Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach in der kleinen PR-Agentur am Rande der Stadt

(Rubrik dreist geklaut bei Thomas Knüwer. Sorry!)

Es klappt, es klappt”, schreit Praktikantin Julia so laut, dass Putzfrau Margarethe erschrocken den Feudel fallen lässt. “Was ist denn jetzt los?”, stürzt Marcel, dem vor Schreck kein englischer Begriff einfällt, ins Zimmer. “Na, warte mal ab.” Mist. Eigentlich wollte Julia doch gerade vor Marcel Ruhe bewahren. Der sollte den großen Coup doch als letzter erfahren, nach all dem, was er ihr angetan hatte.

Seit Wochen hatte sie sich mit Wolfgang Gedanken gemacht, wie man Marcel eins auswischen könnte. Denn der hatte ihr noch vor gar nicht allzu langer Zeit versprochen, sie von ihrem Praktikantendasein zu erlösen. Bei einem Mittagessen zwischen zwei Terminen hatte er ihr sogar eine Stelle in Aussicht gestellt. Doch dann kam vor einigen Monaten dieser Wolfgang in die Agentur. Chief Blogging Officer nannte der sich und erst konnte Julia ihn überhaupt nicht leiden.

“Ja, was ist denn nun?”, fragte Marcel sie noch einmal und sah sie dabei eindringlich an. “Schon gut”, antwortete Julia und klappte ihren Laptop zu. “Ich geh jetzt nach Hause, lass uns morgen reden”, sagte sie, ohne ihm dabei in die Augen zu sehen. Schnell packte sie den Rechner in die schicke Mandarin-Duck-Tasche, die sie sich erst letzte Woche gekauft hatte. Seit Monaten hatte sie immer wieder Geld beiseite gelegt, um sich endlich diesen Traum zu erfüllen!

Als sie an der Haltestelle stand und auf den Bus wartete, war sie richtig stolz. Leicht war es nicht gewesen, die ganze Sache voranzutreiben, ohne dass Marcel davon Wind bekam. Doch glücklicherweise hatte sich Marcel vor einigen Monaten Hals über Kopf in Sarah vom Empfang verknallt und hatte seitdem nur noch Augen für sie. Sie griff nach ihrem Handy und wählte Wolfgangs Nummer.

“Wollen wir uns gleich noch auf ein Bier treffen?”, fragte sie ihn ganz direkt. “Am besten in einer Kneipe mit W-Lan”, fügte sie schnell hinzu. “Es scheint zu klappen. Geh mal auf wirres.net. Der nimmt uns schon die ganze Arbeit ab und fordert auch schon diesen Jens auf, Stellung zu beziehen. Wenn wir Glück haben, korrigiert der uns unsere Liste noch vor Donnerstag.”

Wenig später saß sie mit Wolfgang in der kleinen Eckkneipe gleich neben ihrer Wohnung. Das W-Lan reichte bis an die Theke. “Das war wirklich eine super Idee, Julia”, sagt Wolfgang und nippt an seinem Bier. ‘Wenigstens diese eine’, fügt er in Gedanken hinzu. Dass er nicht selbst darauf gekommen war, diese Mechanismen der Blogosphäre für eine große Geschichte zu nutzen, wurmt ihn ein bisschen. Denn schon öfter waren Statistiken Anlass für Diskussionen in der Blogosphäre gewesen. Und immer wieder hatte es Versuche gegeben, ein Bild der Blogosphäre zu zeichnen. Jetzt also die große Kooperation mit Technorati. Klar wussten beide von den Problemen, die es bei Technorati gab. Aber auch die könnte man ja ganz webzweipunktnullig beheben.

“Das klappt ja wirklich schon ganz gut. Eine hat sich schon gemeldet, die haben wir vergessen”, sagt Julia und trinkt einen großen Schluck ihres Rotweins. “Das ist so gut, dass die Liste durch diese Blogs so verdammt unprofessionell aussieht. Ich wette bis morgen sind wir mit unserer Aktion in allen wichtigen Blogs erwähnt. Wer nicht in der Liste ist, wird schon was sagen und Publicity bringt uns die Aktion allemal. Vielleicht bringt das ja sogar ein paar Erwähnungen in den Medien”, brabbelt Wolfgang vor sich hin und schreibt, wegen der “Glaubwürdigkeit”, noch schnell einen Blogeintrag.
“Fragst du gleich morgen den Chef mal wegen einer festen Stelle?”, fragt Julia. “Jaja”, antwortet Wolfgang. Das Bier drückt. Er steht auf und geht zum Klo.

6 comments on “Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach in der kleinen PR-Agentur am Rande der Stadt

  1. Stitch sagt:

    Sehr schön! Falls der Knüwer mal ne Urlaubsvertretung sucht, meinen Segen hättest du damit sofort!

  2. Das kost nen Bier! Mindestens!

  3. Iboh Buddha sagt:

    Nicht nur das Bier drückt.
    Schöner Artikel

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