Ne Stunde vorm Fernseher

Wieder was gelernt: Stefan Aust kauft gerne mal für 250 Euro Lebensmittel ein. Er trägt selbst auf seinem Gestüt eine Spiegel-TV-Mütze. Beim Autofahren ist er gerne mal einen Apfel. Natürlich auch mit Spiegel-TV-Mütze.

Ansonsten hätte man meinen können, dass Herr Lamby auf ein Jobangebot wartet. Seichte Fragen, schmeichelndes Gequatsche. Und nicht mal einen reitenden Herrn Chefredakteur.

Dann fange ich morgen mal an, das Oliver-Gehrs-Buch über Herrn Aust zu lesen.

(…)

Und wie bescheuert ist das denn? Immer nach den 8-Uhr-Nachrichten, so zwischen Verkehrsnachrichten und den ersten Takten der Musik, darf diese Moderatorin Simone soundso ihre Zuhörer mit dem Satz ‚Und in dem Aufzug wollen Sie auf die Straße gehen?‘ begrüßen. Ob diese Frau weiß, was sie da tagtäglich für Tragödien auslöst? Nur gut, dass ich um acht nie vor dem Kleiderschrank stehe.

Abschied von der Lieblingshose

Die Elleschen Parameter:
Bezugsquelle: GAP (ja, damals)
Kostenpunkt: ich glaub es waren noch Mark, 80 vielleicht?
Absatzhöhe: keine

Was habe ich diese Hose geliebt. Nein, was liebe ich diese Hose! Sie saß doch immer so gut, formte meinen Hintern auf wunderbare Weise, so dass der eine oder andere Herr sich dann und wann zu einem wohlwollenden Kommentar hingerissen sah. Mehrere Jahre begleitete sie mich durch Berlin. Kam mit in die Uni, lümmelte auf Wiesen rum, in Bars, Kinos, auf Sofas und auf Betten. Obwohl sie damals schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, schaffte sie es bis nach Düsseldorf.

Dann der erste Zwischenfall (Anmerkung für die Leser: erstes Sternchen). Bei einer akrobatischen Bewegung (sie MUSS einfach akrobatisch gewesen sein) riss sie auf. Ich wehrte mich gegen ihr Ableben. Ein Schneider brachte sie wieder auf Vordermann. Dann am Ostermontag der zweite Riss (Anmerkung für die Leser: zweites Sternchen). Gerade als ich mich mal wieder mit Hausarbeit beschäftigte, hörte ich das Reißen. Fühlte plötzlich den kühlen Luftzug am Hinterteil. Klar, ich könnte sie diesmal wieder nähen lassen, aber dann müsste ich den gesamten Hintern erneuern.

Deshalb heißt es nun Abschied nehmen. Gibt es eigentlich irgendwo einen Friedhof für ausrangierte Lieblingsjeans?

Sätze, die die Welt bedeuten (12)

‚Italiener haben eigentlich immer dünne Schenkel und wenig Hirn.‘

(Meint Marcus.)

Ist das so? Kann das jemand belegen?

Shoppen

Mit Frauen geht man in alle verfügbaren Schuhläden.
Mit Männern geht man in alle verfügbaren Elektronikfachgeschäfte.

Franziska on Air

Langsam schlenderte ich über den Kudamm. Erfreute mich an der Frühlingssonne und blinzelte vor mich hin. Dann nahte er mir. Der kleine Mann, der bereits sein Mikro gezückt auf mich zu stürzte: Ein kleiner 104.6-Praktikant, der den Auftrag bekommen hatte, O-Töne zu sammeln. Ich hatte Mitleid und nach dem dritten Versuch saß der Text dann auch gut und ich ließ flüssig verlauten, dass ich mich heute nachmittag aufmachen würde, in die Bahnhofspassagen in Potsdam. Da sei irgendeine Ausstellung, bei der man Charlie Chaplin und Elvis Presley aus Metall bestaunen könne. Und noch andere Superstars. Das hab ich so dann aber nicht gesagt.

Wer also morgen oder demnächst den wunderbaren Klang meiner bezaubernden Stimme hören will, sollte in den kommenden Tagen RTL-Radio hören. Wer das allerdings nicht aushält, kann mich auch anrufen: 0190-…

Tsss.

Helmut Lottis Ehe kaputt? Und dann auch schon die zweite? Und ich dachte immer, dass der schwul ist. Und Olli Pocher soll mit der Bätschelorett im Liebesurlaub sein? Mannmannmann, das ist ein Start in den Tag. Das muss ich erstmal verkraften.

FILM: Kinsey

Ich weiß nicht, aber ich habe ein Problem mit diesen amerikanischen Verfilmungen großer Biographien. Das war schon in ‚The Beautiful Mind‘, wo das Wirken und Leben von John Nash dargeboten wurde. Ein Wissenschaftler, dessen Versessenheit in die Materie und seine private Seite.

In ‚Kinsey‘ geht es um Alfred Kinsey, der aus einem streng konservativen Elternhaus stammt und gegen den Willen seines Vaters Biologie studiert und sich einen Namen als Insektenforscher macht. Während seiner Lehrtätigkeit lernt er seine Frau Clara McMillen (Laura Linney) kennen, mit der er drei Kinder zeugt. Wie ich gelesen habe, entdeckt er erst im Alter von 42 Jahren die Sexualforschung für sich und macht sich daran, eine umfangreiche, empirische Studie über das Sexualverhalten der Amerikaner zu erstellen. Während das erste Buch zum Kassenschlager wird, floppt das zweite, in dem er sich insbesondere mit der weiblichen Sexualität auseinandersetzt. Kinsey gerät in die öffentliche Kritik, der finanzielle Unterstützer springt ab und zu allem Überdruss meldet sich sein Körper.

Tja, eigentlich ein Film, der nach einem tragischen Ende schreit. Ein Ende, in dem Kinsey sich wiederum in die Wissenschaft flüchtet, der Sache wegen. Aber es kommt anders. Die letzte Szene spielt im Wald. Zwischen tausendjährigen Bäumen sagt Kinsey zu seiner Frau: „Es gibt noch viel zu tun.“ Er umarmt sie, sie laufen ein paar Schritte. Das war’s.

Eine Weile habe ich darüber nachgedacht und nun weiß ich, was mich an diesem Ende so stört. Es ist kein schlechter Schluss, keineswegs, denn selbst in der heutigen Zeit hat Kinsey ja recht. Besonders, wenn man die Situation in den USA betrachtet. Doch passt dieses Ende nicht zu dem Rest des Films. Versucht er doch immer wieder auf sehr amerikanische Weise ‚mehr‘ zu wollen. Große Szenen. Es wird immer wieder die Erwartung eines tragischen Ereignisses geschürt. Doch diese bleibt aus.

Und dann noch etwas, was auch Emily genervt hat: Es ist ja schön, wenn man versucht, in einem Film die verschiedenen Lebensphasen darzustellen. Allerdings fiel es bei ‚Kinsey‘ wirklich schwer, anhand der optischen Veränderung wirklich zu erkennen, ob man gerade den ‚jungen‘ oder den ‚älteren‘ Kinsey sah. Gleiches gilt übrigens für seine Frau, die von Laura Linney gespielt wurde. Die haben wir alle sowohl in ‚The Truman Show‘ und ‚Mystic River‘ schon wandlungsfähiger gesehen. Aber das nur am Rande.

Arm.

‚Inzwischen ist Fischer für die Regierung eine Belastung. In der Beliebtheitsskala abgehängt von CDU-Langweiler Wulff, der vermutlich nicht mal seinen Teddy verprügelt hat.‘

(Stern, 13/05, S. 47)

Wochenende

I.
‚Was guckst du so böse?‘ Ich guckte nicht böse. Ich wartete einfach darauf, dass der Mann hinter der Bar mir mitteilt, wie viel Geld er denn nun von mir bekommt. Drei Alsterwasser. In letzter Zeit seltsamerweise viel Alsterwasser. Unerträglich gerade gezapftes Bier ohne den Schuss Limonade. Aus welchen Gründen auch immer. Ich schaute immer noch böse, ließ sie mich wissen und fügte hinzu, dass es auch an der Brille liegen könne. ‚Genau‘ antwortete ich mit einem breiten Grinsen. Vielleicht glaubt sie mir ja jetzt. ‚Oder bist du böse?‘ – ‚Nö‘, antwortete ich. Und: ‚Oder soll ich böse sein?‘ Sie verneinte. Ich zahlte. Restgeld. Danke und Auf Wiedersehen.

II.
Auf dem Nachhauseweg Nebelschwaden. Oder doch Rauch? Der Geruch von verbrannten Holz in der Nase. Nicht nur dort. Glauben, dass mein gesamter Körper ihn angenommen hat. Nicht nur die Jacke, die Hose, sondern alles. Auch die Haut. Später feststellen, dass es doch der übliche Kneipengeruch ist, der an mir haftet. Trotzdem Nebel.

III.
Viel gelaufen. Nicht allein.

IV.
Diese Stille. Diese unendliche Stille. Der Blick schweift über den See, der in dichten Nebel getaucht ist. Das gegenüberliegende Ufer unsichtbar. In der Ferne hört man Enten, die über das Wasser flattern.

V.
Diese Stille. Den eigenen Atem hörend auf dem Deich stehen. Der Blick schweift über den Horizont. Nur die Frage im Kopf, ob das Wasser kommt oder geht.

VI.
Ich möchte nie in einem Reihenhaus wohnen.

VII.
Bielefeld soll die Stadt mit der höchsten Schuhgeschäftdichte sein. Sagt meine Mutter.