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Zeitschriften im Test: PLAYER

02.09.06 | lesen | 3 Kommentare

Mit Fußball hab ich’s ja nicht so direkt. Deshalb habe ich an dieser Stelle mal das Herzmädchen schreiben lassen. Die hat mir auch die Abseits-Regel beigebracht.

Wenn Sie hier eine fundierte Zeitschriftenkritik erwarten, blättern Sie bitte weiter. Hier wird es subjektiv, denn PLAYER ist mein PLAYBOY.

Normalerweise überschlage ich das Editorial. Als langjährige Zeitschriftenleserin ist mir bislang nur ein attraktiver Chefredakteur auf dem kleinen Bild der ersten Seite aufgefallen: Peter-Matthias Gaede von der GEO. Aber das ist auch schon einige Jahre her. Erster Eindruck bei PLAYER: Der Chefredakteur Oliver Wurm ist attraktiv. Keine Ahh-Attraktivität, eher eine So-einen-fand-ich-schon-an-der-Uni-geil-aber-der-kam-nie-zu-den-Kursen-weil-er-als-Freier-bei-nem-coolen-Magazin-arbeitete-Attraktivität.

Das Editorial ist zudem in Großbuchstaben – zum Teil fett hinterlegt – gut für Menschen mit Alterskurzsichtigkeit, die Worte wecken aber nicht mein Interesse. Die Seite mit der Inhaltsangabe sieht aus wie bei einer Fußball-Sonderedition des PLAYBOYS. Fußballer, Männermode, getragen von (surprise surprise) italienischen Fußballern, Autos, vorgestellt von Berti Vogst und eine Olga, die ihre Brüste und Vagina mit Handtaschen bedeckt.

Den Spielplan überblättere ich, bei Bundesliga, Championsliga, EM-Qualifikation und was sonst noch blicke ich nicht mehr durch. Die Bilder sind für mich nicht von der Werbung zu unterscheiden. Es folgt PLAYER’S WORLD und damit Bilder von David Odonkor. Mein Plus erhöht sich. Odonkor zählt zu der Art Männer, die gleichzeitig männlich und weich wirken. Das Interview ist schlicht und glücklicherweise ohne Ton. Die Bilder kämen in den Spind, wenn ich einen hätte. Beim Interview ist mir ein tolles Feature aufgefallen. Einige Zeilen sind gelb unterstrichen.

In kleinen gelben Kästchen neben dem Interviewtext werden von Seiten der Reaktion zusätzliche Informationen geliefert. So hätte ich mir Fußnoten an der Uni auch gewünscht. Spielstrategie ist nun wirklich wieder ein Thema, bei dem ich weiterblättere. Dann das Highlight des Magazins. Ein Artikel über Fabio Cannavaro. Bei den Spielen der WM war er stets an dem Ort, an dem auch der Ball war, zum Teil habe ich beim Zusehen an Magie gedacht. Cannavaro ist außerdem männlich, ohne weich zu sein, das gefällt mir noch besser. Interessant auch, dass in einem Magazin, das wohl hauptsächlich Männer anspricht, über Cannavaros Leben und Herkunft fabuliert wird, als gäbe es nichts Wichtigeres.

Harte Fakten – wo, wann und wer – werden verwässert durch Abhandlungen über die Liebe Cannavaros zu seiner Frau und seinen Kindern, seiner Herkunft und dem Regionalpatriotismus der Italiener. Endlich die halbnackte Frau. Gähn, selbst die Handtaschen sind langweilig und viel zu teuer. Weiterblättern. Auch der Zusammenhang zwischen Profikamera und Fußball erschließt sich mir nicht. Weiterblättern.

Ah, Mailänder Fußballer in schönem Zwirn und Unterwäsche. Auch hier hätte ich etwas mehr erwartet. Langweilige Mode, langweilige Männer. Julio César kenne ich nicht. Ein ehemaliger Spieler der nun andere Spieler stilistisch berät. Weiterblättern. Dann die Kolumne einer PLAYER-Autorin, die eine Dauerkarte beim FC St. Pauli hat. Ihren Text über das Aufstehen der Fußballer nach einem Sturz wollte ich aus Stutenbissigkeit und überhaupt in der Luft zerreißen, musste aber beim Lesen leider feststellen, dass sie gar nicht schlecht ist. Na gut, Frau Buchholz – beim nächsten Mal kommen Sie mir nicht so leicht davon.

Es folgen noch Robbie Williams und der englische Drittligist FC Port Vale, Nowitzki über Zidane, Miami Vice und ein amerikanischer Fußballer aus Hannover, die langweiligen Autos des Berti Vogts – damit wäre dann wohl auch bewiesen, dass er wirklich einen Kleinen hat –, ein Serviceteil für die Leser, die wirklich Sport machen und Informationen über Aachen für die Leser, die für Fußballspiele durch die Republik reisen und wissen wollen, wo sie essen und trinken gehen können.

Alles in allem ist PLAYER besser als erwartet. Ich frage mich nur, wen das Magazin als seine Zielgruppe sieht. Frauen mit Fußballinteresse? Aber gibt es die jenseits der WM und EM? Männer, die den PLAYBOY kaufen würden, denen da aber zu wenig Fußballthemen drin sind? Dafür werden zu wenig Titten und rasierte Geschlechtsteile gezeigt.

Männer, die ein Männermagazin lesen wollen aber kein Interesse an Kosmetik, Frauenbefriedigung und völlig untragbarer Mode haben? Vielleicht. Mal sehen, ob es PLAYER in 12 Monaten noch gibt. Es wäre schön für den gutaussehenden Chefredakteur, das nette Konzept. Aber die Welt würde sich weiter drehen.


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