
BRAVO wird 50. Zeit, mal wieder einen Blick ins Heft zu werfen. Die letzte BRAVO hatte ich vor vielleicht zehn Jahren in der Hand. Alles in allem ist das Blatt seither etwas schriller im Auftritt geworden. Und nach 50jähriger Metamorphose nennt der Verlag das Heft nun “jüngstes Poeple-Magazin”. Ergo ist jetzt alles auf Menscheleien gebürstet. Ansonsten hat das Magazin inhaltlich allenfalls ein Face-Lifting erfahren, die Grundrezeptur weicht kaum von dem ab, was die Münchner Redaktion schon vor zehn Jahren abgeliefert hat.
Einstieg mit kleinen Geschichtchen der Stars und Sternchen. Dann das große Interview, in dem die Mädels von Tokio-Hotel mal so richtig die Höschen runterlassen (Bill: “[Schlussmachen] Per SMS ist schlimm – aber ich muss zugeben, dass ich das auch schon mal gemacht habe. Heute tut mir das Leid”). Eminem guckt traurig, weil die Mutti Krebs hat, Gülcan redet über ihre “Karriere”, LaFee (LaFee?) über ihr neues Leben als Starlett, in der Mitte gibts ein paar Poster, danach den Lebenshilfe-Kram, zwei nackte Teenager (Fleischpenis und Mini-Brüstchen), einen Schlussmach-Ratgeber, die Foto-Lovestory (natürlich), das BRAVO-Songbook, zum Ausstieg Filme, Charts und wieder ein paar kleine Meldungen.
Nichts, was man nicht aus der eigenen BRAVO-Zeit kennt, nur alles ein bisschen anders verkauft. Gab es früher noch einen Unterschied zwischen “Liebe, Sex und Zärtlichkeit” (für die Fragen unterhalb der Gürtellinie) und den Fragen an Dr. Sommer (für alles oberhalb der Halslinie), ist das jetzt beim Dr.-Sommer-Team zusammengefasst. Die Fragen sind die selben (“Wo oft darf ich onanieren”), die Fragerinnen noch ein bisschen jünger (Elly, 11, Rita, 12). In den Star-Geschichten gibts ein bisschen mehr Titten (die von Nicole Richie zum Beispiel, aus der Zeit, als sie noch welche hatte) und den Versuch, alles ein bisschen verdorbener zu machen.
Gefühlt hat auch die Textmenge zu Gunsten der Bilder etwas abgenommen. Und was es offensichtlich gar nicht mehr gibt, das sind die zu meiner Zeit in jeder Ausgabe gebrachten Sozialgeschichten von normalen Teenies (Baby-Stricherinnen, Drogenabhängige und anderen Leute aus der Nachbarschaft) und Weltverbesserern (Panda-Retter, Bäumchenpflanzer und so).
Möglicherweise liegt in der weitgehend unveränderten Rezeptur auch das Problem von BRAVO. Lag die verkaufte Auflage 1998 noch bei rund 1,2 Millionen Exemplaren, hat Sie sich nach einer Talsohle von 400.000 Verkauften nun einstweilen zwischen 500.000 und 600.000 Exemplaren pro Woche eingependelt.
Natürlich ist das Flaggschiff der Jugendzeitschriften massiv von allen Seiten beschossen worden. Es gibt immer mehr Magazine in diesem Segment (207 zählt allein die IVW), die sich immer spezieller mit einzelnen Interessen der Teens beschäftigen. Und natürlich haben sich die Interessen der Jugendlichen verlagert, sowohl inhaltlich als auch die Medien betreffend. Aber man gewinnt nicht den Eindruck, die Macher der BRAVO hätten dem Konzeptionell etwas entgegengesetzt.
Nur ein paar Ideen, wo man noch ein bisschen Taschengeld abzweigen kann, sind hinzugekommen. “Ist Schlussmachen per SMS okay?” – die Frage dürfen die Leser beantworten. Per SMS natürlich. Für bis zu 20 Cent.
Die BRAVO ist und bleibt ein buntes Durcheinander oberflächlicher Geschichten, ein Magazin, das seine Leser nur bedingt ernst nimmt und damit in der Tat ein junges People-Magazin. Nice to have, aber vollkommen verzichtbar. Aber so richtig geil sind ja die wenigsten 50jährigen.

Irgendwie fällt mir das gerade angesichts Ihrer Bravo-Besprechung ein: Herr Sebas, gucken Sie eigentlich am Freitag, wie Lisa Plenske heiratet und schreiben dann eine Heimkino-Rezension dazu?
Ich denke, das bin ich meinen Franzis Leserinnen schuldig.
Sag mal, wolltest du die Zeitschriften nicht weniger ernsthaft besprechen? Das ist der wohl ernsteste Zeitschriftentest!
mir macht das cover irgendwie angst… o_O
Frau Skript – machen Sie gefälligst Urlaub. Ich wollte hier meine seriöse Seite zeigen. Quasi als Pendant zu meinem Zuhause. ;)
Bei mir is die Bravo-Zeit auch schon länger vorbei! Als ich das letzte Mal eine durchgeblättert hatte, sind mir die massiven Handy-Werbungen (Klingeltöne und Bildchen) aufgefallen – ich glaub die Zeitschrift bestand aus nix anderem!