Spaziergang durch mein Berlin

Manchmal mache ich das. In den letzten Wochen hatte ich mehrfach So Nostalgie-Momente. Damals. Berlin und so. Meine kleine aber feine Hinterhofwohnung am Nikolsburger Platz. Also den Berlinbesuch genutzt für eine Tour durch ein anderes Leben.

Irgendwann ist das Erlebte so lange her, dann erinnert man sich nur noch an ganz bestimmte Dinge. An den Friseur nebenan, aber eben nicht mehr an die kleine Pension im Haus und das persische Restaurant, das heute ein Inder ist. Nicht mehr an den Telekom-Laden an der Ecke (warum auch), die Tankstelle und schon kommt die Erinnerung mit all den schönen Gedanken an Damals zurück.

Der Platz mit der Skulptur. Die Klingelschilder. Die Kirche, auf dessen Turm ich mit einem Studienkollegen gestiegen bin. Bier über den Dächern von Berlin.

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Ich laufe vorbei an dem Griechen. Und denke daran, wie mein Vater mir damals beim Einzug das Badezimmer gestrichen hatte. Einer dieser späten Vater-Tochter-Momente, in denen ich gemerkt habe, dass ich jetzt groß bin, wir unsere Beziehung neu abgesteckt haben. Nach dieser Maleraktion haben wir dort gegessen. Nur er und ich.

Ein Schild. Fünf-Zimmer-Wohnung zu vermieten, so viele müssten es jetzt sein. Würde ich nochmal? In diese Gegend? Das Bauchgefühl sagt: auf jeden Fall.

Die Uhlandstraße hinauf, der Blick auf den Ludwigkirchplatz mit dieser Bar, dessen Name mir natürlich nicht mehr einfällt. Gintonic-Erinnerungen, Bloody-Mary als Absacker. Rechts ging es zum Blumfeld-Mann, oh Gott, der Blumfeld-Mann, schnell weiter. Hühnchen in der Witwe Bolte, das Mittagessen in der Schildkröte mit meinen Großeltern, der rustikale Italiener gegenüber mit seinen wunderbaren kleinen Gläsern für Wein und Wasser. Links der Blick auf das Caras, das einzig wahre. Müsli-Momente mit Sonntags-FAZ und dem Blumfeld-Mann, ach lassen wir das.

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Weiter immer weiter die Knesebeckstraße hinauf in Richtung Savignyplatz.

Der Westen von Berlin. Ein schöner Mittag im Damals. Weil vieles jetzt so anders ist.

Berlin mit Baby oder acht Dinge, die ich heute gelernt habe

1. Ein Baby braucht auch bei innerdeutschen Flügen einen Ausweis. Geburtsurkunde hätte es auch getan. Haha.

2. Ein Baby muss im Flieger auf dem Schoß sitzend mit diesem seltsamen Extragurt festgeschnallt werden. Auch wenn es sich sehr einfach rausheben lässt.

3. Die Spucktüte ist perfektes Babyentertainment für einen innerdeutschen Flug.

4. Mit Baby aufm Schoß lässt sich der Tisch nicht mehr herunterklappen.

5. Wenn das Baby während des gesamten Fluges keinen Mucks von sich gibt, bekommt es anerkennende Worte von den mitreisenden Geschäftsleuten.

6. Wenn eine Haltestelle einen Aufzug hat, heißt das noch lange nicht, dass dieser auch funktioniert.

7. Hieven drei Mütter ihre Kinderwagen die Treppe hinunter, weil der Aufzug defekt ist, wird nur der ersten Hilfe angeboten. (Ich war die zweite).

8. Und was machen eigentlich Rollstuhlfahrer? Und wie finden die eigentlich diese huckeligen Fußwege in Mitte? Oder meiden Rollstuhlfahrer Mitte? Kein Lädchen, das ebenerdig war, immer Stufen. Überall. Barrierefreiheit fürn Arsch.

Mitbringsel

„Ich mag alle Farben – die Jungs- und auch die Mädchenfarben“, gab der große Sohn heute auf dem Nachhauseweg von der Kita zum Besten. „Es gibt keine Jungs- und Mädchenfarben, die Farben sind für alle da“, antwortete ich ihm. Normalerweise antwortet er mir dann meist, dass das der A. gesagt habe, ein kleiner Fünfjähriger. Diesmal allerdings hatte das die M. gesagt. M. ist sechs, kommt also dieses Jahr in die Schule.

Mich ärgert daran nicht, dass Fünf- und Sechsjährige das zum besten geben, na gut, eigentlich auch das, viel mehr ärgert mich aber, dass da bei denen zuhause offenbar keiner ist, der widerspricht. Ich will keine Welt, in der wir Überraschungseier nach Geschlechtern getrennt essen. Oder Müsli. Oder.

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„Ich will sagt man nicht“, sagt der Sohn öfter mal, weil er das in der Kita antrainiert bekommt. Natürlich ist es schöner, wenn das Kind mit „ich möchte“ nach der Salami fragt. Aber je nach Tonfall ist auch ein „Ich will“ völlig in Ordnung, besonders wenn da noch ein „Bitte“ mit dabei ist. Ich habe ihm erklärt, dass das nicht richtig ist, besonders wenn jemand etwas Unangenehmes mit ihm macht. Dann braucht er nicht freundlich „Ich möchte das nicht“ zu säuseln, sondern soll seinen Unmut deutlich rüberbringen.

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„Ich möchte einen Stormtrooper.“

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Diese Kinder bringen schon seltsame Dinge mit nach Hause.

Februar-Update #mamadings

Manchmal wundere ich mich, wie gut das alles klappt, mit zwei Kindern. Am Wochenende war der Mann krank, lag im Bett und ich habe mal eben beide Kinder gewuppt. In solchen Momenten frage ich mich immer, warum man eigentlich in den ersten Monaten mit nur einem Kind oft so überfordert war. Aber vielleicht ist der Tagesplan nach fast vier Jahren einfach perfektioniert, so dass das zweite Kind ziemlich gut hineinpasst. (Nebenbei auch noch ein Regal angestrichen und aufgebaut. Tschacka.)

Seit Januar bin ich eine Umkleidekabinen-Mama. Das Kinderturnen wurde nämlich vom anfänglichen Eltern-Kind-Turnen, auf Kinderturnen umgestellt. Eltern nicht erwünscht. Mittlerweile mutiert die Umkleidekabine zur Krabbelgruppe, weil die kleinen Geschwister ja auch draußen bleiben müssen und sich dort mit Bällen und Eltern die Zeit vertreiben.

An der Schlaffront tut sich nichts. Ich fiebere jetzt sehnsüchtig meinem Kurztrip nach Berlin Ende Februar entgegen – vielleicht bricht die ungewohnte Umgebung den nun seit Anfang des Jahres andauernden Rhythmus des Babys. Irgendwann ist auch mal gut.

Mal einen Erziehungsratgeber gelesen. „Das Geheimnis glücklicher Kinder“. Super-Titel auf jeden Fall, kein Wunder, dass das Ding ein Bestseller geworden ist. Wie haltet ihr das? Lest ihr viel in solchen Büchern? Bisher fand ich Erziehung-nach-Gefühl ne recht gute Methode. (Liest sich recht fluffig weg.)