Die seltsame Digital-Strategie der Nordsee-Zeitung

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Heute schauen alle nach Niedersachsen, da kann ich auch noch einmal dorthin schauen. Als ich nämlich letztens in der Heimat war, habe ich mal wieder einen Blick in die Nordsee-Zeitung geworfen, meiner so genannten Heimatzeitung. All die Jahre, in denen ich in Bederkesa gelebt habe, kam gegen viertel vor sieben immer die Zeitungsfrau angefahren und hat uns die Zeitung vor die Tür gelegt. Ich habe das oft gehört, weil die Haustür jedes Mal geknarrt hat und manchmal war die Zeitungsfrau so schwungvoll unterwegs, dass das Papierpaket gegen die Wohnungstür knallte, so dass ich auch das hören konnte.

Vor ein paar Jahren hat meine Mutter die Zeitung abgeschafft, die Gründe dafür sind vielfältig, ich kann sie nachvollziehen, auch wenn ich zwischendurch immer denke, dass das ja schon auch ein bisschen schade ist, aber auch ich in Düsseldorf lese vor allem digital und da kann ich ihr gar keinen Vorwurf machen.

Als dann letztens dieser Sturm wütete, wollte ich mal nachschauen, wie sehr der Landkreis Cuxhaven denn in Mitleidenschaft gezogen wird und fand unter nordsee-zeitung.de nur noch einen Hinweis auf das E-Paper. Offenbar hat sich die Marke „Nordsee-Zeitung“ aus dem frei zugänglichen Internet verabschiedet. Wer sich informieren will, kann das nun nur noch unter nord24.de machen, einem so genannten Reichweitenportal, das nicht so aussieht, als ob da viel Reichweite drauf ist und bei der IVW ist das Portal auch nicht gemeldet. Ernst nehmen kann ich dieses Portal nicht, am Wahlsonntagabend sind dort die Nartumer Schützen mit ihrem Oktoberfest wichtiger als politische Entscheidungen.

Dazu muss man wissen, dass die Nordsee-Zeitung schon so etwas wie eine Traditionszeitung ist. Viele gute Journalisten haben dort gearbeitet, die Nordsee-Zeitung ist zudem seit jeher Monopolzeitung, was manche als Glück bezeichnen, andere als Unglück, weil dadurch in den vergangenen Jahren kein echter Druck zur Transformation bestand.

Nun könnte man meinen: Mensch, vielleicht haben die ja die sozialen Medien für sich entdeckt, um die Marke im Digitalen weiterleben zu lassen. Doch, nein. Selbst im Nordsee-Zeitungskanal bei Facebook gibt es nichts Aktuelles, schon gar nicht bei Sturm. Von den Wahlergebnissen am heutigen Wahlabend natürlich auch keine Spur – der neueste Beitrag ist ein Hinweis auf das Rezept für lauwarmen Zwetschgenkuchen. Und das ist kein Scherz.

Am 1. November gibt es dort übrigens einen neuen Chefredakteur. Angeblich soll er dann die Digitalisierung der Zeitung vorantreiben. Wenn es dafür nicht längst zu spät ist.

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