Digitale Abos: Haltbarkeitsdatum abgelaufen

In den vergangenen Wochen gab es aus der deutschen Medienbranche viele Jubelmeldungen: 10.000 neue Plus-Abonnenten bei der FAZ in nur einer Woche, 8000 zusätzliche Digitalabos bei Stuttgarter Zeitung und Nachrichten, DIE ZEIT verkündete eine Verdopplung der Neuabonnenten im Vergleich zum besten Monat in 2019 und auch Madsack freute sich über fünfmal so viele Digitale Plus-Abos pro Tag wie sonst. Endlich Hoffnung könnte man meinen.

Doch so einfach ist es natürlich nicht, Menschen für ein Digitalabo zu begeistern, die vor allem wegen eines Themas bereit waren, Geld auszugeben. Denn wer sich für Corona und die (direkten) Auswirkungen interessiert, der interessiert sich nicht zwangsläufig für die aktuellen Entwicklungen der Kommunalpolitik oder des ansässigen Fußballvereins.

Und obwohl es eines der wichtigen Themen des diesjährigen Paid Content Summit bei Axel Springer war, beschäftigen sich immer noch viel zu wenige damit, wie sie ihre gerade gewonnenen Abonnenten am geschicktesten bei der Stange halten, die sogenannte Haltbarkeit erhöhen.

Beispiel gefällig? Vor ungefähr drei Wochen habe ich ein digitales Probe-Abo bei einem Regionalverlag abgeschlossen. 30 Tage Testphase und so. Und nun rate mal, wie häufig besagte Medienmarke seitdem versucht hat, mit mir in Kontakt zu treten. Richtig. Kein einziges Mal. Kein Morgen- oder Abendnewsletter, kein Begrüßungsschreiben des Chefredakteurs, kein Hinweis auf Updates zu besagtem Thema, weshalb ich das Abo abgeschlossen hatte.

Offenbar ist es immer noch einfacher, Subventionen durchzudrücken, als das mit dem digitalen Geschäftsmodell mal ernsthaft zu probieren.

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