Film: Heimatkunde

Der ehemalige Titanic-Chef und Vorsitzender der PARTEI, Martin Sonneborn, ist 2006 einmal um Berlin gelaufen. Er hat mit Einheimischen in Ost und West gesprochen, mit Familienanschluss gewohnt und an den brandenburgischen Imbissbuden gespeist. Aus diesen Erlebnissen ist dieser Film entstanden. Ein ruhiger Film, mit vielen tollen Einstellungen, zum Teil recht aufwändig gedreht. Ein Film, der sich nicht lustig macht, mit einem Protagonisten, der die Menschen einfach reden lässt. Eigentlich ein untypischer Film für einen ehemaligen Titanic-Macher.
Dooferweise hat die DVD eine Macke gehabt. Sie weigerte sich mehrfach, ins nächste Kapitel zu springen, da musste man immer händisch eingreifen. Und noch dooferweise bin ich am Freitagabend zehn Minuten vor Schluss eingeschlafen. Lobend zu erwähnen: Die kleinen Begegnungen im Bonus-Material sind teilweise noch sehenswerter als die im Film.

Fringe

Heute ist die erste Folge von „Fringe“ in Deutschland gelaufen. Als ich im September in New York war, habe ich diese Folge im TV gesehen und bin seitdem süchtig nach dieser Serie. Sie ist spannend, die Hauptdarsteller sind tolle Schauspieler (Pacey!). Das tollste aber ist: Es gibt so viele Handlungsstränge, die alle miteinander verbunden sind, dass man nicht nur schnell den Überblick verliert. Beim mehrfachen Schauen der Folgen würde man wahrscheinlich immer wieder ein neues Puzzleteil finden, dass in die große Geschichte passt. Zumindest in die Geschichte, die man sich selbst zusammengereimt hat.

Noch schöner allerdings ist die Tatsache, dass es da draußen (The Internet, Man!) ganz viele Menschen gibt, die Webseiten bauen und dort ihre Geschichten über die Puzzleteile veröffentlichen. So (und durch Vor- und Zurückspulen, also digital, ihr wisst schon) habe ich die Handlung der 14. Folge einigermaßen verstanden. Wie gesagt, einigermaßen (Es gibt 100-prozentig mehr als zwölf offene Fragen.)

Und nein, ich schreib jetzt nicht, dass ich es bedaure, dass es sowas offenbar nur im amerikanischen TV geben kann. Ich schreibe einfach nur, dass ich diese Serie großartig finde. (Und wahrscheinlich wirklich irgendwann endlich mal „Lost“ gucken sollte.)

Film: Der Vorleser

Irgendwie passend: Da wühle ich gerade in der Vergangenheit, weil ich den heimischen Keller entrümpele und dabei nicht nur Computerzeitschriften aus den Jahren 1996, 1997 und 1998 finde, sondern auch Fotos und Bilder und Ordner, die nicht nur lustige, sondern auch traurige Erinnerungen zurückholen. Und auf welche Idee komme ich, um mich auf andere Gedanken zu bringen? Einen Film zu gucken, über eine Frau, die das Leben eines 15-jährigen Jungen verändert, ja, sagen wir ruhig geprägt hat.

Der 15-jährige Michael trifft Anfang der 50er Jahre Hanna, eine junge, hübsche Frau, die als Schaffnerin in der Straßenbahn arbeitet. Sie hilft ihm, als er krank im Eingang eines Hauses hockt und bringt ihn nach Hause. Drei Monate dauert seine Genesung und Hanna Schmitz geht ihm nicht aus den Kopf. Also fährt er zu ihr, bringt Blumen mit. Aus der Begegnung wird eine Affäre, einen Sommer lang. Die beiden treffen sich, lieben sich und Michael liest Hanna vor. Erst die Schullektüre, später Klassiker. Sie lachen gemeinsam, er hält sie, als sie bei Homers Odyssee in Tränen ausbricht. Und irgendwann ist Hanna verschwunden. Warum, erfährt er erst Jahre später. Im Studium. Für ein Seminar nimmt er an dem Kriegsverbrecherprozess teil, in dem Hanna Schmitz wegen ihrer Tätigkeit als Wärterin eines Außenlagers von Auschwitz angeklagt ist. Erst dann versteht Michael: Das Vorlesen, alles nur deswegen, weil Hanna nicht lesen und schreiben kann.

„Der Vorleser“, dieses Buch von Bernhard Schlink, Millionen haben es weltweit gelesen, funktioniert als Film. Das liegt schon ein bisschen an Ralph Fiennes, den ich eigentlich gar nicht mag. Aber als Michael Berg, der durch die Affäre mit dieser Frau so sehr geprägt wurde, macht er sich gut. Diese Verwirrtheit, diese Gefühlskälte, seine Unfähigkeit, eine Beziehung zu seiner Freundin, Tochter aufzubauen – all das konnte ich ihm jedes Mal ansehen. Schade fand ich, dass für „Der Vorleser“ zwar alle größeren, jungen Damen des deutschen Films (Hannah Herzsprung, Alexandra Maria Lara, Karoline Herfurth) verpflichtet worden sind, sie dort aber nur blass blieben durften. Am enttäuschendsten wirkte Hannah Herzsprung, die die liebevolle Tochter von Ralph Fiennes spielte. Da wurde viel verschenkt.

Irgendwie gut war sicherlich auch Kate Winslet, als junge Schaffnerin, als gealterte Angeklagte, als alte Frau, die nach mehr als 20 Jahren Haft kurz vor der Entlassung steht. Tolle Maske, leider nur haben sich die Synchronisierungsmeister nicht allzuviel Mühe gegeben, die Stimme der gealterten Kate anzupassen. Als Michael Berg Hanna Schmitz kurz vor Ende des Films in der Gefängniskantine besucht, sagt sie das „Jungchen“ mit einer Frische, die man ihr angesichts ihres Outfits nicht abnehmen kann.

Ich finde mich gerade selbst sehr blöde, dass ich mich hier in meiner Kritik an der Synchronisierung aufhänge, aber das war das, was mich wirklich gestört hat. Hannah Herzsprung wirkte nämlich auch deshalb so komisch, weil sie den Film auf englisch gedreht hat, und sich dann noch einmal selbst übersetzt hat. Und wann machen sich die Leute vom Film eigentlich die Arbeit, bestimmte Szenen so nachzudrehen, dass die DEUTSCHE Hanna Schmitz in der DEUTSCHEN Ausgabe von „Die Dame mit dem Hündchen“ liest? Das wirkte nämlich auch sehr quatschig.

Film: Spielzeugland

Wie schreibt man eigentlich richtig über einen Kurzfilm (14 Minuten), ohne Gefahr zu laufen, sogleich die komplette Handlung zu verraten? Schließlich passiert ja nicht so viel.. Na, ich versuch es mal.

1942. Deutschland. In einem Haus lebt Heinrich mit seiner Mutter, der Vater ist an der Front, die jüdischen Nachbarn, darunter ein kleiner Junge, werden in wenigen Tagen abgeholt. Um ihren Sohn vor der Wahrheit zu schützen, erzählt sie ihm, dass die Nachbarn eine Reise ins „Spielzeugland“ antreten werden. Ein Land, in dem die Teddybären riesengroß sind. Doch diese Geschichte schreckt den kleinen Heinrich nicht ab, er will seinen kleinen Freund begleiten. Aus Mut, Trotz und Verbundenheit. Seitdem lebt Heinrichs Mutter in der Angst, er könnte tatsächlich mit der jüdischen Familie verschwinden.

So, und nun muss ich aufhören, mit der Beschreibung des Inhalts, weil ich sonst womöglich zu viel verrate. Jochen Alexander Freydank erzählt hier eine wunderbare Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus. Eine Geschichte von einer Generation, die keinen Unterschied macht, zwischen Juden und Nicht-Juden, eine Geschichte von Trotz, Warmherzigkeit und Nächstenliebe. Er schafft es, innerhalb von 14 Minuten so viele schöne Bilder zu zeigen. Sie schwappen langsam über den Zuschauer – das ist ihm wirklich gut gelungen.

Leider kenne ich mich nicht mit Kurzfilmen aus und kann schon gar nicht beurteilen, was die Kategorien für einen Oscar-Gewinn sind. Falls auch hier gilt, dass Deutsche immer dann nominiert werden, wenn sie sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen und gewinnen, wenn sie es besonders gut tun – voila. Letztendlich ist diese Frage vielleicht auch egal. Weil Jochen Alexander Freydank wirklich eine schöne Geschichte aus dieser furchtbaren Zeit erzählt hat.

Die Schlechte-Laune-Droge

Diese „The-Onion“-Videos sind schon ziemlich gut.

Hier klicken, um den Inhalt von www.theonion.com anzuzeigen.

FILM: Zeiten des Aufruhrs

Auch wenn es langweilig ist: Ich find’s doof, wenn deutsche Filmtitel so wenig aussagen. Gerade dann, wenn der Original-Titel so viel besser ist: „Revolutionary Road“* heißt er und trägt den Namen der Straße, in dem sich das Paar, Frank und April Wheeler, ein Haus suchen, um ihre Kinder groß zu ziehen. Die Revolutionary Road liegt liegt irgendwo auf dem Land in der Nähe New Yorks. Es sind die 50er Jahre, die Männer fahren allmorgendlich mit Anzug und Hut bekleidet in die Stadt, die Frauen kümmern sich um den Nachwuchs.
Weil April so langsam verzweifelt (Als sich die beiden kennenlernten, feierte sie erste Erfolge als Schauspielerin) und auch Frank in seinem Job in der New Yorker Firma nicht wirklich glücklich weil wenig gefordert ist, beschließen die beiden, sich den Traum zu erfüllen, den sie schon hegten, als sie noch keine Kinder hatten: allem entfliehen und nach Paris auswandern. Doch der Entschluss, das angepasste Leben hinter sich zu lassen, verändert das Paar. Die Aussicht, allem zu entfliehen, verleiht ihm eine Leichtigkeit und Unangepasstheit im Job, die dazu führt, dass sein Boss ihm einen höher dotierten und verantwortungsvolleren Job anbietet. Während April alle Vorbereitungen trifft, so schnell wie möglich den Plan in die Tat umzusetzen, beginnt Frank zu zweifeln. So kommt es ihm gerade recht, als seine Frau ihm verkündet, erneut schwanger zu sein.
Sam Mendes ist ein intensiver Film gelungen. Es ist extrem bedrückend, anzusehen, wie aus der starken April eine so verzweifelte und gebrochene Frau wird. Wie sie ihrer Umwelt etwas vormachen und immer wieder versuchen, die Risse zu kitten und sich doch immer weiter voneinander entfernen. Beeindruckt hat mich vor allem Kate Winslet. Sie war angepasste Mutter und gleichzeitig die Schauspielerin mit Träumen; Sexsymbol und Hausfrau. Guter Film.

*Jaja, das Buch heißt auch so. Weiß ich. Trotzdem doof.

Film: Juno

Wenn ich mit 16 schwanger geworden wäre, dann wäre ich sicherlich nicht so verdammt cool und emotionslos durch die Gegend gelaufen wie Juno. Einmal Sex gehabt, gleich schwanger geworden. So kann es gehen. Juno will das Kind zur Adoption freigeben und sucht mit ihrer ebenso durchgeknallten Freundin ein passendes Adoptionspaar aus, dem sie das „thing“ – wie sie immer sagt – nach der Geburt anvertrauen will. Dooferweise findet Juno in fortgeschrittener Schwangerschaft heraus, dass nur Jennifer Garner das Kind wirklich will und ihr Ehemann noch nicht bereit für diesen Schritt ist. Und dann passiert das, womit ich nicht gerechnet hatte: Trotz großer Krise und dem Verlust des Glaubens an die große Liebe verbunden mit dem großen Glück entscheidet sich Juno, ihr Kind Jennifer Garner zu überlassen.
So richtig warm wurde ich mit diesem Film nicht. Erstens: weil mich Juno und ihre altkluge Art nervte. Zweitens: weil ich offenbar die vielen popkulturellen Anspielungen, auf die mich der Liebste hinwies, wegen fehlender Kenntnisse nicht verstand. Drittens: weil Juno wirklich erst nach der Geburt heulte. Wenigstens dann. Pah.

FILM: Fleisch ist mein Gemüse

Das Foto zeigt die Schlussszene des Filmes. Sie steht nicht im Buch, sie wurde hinzugefügt und man sieht die Protagonisten: Gurki („Swing times are good times“), Heinz Strunk, Anna Fischer als Freundin von Heinz und der Film-Heinz. Sie tanzen und singen den Hit von Heinz und Anna, deren Namen im Film ich leider schon wieder vergessen habe. Diese Schlusszene ist ziemlich gaga. Leider bestätigte dieser Film auch eines der Vorurteile, die ich gegenüber Buchverfilmungen (von Literatur kann man in diesem Fall ja wirklich nicht reden) hege. Ich fand den Film mittelmäßig, zu viel Gaga, zu wenig Wortwitz, zu wenig Leid des Heranwachsenden. Schade.

Barneys Bro Code

Wer dieses Blog öfter liest, weiß, dass ich ein großer Fan von „How I met your mother“ bin. Und wer die Serie kennt, weiß, dass Barney Stinson ein so genannter Bro ist und gerne aus dem Buch „The Bro Code“ die wichtigsten Regeln für „Bros“ zitiert. Das Schöne: Es gibt dieses Buch wirklich. Und in einer Laune habe ich mir dieses Buch bestellt. Tolles Buch, weil extrem lustig. Nicht geeignet zum konzentrierten Durchlesen, sondern eher zum Schmökern, Blättern für Zwischendurch. Toll.

Meine Highlights:

Article 15: A bro never dances with his hands above his head.

Oder:

Article 41: A bro never cries.

Aber dort gibt es Ausnahmen: „Watching ‚Field of dreams‘, ‚E.T.‘, or a sports legend retire.“
Oder:

Article 47: A Bro never wears pink. Not even in Europe.

Auch schön die zweite Ausnahme zu „Article 58: A Bro never grows a mustache.“: Tom Selleck.

So geht es immer schön weiter, die Liste der Ausnahmen bei der Regel, niemals etwas mit der Ex-Freundin eines Bros zu haben, ist natürlich extrem lang. Tolles Buch.

Film: Wall-E

Wie schön das war, dass auf dem Rückflug von Dubai die Maschine so neu war. So konnte ich frei entscheiden, welchen der vielen Bewegtbildangebote (Happy-Go-Lucky, Wall-E, „Die Kürbisschlampe“ von „How I met your mother“, ja, die deutsche Version, eine Folge „30 Rock“ und die 50-minütige Zusammenfassung vom Glastonbury-Festival 2008) ich in den nächsten sechs Stunden konsumieren würde.

Doch Wall-E war nicht irgendein Film, den man mal eben so wegguckt. Denn dieser Film ist – obwohl animiniert und so – einer dieser Filme, an den man auch Tage später denkt und sich über die vielen kleinen Details freut. Wie Wall-E das erste Mal auf die hübsche, schnörkellose Eve trifft, wie sie sich kennenlernen, wie er ihr in seinem kleinen Container seine kleine Welt und Träume zeigt und sie so gar nichts damit anfangen kann. Wie verzweifelt Wall-E ist, als Eve plötzlich nicht mehr ansprechbar ist, wie er sie hegt und pflegt und versucht, zum Leben zu erwecken. Und dann ist da noch Mo, der kleine Roboter, der die ganze Zeit damit zu tun hat, de Dreck von Wall-E aufzusaugen (Am besten die Szene in der Raumschiffmüllhalde, wo Mo Wall-E die Hand sauber macht). Und die Roboterschar, die wegen technischer Defekte aussortiert wurden.

Einziger Nachteil: dieses aufgesetzte Gutmenschentum. Bewegt euch, schreit dieser Film. Und: Passt auf die Erde auf. Das nervt ein klitzekleines Bisschen. Lässt sich aber ziemlich gut verdrängen, wenn man ganz schnell wieder daran denkt, wie Eve am Schluss völlig verzweifelt versucht, Wall-E wieder herzurichten und sie dann schließlich Händchen halten. Hach, Roboterliebe kann so schön sein.