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FILM: Wut

30.11.06 | heimkino, sehen | 28 Kommentare

Can ist Deutsch-Türke. Er hat schiefe Zähne, eine Gang, dealt mit Drogen, schlägt sich. Und er hat eine Familie, die er über alles liebt. Felix wächst gut behütet auf und wird Opfer von Can und seiner Gang. Als die Jungs ihm seine Turnschuhe abnehmen, mischt sich der Vater, ein angehender, vergeistigter Professor im 68er Stil ein. Problemlösungsstrategien, die er bisher kannte, funktionieren nicht. Jeder Schritt, das Gespräch mit Can, mit dem Vater, der Gang zur Polizei, selbst das Verprügeln – lassen den Konflikt nur weiter eskalieren. Rachegefühle führen zu immer neuer Gewalt. Man ahnt sehr schnell, dass das Geschehen nur in einer Katastrophe enden kann.

“Wut” lässt den Zuschauer sprachlos zurück, empört über sich selbst, weil er sich dabei erwischt, Genugtuung zu spüren. Wie hätte ich wohl reagiert, ist die Frage, mit der ich mich noch eine Weile rumschlagen werde. Der Film verherrlicht nichts und er zeigt, wozu Menschen in der Lage sind, wenn sie wütend sind, wenn man sie an ihrer Ehre packt. Can rastet aus, ebenso wie der Professor es tut. Doch natürlich soll es hier auch um mangelnde Integration gehen. Und Hilflosigkeit.

Ich will jetzt nicht noch einmal auf die Debatte eingehen, die bei der Erstaustrahlung des Films Ende September 2006 ausgelöst durch die durch den Spiegel-Artikel ausgelöste Verschiebung des Films ins Spätprogramm. Das alles kann man hier ganz gut nachlesen. Meiner Meinung nach ist dieser Film einer für die Primetime. Weil er auf die Probleme hinweist, die keine politische Debatte über die Integration von Ausländern lösen kann. Dafür gibt es öffentlich-rechtliches Fernsehen. Jeder sollte “Wut” sehen. Weil er nachwirkt. Und aufzeigt. Und Fragen hinterlässt.


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