Die Zukunft des Journalismus? Nicht reden, sondern machen.

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Es sind schon seltsame Zeiten. Auf den Medientagen in München wurde auf nahezu jedem Panel über die Zukunft des Journalismus gesprochen und auch ich durfte etwas dazu beitragen. Ich war Teil des „Thesenbattles“ am Mittwoch, mit dem nicht unambitionierten Titel „Die ultimativen Antworten auf alle Fragen zur Zukunft des Journalismus“. Um es vorweg zu nehmen: Die konnten wir nicht liefern, allerdings konnte jeder von uns sagen, wo er die Schwerpunkte legen würde.

Ich habe meinen Schwerpunkt darauf gelegt, Kommunikationsprozesse zu optimieren – aber um es ein bisschen plakativer zu machen, habe ich das ganze in fünf denglische Schlagwörter gefasst: listen, communicate, lead, (show) courage und diversity.
Listen: Wenn du dein Gegenüber ernst nimmst, dann hörst du zu. Hörst auf Themen, wie Themen diskutiert werden, analysierst deine Daten und leitest Handlungsmuster ab. Tun die meisten (immer noch) viel zu selten.
Communicate: Redet. Miteinander, mit anderen Abteilungen im Haus, bildet diverse (siehe unten) Teams, redet mit den Menschen da draußen und nicht nur mit der hippen Starbucks-Crowd, sondern mit allen Schichten der Gesellschaft. Das ist eure Zielgruppe. Stellt euch den Diskussionen, auch wenn es schwer fällt. Vor allem in diesem Punkt kann jeder einzelne Journalist von Bloggern und (so genannten) Influencern lernen.
Lead: Eine Vision muss ins Team getragen werden – so transparent wie möglich. Denn nur wenn alle an einem Strang ziehen und in eine Richtung laufen, kann das alles funktionieren.
(Show) courage: Wandel tut weh und bedeutet auch, dass Opfer gebracht werden müssen. Aber das Schlimmste wäre doch, sehenden Auges gen Abgrund zu laufen, anstatt den notwendigen Richtungswechsel einzuleiten. Damit meine ich nicht, einfach umzudrehen, sondern vielleicht lieber eine Kurve einzukalkulieren oder den Fallschirm mitzunehmen.
Diversity: Nein, dabei geht es mir nicht einfach nur um den Frauenanteil in Redaktionen. Es muss nicht immer der stringente Lebenslauf sein, gute Journalisten sind Handwerker und dafür ist nicht unbedingt ein Hochschulabschluss notwendig – am besten noch mit Auszeichnung. So wundert es nicht, dass sich derzeit so viele Menschen von den etablierten Medien abwenden und auf der Suche nach neuen Informationsquellen sind – Journalisten, die ihre Sprache sprechen, die ihre Themen aufgreifen.

‚Wir sind mal rausgegangen und aufs Land gefahren‘, war einer dieser Sätze, die ich auf den Medientagen mehrfach gehört habe – die Reportage aus der Provinz wird im Jahr 2017 als das große Ding gefeiert. Wenigstens haben sie einfach mal gemacht. Wie schrieb Mary Hamilton vor einigen Tagen so schön: „It doesn’t matter what you say you want, it’s what you do to make it happen that makes a difference in the world.“

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