Ivanka Trump, Grlpwr oder verdammte Schei*e

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Ich habe mich nie als Feministin bezeichnet. Das lag zum einen daran, dass ich mich mit großen Teilen der Bewegung nicht so recht identifizieren konnte. Alice Schwarzer und die „Emma“? Nicht meine Generation. Auch mit den so genannten Netzfeministinnen habe ich nicht all zu gute Erfahrungen gemacht, zu aufgeregt der Tonfall, zu sehr auf sich selbst bezogen, manchmal gar zu hysterisch.

Versteht mich nicht falsch: Ich finde, dass jeder Mensch die gleichen Chancen haben sollte, seine Ideen und Ziele zu verwirklichen – gemessen an seinen Fähigkeiten und nicht gemessen an Geschlecht, Herkunft oder sonstigen diskriminierenden Fähigkeiten. Deshalb zögerte ich auch keine Minute, die Patenschaft für das Ada-Lovelace-Festival bei der WirtschaftsWoche zu übernehmen, ein Festival, das insbesondere Frauen in der Tech- und IT-Industrie feiert und vernetzt, aber auch für ein anderes Wort einsteht: Diversität. Und die geht über die reine Frauenfrage hinaus.

Womit wir wieder beim Problem wären: Das Wort Feminismus ist mir immer zu sehr auf die reine Frauenfrage bezogen gewesen. Es geht nicht nur um Frauen, es geht auch um körperlich Benachteiligte, um Menschen mit anderer Herkunft, und und und.

Was aber, wenn es offenbar nicht einmal mit den Frauen klappt? Wenn ich mir Geschichten anhören muss, in denen Frauen in Meetings immer erst dann ihre Punkte anbringen können, wenn alle männlichen Teammitglieder ihre Punkte angebracht haben und eigentlich keine Zeit mehr für Diskussionen verbleibt? Geschichten, in denen neue Mitarbeiterinnen in der Männerrunde mit derart sexistischen Sprüchen angekündigt werden, dass ich hier nicht weiter ins Detail gehen möchte? Geschichten, in denen Mütter immer noch dafür kämpfen müssen, nach einer kurzen Elternzeit in ihre Positionen zurückzukehren? Geschichten, in denen Frauen bei der Übernahme neuer Aufgaben ganz selbstverständlich nach dem damit verbundenen Titel fragen und dies dann als wirklich dreiste Forderung abgetan wird anstatt von Zielstrebigkeit auszugehen? Ganz zu schweigen von all den öffentlichen Geschichten, die jede Woche über Netzwerke, Medien oder sonstige Kanäle geteilt werden.

Und genau deshalb ist eben jeder Zeitpunkt der richtige, sich für die Gleichbehandlung von Männern, Frauen, Menschen mit unterschiedlichster Herkunft, Beeinträchtigungen einzusetzen. Weil wir eben nicht mal die Nummer mit den Frauen richtig hinbekommen. Und stattdessen lieber darüber debattieren, ob Ivanka Trump auch eine Feministin sein darf (Wenn es hilft!), ob Wirtschafts- und Politikfrauen per Handzeichen über Bundeskanzlerin Angela Merkel Feminismusstatus abstimmen sollten (WENN’S HILFT!) oder ob der Feminismus nun zur Popkultur gehört, weil die „Grlpwr“-Shirts von H&M ausverkauft sind (siehe oben.). (Natürlich ist an dem Begriff „Grlpwr“ so viel falsch wie an pinkfarbenen Überraschungseiern oder Einhorn-, Ladies- und Kerle-Bratwurst, aber wenn dieser Slogan oder meinetwegen auch die Shirts einen noch so kleinen Beitrag leisten können, dass wir gemeinsam für die gegen Diskriminierung kämpfen, dann tragt von mir aus auch diese Shirts. (Die hier sind aber besser.)

Um es mit Giulia Becker zu sagen: „Ladies seid ihr bereit, denn es ist an der Zeit, diese Ungerechtigkeit der ganzen Welt zu zeigen und wenn ihr mit mir seid, dann schwingt jetzt eure Scheiden“. Und klar: Wenn es hilft, könnt ihr auch gerne eure Penisse schwingen.

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