Was mal gesagt werden muss (2):
Die Medienseiten der großen, deutschen Tageszeitungen verkommen immer mehr zu Fernsehfilmbesprechungsseiten. Das kann so nicht weitergehen.
Die Medienseiten der großen, deutschen Tageszeitungen verkommen immer mehr zu Fernsehfilmbesprechungsseiten. Das kann so nicht weitergehen.
Ramon ist vom Hals ab gelähmt und will diesem Zustand ein Ende machen. Weil er sein Leben nicht lebenswert findet. Schuld daran war ein Badeunfall. Kopfüber sprang er damals ins Wasser, sein Genick brach. So ist er seit 28 Jahren auf fremde Hilfe angewiesen. Freunde und Verwandte kümmern sich rührend um ihn. Trotzdem will er lieber tot sein, als weiter vor sich hin vegetieren.
Es gibt kein Recht auf den Tod. Es gibt keine Institution, die Sterbewilligen Hilfe gibt, ohne selbst dafür vor Gericht zur Verantwortung gezogen zu werden. Doch Ramon ist auf die Hilfe anderer angewiesen. Auch im Fall seines Todes.
Dann treten zwei Frauen in Ramons Leben. Zum einen Julia, eine Anwältin, die ihn vertreten will, aber selbst von einer Krankheit gezeichnet ist, die sie bald an die Hilfe anderer fesselt. Zum anderen ist es Rosa, die durch einen TV-Auftritt auf Ramons Schicksal aufmerksam wird und mit der Zeit zu einer Freundin wird. Beide interessieren sich für ihn und auch Ramon beginnt beide Frauen zu mögen. Doch ändern die neuen Erfahrungen nichts daran, dass er von seinem Ziel, seinen Tod, abrückt.
Am Ende bekommt Ramon, was er wollte: Mit Hilfe eines Glases Wasser mit Zyankali setzt er seinem Leben ein Ende, nicht ohne der Nachwelt per Video eine Botschaft zu hinterlassen. Er habe die Hilfe vieler Freunde beansprucht, die alle Dinge getan haben, die an sich nicht strafbar gewesen sind.
„Das Meer in mir“ setzt sich auf sehr einfühlende Weise mit dem Thema Sterbehilfe auseinander. Der Zuschauer kann nachempfinden, wie hilflos ein Mensch sein muss, dass in ihm der Entschluss reift, sterben zu wollen. Ebenso klammert der Film nicht aus, mit welchen Ängsten die Angehörigen geplagt werden und wie sehr wir alle doch an unserem Leben hängen. Welten prallen aufeinander.
Der Film überzeugt, kein Wunder, dass „Das Meer in mir“ als bester ausländischer Film ausgezeichnet wurde. Und „Der Untergang“ (allein vom Thema) her keine Chance hatte.
‚Wovon wollen Sie denn träumen‘, fragte mich der gut aussehende Doktor, der gerade die Kanüle in meinem linken Arm platziert hatte. ‚Keine Ahnung‘ antwortete ich und dachte nur, warum er mir jetzt so eine Scheiß-Frage stellen musste. So referierte ich kurz, dass ich heute morgen bereits um sieben wachgeworden bin. Zuvor hatte ich davon geträumt, verschlafen zu haben. All das Hungern und viele Trinken (6 Liter!) war umsonst gewesen. ‚Kommen Sie doch Montag nochmal vorbei‘, hatte mir die Schwester noch gesagt. Scheiß Träume.
Der andere Doktor kam herein und fragte ebenfalls ‚Wovon wollen Sie denn träumen?‘ – Mein Gott, können die sich nicht mal ne andere Frage ausdenken? Ich weiß noch, dass ich den Vorschlag, ich sollte doch von lila Blumen träumen, ziemlich dämlich fand. Doch dann wachte ich schon wieder auf, die Schwester ließ mich die Hose und Schuhe schließen und führte mich in das Aufwachzimmer.
Ging ja schnell.
Achtung! Es folgt ein politisch korrekter Text im Rahmen der Aktion „Franziskript gegen Darmkrebs.“ Wer das albern, langweilig oder uninteressant findet, sollte morgen wieder kommen.
Was tut man nicht alles für seine Leser! Immer wieder zaubert man Lustiges aus seinem Leben hervor, Trauriges, bereitet es nett auf und versucht sich am Schmunzeln über sich selbst. Der heutige und morgige Tag stehen bei mir ganz im Zeichen meines Darms. Während sich Harald Schmidt alle zwei Jahre eine ordentliche Darmspiegelung gönnt (‚Der Tod sitzt im Darm‘), fang ich halt morgen damit an.
Wer sich über Sinn und Unsinn einer Darmspiegelung informieren möchte, sollte auf einschlägigen Seiten wie beispielsweise darmkrebs.de lesen oder eine geeignete Suchmaschine aufsuchen.
Bevor dieser Akt morgen früh vollzogen wird, muss das Organ vollständig entleert werden. Dafür gibt’s eine nicht besonders leckere Flüssigkeit, die morgens und abends eingenommen werden muss und die zu einem heftigen Murren und Gurgeln in der Magen- und Darmgegend führt. Nach ungefähr einer halben Stunde sorgt diese dafür, dass die Einnehmende dann und wann erschrocken aufspringt und den schnellsten Weg ins Badezimmer wählt.
Wie diese Entleerung dann vollzogen wird, führe ich mal nicht weiter aus, das kann sich jeder selber denken. Und wenn ich dann noch erwähne, dass heute nur noch Flüssignahrung angesagt ist, brauche ich wohl auch nicht auf die Konsistenz des Ausgeschiedenen eingehen.
So, und wie der geneigte Leser bereits ahnt, bin ich also derzeit dabei, immer wieder zwischen Badezimmer und Rest der Wohnung hin und her zu rennen, unterwegs noch schnell ein Schluck aus der Pulle. Fünf Liter sind heute Pflicht, gibt ja auch sonst nix.
Aufmunternde Worte à la ‚Lass es raus, Baby‘ sind in den Kommentaren gern gesehen.
‚Und so weiter und so fort, es ist so grotesk schlimm, dass man sich beim Lesen schämt.‘
Genau das hab ich auch gedacht, nur schreiben konnte ich es nicht so gut. Vielen, vielen Dank.
Ort: Grenze zu Polen, diesseits und jenseits. Der Film erzählt viele verschiedene Geschichten von Menschen, dort leben. Zigarettenschmuggler, Übersetzerinnen, Flüchtlinge, die nach Deutschland wollen. Polen, die daran verdienen wollen. Menschen, die helfen wollen. Menschen, die aus der eigenen Not heraus Geld verdienen müssen.
Wunderbare Musik. Wunderbare Charaktere. Guter Film.
‚Wäre der Grand-Prix-Vorentscheid eine Stadt, dann am ehesten Hannover‘.
(FAZ, S. 9)
Wer mich gestern im Zug getroffen hat, sah mich vertieft in meine derzeitige Lektüre. Ein großartiger Erfahrungsbericht mit der einen oder anderen Geschichte über die seltsame Musik, die da samstäglich auf Hochzeiten, Schützenfesten oder anderen Feierlichkeiten dargeboten wird. Und vielleicht finde ich dieses Buch auch nur so gut, weil ich dieses Prozedere selbst das ein oder andere Mal erlebt habe. Eine mittelklassige Coverband spielte in einem Festzelt ihr Repertoire herunter, dazu fließt jede Menge Alkohol. Die, die in einer festen Beziehung sind, knutschten mit ihrem Partner und verdrücken sich rechtzeitig nach Hause. Andere knutschen wild herum und verzogen sich dann und wann nach draußen und die Übrigen waren zu betrunken.
Und immer wenn ich das Buch beiseite gelegt habe, musste ich an ihn denken. Ich weiß nicht, wann ich ihn zum ersten Mal getroffen hatte. Er sah nicht schlecht aus und wie die vielen anderen spielte auch er im örtlichen Fußballverein. Man traf sich meist am Samstagabend in der Disco, wo alle waren. Ein Cola-Korn hier, ein Plausch da. Dazu wildes Hüftenschwingen zu grenzwertigen Hymnen.
Immer wenn ich durch den Ort lief, konnte ich sicher sein, dass ich ihn traf. Er, der nach der Arbeit nichts Besseres zu tun hatte, als mit seinem Auto durch die Straßen zu fahren. Einfach nur fahren, in amerikanischen Serien würde man das wohl aus Cruisen bezeichnen. Später, als er eine Freundin hatte, saß sie oft neben ihm. Sie fuhren ihre Runden und manchmal traf man sie auch laufend. Die beiden schienen füreinander gemacht, für sie war er der erste richtige Freund, für ihn war sie eine der ernsten Geschichten. Sie ging noch zur Schule, er verdiente als Elektriker sein Geld.
Auch als ich aus dem Ort zog, waren die beiden noch zusammen. Auf meinen Stipvisiten sah ihn oft, meist bei seinen täglichen Runden durch die Ortschaft. Immer wenn ich ihn sah, waren seine Oberschenkel dicker geworden, sein Bauchansatz ausgeprägter und sein Gesicht voller. ‚Schade‘, dachte ich damals oft. Und weil der Buschfunk immer noch hervorragend funktionierte, erfuhr ich wiederum ein paar Jahre auch von seinem Ende. Es muss am Ende ihrer Schullaufbahn gewesen sein, als ich davon hörte, dass sie sich von ihm getrennt hat. Klar, wahrscheinlich wollte sie noch einmal was anderes erleben. Wollte studieren gehen. Wegziehen. Oder so.
Einige Tage später war er plötzlich tot. Autounfall. Gegen den Baum.
‚Having been fucked is no excuse for being fucked up.‘
Dank an Lucy
Fin liebt Züge, alte Lokomotiven und Schienen. Alles, was mit der Bahn zu tun hat, übt auf ihn eine Faszination aus. Deshalb liebt er seinen Job in dem kleinen Modelleisenbahnshop. Zugleich leidet Fin an seiner Kleinwüchsigkeit, wegen der er sein Leben lang gehänselt wurde. Als sein bester Freund und Arbeitgeber plötzlich stirbt, erbt er ein Zugwärterhäuschen in New Jersey. Er zieht in die verlassene Gegend, wo er selbst bis zum Supermarkt einen langen Fußmarsch hinter sich bringen muss.
Mit Befremdung nimmt er den Kubaner Joe und die hübsche Olivia wahr, die dort immer wieder seine Nähe suchen. Da er sein Leben lang ob der Hänseleien ein einsames Leben geführt hat, empfindet er das als aufdringlich. Doch die beiden lassen nicht locker und so dauert es nicht lang, bis er Vertrauen fasst.
Endlich mal wieder einer dieser kleinen Filme, die mich wissen lassen, dass es auch jenseits des Mainstreams gute Filme gibt. Es muss nicht immer eine große Handlung sein. Man kann auch so ein gutes Werk abliefern. Mit feinem Humor. Mit Gefühlen, die leise mitschwingen. Die Filme müssen sich nur ganz vorsichtig in das Herz des Zuschauers schleichen und ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. All das geling „The Station Agent“.