Warum ich am Sonntag (mal wieder) strategisch wähle

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Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich jetzt in einem langen Aufsatz dazu auffordere, am Sonntag zur Wahl zu gehen. Ob auf Instagram, Snapchat, Facebook, Twitter oder in Blogs – überall gibt es persönliche oder organisierte Initiativen für eine höhere Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl am Sonntag. Das ist toll – hey, politisches Engagement! – , auch wenn ich nicht unbedingt glaube, dass das etwas bringt. Denn ist es sinnvoll einfach nur irgendwelche Stimmen zu mobilisieren, um dann wieder vier Jahre rumzumäkeln, dass eh alles scheiße ist und Politiker blöd? Viel wichtiger wäre echtes und langfristiges politisches Interesse und Engagement.

In dieser Woche hat mich ein Text sehr berührt. Nicht nur weil ich mir vorgestellt habe, wie sich Anna fühlen muss, hin und her gerissen zwischen Familie und ihrem eigenen Leben, zwischen Vorurteilen und Realität. Der Text hat mich auch deshalb berührt, weil er das Dilemma dieser Bundestagswahl perfekt auf den Punkt bringt. Grob zusammengefasst: Die Eltern der jungen Journalistin wählen nicht mehr, weil sie meinen, dass ihre Interessen von keiner der Parteien vertreten werden. Sie haben früh Kinder bekommen, sind in Hartz IV gerutscht, Anna erzählt, wie sie dieses Stigma im Schulleben begleitete und gleichzeitig motivierte, ein anderes Leben leben zu wollen.

Ich verstehe nun ein bisschen besser, warum es immer mehr Menschen gibt, die Protest wählen – in Form von AfD oder anderen politischen, aber auch unpolitischen Parteien: Es gibt eine immer größer werdende Zahl an Menschen, die sich auf welche Weise auch immer nicht mehr vom politischen System, ihren Parteien und Köpfen abgeholt fühlt. Die Jungen, die beim TV-Duell die für sie wichtigen Zukunftsthemen vermissten, diejenigen, die befürchten, ihre Arbeit an Flüchtlinge zu verlieren, und andere, die befürchten, in der neuen digitalisierten Welt nicht mehr mitspielen zu können. Und da sind beispielsweise auch Annas Eltern, die nicht mehr auf den Sozialstaat vertrauen. Alle eint: Die Angst vor dem Ungewissen. 

Die eine setzt auch ein fröhliches „Weiter so“, der andere tut so, als ob der Sozialstaat einfach nur immer weiter aufgebläht werden könne, die Grünen wehen berechtigt mit der Klimafahne, aber vergessen, dass sich in unsicheren Zeiten meist jeder selbst am nächsten ist. Die Linke will alle über einen Kamm scheren und die FDP hat zwar die beste Kampagne in diesem Wahlkampf hingelegt, aber ob sie auch in der Langstrecke wirklich mit Themen jenseits der bewährten Klientelpolitik abliefern kann, steht noch in den Sternen.

Warum sollte ich diesen Menschen vertrauen? Menschen, die nicht meine Sprache sprechen. Die in den vergangenen Jahren das politische System geformt haben, Entscheidungen vorangebracht oder mitgetragen haben. Menschen, die nicht wissen, wie es ist, aus dem System Hartz IV nicht mehr herauszukommen (Ich weiß es ja nicht.). 

Und so passiert es wieder: Noch gehöre ich zu den Menschen, die zur Wahl gehen, ja sogar ganz klassisch am Sonntagmorgen mit Spaziergang zum Wahllokal. Weil ich an die Demokratie glaube und am Ende auch davon profitiere. Und ich werde auch diesmal nicht aus Überzeugung, sondern strategisch wählen. Damit andere Mehrheiten zustande kommen und wir irgendwann dann doch mal die Zukunft angehen. Unsere Kinder haben sie verdient. 

gruessewuensche.de

Raus aus der Filterblase: Playmobil-Filme bei Youtube

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Am vergangenen Wochenende war ich mal wieder in Hamburg. Zum mittlerweile dritten Mal gab ich ein Seminar zum Thema „Bloggen“. Und irgendwann sagte ich auch diesmal wieder: „Es gibt kein Thema, zu dem es kein Blog gibt“ und verweise dann gerne auf das Sammelbilder-Blog und dann schauen immer alle ganz erstaunt.

Als ich in der vergangenen Woche dann am Abend bei einem Glas Wein und Kürbissuppe in der fremden Wohnung saß, schaute ich ebenfalls erstaunt. Denn der Junge, der in dieser Wohnung lebte, schaut mit großer Begeisterung auf Youtube Playmobil-Filme. Und zwar nicht die Playmobilfilme, die Playmobil selbst regelmäßig publiziert. Nein: Es gibt da draußen eine große Zahl an Menschen und Kindern, die sich Geschichten für ihr Spielzeug ausdenken, dies durchfotografieren und daraus Filme für Youtube produzieren.

Da wäre beispielsweise Familie Hauser. Übernachtungsbesuch, Opas Herzinfarkt, aber auch ganz aktuell der erste Schultag nach den Ferien: In der Regel sind die Geschichten zwischen fünf und 15 Minuten lang und handeln vom ganz normalen Familienalltag – nachgespielt mit Playmobil. Der Kanal „Familie Hauser“ ist so beliebt, dass es die Familie bei Playmobil mittlerweile sogar zu kaufen gibt.

Wirklich irre finde ich auch das Angebot von Pandido – ein ganzer Kanal mit verschiedensten Serien zu Playmobilfiguren. Eigentlich total einfach produziert – letztendlich nur aneinandergereihte Fotos mit Ton unterlegt – und trotzdem liegen die Abrufzahlen der einzelnen Videos meist im sechsstelligen Bereich.

Hättest du gedacht, dass ein solches Video mehr als 15 Millionen Aufrufe generieren kann? Ich ehrlich gesagt nicht, auch nicht, nachdem ich mir die 4 Minuten 20 angeschaut habe.

Viel Spaß beim Schauen, ich muss jetzt leider ins Kinderzimmer. Äh, aufräumen.

Journal, 11.9. – Hamburg

In meiner Erinnerung ist Hamburg eher klein. Man kommt mit S-Bahn, U-Bahn und Bus überall hin, aber eher so wie in Düsseldorf. Viertelstunde und das war’s. Als ich am Wochenende mal wieder dort bin, ist Hamburg so ungewohnt groß. Der Bahnhof ist überfüllt, überall stehen Menschen mit Koffern im Weg. Zügig zum nächsten Bahnsteig zu kommen ist unmöglich. Ständig muss ich Menschen umfahren, die auf Anzeigentafeln starren, sich hilflos umschauen oder sich begrüßen. Auf dem Weg zur unterirdisch gelegenenen S-Bahn werde ich zweimal um Kleingeld gebeten. Die S-Bahn ist überraschend leer, dafür stinkt es unangenehm nach ungewaschenen Körpern. Am Zielbahnhof laufe ich an biertrinkenden Menschen vorbei, einige Meter vom Eingang entfernt uriniert ein Mann in die Hecke. Natürlich regnet es.

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Als ich das Hotel für mein Abenddate verlasse, regnet es immer noch. Ich freue mich kurz, an Regenjacke und Schirm gedacht zu haben, ärgere mich aber zugleich, dass ich die Temperaturen wieder einmal unterschätzt und das Unterhemd vergessen habe. Es ist hier einfach immer noch viel kälter. Ich laufe an Menschen in Übergangsjacken vorbei und überlege kurz mir auch noch eine zuzulegen. Oder wenigstens Gummistiefel. Der Abend im Café Paris bei Wein und Tartar macht das wieder wett.

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Im holzvertäfelten Frühstücksraum ist noch nicht viel los. Zwei Ehepaare sitzen da, das eine will am Abend zu den Rolling Stones, das andere scheint Cruise-Days-Publikum zu sein. „Das letzte Mal hat die Kirche um 0 Uhr geläutet und dann wieder um 6“, sinniert die Frau, so dass alle es hören. Als ein weiterer Mann den Raum betritt und sich in ihre Nähe setzt, wiederholt sie den Satz noch zweimal. Ich habe in der Nacht kein einziges Läuten gehört.

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Den Samstagmittag verbringe ich in der Einkaufsstraße in Altona. An den vergangenen Wochenenden habe ich immer am Kartoffelstand einen Mittagssnack gegessen, da ist es diesmal aber voll, so dass ich zu Falafel und Salat greife. Menschen eilen an mir vorbei, Shoppen und Wochenendbesorgungen. Der Schreibwarenladen ist gut besucht, weil Eltern dort mit ihren Kindern Schulbesorgungen machen. Auf dem Weg zurück laufe ich noch über den Wochenmarkt.

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Wir folgen uns schon länger bei Twitter, sind über Facebook befreundet, aber getroffen haben wir uns noch nie. Sie hatte bei beruflichen Terminen in Düsseldorf schon ein paar Mal gefragt, ob ich Zeit hätte. Und da sich kurzfristig ein freier Abend ergab, fragte diesmal ich. Am Abend sitze ich im Bus nach Eimsbüttel. Ich überlege, ob ich wenigstens twittern soll, dass ich mich auf dem Weg zu einem Blinddate befinde, damit ich im Notfall gerettet werden kann. Aber verwerfe den Gedanken aber wieder: Es werden Kinder anwesend sein, sie hat einen seriösen Job, es ist Eimsbüttel. Wir essen Kürbissuppe, trinken Wein, spielen „Wer war’s?“ und haben einen schönen Abend. Als ich ins Taxi steige, hat der Regen längst aufgehört. Vielleicht könnte ich daraus etwas Regelmäßiges machen: Ich treffe all meine Twitter-Follower.

***

Es ist kurz nach neun, der Himmel ist blau und ich laufe zum Medienbüro. Seit gestern weiß ich, warum in der Schillerstraße ein Polizeicontainer steht. Nicht, weil das hier eine Brennpunktgegend ist, sondern weil dort der wichtigste Politiker der Stadt residiert. Downing Street in klein, quasi. Mein Rollkoffer weckt die beiden Männer in ihren Schlafsäcken auf, ich entschuldige mich für den Lärm und wünsche einen „Guten Morgen“. Sie fragen nach der Uhrzeit und packen ihre Sachen schnell zusammen.

***

Am Bahnhof ist es wieder sehr voll. Diesmal sind die Profis hier, Pendler, die wissen, wohin sie müssen, nur vereinzelt stehen Touristen orientierungslos herum. Ich kaufe Zeitung, Essen und eine Flasche Wasser und gehe zu Gleis 8. Ich werde zweimal um Kleingeld gebeten. Der Zug steht bereits da, ohne Wagen 11, in dem das Bordrestaurant gewesen wäre. Die Reservierungen werden nicht angezeigt wegen eine technischen Störung. Ich setze mich auf meinen Platz, stöpsele die Kopfhörer ein und schließe die Augen. Die Bahn fährt los. „Es ist ein stinknormaler Sonntag in Deutschland, zwei Männer unterhalten sich.“

Das TV-Duell war eine Ü50-Debatte

Ja, es geht nicht anders, ich muss auch noch was zum so genannten TV-Duell sagen. Natürlich ist es wichtig, zu wissen, was die beiden Spitzenkandidaten über die aktuelle Nordkorea-Krise denken, welches Verhältnis Deutschland in der neuen Legislaturperiode zur Türkei haben möchte und wie es in Sachen Flüchtlingspolitik weitergeht. Aber anstatt den Großteil der Sendezeit diese und andere Themen wirklich zukunftsgewandt zu besprechen, führten die beiden Spitzenkandidaten oft eine Debatte über die Vergangenheit. War es nun richtig, wie Angela Merkel 2015 die drohende humanitäre Katastrophe verhinderte? Griechenlandrettung? Euro-Debatte? Das Diesel-Desaster?

Alles schön und gut. Aber was bedeutet es für ein Land, wenn mit der Autoindustrie eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft ins Wanken gerät und diese statt sich auf die Zukunft zu stürzen, lieber an in die Jahre gekommenen Technologien festhält? Und wie sieht es eigentlich mit den anderen, weniger plakativen, Säulen aus: Maschinenbau? Chemie? Wie behält Deutschland seine führende Rolle in der Weltwirtschaft? Wie halten wir unsere Gesellschaft zusammen? Wie modernisieren wir die Infrastruktur? Wann kommt denn nun der flächendeckende Breitbandausbau, den die Parteien seit Jahren in ihren Wahlprogrammen haben? Wie digitalisieren wir dieses Land wirklich? Und wie bereiten wir die junge Generation auf die Zukunft vor? Können Schulen und Universitäten das leisten oder bedarf es nicht auch größerer Investitionen in unser Bildungssystem? Und schaffen die Lehrer und Professoren eigentlich diesen Schritt? Ist unser Arbeitsmarkt noch flexibel genug für die neue Zeit?

Doch anstatt diese Fragen zu diskutieren, scheindebattierten Schulz und Merkel über Themen wie die Rente mit 70. Obwohl jeder weiß, dass in einer immer älter werdenden Gesellschaft mit weniger Kindern das System ohne signifikante Veränderungen nur kollabieren kann.

Das TV-Duell am Samstag offenbarte die Spaltung, die durch dieses Land mittlerweile geht. Auf der einen Seite die Generation Ü50 – kein Teilnehmer der Debatte war U50, keiner! – von denen viele die Jahre bis zum Ruhestand zählen. Die vielleicht mit ihrem bisherigen Handwerkszeug durchkommen werden. Auf der anderen Seite die Jüngeren, die wissen, dass nichts sicher ist: Wohlstand, Rente, Arbeitsplatz. Die wissen, dass von ihnen eine enorme Flexibilität abverlangt wird, weil sie sonst zurückbleiben werden. Aber die blieben mit ihren Themen bei dem einzigen öffentlichen Zusammentreffen der beiden Spitzenkandidaten außen vor. Auch weil sich die Moderatoren für diese Themen keine Zeit nehmen wollten.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat die Pflicht, „im Interesse von Informationsfreiheit und Demokratie, ein vielfältiges, umfassendes und ausgewogenes mediales Angebot zu sichern.“ Das TV-Duell gehörte definitiv nicht dazu.

PS: Nur wenige Stunden nach dem TV-Duell postete die FDP bei Facebook diesen Wahlkampfspot. Das ist kalkuliert – logisch, aber es ist auch vor allem gut gemacht. Und schon die NRW-Wahl hat gezeigt, dass die Strategie ausgehen könnte.

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Journal, August 2017 – das waren Ferien

Bevor ich alles von vorne erzähle und doch nicht den richtigen Ton treffe, hier die leicht überarbeiteten Einträge aus Facebook und Co. für die Blogewigkeit. Melde mich zurück.

30.7. Urlaub auf dem österreichischen Bauernhof. Inmitten von Schweinen, Kühen, Häschen, Hunden, Katzen, Schafen und Ziegen. Hühner und Hahn nicht zu vergessen.

31.7. Gnadenalm. Kühe, Ameisenhaufen, Bienen, Schmetterlinge und viele Grashüpfer. Der fast Dreijährige meistert die mehr als fünf Kilometer zu Fuß ganz hervorragend. Ich kann diese kindgerechten Routen wie „Alles Alm“ nur empfehlen. Zur Belohnung gibt es Kaiserschmarrn. Danach: Pool.

1.8. Besuch im Wildpark Untertauern. Leider überzeugt der Park weder mich noch die Kinder. Aber die Wanderung entlang der Schlucht ist toll. Auf dem Rückweg kommen wir an einem Wasserfall vorbei. Schuhe aus, rein ins kalte Wasser, herrlich. Für längeres Toben im Badesee ist das Wasser zu kalt und der Boden zu pieksig. Der Abstecher nach Altenmarkt ist unspektakulär. Danach: Pool.

2.8. Fahrradtour, Sommerrodelbahn und am Ende des Tages doch wieder im Pool. Wie gerne ich eigentlich mal richtig schwimmen würde, aber in 4,50m Bahnlänge und Kindersuppe wird das nix.

3.8. Endlich mit der Seilbahn auf den Berg. Das Hopsiland auf dem Planai ist das Ziel. Andere Menschen in meinem Alter haben statt Kindern Mountainbikes dabei, weil sie damit den Berg runterjagen. Ich bin nicht traurig, Mutter zu sein, auch wenn es im Hopsiland am Ende viel zu viele Spielstationen gibt, so dass wir alle 20 Meter anhalten, um dies und das zu erledigen.

4.8. Nach dem Frühstück starten wir auf eine kleine Fahrradtour, später dann sehr viel Hotelpool. Gewitter am Abend. Mich fasziniert immer noch, wie die neuen Wetterlagen ganz langsam über den Berg kriechen, sich ausbreiten, Wind aufkommt und es dann ordentlich regnet. Noch toller finde ich es allerdings, am nächsten Morgen bei strahlendem Sommerschein wieder aufzuwachen. Dieser Beitrag wird präsentiert vom Nordlicht in Österreich.

5.8. Wanderung durch die Talbachklamm. Ich finde es ungemein entspannend, wenn neben mir das Wasser rauscht. Mal lauter, mal leiser, auf jeden Fall wild. Auf der anderen Seite des Wegesrandes gibt es kleine Wasserräder, verziert mit Glocken, Löffeln und anderen Spielereien, was die Kinder ungemein witzig finden. Wir laufen die Klamm erst hinunter und müssen dann die Kinder überreden, nun auch wieder nach oben zu laufen. Zur Belohnung Eiskaffee in Schladming.

6.8. Was für ein verregneter Tag. Da hilft nur Museum, das Haus der Natur in Salzburg. Leicht in die Jahre gekommen, ferien- und wetterbedingt völlig überfüllt. Die Rückfahrt ist noch verregneter. Ich muss mich sehr konzentrieren, während der Mann von Murenabgängen rund um unser Feriendomizil aus dem Internet vorliest. Am Abend lese ich kichernd das Buch von Carline Mohr fertig.

7.8. Bemerkt, dass ich mich bisher viel zu selten in Hochseilgärten aufgehalten habe. Ein toller Parcour da am Rittisberg, auch in der Kindervariante. Die letzte Abfahrt lasse ich mir allerdings nicht nehmen.

8.8. Mit dem Sessellift in Zauchensee hoch hinauf zum Gamskogel. Wandern mit vielen Kühen am Wegesrand und weit entfernt, so dass man aber noch das Klingeln der Glocke hören kann. Ein paar Spielstationen und ein toller Ausblick. Wie so oft. Endlich trinke ich auch einmal Buttermilch – ganz pur, ohne irgendwelchen Früchte. Auf dem Spielplatz gibt plötzlich mein Wanderschuh den Geist auf. Sohle löst sich und hängt nur noch an der Fußspitze am Schuh. Ich hadere, ob ich ihn reparieren lasse oder mir nach 13 Jahren mal neue gönne.

9.8. Bummeln in Radstadt, das Ausmaß der Zerstörung der Unwetter anschauen, Hotelpool. Häschen gucken. Und Postkarten schreiben.

10.8. Ich hätte niemals gedacht, dass eine Autofahrt von Radstadt nach Würzburg so lange dauern kann. Statt 4,5 Stunden sind es acht Stunden, die letzte Stunde auch noch bei Dauerregen und Riesenpfützen. Danke Horst Seehofer für bayrische Symbolpolitik an der österreichischen Grenze. Wie im vergangenen Jahr wird aus fünf Spuren eine einzige, an der zwei Grenzer Autos durchwinken, ohne wirklich ernsthaft in Erwägung zu ziehen, jemanden zu kontrollieren. Wie gut tut die Mahlzeit im Hotel: Pasta mit Pfifferlingen, dazu ein passender Wein.

11.8. Autobahn, ein paar Stunden Düsseldorf und am Ende dann ab ins frisch gemachte Bett bei Mama. Dieser Kettcar-Song hat eine so unglaubliche Kraft, ja fast etwas Aggressives und er zieht mich so hinein. Sicherlich auch, weil mein Sommer 1989 auch eine große Wende in meinem Leben gebracht hat. Schön, dass 2017 solche Musik entsteht, schön, dass sie von Kettcar ist. Es gibt sie eben doch, die Guten.

12.8. Regen, Wäsche waschen, zwei Runden Mensch ärger dich nicht und einfach ein bisschen mit Mama und den Kids abhängen.

13.8. Besuch im Zoo in Bremerhaven, viel Sonnenschein, sehr viel Sonnenschein und einem tollen Dachterrassenblick und einem nicht so tollen Ausrutscher auf eben dieser, so dass ich den Abend mit dem Kühlen des Fußes verbringe und auf ein Wunder hoffe.

14.8. Nach einem Orthopäden-Besuch bin ich Käptn rote Socke. Zum Glück nur Bänderdehnung und mit Hilfe des Verbands geht vorsichtiges Humpeln einigermaßen. Wir essen auf einem Schiff Mittag und ich bin dankbar, dass mein Bruder die Kids weitestgehend bespaßt und sich sogar bereit erklärt, am Mittwoch das Auto wieder gen Heimat zu steuern.

15.8. Wir gehen ins Schwimmbad, in dem ich früher meine Sommer verbrachte, obwohl von dem damaligen Bad kaum noch was übrig ist. Das große Außenbecken ist einer nicht genutzten Wiese gewichen, der Sprungturm längst eingerissen. Alles ist auf Seniorenbespaßung getrimmt, es gibt vor allem Ruhebereiche und die Außenanlage wird noch gepflegt: Im Sandkasten sprießt das Unkraut, die Holzbrücke könnte einen Anstrich gebrauchen und auf der Liegewiese wird das gemähte Gras vielleicht ja morgen weggeräumt. Schade. Wenigstens gibt es draußen noch eine Wasserrutsche, ein paar Sprenkler und so haben wir trotzdem ein wenig Spaß. Danach Eis. Und Grillabend.

16.8. Heimfahrt. Mit dem Bruderherz am Steuer. Ich weiß ja nicht, was ihr so in der Fest&Flauschig-Pause hört, aber ich fiebere mittlerweile bei den Teufelskickern mit, ob Moritz‘ Eltern nun wieder zusammen kommen und ob sie den VfB beim nächsten Spiel endlich besiegen. (Was ich sagen will: Es gibt Schlimmeres, was man auf einer Autofahrt hören kann. Cajou zum Beispiel.)

17.8. Drei Jahre kleiner Sohn. Mein Supermann. Wir feiern Kindergeburtstag und wenn ich gerade mal nicht mit Kinderbespaßung zu tun habe, denke ich an den Abend zurück, an dem Kettcar ein fulminantes Comeback hingelegt hat. So kraftvoll und voller Energie habe ich schon lange keine Band mehr aufspielen sehen. So als ob Markus Wiebusch und Co. fünf Jahre lang an der Leine lagen und nun endlich wieder loslegen können.

23.8. Off to Berlin. Mit dem Zug, was ich am Ende nicht bereuen werde, weil wir entspannt reisen. Hörspiele hören, ein bisschen malen, essen, lesen, aus dem Fenster schauen. Stadtbummel mit Besuch auf dem Fernsehturm. Bei den Straßenmusikanten am Alexanderplatz setzen wir uns auf die Stufen, hören ein bisschen zu, beobachten den kleinen Jungen, der gerade laufen gelernt hat und die neue Mobilität dafür nutzt, den Musikern das Geld aus dem Hut zu klauen.

24.8. Wir treffen uns mit Thomas im ehemaligen Kaufhaus Jandorf und schauen uns das begehbare Wahlprogramm an. Weil es uns so umhaut, streamen wir live. Thomas schreibt drüber und ich brauche später ein paar Tage, um mich von den vielen Tweets der CDU-Anhänger zu erholen, die offenbar Kritik nicht hinnehmen können, sondern tagelang rumsticheln. Schade eigentlich. Und schade auch, dass aus der Ausstellung nicht mehr gemacht wurde.

25.8. Die Goldenen Blogger gehen in die nächste Runde und ich freue mich wie ein Schneekönig.

27.8. Kindergeburtstag vom kleinen Sohn. Im Park mit großem Kindergeburtstaggelage und bestem Wetter.

28.8. Ich übernehme für eine Woche den @meinduesseldorf-Account der Rheinischen Post und zeige mein Düsseldorf in der Woche, in der der Sohn eingeschult wird.

31.8. Den großen Sohn eingeschult. Wie viele Gedanken mir den ganzen Tag durch den Kopf schossen. Habe ich ihn nicht noch vor kurzem in dem Krankenhaus nur wenige hundert Meter entfernt auf die Welt gebracht? Mit ihm im Kinderwagen durch die Stadt gezogen? Ihn jeden Tag zur Tagesmutter gebracht, in der Kita eingewöhnt, getröstet, wenn er sich auf die Nase gelegt hat, gejubelt, als er zum ersten Mal Laufrad, Fahrrad und später Skateboard gefahren ist, geflucht, weil er mal wieder keine Lust auf Soßen aller Art hatte, vor Stolz geplatzt, wenn er den kleinen Sohn getröstet oder verteidigt hat. Die Gewissheit, nun noch mehr Abnabelung zulassen zu müssen, ja eigentlich auch zu wollen, wenn da nicht diese Wehmut wäre. Er war doch eben noch ein Baby. Aber nein. Er ist jetzt groß und er macht das alles ganz hervorragend. So hervorragend, dass mir beim Schreiben schon wieder die Tränen kommen, weil ich so stolz auf diesen großen Jungen bin.

Und wie waren eure Ferien?

Kinder und Karriere – was gehört in den Lebenslauf?

Dieser Text war Teil meines Newsletters, den ich wöchentlich verschicke. Weil ich auf diesen Text sehr viele Reaktionen erhalten habe, veröffentliche ich ihn auch hier. Für den Newsletter kannst du dich hier anmelden.

Vor einigen Wochen bekam ich eine Mail von einer Frau, die seit Jahren mein Blog liest und mir einfach mal mitteilen wollte, wie gerne sie das tat. Das freute mich sehr, vernachlässige ich mein Blog doch seit längerem. Da sie in Düsseldorf arbeitet, verabredeten wir uns auf einen Kaffee und tauschten uns aus – über das Leben, den Job und das ganze Drumherum. Sie erzählte, dass sie seit längerem auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sei, regelmäßig Bewerbungen schreibe, aber nur selten eine Antwort bekäme. Ich fragte sie, ob sie ihre Kinder erwähnte. „Ja“, sagte sie. „Warum?“, antwortete ich.

Seitdem diskutiere ich diese Frage mit Freunden und Bekannten. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Während die kinderlosen Frauen einhellig dafür plädieren, sie auf jeden Fall zu erwähnen, haben die Frauen mit Kindern oft schlechte Erfahrungen gemacht, wurden trotz perfekter Qualifikationen nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Eine andere, auf deren Schreibtisch immer wieder Bewerbungen landen, beichtete gar, Frauen mit Kindern oftmals hinten anzustellen. Zu oft wurden ihre Vorurteile gegenüber berufstätigen Müttern bestätigt: mangelnde Flexibilität, viele Krankheitstage, trotz Home Office keine Verfügbarkeit.

Ich finde das schade, denn meine bisherigen Erfahrungen mit Müttern sind andere: Sie leisten oft 120 Prozent, weil sie wirklich pünktlich gehen müssen, sind trotz Krankmeldung verfügbar und bereit, auch unbeliebte Aufgaben zu übernehmen.

Aber genau wegen solcher Vorurteile und all der Geschichten, die ich zu diesem Thema bereits erlebt habe, habe ich mich für folgenden Weg entschieden: Obwohl ich eigentlich eine Freundin der klaren Worte bin, erwähne ich die Kinder in meinem Lebenslauf nicht. Ich habe für mich beschlossen, dass Kinder ins Vorstellungsgespräch gehören – eingepackt in die Schilderung des Lebens- und Berufsweges, verbunden mit dem Hinweis, die letzten Stationen mit Vollzeitanstellung und Kids gewuppt bekommen zu haben.

Warum? Weil ich sonst auch schreiben müsste, dass mein Mann deutlich flexiblere Arbeitszeiten hat. Und das gehört ja nun auch nicht in einen Lebenslauf.

Wie gehst du damit um? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Journal, 12.7.2017 – Bloggen und #12von12

„Als ich Sie damals kennenlernte, haben Sie in Ihrem Blog übers Stillen geschrieben. Würden Sie das heute wieder so machen?“ Diese Frage habe ich heute gestellt bekommen und musste erst einmal herum eiern. Würde ich? Vielleicht. Was zum Teufel habe ich damals eigentlich geschrieben? Also zuhause erst einmal nachlesen(1, 2, 3). Vermutlich würde ich heute nicht mehr darüber schreiben. Weil sich meine Art des Ins-Internet-Schreibens noch einmal verändert hat. Sicherlich stark beruflich getrieben – mit dem Chef diskutiere ich lieber berufliche Dinge als mein Stillverhalten und auch mit Mitarbeitern rede ich lieber über neue Projekte und Themen als über mein Privatleben. So verschwindet nach und nach ganz viel, was das Bloggen einmal ausgemacht hat. Manchmal finde ich das schade, meistens aber nicht. Gibt ja komischerweise nach 14 Jahren Blog immer noch Themen, die hier hineinpassen.

Und das sind meine #12von12


Kind in die Kita bringen. Mit Schirm.

Regenbedingtes Straßenbahnfahren. Ich bin ja derzeit eigentlich nur mit dem Fahrrad unterwegs.

Auszug aus meinem Mittagessen. Nicht im Bild: Der Salat, das Brot und der Cappucchino. Und die liebe Freundin.

Aufzugfahren im Verlag. Termin beim Chef.

Sohn abholen.

Mit dem Sohn nach Hause gehen.

Mit Schirm, Wiwo und Auto bepackt schnell noch ein Fahrstuhlselfie machen.

Ich erkläre den Versuch, ein einigermaßen okes Abendessen im Einkaufszentrum zu mir zu nehmen, gescheitert.

Morgens gebloggt aber nicht drauf hingewiesen. Schnell noch nachgeholt.

Uups.

Geschenke für Kitafreunde gekauft.

Ausblick um 23.56 Uhr.

Journal, 11.7.2017 – Tod eines Stasi-Agenten


Ich bin seit einiger Zeit ein großer Podcast-Fan und habe auf Empfehlung der wunderbaren Katrin Scheib angefangen, den WDR5 Tiefenblick als Podcast zu hören. Mich nervt gerade sehr, dass die Folgen nur Woche für Woche in die Mediathek gelangen, wollte ich doch eigentlich ein Gesamtfazit
zu der aktuellen Reihe „Tod eines Stasi-Agenten“ schreiben. Es geht darum, dass die dänische Journalistin Lisbeth Jessen vor einigen Jahren Kontakt zu dem ehemaligen Stasi-Agenten Eckardt Nickol bekommt, mit ihm über all die Jahre in Kontakt bleibt und dieser – mehr oder weniger angekündigt – plötzlich in seinem Häuschen in Dänemark stirbt. Es ist nicht ganz klar, ob er eines natürlichen Todes gestorben ist, ob es Selbstmord war oder ob da doch jemand nachgeholfen haben könnte. Im Laufe des Podcast wird die Geschichte von Nickol aufgerollt. Es scheint, als ob die Journalistin auf einen Hochstapler reingefallen ist, der zwar Ex-Agent der Staatssicherheit gewesen ist, doch ein viel kleinerer Fisch als er selbst behauptete.

Nach der dritten Folge hat man zunächst das Gefühl, dass die Geschichte auserzählt ist. Aber dann gelingt es den beiden Journalisten doch noch mehr Details herauszufinden, man spürt, wie peinlich es Lisbeth Jessen ist, vermutlich auf einen Hochstapler hereingefallen zu sein. Tja. Und auch hier gelingt es, geschickt Cliffhanger zu setzen. In der letzten Folge werden Jessen und Nichelmann den Sohn des verstorbenen Ex-Stasimitarbeiters treffen und ich hoffe, dass die Geschichte nun doch nochmal eine Wendung nimmt.

Ist aber schon jetzt eine Hörempfehlung.

Dass jetzt auch Spiegel Online mehr in Podcasts macht, habt ihr vermutlich alle schon gesehen. Ich freu mich auf Sascha.

Sehr viele Elevator-Pitch-Videos auf Youtube geschaut und irgendwann auf diesen Ted-Talk gestoßen. Gut.

Was ist eigentlich ein Designathon oder warum wir kreatives Denken fördern müssen

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Ich kenne Gisèle Legionnet-Klees seit ungefähr zwei Jahren persönlich. Das muss man bei solchen Begegnungen ja immer dazu sagen, denn virtuell kennen wir uns über die sozialen Netzwerke schon deutlich länger. Schon damals erzählte sie mir von der Idee des Designathons. Mittlerweile hat sie einige dieser Workshops für Kinder durchgeführt – und ist mitten in den Vorbereitungen für den nächsten am 17.7. in Düsseldorf auf dem Asphaltfestival. In der vergangenen Woche haben wir uns mal wieder persönlich getroffen – auf einen (Eis-)Kaffee im schönen Unterbilk.
Was ist das genau: ein Designathon?
Gisèle: Das sind Workshops für Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren, die in der Regel zwischen fünf und sechs Stunden dauern. In dem Workshop gehen wir durch verschiedene Arbeitsphasen. Gedanken öffnen, konzentrieren auf einzelne Aspekte, Lösungen überlegen, zeichnen, schreiben, diskutieren und basteln. Wir haben immer einen kleinen Koffer mit Werkzeug, elektrischen Sachen und demnächst auch digitalen Bausteinen dabei. Die Kinder bringen selbst auch Sachen wie Deckel, Pappen, Schuhkartons, leere Flaschen etc. mit und dann bauen wir einen Prototyp, so dass die Kinder mit Händen ihre Idee zu fassen bekommen. Das ist für alle immer der größte Aha-Moment.
Um welche Ideen geht es?
Wir glauben, dass Kreativität sich nicht nur in Weihnachtsbasteleien entfalten soll, sondern auch an ernsthaften Fragestellungen unserer Zeit. Im Rahmen dieser Workshops erarbeiten wir mit den Kindern Lösungen für diese echten Probleme. Denn: Kinder machen sich viele Gedanken und sind glücklich, ernsthafte Themen mit ihren Mitteln bearbeiten können.
Da kommt also ein Siebenjähriger zu eurem Workshop und will mit euch die Welt retten. Was entsteht dabei?
Wir überlegen uns ein Hauptthema: sauberes Wasser, Kreislaufwirtschaft, Nahrung oder Mobilität in der Stadt. Das Gute: Kinder wissen viel, gucken Nachrichten, sind im Internet unterwegs, jedes Kind fährt Fahrrad, jedes Kind hat schon mal Tomaten im Supermarkt gekauft. Dann geben wir ihnen ein bisschen Kontext, zeigen Fotos und fragen: Was davon ist für dich besonders wichtig? Was würdest du gerne verbessern? Und was könntest du dafür erfinden? Es passiert immer wieder, dass Ideen aus den Workshops wenig später in meinem Facebook-Feed als echte Produkte auftauchen.
Hast du ein Beispiel?
Bei einem Designathon in Dublin entstand zum Thema Wiederverwertung von Plastikmüll der Brickinator. Aus dem Müll sind richtige Bausteine zum Häuserbauen entstanden – genial: Plastik hat super Eigenschaften als Dämmmaterial, das Müllaufkommen sinkt und es entstehen Häuser. Ein Kind hat sich das ausgedacht. Und mittlerweile gibt es solche Steine auch tatsächlich. In Kolumbien.
Designathons wecken Kreativität, die jeder Mensch in sich hat. Genau dieser Prozess kommt im Erwachsenenleben, in dem jeder sehr spezialisiert unterwegs ist, zu kurz und auch die Schule ist dafür nicht ausgerichtet.
Da schimmert Kritik am derzeitigen Schulsystem durch. 
Ich bin selbst Lehrer- und Professorentochter und es gibt viele gute Schulen und ganz viele Lehrer, die einen wunderbaren Job machen. Es ist vielleicht eher das System, das tendenziell unterfinanziert ist, nicht auf die Vielfalt der Schülerbiographien eingehen kann und im Kampf um messbare Ergebnisse spielt Kreativität nicht unbedingt die wichtigste Rolle. Aber: Es bewegt sich gerade viel, ich glaube, dass Designathons bald in einer Schule durchgeführt werden können.
Ist das dein Ziel?
Im heutigen Zeitalter, in dem künstliche Intelligenz unser Arbeitsleben noch einmal stark verändern wird, sollten wir darüber im Klaren sein, dass unsere Kreativität eine wichtige Ressource ist. Anstatt Kreativität zu ersticken, sollten wir diese eher systematisch auf- und ausbauen. Deshalb möchte ich vor allem mit Lehrern zu arbeiten, damit diese die Vorgehensweise des Design Thinkings in ihre Praxis integrieren.
Wie viele Kinder können an einem Designathon teilnehmen?
Bei unserem nächsten Event auf dem Asphalt-Festival, die Stadtnomaden, sind wir 15 Kinder – eine gute Größe. Mit 30 Kindern – die ungefähre Schulklassengröße – funktioniert das auch gut. Und in Amsterdam haben wir auch schon mal mehr als 100 Kinder gehabt. Eine Gruppe mit weniger als zehn Kindern macht aber wenig Sinn – da fehlt es an der Vielfalt der Ideen.
Was kostet die Teilnahme?
Wirklich jedes Kind soll teilnehmen können, deshalb organisieren wir die Finanzierung über Stiftungen, Unternehmen etc. Wir sind derzeit in Deutschland dabei, feste Partner zu finden, mit denen wir dann regelmäßig hier in NRW, Berlin, aber auch München Designathons durchführen können.
Wie bist du auf die Idee gekommen?
Ich habe lange in der Industrie gearbeitet und gelernt: Wenn man das Erfinden den Ingenieuren überlässt, dann kommt da viel heraus, aber nur wenige Ideen, die das große Ganze berücksichtigen. Kurz darauf habe ich in Amsterdam eine Masterclass zum Thema „Creative Leadership“ absolviert. Mit in dem Kurs war die Erfinderin des Designathons für Kinder. Ich fand die Idee fantastisch und habe mir vorgenommen, das in Deutschland zu etablieren.
Was wünscht du dir für die Zukunft?
Für die nahe Zukunft stabile Partnerschaften, um den Designathon in alle Schulcurricula zu integrieren und das Format auf die Teenager erweitern, da diese davon auch sehr profitieren werden.
Generell: Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft, den Mut besitzen, die Bedürfnisse und die Fantasie unserer Kinder ernst zu nehmen.
Gisèle, vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!
Die nächsten Designathons von Gisèle finden im Rahmen des Düsseldorfer Asphalt-Festivals statt. Am Montag, den 17. Juli geht es um Mobilität in der Stadt, am Dienstag um Essen und am Mittwoch um Müll. Hier gibt es die Infos zur Anmeldung.

Was schön war (26 und 27/2017)

Und da stehe ich plötzlich mit ganz vielen Eltern und noch viel mehr Kindern im Tanzbrunnen in Köln und warte darauf, dass die drei Junggebliebenen, die sich „Deine Freunde“ nennen, auf die Bühne kommen. Was für eine unfassbar tolle Location dieser Tanzbrunnen ist. Während ich da herumstehe, die Augen auf den Sohn gerichtet, der ob der Menschenmassen doch ein wenig überfordert scheint, stelle ich mir vor, wie ich mit langem Kleid und Hut bekleidet zum sonntäglichen Tanztee gegangen wäre, am Brunnen entlang flaniert wäre, den Klängen der Band gelauscht hätte und später Kaffee und ein Stück Torte (Frankfurter Kranz) zu mir genommen hätte. Aber hier geht es nicht um alte Zeiten, hier feiern die Kinder und das ordentlich.

Nach dem Grimme Online Award die Toilette aufsuchen und auf dem Weg zurück in den Saal plötzlich Jürgen sehen, der mich zu alten Freunden führt. Köln, halt.

Ich war skeptisch, ob das mit der Tour de France in Düsseldorf wirklich eine gute Idee ist. Ich verbinde diese Veranstaltung eigentlich nur noch mit den Dopingskandalen. Am Sonntag habe ich mich dann aber doch anstecken lassen. Was für eine entspannte Stimmung da an der Strecke.

„Ich kann das und bin gut darin.“

Wenn ich an meine Sommerferien in der Schulzeit denke, dann denke ich an Schwimmbad, Wasser, Pommes und jede Menge Sonnencreme. Gefühlt habe ich den Großteil meiner Sommerferien im Schwimmbad verbracht und als ich mit den Kindern am Samstag im Schwimmbad ankomme, mit Zwieback, Kirschen, Keksen und jeder Menge Wasserflaschen im Gepäck und wir so in den Tag hineinleben, immer wieder ins Wasser gehen, uns von der Sonne trocknen lassen, da erinnere ich mich an diese Zeit und freue mich, in den kommenden Jahren noch viele dieser Tage verbringen zu können.

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Familiendings ist schön.