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    Film: Der Vorleser

    08.03.09 | Link | 1 Kommentar

    Irgendwie passend: Da wühle ich gerade in der Vergangenheit, weil ich den heimischen Keller entrümpele und dabei nicht nur Computerzeitschriften aus den Jahren 1996, 1997 und 1998 finde, sondern auch Fotos und Bilder und Ordner, die nicht nur lustige, sondern auch traurige Erinnerungen zurückholen. Und auf welche Idee komme ich, um mich auf andere Gedanken zu bringen? Einen Film zu gucken, über eine Frau, die das Leben eines 15-jährigen Jungen verändert, ja, sagen wir ruhig geprägt hat.

    Der 15-jährige Michael trifft Anfang der 50er Jahre Hanna, eine junge, hübsche Frau, die als Schaffnerin in der Straßenbahn arbeitet. Sie hilft ihm, als er krank im Eingang eines Hauses hockt und bringt ihn nach Hause. Drei Monate dauert seine Genesung und Hanna Schmitz geht ihm nicht aus den Kopf. Also fährt er zu ihr, bringt Blumen mit. Aus der Begegnung wird eine Affäre, einen Sommer lang. Die beiden treffen sich, lieben sich und Michael liest Hanna vor. Erst die Schullektüre, später Klassiker. Sie lachen gemeinsam, er hält sie, als sie bei Homers Odyssee in Tränen ausbricht. Und irgendwann ist Hanna verschwunden. Warum, erfährt er erst Jahre später. Im Studium. Für ein Seminar nimmt er an dem Kriegsverbrecherprozess teil, in dem Hanna Schmitz wegen ihrer Tätigkeit als Wärterin eines Außenlagers von Auschwitz angeklagt ist. Erst dann versteht Michael: Das Vorlesen, alles nur deswegen, weil Hanna nicht lesen und schreiben kann.

    “Der Vorleser”, dieses Buch von Bernhard Schlink, Millionen haben es weltweit gelesen, funktioniert als Film. Das liegt schon ein bisschen an Ralph Fiennes, den ich eigentlich gar nicht mag. Aber als Michael Berg, der durch die Affäre mit dieser Frau so sehr geprägt wurde, macht er sich gut. Diese Verwirrtheit, diese Gefühlskälte, seine Unfähigkeit, eine Beziehung zu seiner Freundin, Tochter aufzubauen – all das konnte ich ihm jedes Mal ansehen. Schade fand ich, dass für “Der Vorleser” zwar alle größeren, jungen Damen des deutschen Films (Hannah Herzsprung, Alexandra Maria Lara, Karoline Herfurth) verpflichtet worden sind, sie dort aber nur blass blieben durften. Am enttäuschendsten wirkte Hannah Herzsprung, die die liebevolle Tochter von Ralph Fiennes spielte. Da wurde viel verschenkt.

    Irgendwie gut war sicherlich auch Kate Winslet, als junge Schaffnerin, als gealterte Angeklagte, als alte Frau, die nach mehr als 20 Jahren Haft kurz vor der Entlassung steht. Tolle Maske, leider nur haben sich die Synchronisierungsmeister nicht allzuviel Mühe gegeben, die Stimme der gealterten Kate anzupassen. Als Michael Berg Hanna Schmitz kurz vor Ende des Films in der Gefängniskantine besucht, sagt sie das “Jungchen” mit einer Frische, die man ihr angesichts ihres Outfits nicht abnehmen kann.

    Ich finde mich gerade selbst sehr blöde, dass ich mich hier in meiner Kritik an der Synchronisierung aufhänge, aber das war das, was mich wirklich gestört hat. Hannah Herzsprung wirkte nämlich auch deshalb so komisch, weil sie den Film auf englisch gedreht hat, und sich dann noch einmal selbst übersetzt hat. Und wann machen sich die Leute vom Film eigentlich die Arbeit, bestimmte Szenen so nachzudrehen, dass die DEUTSCHE Hanna Schmitz in der DEUTSCHEN Ausgabe von “Die Dame mit dem Hündchen” liest? Das wirkte nämlich auch sehr quatschig.

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    FILM: Zeiten des Aufruhrs

    01.02.09 | Link | 6 Kommentare

    Auch wenn es langweilig ist: Ich find’s doof, wenn deutsche Filmtitel so wenig aussagen. Gerade dann, wenn der Original-Titel so viel besser ist: “Revolutionary Road”* heißt er und trägt den Namen der Straße, in dem sich das Paar, Frank und April Wheeler, ein Haus suchen, um ihre Kinder groß zu ziehen. Die Revolutionary Road liegt liegt irgendwo auf dem Land in der Nähe New Yorks. Es sind die 50er Jahre, die Männer fahren allmorgendlich mit Anzug und Hut bekleidet in die Stadt, die Frauen kümmern sich um den Nachwuchs.
    Weil April so langsam verzweifelt (Als sich die beiden kennenlernten, feierte sie erste Erfolge als Schauspielerin) und auch Frank in seinem Job in der New Yorker Firma nicht wirklich glücklich weil wenig gefordert ist, beschließen die beiden, sich den Traum zu erfüllen, den sie schon hegten, als sie noch keine Kinder hatten: allem entfliehen und nach Paris auswandern. Doch der Entschluss, das angepasste Leben hinter sich zu lassen, verändert das Paar. Die Aussicht, allem zu entfliehen, verleiht ihm eine Leichtigkeit und Unangepasstheit im Job, die dazu führt, dass sein Boss ihm einen höher dotierten und verantwortungsvolleren Job anbietet. Während April alle Vorbereitungen trifft, so schnell wie möglich den Plan in die Tat umzusetzen, beginnt Frank zu zweifeln. So kommt es ihm gerade recht, als seine Frau ihm verkündet, erneut schwanger zu sein.
    Sam Mendes ist ein intensiver Film gelungen. Es ist extrem bedrückend, anzusehen, wie aus der starken April eine so verzweifelte und gebrochene Frau wird. Wie sie ihrer Umwelt etwas vormachen und immer wieder versuchen, die Risse zu kitten und sich doch immer weiter voneinander entfernen. Beeindruckt hat mich vor allem Kate Winslet. Sie war angepasste Mutter und gleichzeitig die Schauspielerin mit Träumen; Sexsymbol und Hausfrau. Guter Film.

    *Jaja, das Buch heißt auch so. Weiß ich. Trotzdem doof.

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    FILM: Der Baader-Meinhof-Komplex

    25.10.08 | Link | 6 Kommentare

    Der Baader-Meinhof-Komplex erzählt die Geschichte der RAF, also einen Teil davon. Es geht los bei den Studentenunruhen, das Attentat auf Rudi Dutschke, die Überreaktionen der Polizei beim Schahbesuch in Berlin, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, die Verhaftung von Baader, seine Befreiung, die Inhaftierung von Meinhof, Baader und Enslin (also die großen Namen), die zweite Generation und die Entführung der Landshut und Hanns Martin Schleyers. Mehr als ein Jahrzehnt deutsche Geschichte in gerade einmal zweieinhalb Stunden gepackt. Ob das geklappt hat? Die Antwort: ja, irgendwie schon. Auch wenn ein solches Projekt natürlich eigentlich nur scheitern kann.

    Herausgekommen ist – auch wenn ich natürlich die falsche bin, dies zu beurteilen, bei meinem hohen Action-Film-Konsum – ein guter Action-Film. Es wird geballert, zwischendurch immer mal wieder ein paar Dialoge, dann knallt es wieder, Schüsse, Bomben, Blut. Es wird nie langweilig, wirklich nicht, auch wenn man natürlich schon genau weiß, was da passiert.

    Ein Problem hatte ich mit dem Aufgebot an Schauspielern. Klar, ein Eichinger muss natürlich die ganzen großen Namen des deutschen Fernsehens bekommen. Da werden sogar Nebenrollen mit Tom Schilling und Hannah Herzsprung (Die durfte auch nur nochmal ihren “Vier-Minuten”-Ausraster zeigen!) besetzt. Immer wieder stellte ich mir die Frage, ob Martina Gedeck wirklich die richtige ist, Ulrike Meinhof zu spielen (Drei Wochen nach Filmgucken lautet die Antwort: ja). Ein bisschen gesättigt war ich auch von Moritz Bleibtreu (Bei ihm lautet die Antwort übrigens: nein). Viel schlimmer war eigentlich nur noch Nadja Uhl als Brigitte Mohnhaupt. Ich sah sie in jeder Szene aus dem Bild wandern und auf dem “Sommer-vorm-Balkon”-Balkon einen Wein mit ihrer Freundin trinken. Ging gar nicht. Diese Kulleraugen. Dem Film hätten ein paar mehr unverbrauchtere Gesichter, wie das von Johanna Wokalek, gut getan. Die war nämlich furios.

    Warum ich den Film am Ende doch gut fand: Weil er an keiner Stelle gelangweilt hat, obwohl ich genau wusste, was als nächstes passiert. Weil man nie in die Verlegenheit kam, mit einer der Figuren zu sympathisieren. Weil er ein paar Menschen ein bisschen Geschichte nahebrachte, mit der sich jene vielleicht nie auseinander gesetzt hätten. Das Publikum, das den Film mit mir geschaut hat, war nämlich überraschenderweise überwiegend jung.

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    FILM: Die Welle

    17.03.08 | Link | 4 Kommentare

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    Achtung: Hier wird das Ende verraten!

    Ich war davon ausgegangen, dass wirklich jeder, der so ungefähr in meiner Generation lebt, irgendwann zwischen 12 und 15 “Die Welle” von Morton Rhue gelesen hat. Das war ein Fehler, aber so hat man eine gute Erklärung dafür, warum es dann doch irgendeinen Sinn ergibt, dass dieses Buch jetzt noch verfilmt worden ist (Außer natürlich wegen Jürgen Vogel.). Doch es gibt immer den einen, der den Stoff nicht kennt und heute wird dieses Buch wahrscheinlich nicht einmal mehr im Unterricht durchgenommen, ich weiß es nicht und vielleicht bedarf es in Zeiten von Amokläufen, Waffen und dem bösen Internet an Schulen auch einfach einer Aktualisierung des Stoffes. Sprich: Jürgen Vogel spielt den wirklich coolen Lehrer, der mit Ramones-Shirt in die Schule geht, der von den Schülern geduzt wird und den wirklich alle mögen, weshalb sie auch die Projektwoche mit ihm, aber dem langweiligen Thema “Autokratie” wählen.

    Na und dann geht’s los mit dem Experiment. “Macht durch Disziplin! Macht durch Gemeinschaft! Macht durch Handeln!”, schreibt Jürgen Vogel an die Tafel, alle tragen plötzlich weiße Hemden, grüßen sich mit dem Welle-Gruß, sind Teil einer großen Gemeinschaft und fühlen sich super. Wer nicht dabei ist, fühlt sich nicht ganz so super und rebelliert und lernt die Macht dieser Gemeinschaft von der anderen Seite kennen. Weil er ausgeschlossen ist.

    So, und wo wir die Handlung gerade mal zusammengefasst haben, kommen wir auch schon zu den Problemen des Films.

    Erstens: Max Riemelt, der Marco den Super-Sportler spielt. Er hat ne Freundin, die mit dem ganzen Welle-Quatsch nicht so richtig klarkommt und sich deshalb auch mit ihm streitet. Und deshalb auch einer der Auslöser für Lehrer Vogel ist, das Experiment “Welle” abzubrechen. Aber dieser Max Riemelt, den man vielleicht als Liebhaber deutscher Filme schon aus “Napola” kennt und der für diese Rolle damals sogar den bayerischen Filmpreis bekommen hat, ist so langweilig und so farblos, das man sich wirklich fragt, warum dieser Regisseur anscheinend so darauf steht, mit diesem Typen zu drehen. Versteht man einfach nicht.

    Zweitens: der Regisseur Dennis Gansel. Einmal, weil er irgendwie darauf steht, Max Riemelt in seinen Filmen dabei zu haben. Aber auch weil es ihm nicht richtig gelingt, ein Drehbuch zu schreiben und umzusetzen, dass in sich schlüssig ist. Da weiß man gleich zu Beginn des Filmes, bei welchem der Schüler der ganze Welle-Kram besonders gut funktionieren wird, genauso wie man gleich weiß, dass die Öko-Frau vermutlich schnell aussteigen wird. Da werden Figuren angedeutet, da hat dieser Marco zwischendurch was mit einer anderen (Cristina do Rego, die der eine oder andere vielleicht aus “Pastewka” kennt) und am Ende hat er dann doch wieder seine Freundin lieb. Das ist alles sehr unbeholfen und vielleicht reicht es ja auch für einen Jugendfilm, aber für was richtig Gutes nun mal leider nicht.

    Drittens: der Schluss. Ganz schlimm. Denn in der heutigen Zeit reicht es wohl nicht, dass ein “jüdischer Schüler Gewalt erfährt”, (Sorry, konnte mich nicht mehr an das Ende des Buches erinnern und habe dreist die Wikipedia abgeschrieben), damit das Projekt ein Ende erfährt. Nein, in der heutigen Zeit muss erst ein Schüler angeschossen werden und der Schießende sich selbst hinrichten. Ganz so, wie wir es mittlerweile von den Amokläufen an Schulen kennen.

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    FILM: There will be blood

    26.02.08 | Link | 2 Kommentare

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    Als Daniel Day-Lewis den Oscar für seine Rolle in “There will be blood” in den Händen hielt und ein paar Worte an die Schauspielermeute richtete, da schauderte es mich doch. Wie kann ein Mann, der sich fast schüchtern für diesen Preis bedankt, so böse spielen und einen Mann verkörpern, der nur ein Ziel verfolgt: so viel Geld und Macht anhäufen, um irgendwann nur noch auf möglichst wenige Menschen um ihn herum angewiesen zu sein. Menschenleben? Nebensächlich. Liebe? Wurscht. Das einzige, was zählt, ist der eigene Gewinn.

    Und Daniel Plainview gelingt es, das große Geld zu machen. Auf der Suche nach Gold und Silber findet er Öl und allein für diese ersten zehn Minuten könnte ich Paul Thomas Anderson umarmen. Wie all dies passiert, ohne das ein Wort fallen muss. Nur Plainview, sein Erdloch und diese Musik.

    Um seine Glaubwürdigkeit bei den meist armen Familien in den Ölgebieten zu erhöhen, nutzt Plainview die Präsenz seines Sohnes, H.W. Er führt ihn in das Ölgeschäft ein, so, dass man glaubt, dass Plainview doch ein Herz haben muss. Nur um dann, ein paar Momente später zu sehen, dass dieser Mann auch im Stande ist, seinen Sohn, der durch ein Missgeschick am Bohrturm sein Gehör verloren hat, wegzuschicken, ja, letztendlich auch zu verstoßen.

    Der Film hat eine unheimliche Kraft: Und das liegt nicht nur an der Figur Plainviews, sondern auch an diesem jungen Mann der Familie Sunday, der lange Zeit Plainview ebenbürtig zu sein scheint. Er will Geld und religiöse Zugeständnisse und ist als einziger in der Lage, Plainview in die Enge zu treiben, mit seinem Fanatismus und seiner Fähigkeit, die Menschen in seinen Bann zu ziehen.

    Und dann kommt es noch einmal zu einem letzten Kampf zwischen den beiden: Plainview gegen Sunday. Ein letztes Mal Demütigung, ein letztes Mal dieser geballte Hass. Und dann ist der Film zu Ende und der Zuschauer bleibt aufgewühlt zurück. Ich habe diese Bilder noch immer nicht vergessen können.

    Gut, dass ich Daniel Day-Lewis entdeckt habe. Und gut, dass es Paul Thomas Anderson gibt.

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    FILM: Das Beste kommt zum Schluss

    04.02.08 | Link | 2 Kommentare

    Ich habe ja schon vor einiger Zeit angefangen, Jack Nicholson zu mögen. Auch wenn ich bei jedem Film, den ich mit ihm sehe, noch an den Joker in Batman denken muss. Ist zwar schon sehrsehr viele Jahre her, aber manchmal hört es eben nie auf. Und jetzt gibt es eben wieder einen Film mit ihm (und Morgan Freeman) und es gibt sie wieder, diese Szene, in der Nicholson sein breites Grinsen grinst und ich an den Joker denke.

    Diesmal spielt er allerdings einen alternden Firmenchef, egoistisch, zielstrebig, ist halt doch viel auf der Strecke geblieben. Er wird krank und erfährt, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat. Im Krankenhaus lernt er Morgan Freeman kennen, einen Familienvater, der seinen Traum von der großen Karriere aufgegeben hat: Wegen seiner Frau, die damals schwanger wurde, so dass er sich für den einfachen Job entschied. Den Job in einer Autowerkstatt.

    Und dann machen diese ungleichen Kerle eine Liste mit all den Dingen, die sie schon immer einmal erleben wollten. Freeman – für den intellektuellen Part zuständig -, Nicholson für so weltliche Wünsche wie Tattoo stechen lassen, schönste Frau küssen, sowas halt.

    Und dann sehen wir, wie glücklich die beiden sind, beim Fallschirmspringen, beim Reisen – Nicholson hat’s ja. Und wie das dann so ist, muss einer der beiden als erstes sterben.

    Das doofe an dem Film ist, dass er so vorhersehbar ist. Natürlich läuft alles perfekt: Wir sehen zwei große Schauspieler, denen das gemeinsame Spiel Spaß macht. Aber das macht den Film auch so langweilig. Und weil der Film eben irgendwie perfekt ist, muss man natürlich trotzdem heulen, wenn Freeman dann zu seiner Frau zurückkehrt und schon bald darauf stirbt. Alles perfekt inszeniert und deshalb trotz vergossener Tränen langweilig.

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    FILM: Das Herz ist ein dunkler Wald

    06.01.08 | Link | 3 Kommentare

    Was für ein konsequenter Film. Da entdeckt eine Frau, dass ihr Mann seit Jahren eine Parallelfamilie mit Haus, Frau und Kind hat. Sie ist verzweifelt. Weil eine Welt für sie zusammenbricht. Weil sie für diesen Mann und ihre Kinder so viel aufgegeben hat. Gefangen in dem Einfamilienhaus am Rande der Stadt. Und dann geht sie los, läuft, zurück zu ihren Kindern, hasst, weiß nicht weiter. Und immer diese Nina-Hoss-Blick, dieses wahnsinnig Verzweifelte in den Augen, dieser Mund, keine zusammengepressten Lippen, aber trotzdem schmallippig. Ihre Aktionen werden immer surrealer, natürlich will sie der Anderen gegenübersitzen, dann wieder laufen und Taxi fahren, zu dem Termin des Mannes, noch mehr Abgründe in Form von Liebschaften, Alkohol, laufen, begehrt fühlen, schwimmen, nackt sein und dann dieses Ende, Verzweiflung in Höchstform.

    Ich mochte den Film, wegen Nina Hoss, wegen Devid Striesow und auch wegen Nicolette. Ich war mir sicher, dass sie sowas kann und ich wurde nicht enttäuscht.

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    Mein Kino-Jahr 2007

    30.12.07 | Link | 1 Kommentar

    Mannmannmann, alles hat gelitten. Weniger Bücher, weniger Filme im Kino. Trotzdem hier meine Bilanz.

    Ich war 13mal im Kino.

    Der beste Film: Death Proof

    Der schlechteste Film: Mitten ins Herz

    Der Film, nach dem ich glücklich das Kino verließ: Death Proof

    Der Film, nach dem ich ärgerlich das Kino verließ: Mein Führer

    Die Überraschung: Full Metal Village

    (Mein Kino-Jahr 2006)

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    FILM: Immer nie am Meer

    21.10.07 | Link | 2 Kommentare

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    Als ich vor einigen Jahren noch in Berlin gelebt habe, habe ich sonntags gerne zwischen 16 und 18 Uhr Radio Eins gehört: Grissemann und Stermann. Zwei Österreicher, die sich unterhalten, lustige Telefonspielchen machen und so weiter. Richtig was für den ruhigen Sonntagnachmittag. Deshalb kenne ich die beiden. Und Heinz Strunk kennt ja wohl hoffentlich mittlerweile auch jeder.

    Drei Argumente, die für diesen Film sprechen. Der vierte: Die Handlung. Grissemann und Stermann nehmen Heinz Strunk mit dem Auto mit, weil dieser seins in den Graben gefahren hat, als er sich gerade wegen einer durch die Nacht laufenden Geherin einen runterholte. Als dann Stermann auch durch die Geherin abgelenkt wird, kommt auch dieser von der Straße ab. Der Wagen bleibt im Wald zwischen zwei Bäumen stecken – die drei Jungs sind nun bis auf Weiteres eingesperrt in dem schwarzen Benz, den einmal der österreichische Präsident Waldheim gefahren haben soll. Kein Scheibe-Einschlagen möglich – Panzerglas.

    Die Rettung scheint nah, als der kleine Toni die drei im Auto entdeckt, doch dieser hat mit den dreien anderes vor. Begeistert von der Verhaltensforschung, die er bisher nur an Ratten ausprobiert hat, macht er seine Tests nun an Strunk, Grissemann und Stermann.

    It was great, kann ich nur sagen. Mehrfach richtig laut gelacht: Wegen Grissemann, Stermann und Strunk. Großartiger kleiner Film mit einem wirklich großem Ende.

    (Please, have wenigstens a look at the website.)

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    FILM: Schwesterherz

    29.08.07 | Link | 2 Kommentare

    Wenn man wollte, könnte man zu diesem Film einen ganzen Besinnungsaufsatz schreiben. Über das Leben an sich, über die wandelnde Wahrnehmung der Umwelt, über das Frausein an sich oder über Heike Makatsch, die sich vermutlich vor dem Drehbuchschreiben viele Gedanken über sich selbst und über ihre baldige Rolle als Mutter (damals war sie ja glaub ich gerade schwanger oder kurz davor) gemacht hat.

    Nun ja, zumindest geht es um eine Frau, also die Heike, die seit Ewigkeiten mit ihrem Freund zusammen ist, in einer Plattenfirma arbeitet und mit ihrer kleinen Schwester (Anna Maria Mühe), 18, unvoreingenommen, mit ein paar Zielen ausgestattet, offen für das Leben, in den Urlaub fährt. Heike selbst ist gerade in der fünften oder sechsten Woche schwanger, eigentlich fest entschlossen, das Kind abzutreiben und ihrem Freund hat sie auch noch nichts davon erzählt. Na, zumindest fahren die beiden weg, in den Süden, sie sind sich fremd und lernen sich auf der Reise kennen. Immer wieder gerät Heike in Situationen, in denen sie sich beweisen will, wie jung, begehrenswert, locker sie eigentlich ist. Doch herauskommt, dass die eigentlich lockere Frau die 18-Jährige ist. Kein Wunder also, dass die 30plus-Frau ein bisschen verzweifelt und plötzlich nicht mehr so genau weiß, wohin sie gehört.

    Was folgt sind seltsame Anrufe bei dem Dauerfreund, ein Quickie, Exzesse, halt Dinge, die man dann so tut. Das lässt sich alles wahnsinnig gut mitfühlen (Scheiße, ich werde alt), andererseits nervt es dann doch, die eigenen Macken vor Augen geführt zu bekommen.

    Alles in allem ein schöner Film. Weil authentisch, weil wunderschöne Musik (Max Schröder), weil so ist das nunmal mit 29plus.


    Link: sevenload.com

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    FILM: Du bist nicht allein

    20.08.07 | Link | 1 Kommentar

    Wieder mal was über deutsches Kulturgut gelernt, denn hätte ich mir diesen Film nicht angesehen, hätte ich wohl nie davon erfahren, dass der Schlager, den Axel Prahl da wegen seiner Gefühle zu der hübschen Russin von sich gibt, von Roy Black ist.

    Axel Prahl spielt den in die Jahre gekommenen Malermeister Hans Moll, der mit Frau und Sohn in Berlin-Marzahn lebt. Mitten in der Plattenbausiedlung, die meisten, die dort leben, haben wie er keinen Job und auch wenig Aussicht auf einen. Seiner Frau geht es ähnlich, allerdings scheint sie sich noch nicht aufgegeben zu haben, sondern bemüht sich regelmäßig im Arbeitsamt um eine Stelle. Dann gibt es noch die schöne Russin Jewgena, die gerade in der Wohnung neben den Molls einzieht. Sie kommt mit Kind und Vater und als Mutter Moll ihren Mann geradezu nötigt, der schönen Russin zu helfen, tut er dies dann auch. Anfangs widerwillig doch schnell findet er Gefallen an ihr.

    Auch der Physiker Kurt Wellinek wohnt in dem Plattenbau. Er, dem Alkohol nicht abgeneigt, von seiner Frau gerade getrennt, ohne Aussicht auf einen Job und mit dem Leben gänzlich unzufrieden. Seine Frau war einmal eine hübsche Wetteransagerin, doch auch sie ist ohne große Perspektive und schlägt sich mit Synchronisationen durch.

    Schicksale aus dem Hartz-IV-Land. Schicksale, die in einer Gegend wohnen, in der auch ich einmal gelebt hätte. Und das ist eigentlich das einzige, was bei mir ernsthaft hängengeblieben ist und worüber ich derzeit noch ein bisschen grübele. Fragen wie “Was wäre eigentlich, wenn wir damals nicht von dort weggezogen wären?”. Fragen, auf die es wohl nie eine Antwort geben wird.

    Nun, die Geschichten der vier Hauptpersonen hätte man auch schneller erzählen können, ich habe mich in den 90 Minuten Film doch das eine oder andere Mal gelangweilt. Auch weil Regisseur Bernd Böhlich ein paar alberne Momente eingebaut hat, beispielsweise seltsame weiße Nachtfalter, fliegende Fernseher, naja, und einen Axel Prahl, der Roy Black nachsingt.

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    Film: Prinzessinnenbad

    29.07.07 | Link | Kommentieren?

    Berlin, Kreuzberg, nicht weit vom Görlitzer Bahnhof leben die Hauptfiguren dieses Dokumentarfilms. Sie gehen aus, haben Jungsgeschichten, haben keinen großen Plan vom Leben und träumen vom Reisen, einem Abschluss und irgendeiner Ausbildung. Vielleicht. Wie das halt so bei 15-jährigen Mädchen so ist. “Prinzessinnenbad” ist ein verdammt trauriger Film. Traurig, weil man dabei zuguckt, wie drei Mädchen mehr oder weniger das Beste aus ihrer Lage machen. Bei allen sind die Familien mehr oder weniger zerbrochen, der Vater meist weg, die Mütter meist überfordert und irgendwie sind sie doch in der Lage, das beste daraus zu machen. Klara, die Blonde, sucht sich dominierende Männer, meist Türken, mit anderen, die sie wahrscheinlich nur anhimmeln würden, komme sie nicht klar. Tanutscha hat ne große Klappe, aber versucht sich wenigstens am Realschulabschluss, weil sie gemerkt hat, dass er wichtig ist. Mina erlebt gerade die große Liebe mit dem 20-jährigen George, der sie nach diesem Sommer alleine lassen wird, weil er nach Brasilien geht.

    Was nach diesem Film bleibt? Am ehesten Wut auf die Mütter, die nicht in der Lage sind, ihren Kindern das Zuhause zu geben, dass sie verdient haben. Den Halt, die Wärme und Geborgenheit, die auch 15-Jährige noch verdient haben.

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    FILM: Death Proof

    29.07.07 | Link | 3 Kommentare

    Ich kann mich nicht erinnern, einen Film gesehen zu haben, in dem das Publikum klatscht, als eines der Mädchen Kurt Russell abschließend in die Fresse tritt. Klar, kann sein, dass ich einfach zu wenig Filme mit Kurt Russell gesehen habe, vielleicht auch zu wenige Filme, in denen es vor allem um schöne Mädels, ästhetische Füße und wilde Verfolgungsjagden geht, nach denen ein paar Körperteile durch die Gegend fliegen. Kurz: Dieser Film ist einfach wunderbar. Wer Filme mag, muss Quentin Tarantino lieben. Einzig bereue ich, mir nicht das Original angeschaut zu haben. Zum einen, weil Barmann Warren aka Quentin die deppigste Stimme hatte, die man sich vorstellen kann. Zum anderen, weil man die Gespräche der “Girls” wirklich im Original hören muss.

    Wie macht Tarantino das nur immer, dass er ein absolutes Händchen für die Besetzung seiner Rollen beweist? Hier Kurt Russell als Stuntman Mike so wunderbar widerlich, wie man sich das nur vorstellen kann, Rose McGowan als blondes Dummchen, ach, und überhaupt diese wunderbare Musik. Was für ein Spaß, was für ein Film. Ich muss dringend wieder öfter ins Kino.

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    FILM: Little Children

    25.06.07 | Link | 6 Kommentare

    Als ich heute an diesem Tross an Frauen mit Kinderwagen vorbeilief, die sich in der Einfahrt versammelt hatten, weil es begonnen hatte zu regnen, die Kinder spielten einfach weiter im Regen, als ich das sah, da wusste ich, dass ich endlich einen Anfang für den Text zu “Little Children” gefunden hatte. Denn diese Szene erinnerte mich so sehr an die Damen in diesem amerikanischen Vorort, die jeden Tag zu dem Spielplatz um die Ecke liefen, pünktlich zur Mittagszeit die mitgebrachten Brote und abgefüllten Getränkeflaschen auspackten, um dann einander zu zeigen, wie gut sie doch mit ihrem Leben als Mutter klarkamen. Wie schön war es doch Kate Winslet dabei zuzuschauen, wie sie weder Brot noch Flasche auspackte, weil sie die Verpflegung schlicht und ergreifend vergessen hatte.

    Ich mag diesen Anfang. Das Problem: Seit ungefähr drei Wochen stehen diese Sätze nun in meiner Datenbank. Aber beenden kann ich die Filmkritik nicht. Also gebe ich die Hoffnung einfach mal auf und sage: Film war super. Erinnerte teilweise an “Magnolia”, aber irgendwie auch nicht. Ach ja, ich mochte das Ende.

    (Manchmal muss man Texten einfach ein Ende setzen.)

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    FILM: Shoppen

    05.05.07 | Link | 1 Kommentar

    Da ist die eine, die viel zu viel redet, die andere, die eigentlich nur auf der Suche nach ein paar neuen Liebhabern ist, die, die einen Ersatz für ihre Familie sucht, die kürzlich erst verunglückte, und die, die diesen Abend von ihren Kollegen zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Auf der anderen Seite ein einsamer Koch, ein Unternehmensberater, der irgendwann merkte, dass ihm bei der ganzen Arbeit nicht einmal der Sex fehlt, der Schüchterne, der verschrobene Politologe und natürlich der viel zu klein geratene Casanova.

    Sie alle hat es in diese Speeddating-Runde verschlagen, in der sie jeweils fünf Minuten mit einem der Kandidaten verbringen – neun mal fünf Minuten. Danach müssen sie sich entscheiden, ob sie einander noch einmal wiedersehen. Und auch da sind sie natürlich alle vertreten, die eine, die an die wahre Liebe glaubt, und der andere, der vorsorglich alle Namen ankreuzt, um seine Chancen optimal zu nutzen.

    Diese Geschichte erzählt “Shoppen”, ein wunderbarer Film, der von den vielen kleinen Details lebt. Von den Begegnungen dieser völlig unterschiedlichen Menschen, die so skurril sind, wie Blind Dates sein können/müssen. Die sinnlosen Gespräche, die meist zu nichts führen, das Abklopfen von Fakten, die Sprüche, die provozieren sollen und es meist tun.

    Und trotzdem ist es dem Regisseur sogar gelungen, einen Film über das unromantische Speed Dating zu drehen und Hoffnung auf die große Liebe zu machen. Die Hoffnung auf die Begegnung, die beinahe zufällig auf dem Wochenmarkt stattfindet, und nach der man weiß, dass man mit dem anderen ein bisschen Zeit verbringen könnte.

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    Film: Full Metal Village

    23.04.07 | Link | 2 Kommentare

    Nein, ich habe die Kinofrau nicht gefragt, wie oft sie in den vergangenen Tagen schon die Frage gestellt hat: “Für Full Metal Jacket, äh, Village?” Und ich hoffe wirklich, dass dies heute ihr erster Dienst seit Tagen war und sie einfach noch nicht wieder so “drin” war. Im Kinobusiness. Denn schließlich war Sonntag, der Film schon seit Donnerstag in den Kinos und da kann man sich doch wirklich daran gewöhnt haben, den Titel dieses kleinen, aber feinen Films richtig auszusprechen.

    Und ja, er war klein und fein. Und zeigte, wie das Leben so ist, in Wacken, einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein, wo es noch Bauern gibt, so genannte Multibauern, wie man dem Abspann entnehmen konnte. In Wacken findet jedes Jahr das Wacken Open Air statt: ein Festival für Heavy-Metal-Fans. Angeblich pilgert eine fünfstellige Zahl an Menschen aus aller Welt dann nach Wacken. Das bringt das Leben dort natürlich ziemlich durcheinander, doch die Wackener scheinen sich damit arrangiert zu haben. Viele sichern sich durch die “jungen Leute” einen kleinen Nebenverdienst mit dem Verkauf von “Kurzen” oder Bier, sie sind als Helfer unterwegs oder verreisen einfach.

    Was ich an dem Film besonders gerne mochte? Diese Ruhe, die er ausstrahlte. Dieses Draufhalten der Kamera auf die Menschen, wie es gelang, ihnen Blicke zu entlocken, die mehr sagten als viele Worte. Und das genügte auch, weil man weiß, dass der Norddeutsche an sich nur ungern viel redet.

    Der gebürtigen Koreanerin Cho Sung-Hyung ist ein kleines Meisterwerk gelungen. Vergesst die Sonne, geht ins Kino!

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    FILM: Mitten ins Herz

    11.03.07 | Link | 3 Kommentare

    Also so von ganz alleine hätte ich mir diesen Film mit Hugh Grant (!!) und Drew Barrymore (!!) wohl nicht angeschaut. Aber was tut man nicht alles für die Beziehung. Wobei ich dazu sagen muss, dass der Mann meines Herzens den Film vor allem wegen der Musik schauen wollte. Aber genug der Rechtfertigung. Denn ich muss sagen, dass ich es nicht bereue, diesen Film gesehen zu haben: Er war ausgesprochen nett. Ja, nett. Und das lag nun ausgerechnet an Hugh Grant. Ja, Hugh Grant.

    Er spielt Alex Fletcher, einen gescheiterten 80er-Jahre-Popstar, der nur noch in Freizeitparks oder ähnlichen drittklassigen Veranstaltungen auftritt. Seine Fans sind in die Jahre gekommen, so wie er selbst auch. Er erhält plötzlich die Chance auf ein Comeback: Er soll einen Song für den Teeniestar Cora Corman schreiben. Da er etwas aus der Übung ist, wird er schnell auf seine Pflanzenpflegerin Sophie Fisher aufmerksam, die neben dem Blumengießen vor sich hinsäuselt.

    Das Schöne an dem Film ist, dass er sich nicht so ernst nimmt: Cora Corman ist eine Mischung aus Britney Spears (in ihren besseren Jahren) und Christina Aguilera, Alex Fletcher erinnert mich seltsamerweise an einen der Take-That-Jungs, die jetzt ja auch wieder mit seltsamen Posen auf der Bühne herumhüpfen und nicht so richtig merken, dass der Hüftschwung nicht doch eher Hexenschuss verursacht als Sexappeal versprüht. Die Musik klingt sehr Wham!-mäßig und als sei sie den 80ern entsprungen – da hat man sich wirklich Mühe gemacht.
    Es wirkt alles wie eine kleine Hommage an vergangene Zeiten, nicht ohne sich auch im Heutzutage auf die Schippe zu nehmen und das brachte selbst Skeptiker wie mich zum Dauerschmunzeln und manchmal auch zum beherzten Auflachen. Ganz so, wie eine Komödie sein sollte.

    Muss ich noch was zum Ende sagen? Och, lieber nicht. Das war nämlich klassisch schmalzig und würde den positiven Tenor dieses Eintrags zerstören.

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    FILM: Der gute Hirte

    19.02.07 | Link | 2 Kommentare

    Matt Damon ist so ziemlich der langweiligste Schauspieler, den ich kenne. Und das ist einer der Gründe, warum man diesem Kerl niemals eine Rolle geben darf, in der er eine Person in verschiedenen Epochen spielt. Das Problem: In “Der gute Hirte” spielt er einen Studenten, einen Mann mittleren Alters und nochmal ein paar Jahre älter. Das führt dann nämlich dazu, dass Familienvater Matt Damon neben seinem Sohn steht und man ihn für dessen Bruder hält. Matt Damon sieht nunmal immer gleich aus. Da helfen auch keine unterschiedlichen Brillen.

    Das ist das eine Problem dieses Films. Das zweite ist Angelina Jolie. Die sieht nämlich auch immer gleich aus. Man versuchte sie zwar mit Schminke (oder ausnahmsweise keiner Schminke) blasser zu machen, gelang aber nicht. Und so sah Mama Angelina auf der Hochzeit ihres Sohns aus wie seine Schwester.

    Kommen wir zum dritten Problem dieses Films: Er war lang. Ganze 167 Minuten. Und er erzählte die Handlung in verschiedenen Handlungssträngen. Mal Matt Damon als Student, dann als Einsteiger und als gealterter (äh), im Job extrem erfolgreicher aber verdammt einsamer Mann. In diesen Handlungssträngen den Überblick zu behalten, war sehr herausfordernd und gelang mir nicht immer. Das ist schade und hilft nicht unbedingt, Sympathien für den Film aufzubauen.

    Doch “Der gute Hirte” ist nicht schlecht. Er erzählt die Geschichte von Edward Wilson, der in frühen Jahren seinen Vater verliert und ohne es wirklich zu wissen in dessen Fußstapfen tritt. Er heuert bei der OSS an, gerät so nach Übersee und wird letztendlich zu einem der mächtigsten Männer der CIA. Mit allen Konsequenzen: Er hat niemanden, dem er vertrauen kann, seine Ehe ist zerrüttet, seinen Sohn, der ihn über die Jahre hinweg trotz seiner Abwesenheit anhimmelte, enttäuscht er maßlos.

    Und doch ist wahrscheinlich Matt Damon genau der richtige für diese Rolle. Er spielt die Figur des Edward Wilson so ausdruckslos, wie nur ein Mann sein kann, der an nichts mehr glaubt. Er, Teil des Systems des Geben und Nehmens der Geheimdienste, der Mächtige, der letztendlich doch nur ein kleines Rad im System der Mächte ist.

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    FILM: Lichter der Vorstadt

    09.01.07 | Link | 6 Kommentare

    Es passiert nicht wirklich oft, dass ich Tage brauche, um mir darüber klar zu werden, ob ich einen Film mochte. Oder nicht. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich auch immer noch nicht richtig sagen, ob ich den neuen Film von Aki Kaurismäki gut, mittelmäßig oder naja, nicht so gut fand. Kaurismäki ist der Mann der großen Einstellungen: Wunderbare Bilder, farblich alles stimmig, die Musik perfekt auf die Szenen abgestimmt. Kein Zweifel, allein aus diesem Grund lohnt es sich, diesen Film zu sehen.

    Und doch zweifle ich noch: Der Grund liegt wohl darin, dass mich der Hauptcharakter dieses Films so wahnsinnig genervt hat. Dieser Koistinen, ein Wachmann, der nichts weiter hat als seinen Job, seine kleine Wohnung. Nach der Arbeit zieht er allein durch die Bars der Stadt, auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Koistinen ist ein Mensch ohne soziale Kontakte, seine Arbeitskollegen meiden ihn, vielleicht meidet auch er sie.

    Und doch hat er sich nicht aufgegeben; er hat sogar Pläne, Pläne für die Zukunft, die zwar unrealistisch sind, aber das ist egal. Und dann tritt Mirja in sein Leben, ein blondes Wesen, das Koistinen neue Hoffnung gibt: Hoffnung auf Liebe. Doch leider hat Mirja mit Koistinen andere Dinge for: Sie nutzt ihn aus, macht sich sein Wissen als Wachmann des Shoppingcenters zu nutze, um dort zunächst einzubrechen und ihn dann als Dieb an die Polizei auszuliefern.

    Doch Koistinen ist nicht dumm, er merkt sehr bald, dass er hier übers Ohr gehauen wurde, doch das, was mir die immerhin nur 77 Minuten des Films so unerträglich gemacht haben, war die Tatsache, dass dieser Koistinen nichts tut. Er sieht, wie Mirja ihm den Schmuck und die Schlüssel unterschiebt, bestreitet auch vor der Polizei nichts, nein, er fügt sich seinem Schicksal.

    Für mich als Zuschauer war es fast unerträglich, zuzusehen, wie dieser junge Mann, der zudem ja gar nicht mal so schlecht aussah, so völlig regungslos sein Leben über sich ergehen lässt. Dabei gibt es immer wieder Szenen, in denen man hofft, dass er nun endlich erwacht aus seiner Starre. Die Hoffnung auf eine neue Liebe zur Imbiss-Frau, die Entlassung aus dem Gefängnis, die Suche nach einer Arbeit, die sogar gelingt, doch dann immer wieder diese Rückschläge: das Zerreißen des Briefes, das erneute Treffen auf Mirja und ihren Komplizen, der ihn wieder arbeitslos macht. Und dann rennt er völlig kopflos mit einem Frühstücksmesser bewaffnet auf den Freund dieser Mirja zu und landet verprügelt auf einer Baustelle.

    Und dann kommt sie, die wohl zweitgrößte Szene des Films: Koistinen am Ende, ermattet aber nicht ohne Stolz verspricht er, in genau diesem Moment nicht zu sterben. Der Zuschauer, erleichtert, nicht weil er den Rest an Stolz nicht verloren hat, sondern auch, weil der Film ein Ende gefunden hat. Und zwar eines, dass noch einmal Hoffnung gibt.

    Die größte Szene des Films hingegen ist die, die Kaurismäki seinen Zuschauern nur unterschiebt. Es ist der kurze Moment, in dem wir Koistinen das einzige Mal lachen sehen. Es ist der Moment, in der er endlich dazu gehört, zu einer Gruppe. Tragischerweise spielt diese Szene auf dem Gefängnishof. Wir sehen ihn rauchen, mit der Sonne im Gesicht. Alle in ihrer Häftlingskleidung, alle gleich. Endlich.


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