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Zeitschriften im Test: Amica

15.04.05 | leben | 8 Kommentare

Es gibt nur noch wenige Frauenzeitschriften, die mir beim Lesen Freude bereiten. So war es einige Zeit recht amüsant, Glamour zu lesen, aber seitdem die meisten Frauenblätter auf das so genannte Pocket-Format umgestiegen sind und sich nur noch mit halbseidene Sextipps beschäftigen, ist frau auf der Suche nach einer Alternative.

Vor einigen Monaten schien ich eines dieser Blätter gefunden zu haben. Seit Jahren hatte ich Amica keines Blickes gewürdigt, gingen mir die langen Single-Vorstell-Strecken viel zu sehr auf die Nerven. Durch Zufall warf ich dann also wieder einmal einen Blick in das Heft und war begeistert. Schöne Themen, schön aufbereitet und vor allem – schön geschrieben. Die Redakteure haben Lust an der Sprache und ich bekomme dabei Lust am Lesen.

Amica erschien in der Verlagsgruppe Milchstraße. Der aufmerksame Leser bemerkt, dass die Schreiberin hier die Vergangenheitsform benutzt und das hat seinen Grund: Milchstraße wurde nämlich vom großen Burda-Verlag gekauft, woraufhin die Frauenzeitschrift dann ihre Chefredakteurin verlor. Jetzt gibt es zwei Stellvertreter und zwei Chefs, unter anderem Patricia Riekel, die ja auch Chefin der Bunten ist. Tja, und neue Chefs wollen ja immer erstmal was verändern.

Genau der richtige Zeitpunkt also, noch einmal schnell einen Lobgesang auf die derzeitige Ausgabe der Amica zu verfassen.

Amica nennt sich auf dem Titel „Die große Frauenzeitschrift“. Das ist richtig, denn im Vergleich zu den Pockets ist diese Zeitschrift wirklich viel größer! Passend zum Mädchen von Seite 1 gibt es die Titelgeschichte „Bikini-fit bis zum 1. Juni“. Eine Diätgeschichte wie sie sicherlich auch in jedem anderen Blatt zu finden ist. Allerdings wird hier nicht die große Ananas-/Erdbeeren-/Spargel- oder was-auch-immer-Diät angepriesen. Die Autorin, deren Texte übrigens immer sehr schön zu lesen sind, hat sich die Mühe gemacht, der Leserin für einen Zeitraum von 6 Wochen genau aufzuschreiben, was sie zu tun hat. Denn eigentlich liegt’s natürlich an der Bewegung. Trotzdem ist das der unterhaltsamste Hinweis, mich zu bewegen und viel Wasser zu trinken, den ich jemals gelesen habe.

Von der gleichen Autorin ist dann auch die nächste Geschichte, die auf dem Titel angekündigt wird: „Kekse, Quickies, Fußmassage: Wie man die perfekte Frau wird“. Ja, wollen wir das nicht alle? Wollen wir unsere Männer nicht immer nur glücklich machen? Die Autorin beschreibt ebenfalls auf sehr amüsante Art und Weise, wie eine Freundin ihr einen US-Bestseller von Laura Schlessinger empfohlen hat. Die Tipps von Dr. Laura hat sie dann sogleich in die Tat umgesetzt und an ihrem Freund erprobt, der sich nach einer Woche die „zynische, neurotische Zicke zurück wünscht, in die er sich verliebt hat“. Das wollen Frauen lesen: Die wollen uns also zickig!

So könnte es noch stundenlang weitergehen und weil ich wahrscheinlich gerade ohnehin mit einer Lobhudelei auf diese Zeitschrift unendlich langeweile, weil ihr lieben Leser doch Verrisse viel lustiger, spannender und wahrscheinlich auch besser findet, will ich mich kurz fassen.

Natürlich kommt Amica wie alle anderen Zeitschriften auch nicht um die üblichen Frauenthemen herum: So finden wir Schminktipps, schöne Schuhe und schöne Anziehsachen in dem Heft. Und auch die Singles, wegen denen ich dieses Blatt jahrelang gemieden habe, sind immer noch mit dabei. Allerdings sind’s nur noch 10 Männer, in die ich mich bald verlieben soll und da sie sich am Ende des Heftes befinden, überblättere ich sie einfach.

So und falls ihr es immer noch nicht bemerkt habt, bekenne ich mich nochmal ganz öffentlich dazu: Ja, ich bin Amica-Fan. Passe anscheinend perfekt in die Zielgruppe! Und ihr solltet auch Fan werden, finde ich. Vielleicht ja auch wegen eines weiteren Schmankerls: Die letzte Seite. Dort schreibt “das redaktionseigene Liebespaar über die kleinen und großen Unterschiede”. Sehr schöne Kolumne, bei der wir vom männlichen Schreiberling auch aus einer anderen Sphäre (ergänze: Blogo-) schon einmal gehört haben.


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