Was digital ist, ist nicht privat

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Was ist eigentlich noch privat? Diese Frage habe ich mir letztens erst gestellt, als ein so genannter Personaldienstleister mir plötzlich per Whatsapp einen Termin zuschickte. Per Whatsapp. Wo ich normalerweise mit meinen Freundinnen Verabredungen zum Sport oder Wein abmache oder die Kinder verabrede. Ja, ein paar Medien schicken mir da auch ihre Newsletter, aber das war neu.

Aber warum eigentlich? Was ist der Unterschied, über Whatsapp kontaktiert zu werden oder eine SMS zu bekommen? Meine Antwort: das Umfeld. Obwohl das natürlich meine ganz persönliche Entscheidung ist, wen ich da hineinlasse.

Ein paar Gedanken später lande ich bei der Frage, ob es das wirklich private Profil in sozialen Medien eigentlich noch gibt. Denn immer wieder liest sicherlich auch du vor allem bei Twitter „Meinung hier privat“.

Schauen wir uns mal ein paar Beispiele an. Da wäre zum einen der sehr geschätzte Kollege Frank Behrendt. In seiner Twitter-Biographie schreibt er, dass er bei Serviceplan arbeitet, Autor, Stern-Stimme und Speaker ist. „Tweets hier sind privat“ lässt er uns wissen. Ja, was denn sonst, will ich ihn am liebsten fragen, twittert er doch fleißig von all seinen beruflichen Terminen, zeigt sich am Wochenende im Karnevalsoutfit und verlinkt seine Stern-Texte. Warum weist der Tausendsassa explizit darauf hin, privat zu twittern?

Absurd wird es aus meiner Sicht bei Menschen wie beispielsweise Klaus Müller. Er schreibt: „Hier twittert der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (…) Views are my own.“ Ich frage mich ernsthaft, wie das funktionieren soll? Gelangt ein Tweet von Müller in meine Timeline, verbinde ich doch gerade wegen des Hinweises auf seine berufliche Tätigkeit den Tweet automatisch auch mit der Verbraucherzentrale.

Tritt nicht jeder, der in sein Profil seinen Arbeitgeber schreibt, sofort auch als Botschafter für seine Firma auf? Wenn ich einen Tweet von Jens Toennesmann sehe, dann verbinde ich ihn nicht nur mit ihm als Journalisten, sondern habe sofort auch im Hinterkopf, dass er für die ZEIT arbeitet. Oder Peter Tauber. Schreibt, dass er u.a. Generalsekretär, Christdemokrat und Mitglied des Bundestages ist, bei Twitter aber privat? Und warum muss man bei einem Twitter-Account, der von einem selbst betrieben wird auch noch darauf hinweisen, dass die dort verbreitete Meinung wirklich die eigene ist, Peter Altmaier und Co.?

Die Grenzen verwischen. Was digital ist, ist nicht privat. Auch wenn ihr das ständig behauptet.

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