geht es zum California State Mining and Mineral Museum und danach in einen kleinen Laden, in dem seit ein paar Jahren selbstgebrautes Bier ausgeschenkt wird. Ich überlege gerade, auf welche diplomatische Art und Weise ich über die Qualität der vier Biersorten schreiben sollte, ich kann nicht einmal schreiben, welches ich am besten bzw. schlechtesten fand. Es ist dünn, zu süß und mit seltsamen Abgang. Wein können die Kalifornier definitiv besser.

Und dann freue ich mich schon einmal auf den nächsten Tag. Es geht so richtig in den Yosemite Park. Natur!

(Sollte irgendwer da mal in der Gegend sein und ein gutes Essen essen wollen, der sollte sich vom rustikalen Stil im Yosemite Bug nicht abschrecken lassen und dort Dinner zu sich nehmen. Wirklich!)

Mai #25, Gold

Der Morgen startet mit hektischem Frühstück (ich wähle die gesündere Variante mit Obst, Müsli und Joghurt). Die Amerikaner machen sich aus dieser Mahlzeit nicht sonderlich viel, das bemerke ich viel mehr als an der Ostküste. Da Frühstück meine Lieblingsmahlzeit ist, bin ich angemessen irritiert, lasse mir aber nichts anmerken.

Sutter Fort

Der Tag steht im Zeichen des Goldes. Erster Stopp ist das Fort von John Sutter. Ein ausgewanderter deutscher Geschäftsmann, der eine Art Marktplatz für den Warenaustausch schuf und dessen Angestellter das erste Gold in Kalifornien gefunden hat. Das Fort ist sehr schön hergerichtet, Kinder können die alte Zeit erleben, wenige Minuten nach uns trifft auf dem Gelände eine Horde Schulkinder ein, die den Tag dort verbringen wird.

Es ist lustig, wenn die Kalifornier hier immer davon sprechen, archäologische Ausgrabungen getätigt zu haben, wenn sie meinen, dass sie sich durch den Schutt der vergangenen 150 Jahre gewühlt haben. Andererseits ist es toll zu sehen, wie ernsthaft sie mit ihrer noch jungen Geschichte umgehen, wie sie alles konservieren wollen.

Marshall's Mill

Es geht weiter zu dem Ort, wo 1848 das erste Gold von einem gewissen Marshall gefunden wurde. Ich darf nach Gold suchen, wenn auch nicht im American River sondern in den dafür vorgesehenen Holzbottichen (wegen des Erfolgserlebnisses, denke ich). Das ist aufwändig, lässt mich aber gut nachvollziehen, dass es die Leute damals süchtig gemacht hat. Goldfieber ist also ein durchaus treffender Begriff.

In der Goldmine

Der nächste Stopp: eine stillgelegte Mine. Der Guide ist großartig – 64, mit grauem Rauschebart, Bergarbeiterkluft – ein echtes Original, der aus dem Leben der Mine und seinem eigenen erzählt. Es ist mir egal, ob er wirklich einmal 70 Stunden unter Tage auf Hilfe gewartet hat, der Typ ist großartig.

Klapperschlangen

Sowieso ist dieser Tag ein Tag der großen Kerle. Es geht weiter zu Mr. Kautz und seinem Weingut, Ironstone. Ein Typ, der ganz klein angefangen und sich hochgearbeitet hat. Erst Gemüse angebaut, mittlerweile besitzt er ein riesiges Gebiet, richtet Hochzeiten aus, veranstaltet Konzerte und betreibt ein Museum. Die Gigantomanie liebend stellt er dort den wohl größten Goldnugget Kaliforniens aus, der wohl irgendwann mal auf einen Wert von 3,5 Millionen Dollar geschätzt worden war. Das krasseste an seinem Anwesen ist allerdings die Riesen-Orgel, die er sich in einen der Säle gebaut hat, um Stummfilme mit der geeigneten Musik zu zeigen (und ganz nebenbei Wein zu verkaufen). (Der Zinfandel ist ganz lecker, der Chardonnay enttäuschend.)

Der Abend endet in Sonora und Jamestown, in dem ersten Ort steht das Übernachtungshotel (süß, teddybärig mit sehr vielen Kissen und einer Seife, die nach Orange riecht und die Hände seidenglatt macht), im zweiten das Dinner (sehr lecker). In der Gegend wurden viele Filme gedreht, „Zurück in die Zukunft“ und so, die Namen der Schauspieler, dir dort schon genächtigt haben, habe ich vergessen und müsste ich erst nachschlagen.

Im Bett schaue ich „Oprah“ und das Finale von „Dancing with the Stars“. Dann Tiefschlaf.

(written on my iPhone)

Mai #24, Sacramento

Um 5.32 Uhr wach gewesen.

Capitol

Nach dem Frühstück dem Capitol durch den Park genähert. Eichhörnchen, Palmen, sehr viel Grün, und auf jedem Baum steht der Name, so dass man auch noch was lernen kann. Der Weg zum Regierungsgebäude ist perfekt inszeniert – zahlreiche Denkmäler – Vietnam, ehemalige Gouverneure, wenn ich das richtig gesehen habe – und zur Zierde hübsche Orangenbäume. Natürlich gibt es einen Sicherheitscheck und dann stehe ich schon vor dem Büro von Arnold Schwarzenegger. Ein dicker goldenfarbener Bär steht davor, gemeinsam mit einem Sheriff (mit goldenem Stern und Hut!) bewacht er das Büro. Rein darf man nicht und angeblich sind die Visitenkarten gerade aus – wegen der Wirtschaftskrise und der Neuwahl in Kalifornien werden angeblich keine neuen mehr gedruckt. Trotzdem habe ich wenige Minuten später eine in der Hand. Im Capitol gibt es übrigens freies W-Lan (so dass ich mich bei Foursquare und Gowalla einchecke, und sehe, dass Arnold Schwarzenegger NICHT Mayor ist).

Capitol

Weiter geht es zum Crocker Museum, Kunst wird da ausgestellt. Das Museum hat montags geschlossen, trotzdem dürfen wir einen Blick hineinwerfen. Ein modernes Gebäude wird Oktober eröffnet, am 10.10. von 10 bis 10, das alte im viktorianischen Stil, schwere Teppiche, viel Holz, tolle Bilderrahmen. Ich lerne, dass man Bilder im Salon-Style aufhängen kann und finde diesen gut. Das moderne Gebäude ist sehr hell, man spielt mit dem Lichteinfall und milchigen Scheiben, die das alte Gebäude wie gemalt wirken lassen. Das mag ich sehr.

Brücke

Entlang des Flusses gehen wir nach Old Sacramento, vorbei an einer sehr schicken Brücke hinauf auf ein Schiff, wo wir lunchen. Vor dem Schiff werde ich gefragt, ob ich ein Pärchen fotografieren kann, was ich natürlich sehr gerne mache. Warum das Schiff so besonders zu sein scheint, erklärt später die PR-Frau – Heiraten kann man da mit anschließender Übernachtung in der Captain-Suite. Ansonsten dient das Schiff auch als Hotel.

Captain Suite @Delta King

Old Sacramento erinnert mich an alte Cowboy-Filme. Flache Bauten, die natürlich extra so hergerichtet sind, große Schilder hängen an den Geschäften, der Bahnhof wirkt ebenfalls wie ein Museum. Wirklich schön, aber auch ein bisschen künstlich, weil doch alles perfekt restauriert ist. Eine begeisterte Historikerin zeigt, dass die Stadt einmal viel tiefer lag und deshalb mittlerweile über unterirdische Gänge verfügt, ehemalige Fenster sind mittlerweile zugemauert.

Old Sacramento

In meinem Reiseführer steht, dass das Railroad Museum eines der größten und tollsten von Nordamerika ist und das stimmt sicherlich auch. Alles ist opulent mit Liebe zum Detail hergerichtet und die Jungs in unserer Gruppe laufen die ganze Zeit mit leuchtenden Augen und gezückter Kamera durch die Zugreihen. Toll finde ich, dass ich durch einen Schlafwagen laufen kann und die typischen Zugbewegungen auch perfekt nachempfunden werden.

Railroad Museum

Bei jedem der Ausstellungsstücke sitzt ein älterer bis alter Herr, der Details zum besten geben kann, wenn man ihn fragt. Ich habe das Gefühl, dass sie alle ihre Züge sowas von gern haben. Die meisten von ihnen sind Freiwillige, die zwei bis drei Tage im Museum verbringen. Muss dringend mal rausfinden, ob sie sich auf diesem Weg auch ein bisschen ihre Rente aufbessern oder ob es sich dabei wirklich nur um einen Zeitvertreib mit großer Liebe zu den Ausstellungsstücken handelt. Am Eingang zeigt ein anderer älterer Herr, wie vor 80 Jahren der „Sacramento Bee“, die ansässige Tagezeitung gedruckt worden ist. Unsere Reiseführerin zur Lage vor Ort: Der Webseite gehe es hervorragend, der Zeitung nicht besonders. Bin gespannt, wie das in den anderen Orten hier so sein wird.

Railroad Museum

Abendessen im Hyatt-Hotel, das gleich gegenüber vom Capitol liegt. Angeblich die Unterkunft von Schwarzenegger – seit Ronald Reagan übernachte keiner der Gouvernors mehr im Regierungsgebäude – die PR-Dame will diese Gerüchte weder bestätigen noch dementieren. Der Chef des Hotels – selber Deutscher – fragt, wie es dem Euro und Frau Merkel gehe. Und das bevor er danach fragt, aus welchem Ort man denn komme. Das bereitet mir Sorge.

(Mehr Bilder gibt es hier.)

Mai #23, fliegend

Dallas-Sacramento

Um 10.55 Uhr in Frankfurt in den Flieger gestiegen, nach zehn bis elf Stunden in Dallas gelandet. Dort die Einreise, die so lange dauerte, dass ich schon während des Boardings am anderen Gate ankam und sofort und ohne In-der-Schlange-Stehen in den nächsten Flieger steigen konnte. Dann nochmal vier Stunden, bis ich um 18 Uhr in Sacramento landete und unsere Gruppe dort sehr freundlich in Empfang genommen wurden.

Auf dem längeren Flug saß ich neben einer ungarischen Gewichtheberin, die mit ihrer Mannschaft auf der Reise zur Weltmeisterschaft war. Sowieso war das Flugzeug voll von denen, denn ein paar Mitglieder der norwegischen Mannschaft saßen ein paar Reihen weiter auch noch da. Schon komisch, dass man über Fußball-, Handball- und Eishockey-Weltmeisterschaften so gut Bescheid weiß, über die im Gewichtheben aber nicht. Leider war sie auch nach dem Aussteigen so schnell weg, sonst hätte ich ihr noch viel Erfolg (noch zweimal umsteigen, die Armen) gewünscht.

Während des Fluges Trash geschaut. „Valentinstag“, „Bride Wars“ und „When in Rome“, jeder einzelne Film verdient einen Mini-Verriss, weshalb ich hier nicht viel mehr über sie schreibe. Gebe aber zu, dass bei „Valentinstag“ ein paar Tränen kullerten (Das war aber schon auch sehr rührend, dass Julia Roberts einen so langen Flug auf sich nimmt, nur um ihren kleinen, verliebten Sohn in die Arme zu nehmen..). Vielleicht lag es ja auch einfach an der Stimmung im Flieger.

Ich hatte mich ehrlicherweise sehr darauf gefreut, beim Erreichen der USA auf dem Monitor vor mir zu schauen, wo wir gerade langfliegen. Beim Abendessen dann aber erfahren, dass diese Funktion im Monitor nicht zufällig beim Erreichen des amerikanischen Festlands ausgeschaltet war, sondern Sicherheitsgründe dazu geführt haben. Schade, Geographie-Kompetenz wird also auch da geopfert. Dazu passt auch der Spruch des Kellners beim Abendessen: „Belgium? I think that ist somewhere in Europe.“ Glückwunsch!

Am beeindruckendsten: die Strecke, die auf dem vierstündigen, innerländischen Flug folgte. Texas, Colorado, Utah und Nevada überflogen und einen Hammerausblick gehabt. Lustige kreisrunde Kornfelder, die manchmal auch nur dreiviertelvoll waren, später minutenlang keine einzige Siedlung, nur Berge und Flachplateaus, bei Utah oder Nevada dann mal gar keine Sicht wegen Sandverwehungen, in Nevada und Kalifornien sehen, wie Wasser seinen Weg durch das Land gefunden hat – drei Flussarme werden irgendwann zu einem, dieses Entlangschlängeln an Hügeln, toll. Im Anflug auf Sacramento dann riesige Reisfelder (wieder was gelernt) und sowieso riesige Seen.

Ein paar Worte noch zur Internetsituation: AA-Flug Dallas-Sacramento: W-Lan für 8,95 Dollar pro Tag plus die Möglichkeit, elektronische Geräte aufzuladen. Sacramento-Flughafen – freies W-Lan. Marriott-Hotel – freies W-Lan. So muss es halt sein.

Abwesend.

Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob ich in der kommenden Woche einfach mal komplett offline bleibe oder mich doch ab und zu melde. Na, wir werden sehen, wie es mir nach dem langen Flug geht und worauf ich Lust habe. Irgendwann werdet ihr dann schon erfahren, wie mir Kalifornien und San Francisco so gefällt.

Traurige Stellengesuche

Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, dass Online-Journalisten irgendwann nicht mehr als Mann für alle Fälle in Technik-Fragen angesehen werden.

Wer sich dennoch bewerben möchte, hier entlang.

Mai #17

„Mein Mai“ ist eigentlich ein doofer Name für die Tagebuch-Rubrik. Geht irgendwie nicht leicht über die Lippen. Doof nur, dass mir das jetzt, am siebzehnten, auffällt.

17. Mai, der Tag, an dem die Wade der Nation zum Knöchel der Nation wurde. Michael Ballack kaputt und alle drehen durch. So tragisch das WM-Aus für Michael Ballack ist, die ganze Aufregung darum zeigt, wie sehr die Leute sich dann doch wieder auf die WM freuen. Trotz Südafrika und so. Und ich freu mich auch schon. (Wenn jetzt noch der Torsten mitfahren dürfte, hach je.)

Während der „Sendung mit dem Internet“ bei Facebook rumgeklickt und gesehen, dass da schon die ersten Gruppen zu dem Thema unterwegs sind. „82.000.000 gegen Boateng„, „Boateng umhauen!!!!“ (man beachte die vier Ausrufezeichen) haben mich animiert, auch einmal eine Facebook-Gruppe zu gründen. Das war erst gar nicht so einfach, aber dann doch ganz leicht. Wieder ein Haken mehr auf der „Das-erste-Mal-getan“-Liste.

Klar, gibt es Apps for Cats. Und dies hier kennt vermutlich auch schon jeder. Ich hab es erst gestern entdeckt und bin schwer beeindruckt.

Bett.