Im Dezember postete ich jeden Tag einen Witz. Das kannst du daraus lernen

Wer mir auf Twitter folgt, hat vielleicht mitbekommen, dass ich dort vom 1. bis 24. Dezember jeden Morgen den #Witzeadvent gefeiert habe. Hintergrund ist, dass sich die Kinder in diesem Jahr neben gekauften Adventskalendern dann doch noch einen selbstgemachten mit Säckchen gewünscht hatten. Es entstand in einer nächtlichen Hauruck-Aktion ein Witzekalender, jeden Tag ein Witz. Eine gute Sache übrigens, die eigenen Vorstellungen über Kinderhumor zu überprüfen, ich lag bereits das eine oder andere Mal richtig daneben. Bei Twitter zweitverwertete ich also die Witze mit folgenden Erkenntnissen, die nicht neu sind, aber doch ziemlich gut zeigen, wie das mit den Netzwerkeffekten, dem Communityaufbau so funktioniert – nicht nur bei Twitter, auch bei Instagram, da postete ich die Witze übrigens auch jeden Morgen als Story.

Witze gehen immer: Ob neu, alt, verkopft, entweder du findest ihn schlecht oder gut – Hauptsache Emotionen. Und die funktionieren in sozialen Netzwerken bekanntermaßen besonders gut.

Dranbleiben: Zwar erhielt der Witz am ersten Dezember die meiste Aufmerksamkeit, doch nach einer Weile hatten sich die morgendlichen Witze etabliert. Jeden Tag regnete es zahlreiche Interaktionen – Likes, Retweets und Antworten, oft sogar mit Adaptionen gar Weiterdrehs. Am vierten Tag kam die erste Nachfrage, wann der Witz denn endlich kommt. Am dritten Wochenende erhielt ich zweimal die Bitte, die Witze doch bitte bei Instagram in die Highlights zu legen, man habe sie an den vergangenen Tagen verpasst. 

Je älter der Witz, desto höher die Haltbarkeit des Tweets: Ich postete die Witze morgens zwischen 7 und 8 Uhr – und die meisten Interaktionen hatte der Tweet dann bis ungefähr 11 Uhr mittags. Je nach Witzgüte kam es abends noch einmal zu einer Interaktionswelle, einigen Tweets gelang es sogar noch am Folgetag, Likes einzusammeln. Das ist sicherlich algorithmisch bedingt, zeigt aber auch: Auch auf Twitter „funktionieren“ nicht-aktualitätsgetriebene Inhalte. 

Meine Qualität ist nicht unbedingt eine objektive Qualität: Ich habe mich fast geschämt, dass auch der Witz mit der schwer verständlichen Muschel (Nuschel) dabei war, denn dieser Witz ist wirklich verdammt alt. Aber es sind genau diese Witze, die dann dafür sorgen, dass andere besonders gerne mit ihnen interagieren und sich amüsieren.  

Communitypflege ist wichtig: Ja, das wichtigste ist natürlich jeden Tag einen neuen Witz abzuliefern. Auf Reaktionen reagiere ich, Nachfragen beantworte ich. Das kostet Zeit, ja, aber zahlt sich aus.  

Und nein: Twitter lässt sich zwar wunderbar zum Aufbau von Personenmarken nutzen, aber 24 Tage reichen dafür nun wirklich noch nicht aus. Ich habe auch noch keine Talkshoweinladung als Witzeexpertin erhalten, dafür müsste ich wohl mindestens ein Buch schreiben. Und Witzebücher aller Art gibt es nun wirklich schon zuhauf.

Der Text erschien in abgewandelter Form in meinem wöchentlichen Newsletter, für den du dich hier anmelden kannst.)

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