Äähm…!
Ich mag das neue Lied von Bruce Springsteen. Bin ich jetzt alt?
Ich mag das neue Lied von Bruce Springsteen. Bin ich jetzt alt?
Mein Wohnzimmer und ich, wir sind im Insight-Magazin. Weil Daniel damals anscheinend Fotos von unserer kleinen Fernsehshow gemacht und die Geschichte verkauft hat. Ich fühle mich benutzt, aber seht selbst:
Es bringt wohl nichts, aber da ich heute eh noch einen Tag Schweigen wollte, verlinke ich einfach auf die Aktion:
(Und immer dann, wenn man sich vornimmt, zu schweigen, kann man es dann doch wieder nicht. Mal sehen, ob ich durchhalte.)
Wenn man etwas über diesen Film schreiben will, dann muss man eigentlich als Erstes bei Veronica Ferres anfangen. Auch wenn es nervt. Weil natürlich über diese Dame schon so viel gesagt und geschrieben wurde. Trotzdem gucken halt alle immer hin. Versteh ich nicht. Obwohl: Klar, hab ja auch hingeschaut.
Das Problem: Ich kann diese so genannten „großen TV-Filme“, die im deutschen Fernsehen laufen, einfach nicht mehr sehen. Nach dem ersten Teil des Films hatte ich noch gedacht: Hey, verzichten die diesmal etwa doch auf die Standardkonstellation „tolle Frau steht zwischen zwei Männern“? Aber im zweiten Teil wird noch einmal klar: Nix da. Ein großer deutscher TV-Fernsehfilm kann einfach nicht ohne. Natürlich erhält die Ferres Hilfe von einem Journalisten (Klischee-Alarm!), mit dem sie dann auch nochmal was hat. Und natürlich trifft sie auch noch einmal auf ihren Ex. Einzige Abwandlung: Sie wollte schon vor dem Treffen nichts mehr von ihn.
Ansonsten sehen wir natürlich, wie die Ferres leidet. Wie sie sich zunächst gegen das System stellt, flüchtet, die Flucht misslingt und sie die Kehrseiten des Systems kennenlernt: Gefängnis, Psycho-Druck, das volle Programm. Und als sie dann ausreisen kann, gibt unser Superweib die Löwenmutter. Alles irgendwie schon gesehen.
Doch das hat nicht nur etwas mit der Ferres zu tun, sondern mit diesen „DDR-Filmen“ insgesamt. Besonders bewusst ist mir das geworden, als die Stasi in der Wohnung der Familie Wanzen und anderes Abhörgerät einbaut. Wirkte für mich wie ein billiger Abklatsch von „Das Leben der Anderen“. Wie Überwachung ablaufen kann, mit welcher Professionalität etc. wird dort mehr als deutlich.
Auch wenn ich hier Kritik übe, ich will nciht sagen, dass die Geschichte dieser Frau vom Checkpoint Charlie nicht berührt. Natürlich tut sie das. Aber um von dieser Geschichte zu erfahren, muss ich mir keine aufgeplusterten 90-Minüter anschauen. Dafür reicht die die Doku mit der richtigen Frau vom Checkpoint Charlie. Auch weil diese Doku zeigt, dass man auf diese bekloppte Liebesgeschichte auch gut hätte verzichten können.
Nachdem ich das erste Buch von diesem Holländer ja im Urlaub weggelesen hatte und es mich in eine Krise gestürzt hatte, gestern dann (in der Badewanne, aber das tut ja nichts zur Sache) „Ohne Sie“ zu Ende gelesen. Stijn erzählt, wie das Leben weitergeht, ohne Carmen. Dafür mit jeder Menge Sex, Kokain und Alkohol. Das kommt im Freundeskreis und auch bei seiner kleinen Tochter nicht so richtig an. Und irgendwann, nach reichlich Exzessen, bemerkt Stijn dies auch und beschließt, eine Auszeit mit seiner Tochter zu nehmen. Weg von Amsterdam, weg von seiner Langzeitaffäre Roos, weg von den so genannten Dollys.
Dieses zweite Buch ist nicht ganz so packend wie das erste, vermutlich weil man schon weiß, dass Carmen ja nun gestorben ist. Und die langen Passagen, in denen es abwechselnd um die Exzesse oder um das schlechte Gewissen in Form seiner Freunde geht, hätte man sicherlich auch ein bisschen kürzer fassen können.
Doch was dieses Buch genauso wie das erste schafft, sind die Tränen und die Gedanken, die einen auch danach nicht so recht loslassen wollen. Mir wurde beispielsweise mal wieder (jaja, scheiß Herbstblues) klar, mit wie viel unwichtigem Scheiß man jeden Tag beschäftigt ist, anstatt sich viel mehr mit anderen Dingen zu beschäftigen. Mit sich selbst (also nicht so, wie ihr jetzt denkt), mit Menschen, die einem wichtig sind. Wer weiß, was noch so kommt.
(Und irgendwie schäme ich mich jetzt doch, dass ich mit diesem Carpe-diem-Kack anfange, aber so war das halt, gestern.)
Leider bleibt am Ende doch zumindest so ein bisschen offen, mit welcher Frau (ich formuliere das mal so offen) Stijn oder Kluun oder so nun sein Leben verbringt. Das ist sicherlich gar nicht mal so schlecht, weil man noch so noch ein bisschen länger grübelt.
Es gibt ja Städte, da weiß man sofort, dass man sie mag. Bei Lissabon war das so: Ich fuhr das Auto durch die Mautstation (Schon mal den Alarm ausgelöst, weil einfach durchgefahren?) und auf die Brücke. Allein dieser Augenblick haut mich um: Was für ein Blick auf die Stadt, den Fluss. Und wenn man dann immer weiter fährt, kommt diese Wahnsinnsbrücke immer näher. Toll. Na, eigentlich hatte Lissabon in diesem Moment bereits mein Herz erobert.
Als erstes besorgen wir uns ein Bus-Ticket. Eins für diesen Hop-on-hop-off-Bus, die blaue Linie, die eigentlich an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeifährt. Mit einem Kopfhörer kann man sich die Erklärungen (in den Pausen gibt’s Faro-Mucke) in allen möglichen Sprachen anhören. Ich entscheide mich für deutsch und lausche. Und nein, es ist nicht einmal oder zweimal, dass in den Beschreibungen zu den Häusern und Straßen erwähnt wird, dass 1755 (Oh Mann, ich weiß es immer noch auswendig) ein schweres Erdbeben große Teile von Lissabon, nein, Portugal zerstört worden sind.
Das Erklimmen der Berge (Ich bin Nordlicht, ich darf das!) ist schon recht anstrengend. Insbesondere weil Temperaturen von mehr als 28 Grad herrschen. Aber wenn man dann erst mal oben ist, und so einen Blick genießen kann, dann würde man sogar noch einmal hochlaufen (Also ich jetzt.)
Am Abend gibt es an allen drei Tagen Regen. Kurz davor aber auch geiles Licht (siehe unten). Am ersten Abend erreichen wir rechtzeitig das Hotel, am zweiten Abend vergaßen wir über einer Flasche Wein (groß), das Essen (Sardinen) war leider mehr als mittelmäßig, dass der Regen uns vielleicht nass machen könnte und brachen genau dann auf, als es gerade anfing zu regnen. Ein kleiner Spurt ins nächstgelegene Café half. Am dritten Abend hat es vielleicht doch nicht geregnet (Ist ja nun auch schon ne Weile her.)
Und sonst? Gab’s schon noch ein Highlight. Aber da gibt’s auch einen Film zu und dafür brauch ich nochmal ein bisschen Zeit.
Ein paar Tage vor Ende der Reise hatte ich die Wahl: Noch ein Buch von Siri Hustvedt oder was Englisches? Ich hab mich, wie ihr seht, dann für die intellektuelle Herausforderung entschieden und Philip Roth gelesen. Es geht um einen Mann, der gerade beerdigt wird. Um ihn haben sich seine Kinder (die Tochter wohlgesonnen, die Söhne haben ihn nie akzeptiert), Ex-Frauen und Familie versammelt. Im Verlauf des Buches erfahren wir all die Dinge aus seinem Leben,in denen er mit dem Tod konfrontiert worden ist. Aber wir erfahren auch, wie er zum Art-Direktor aufgestiegen ist und im später nur schwer akzeptieren konnte, dass er nun alt geworden ist, dass es um ihn herum einsamer wird, dass es zu Ende geht.
Leider: Das ist kein Buch für den Urlaub. Ich hab mich ein wenig gequält, weil mich das Leid alter Männer derzeit nicht ganz so sehr interessiert. Vielleicht muss ich das Buch in 40 Jahren (na, mal sehen) nochmal lesen.
Haaaach, endlich wieder eine Stadt. Wir erreichen Sétubal an einem Sonntagmittag. Ein Hotel ist dank des Lonely Planets schnell gefunden und nachdem wir unsere Sachen abgestellt haben, können wir es kaum erwarten, mal wieder Stadt zu tanken. So viele Dörfer mit den immer gleichen Touri-Shops machen müde. Bereits beim Ankommen haben wir die vielen Restaurants an der Straße gesehen, alle mit einem großen Grill ausgestattet, aus dem es bereits heftig dampft. Und so machen wir das erste Mal etwas, was ich in Deutschland immer gerne mache: Mittagessen. Es ist halb drei und gerade noch ok, um in Portugal in einem Restaurant etwas Warmes zu sich zu nehmen. Denn zwischen halb vier und sieben machen die meisten Lokale zu, die einzige Anlaufstelle für die Nahrungsaufnahme sind dann Supermärkte, Bars oder Bäckereien.
Ich entscheide mich für Dorade und erhalte den besten frischen Fisch, den ich auf dieser Reise essen werde. Es ist köstlich. Danach schlendern wir ein wenig durch die Stadt, Auch Sétubal hat viele schöne Gassen. Die Stadt liegt ebenfalls an einer Flussmündung. Am Hafenbecken ist gerade ein Modellbootwettrennen zu Ende gegangen, was schade ist. Ich hätte gerne ein bisschen dabei zugesehen, wie ältere Herren um die Wette fahren. Auch hier gibt es übrigens Hafenfische. Nur Fotografieren kann man sie hier nicht so gut.
Wir bleiben einen zweiten Tag und nutzen den Montag vor allem für eins: Wir gehen zur Burg. Luftlinie vom Hotel aus: maximal 500 Meter. Doch leider ist’s ein bisschen mehr. Japsend erreichen wir die Burg. Die Sicht ist phänomenal (leider ohne Bild), die Burg überbevölkert von sehr dünnen Katzen.
Städteaufenthalt means hier gibt’s auch Internet. Und da gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine: ein kleines Internetcafé im Herzen der Stadt. Der Preis ist ok, das Publikum portugiesisch-nerdig, die anwesenden Jungs hören Tenacious D, die Band von Jack Black. Nicht unsympathisch also. Unsympathisch allerdings: Auf dem Rechner ist Java deaktiviert. Leider kapier ich das viel zu spät, hatte mich die ganze Zeit nur gewundert, dass sowohl web.de als auch Gmail nicht funktionieren.
Die andere Möglichkeit: ein Jugendzentrum, in dem man zwar nur ne halbe Stunde surfen darf und man deshalb auch seinen Namen bei der diensthabenden Pädagogin hinterlässt. Aber alles andere ist super. Internetsucht befriedigt, wieder Zeit fürs zitterfreies Stadtgenießen.
Kommen wir jetzt zu dem Teil unserer Reise, der als nicht so schön in Erinnerung bleiben wird. Machen wir’s kurz.
Der Austragungsort: Vila Nova de Milfontes.
Das Wetter: grau.
Der Ort: Ok. Kleines Dorf, das vor allem von den Portugiesen für die Ferien genutzt wird. Es liegt an der Westküste, direkt an der Mündung des Rio Mira.
Der Strand: Klein, dreckig, nicht so schön.
Das Essen: Pizza. Leider mit einem leicht süßen Teig, der nicht so richtig zum Rest des Belags passen will. Zu allem Pech spricht die Bedienung auch noch deutsch, die Kasse spinnt, so dass wir ewig auf das Wechselgeld warten. Kein guter Tag.
Die Bleibe: Auf den ersten Blick ok. Doch als wir später in die Pension zurückkehren, macht sich ein seltsamer Duft breit. Der Ausguss des Waschbeckens stinkt. Aber richtig. Die Tür zum Badezimmer bleibt von nun an geschlossen. Wegen eines bellenden Hundes kann ich ewig nicht einschlafen. Die Nacht verbringe ich abwechselnd lesend, spielend (Nintendo DS) und einschlafend.
Fazit: Wir verzichten auf das Frühstück am nächsten Morgen und reisen ab.
Ist es eigentlich schlimm, dass ich bis zu diesem Buch noch nie etwas von Edgar Hilsenrath gehört habe? Vermutlich. Und wenn man das alles durchliest, inklusive Nachwort, dann war ich schon recht verwundert, noch nie etwas von dem Herrn gehört zu haben.
„Der Nazi und der Friseur“ erzählt die Geschichte von Max Schulz, der den Großteil seiner Jugend mit dem Nachbarsjungen Itzig Finkelstein verbringt, dem Sohn des ansässigen jüdischen Friseurs. In dem Salon geht er auch in die Lehre, bis, ja bis, Hitler an die Macht kommt und das Zusammenleben der beiden ein wenig gestört wird. Max Schulz wendet sich von den Finkelsteins ab, arbeitet von nun an im Salon des Stiefvaters und tritt der SS bei. Während des Krieges mordet er im Erschießungslager Laubwalde. Er entgeht den „Russen“ nur knapp, kehrt nach Berlin zurück und schlägt sich dort mit wenig Verstand aber viel Geschick auf dem Schwarzmarkt durch. Doch als Max Schulz ist ein Leben in Deutschland nicht möglich. Als ehemaliger SS-Mann wird er nämlich gesucht. Da er bereits in seiner Jugend immer für einen Juden gehalten wurde, nimmt er die Identität seines Jugendfreundes an. Max Schulz heißt von nun an Itzig Finkelstein.
„Der Nazi und der Friseur“ erzählt ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten und Moral die Geschichte des Wendehals Max Schulz, der nie wirklich antisemitisch war. Er ist einfach nur den Massen gefolgt. Ohne darüber groß nachzudenken, bringt er Tausende in Laubwalde um, versteht vielleicht auch, dass dies irgendwie falsch sein könnte, aber rebellieren, das kann er nicht. Er schlägt sich durch, reist bis nach Israel und baut sich dort ein neues Leben auf. Schuldgefühle? Nein. Warum auch. Er weiß, dass er unrecht getan hat, spricht von sich immer als „Ich, der Massenmörder“, doch er ist der Meinung, für seine Taten nicht unbedingt gerade stehen zu müssen.
Edgar Hilsenrath hat mich ein wenig ratlos zurückgelassen. Lange habe ich beispielsweise darüber nachgedacht, was mir das letzte Kapitel nun sagen wollte. Außerdem grübelte ich vor allem darüber, ob ich nun die Originalversion gelesen habe oder die deutsche Version, in der noch ein Kapitel hinzugefügt werden musste. Diese Frage blieb offen, so dass ich bisher eigentlich auch nicht sagen kann, ob mir dieser Schluss gefallen hat.