Vier.

Wir stehen zweieinhalb Stunden auf dem Berliner Hauptbahnhof und warten auf einen Zug nach Düsseldorf, damit du deinen vierten Geburtstag so feiern kannst, wie du es dir gewünscht hast. Mit Schokokuchen mit Smarties und Gummibärchen drauf. Ich stelle mich um zehn noch in die Küche und backe Schokokuchen und Muffins für die Kitafeier. Vorher nehme ich dich in den Arm, weil du so müde bist, dass nur noch die Tränen kullern. Ich putze dir die Zähne, helfe dir beim Umziehen, auch wenn du das alles schon lange selber kannst. Ich trage dich in dein Bett, auch wenn du eigentlich schon viel zu schwer dafür bist. Mein kleiner großer Junge.

Ich spiele mit dir Uno und verliere, obwohl ich eigentlich gewinnen will. Ich spiele mit dir Ritter, Pirat, Dinosaurier, auch gerne gleichzeitig. Ich stehe nachts auf, wenn du nach mir rufst und mache dir Licht, damit du auf die Toilette gehen kannst. Ich höre mir auch zum hundertsten Mal die nervige Was-ist-was-CD über Dinosaurier an, die du so gerne magst. Dank dir kenne ich jetzt verschiedene Dinosaurier-Sorten. Wenn du in der Kita bist, singe ich manchmal das Captain-Sharky-Lied vor mich hin. Oder das von Drache Kokosnuss. Ich finde Lauras Stern nicht so nervig, wie ich es mir eigentlich vorgenommen habe. Ich gehe mit dir auch dann einkaufen, wenn du gerade als Pirat oder Ritter verkleidet bist.

Ich ermutige dich, Neues auszuprobieren. Nicht nur beim Spielen, Turnen, Basteln, Essen oder Trinken. Ich stehe hinter dir, wenn du es brauchst, helfe dir, wenn es nötig ist, freue mich mit dir, wenn du Schwierigkeiten meisterst. Ich vertraue dir, wenn du mir mit deinem Fahrrad davon fährst.

Was bist du groß geworden.

Elternzeit

In der letzten Woche saß ich in einer Runde spannender Frauen in Berlin, viele davon Mutter, und wir sprachen über unser Leben, wie wir uns organisieren mit Kind und Kegel. Wie wir unsere Elternzeit gestaltet haben, wie es uns ergeht/ergangen ist. Die meisten hatten sich für eine Auszeit unter einem Jahr entschieden. Aus den unterschiedlichsten Gründen, oft war aber der Wunsch nach der eigenen Selbstverwirklichung einer der Gründe für die schnelle Rückkehr. Das meine ich nicht negativ, denn ich halte es für sehr nachvollziehbar, neben der Mutterrolle eben auch die Rolle weiter zu leben, die einen in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hat. Viele dieser Frauen versuchen beides zu haben.

In dieser Woche saß ich in einer Runde von Müttern beim Pekip. Viele dieser Frauen sind nicht minder spannend, aber alle einte ein Kind um die sechs Monate alt. Wir unterhielten uns über Kinderbetreuung, die Kosten dafür und manche Frau vertrat die Meinung, dass es sich bei den Kosten für die Kinderbetreuung nicht lohnen würde, arbeiten zu gehen.

Mich hat diese Meinung erschrocken, weil ich mich erinnerte, wie es damals war, als ich wieder arbeiten gegangen bin. Wie sehr es mir gut getan hat, mit meinen Kollegen über andere Dinge als Schlafdefizite, Windelinhalte oder Essgewohnheiten zu sprechen, wie befreiend es war, dass nicht 24 Stunden lang ein Kind an mir hing. Allein dafür hatte sich die Rückkehr in den Job schon gelohnt. Trotz nicht unerheblicher Kosten für die Kinderbetreuung.

Nur um das klarzustellen: Ich liebe meine Kinder sehr, bin gerne rund um die Uhr für sie da. Dennoch ist es auch jetzt so, dass ich mich darauf freue, bald auch wieder ein Berufsleben zu haben. (Eigentlich stand da gerade was vom „alten Leben“ aber das wird es nie wieder sein, denn zwei Kinder sind anders als eins.)

Vorhin in der Mütterrunde habe ich das nur gedacht und nichts gesagt. Weil natürlich jeder für sich den Weg finden muss, mit Kind oder Kindern. Für sich, für die Familie, wer welche Aufgaben übernimmt, wenn es die Möglichkeit gibt, diese aufzuteilen. Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht. Allerdings hat jedes Modell seine Konsequenzen.