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Zeitschriften im Test: Emotion

04.09.06 | lesen | 4 Kommentare

EMOTION

Bettina Wündrich ist in den Schoß der Familie zurückgekehrt. Nach einem längeren Ausflug mit redaktionellen Führungsrollen bei jetzt, Elle, Vogue Business und Glamour (beide hat sie als Chefredakteurin gegründet), heuerte die einstige Henry-Nannen-Schülerin und Brigitte-Redakteurin wieder bei Gruner+Jahr an. Nach einjähriger Entwicklung konnte sie dann im Februar ihr neues Baby präsentieren: Emotion, das Psychologie-Magazin.

Natürlich hat G+J gleich wieder eine eigene GmbH, die G+J Emotion Verlagsgesellschaft, gegründet. Das macht es dem Betriebsrat schwerer und die Abwicklung im Fall des Misserfolgs leichter. Und mit Erfolgsgarantien tut man sich bei Gruner seit der Tango-Schlappe vor mehr als zehn Jahren ja eher schwer. Der Stachel von damals sitzt noch immer tief im Fleisch des größten europäischen Zeitschriften-Hauses.

Aber zum Thema. Emotion kommt edel daher. Hochglanz-Cover, Klebebindung, 144 Seiten, dröges Layout und doch stylisher als die Mutter aller Psycho-Magazine, Psychologie Heute. Anders als eben diese Mutter, adressiert Emotion ganz klar die Frauen als Zielgruppe. Und das für monatlich 3,50 Euro.
Das an Brigitte erinnernde Cover bringt klassisch weibliche Themen wie

Ich glaube an mich! Mehr Selbstvertrauen – so stärken Sie das Immunsystem der Seele

Sich verlieben nach Plan – Das psychologische Experiment

Liebeskiller Kind? – Wenn Paare Eltern werden

“Ich habe ein Geheimnis” – Was Ihr Partner besser (nicht) wissen sollte

Das Anti-Stress-Programm, das endlich hilft

Und so ist Emotion die Magazin gewordene Ratgeber-Rubrik der klassischen Frauenmagazine. Ein bisschen Laberrabarber hier, ein bisschen Larifari dort, am Ende gar noch Beauty-Themen, Buch- und Reise-Tipps. In der Summe nichts, worauf wir Frauen gewartet hätten.

Mit EMOTION eröffnen wir in Deutschland ein völlig neues Segment: Das Magazin ist die Antwort auf das zunehmende Informationsbedürfnis von Frauen zu den Themen Persönlichkeit, Partnerschaft und Psychologie. Damit treffen wir den Nerv intelligenter Frauen

verkündete denn auch der Verlagsgeschäftsführer Volker Breid zum Start des Heftes. Und die Chefredakteurin sekundierte:

EMOTION richtet sich an Frauen, die beim Wort “reflektieren” nicht zuerst an ihren Badezimmerspiegel denken. Für unsere Leserinnen zählen Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz. Der Titel geht in die Tiefe, das redaktionelle Konzept ist in Deutschland völlig neu: Statt auf Make-up-Tipps und Diäten setzen wir auf eine konsequent psychologische und optimistische Betrachtung. “Ich habe das Gefühl, ich bin mehr als Bauch, Beine, Po” lautet deshalb treffenderweise einer unserer Claims.

Da liegt dann auch die Crux. Das Magazin mag nicht ganz so oberflächlich an die Sache gehen wie die Bunte. Aber es hat bei weitem nicht den Tiefgang einer Psychologie Heute, die sich im Auftritt ja auch zaghaft einem weiteren Leserkreis geöffnet hat.

Die von G+J anvisierte Zielgruppe hat zu wenig Zeit, um sich mit Emotion zu beschäftigen. Entweder will sie sich unterhalten lassen. Oder sie will fundiertes Wissen. Emotion klebt irgendwo dazwischen. Die engagierte, intelligente Frau zwischen 28 und 59 braucht keinen 15-Seiten-Report darüber, wie man das Selbstbewusstsein in Gang bringt. Und keine Sechs-Seiten-Bleiwüste über Sinn und Unsinn von Geheimnissen.
Dieses Zwischen-den-Stühlen-Konzept ist in der Vergangenheit zu oft gescheitert. Und so will ich mal ein bisschen rumorakeln: Das Konzept wird ein bisschen verwässern. Frau Wündrich der einen oder anderen Einladung vom Redaktionssitz München ins Hamburger Stammhaus folgen. Die haus-internen Marktforscher werden zu dem Ergebnis kommen, dass das Heft noch etwas leichter werden muss, um eine breite Zielgruppe zu erreichen. Damit geht es dann vollends im Sumpf der Auswechselbarkeit unter und in einem Jahr wird Emotion “die Erwartungen des Verlages an diesen neuen Markt nicht erfüllt” haben.

Bettina Wündrich wird den ersten Misserfolg seit langer Zeit wegstecken und sich aufmachen, das nächste Frauen-Magazin zu entwickeln. Vielleicht wieder etwas mit noch weniger Tiefgang. Das geht ja meist am besten.


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