Neun Monate zu viert

Was sich alles in den vergangenen Monaten getan hat. Du kleiner Mann robbst durch die ganze Wohnung. Manchmal krabbelst du auch schon, aber noch findest du es praktischer, dich auf den Unterarmen fortzubewegen. Du hast fast immer gute Laune. Freust dich, wenn du ein Familienmitglied siehst. Und ist gerade mal keiner im Raum, robbst du halt dahin. Du hast eine große Vorliebe für Papier. Ob Kartons, Briefumschläge, Bücher, du findest immer einen Schnipsel, der für dich erreichbar ist. Du liebst Taschentuchpackungen, besonders das rote Klebeding. 

Dein großer Bruder bringt dich am liebsten zum Lachen. Meist mit dem größten Quatsch. Er ist aber auch super darin, dich zu beruhigen, wenn du mal wieder sehr unzufrieden bist. Zum Beispiel im Auto oder wenn ich dich mal auf den Boden setzen muss, weil ich beide Hände brauche. Er singt dann meist das Lied vom grünen Frosch und dann lachst du wieder. (Meistens.)

Ab morgen gehst du nun so richtig offiziell zur Tagesmutter, die du nun mit einem Lächeln begrüßt. Und ich arbeite wieder.

Danke für diese wunderbaren neun Monate. Mit dir. Mit euch. 

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#12von12 im Mai

Nachdem ich im April zwar alle Fotos gemacht aber nicht ins Blog gestellt habe, nun also im Mai ein waschechter Beitrag zu der schönen Aktion #12von12 (mehr Infos).

Und so war er, der 12. Mai. Der kleine Sohn ist zuhause, trotzdem erledige ich gleich morgens meine Fitnessaufgaben. So lange das noch geht.

Ein Drittel geschafft. #90tagechallenge #12von12

Dann Kind einpacken und ab zum Kinderarzt.

Beine hoch und Mütze im Mund. #12von12

Wieder zuhause schnell die Dreitagesration Mittagsbrei ansetzen: Kartoffeln, Süßkartoffeln, Möhren, Hühnerbrust.

Mittagsbrei. #12von12

Da das eigene Mittagessen noch warten muss, noch schnell den Eiweißshake vom morgen nachholen. Leider vergessen: Ingwer.

Apfel-Quark-Shake. #eiweißundso #12von12

Der große Sohn will aus der Kita abgeholt werden. Also los.

Nachmittagsabholrunde. #12von12

Obwohl auf dem Spielplatz jede Menge Kinder herumturnten, gab es diesen Moment, in dem kein Kind auf der Schaukel war. Verrückt.

Stillleben #12von12

Die Nilgänse haben Nachwuchs. Und während im vergangenen Jahr keine der jungen Gänse überlebte, fragt nicht warum, ich weiß es nicht, sind sie diesmal noch immer echt viele.

Gänsehaufen. #12von12

Warten auf Anschluss.

Dino #12von12

Das Kind will dann doch mal zu Bett gehen. Allerdings nur in Mamas Arm. Macht wohl viel durch derzeit: Bronchitis, durch die gesamte Wohnung robben, kurz vor Krabbeln.

Einschlafhilfe #12von12

Ich unterstütze den Mann beim Fußballgucken.

Fußball. #12von12

Leider zahlt sich die Unterstützung nicht aus.

Grummeliger Fan. #12von12

Bei der abendlichen Twitterrunde nochmal ordentlich aufgeregt. Scheiß Vorurteile.

Und zum Abschluss des Tages: bei Twitter aufregen. Gute Nacht. #12von12

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Tag 25. Der Kampf für meinen Körper

“Ich öffne ich und lasse dich in mein Leben, ich werde mich nicht mehr der Schwerkraft ergeben” (Tocotronic, 2015)

Die Jungs von Tocotronic haben es einfach drauf, denn diese Zeile aus dem Lied “Ich öffne mich” aus dem aktuellen Album passt perfekt zu diesem Text: Ich erzähle mal, was gerade mit mir und meinem Körper passiert. Seit dreieinhalb Wochen kämpfe ich nämlich etwas gezielter gegen die Schwerkraft. Das Problem ist schnell umrissen: Schwangerschaft, Stillzeit – die oben zitierte Schwerkraft hat ein paar Spuren hinterlassen.

Und damit ist jetzt Schluss. Das Rezept: Training mit dem eigenen Körpergewicht. Ich habe mir vorgenommen, das 90-Tage-Programm von Mark Lauren zu wuppen. Das Programm – oder die so genannte Challenge – umfasst: Sport, Ernährung, bewusstes Leben.

Warum ich darüber jetzt schon schreibe: Es macht mit mir Dinge, von denen ich nicht gedacht hätte, dass das mal passieren würde: Und damit meine ich nicht den Muskelkater, unter dem ich durchaus immer noch nach bestimmten Tagen leide. Nein falsch: den ich gerne ertrage. Weil es mir insgesamt so gut damit geht. Ich spüre (wieder) Muskeln, mir wird auch von außenstehenden Personen eine andere Haltung nachgesagt, ich bin positiver, ja manchmal sogar fast euphorisch. Ich habe viel mehr Energie.

Mich verblüfft das. Denn ich hätte niemals gedacht, dass so ein 0815-Sportprogramm aus einem Buch zu mir passen würde. Und die meisten der Ernährungstipps kennt man auch: weniger Kohlenhydrate, Gemüse, Gemüse, Gemüse, Eiweiß, kein Alkohol, viel Wasser. Natürlich gelingt mir das nicht immer, besonders der ausreichende Schlaf, aber eben doch immer öfter.

Heute ist der 25. Tag von insgesamt 90 Tagen, meine Muskeln schmerzen nach einem anstrengenden Training am gestrigen Tag. Ab Montag wird es anstrengender: Ab dann wird viermal die Woche trainiert. Und in der Woche drauf beginne ich wieder zu arbeiten. Dann gilt folgender Eso-Spruch (Oh Gott, ich bin sogar empfänglich für Eso-Sprüche!) umso mehr:

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Der Bullshit von der multimedialen Aufbereitung

Der Journalistensprech bringt immer wieder grausige Wortschöpfungen und seltsame Sätze hervor. Einer, der sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt hat, ist der hier: “Ich hab das Thema multimedial aufbereitet”. Ich bin ein großer Verfechter des Internets und predige seit Jahren, dass das Internet uns (endlich) die Möglichkeit gibt, Geschichten so zu erzählen, wie man sie am besten erzählt – als Text, Video, Grafik, Fotostory, Audio – alles möglich, während alle anderen Kanäle hinter dem digitalen zurückstecken müssen. Text geht im TV nun mal nicht so super, genauso wenig wie Video auf Papier.

Die Schlussfolgerung einiger Journalisten: eine Geschichte mit all diesen Möglichkeiten zu erzählen. Kann man machen, keine Frage. Kann sinnvoll sein. Das Problem: Seit einiger Zeit werden nun ständig Multimedia-Storys fürs Internet produziert. Texte, mit Musik hinterlegt, Bilder flackern und lenken vom Text ab, Videos werden auseinandergestückelt, weil ja wahlweise gescrollt oder geklickt werden soll. Stolz spricht man dann davon, ein Thema multimedial aufbereitet zu haben. Und zwar nicht, weil es sinnvoll gewesen ist, sondern: weil es ging.

Das ist natürlich großer Quatsch und das hätte man auch viel kürzer sagen können. Ich habe mal multimedial aufbereitet, was ich von multimedialer Aufbereitung halte:

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(Danke an Julius Tröger .)

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Warum sind Frauen so?

Auf dem Spielplatz: Fiese Blicke, weil Kevin der kleinen Marlene das Förmchen geklaut hat. Weil Thorsten Saft statt Wasser bekommt. Böse Sprüche, weil ihre Kleopatra dem armen Tristan ein paar Wassertropfen auf die Hose gespritzt hat – Außentemperatur 25 Grad.

In der Spielgruppe: Schlimme Besserwissereien, wie den ein Kind am besten an Beikost heranzuführen ist (Bloß keinen Brei! Bloß kein Fingerfood! Stillen mindestens zwei Jahre!). Spöttische Kommentare, warum denn Marvin immer noch nicht krabbelt, sondern lieber faul in der Gegend herumliegt. Angebereien, was für tolle neue Worte ihre kleine Sophie denn nun schon wieder sagen kann.

Im Job: Abfällige Kommentare über Teilzeitmütter oder Frauen, die kurzfristig in die Kita müssen, um das kranke Kind einzusammeln. Unsichtbare Wände, Abstellgleise usw. Nicht nur von Männern aufgebaut, sondern eben auch von Frauen.

Und auf jeden Fall ist natürlich die Frau Schuld daran, wenn der Mann plötzlich im Urlaub stirbt. Besonders wenn der Mann Dave Goldberg und die Frau Sheryl Sandberg heißt. (Nein, offenbar kein Selbstmord, sondern Zusammenbruch bei Sport, sagt die New York Times.)

(Und ja, ich weiß, dass es nicht immer so ist.)

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Balkonien 2015

Nach den durchaus erfolgreichen Experimenten der vergangenen Jahre habe ich mir vorgenommen, diesen Sommer den Gemüseanbau auf dem Balkon weiter auszubauen. Tomaten sind im vergangenen Sommer extrem gut gelungen, ebenso wie die Paprikapflanze. Die drei Erdbeerpflanzen im vergangenen Jahr haben genau eine Frucht abgeworfen, das muss ich dieses Mal einfach nochmal probieren. Ebenso ziehen Salatpflanzen und um ins nächste Level zu gelangen, versuche ich mich diesmal auch an Kohlrabi. Soll ja extrem schwierig sein.

Mein großer Stolz ist der Johannisbeerstrauch. Als ich ihn vor zwei Wochen aus dem Gartencenter holte, sah er sehr trostlos aus: drei Stöcker in Erde. Nun sind die ersten Blätter gekommen und an einem der Stöcker hängen schon zwei Traubenstiele.

In Sachen Kräuter wage ich keine großen Experimente: verschiedene Minzsorten, beim Basilikum die Sorte African Blue, ansonsten Rosmarin, Thymian, Melisse und Fenchel.

Was jetzt noch fehlt: Gurke. Das hat im vergangenen Jahr nämlich auch extrem gut funktioniert.


Salat


Johannisbeere


Erdbeeren


Rosmarin, Thymian, Melisse, Fenchel


Verschiedene Minzsorten


Paprika


Kohlrabi

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Vier.

Wir stehen zweieinhalb Stunden auf dem Berliner Hauptbahnhof und warten auf einen Zug nach Düsseldorf, damit du deinen vierten Geburtstag so feiern kannst, wie du es dir gewünscht hast. Mit Schokokuchen mit Smarties und Gummibärchen drauf. Ich stelle mich um zehn noch in die Küche und backe Schokokuchen und Muffins für die Kitafeier. Vorher nehme ich dich in den Arm, weil du so müde bist, dass nur noch die Tränen kullern. Ich putze dir die Zähne, helfe dir beim Umziehen, auch wenn du das alles schon lange selber kannst. Ich trage dich in dein Bett, auch wenn du eigentlich schon viel zu schwer dafür bist. Mein kleiner großer Junge.

Ich spiele mit dir Uno und verliere, obwohl ich eigentlich gewinnen will. Ich spiele mit dir Ritter, Pirat, Dinosaurier, auch gerne gleichzeitig. Ich stehe nachts auf, wenn du nach mir rufst und mache dir Licht, damit du auf die Toilette gehen kannst. Ich höre mir auch zum hundertsten Mal die nervige Was-ist-was-CD über Dinosaurier an, die du so gerne magst. Dank dir kenne ich jetzt verschiedene Dinosaurier-Sorten. Wenn du in der Kita bist, singe ich manchmal das Captain-Sharky-Lied vor mich hin. Oder das von Drache Kokosnuss. Ich finde Lauras Stern nicht so nervig, wie ich es mir eigentlich vorgenommen habe. Ich gehe mit dir auch dann einkaufen, wenn du gerade als Pirat oder Ritter verkleidet bist.

Ich ermutige dich, Neues auszuprobieren. Nicht nur beim Spielen, Turnen, Basteln, Essen oder Trinken. Ich stehe hinter dir, wenn du es brauchst, helfe dir, wenn es nötig ist, freue mich mit dir, wenn du Schwierigkeiten meisterst. Ich vertraue dir, wenn du mir mit deinem Fahrrad davon fährst.

Was bist du groß geworden.

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Elternzeit

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In der letzten Woche saß ich in einer Runde spannender Frauen in Berlin, viele davon Mutter, und wir sprachen über unser Leben, wie wir uns organisieren mit Kind und Kegel. Wie wir unsere Elternzeit gestaltet haben, wie es uns ergeht/ergangen ist. Die meisten hatten sich für eine Auszeit unter einem Jahr entschieden. Aus den unterschiedlichsten Gründen, oft war aber der Wunsch nach der eigenen Selbstverwirklichung einer der Gründe für die schnelle Rückkehr. Das meine ich nicht negativ, denn ich halte es für sehr nachvollziehbar, neben der Mutterrolle eben auch die Rolle weiter zu leben, die einen in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hat. Viele dieser Frauen versuchen beides zu haben.

In dieser Woche saß ich in einer Runde von Müttern beim Pekip. Viele dieser Frauen sind nicht minder spannend, aber alle einte ein Kind um die sechs Monate alt. Wir unterhielten uns über Kinderbetreuung, die Kosten dafür und manche Frau vertrat die Meinung, dass es sich bei den Kosten für die Kinderbetreuung nicht lohnen würde, arbeiten zu gehen.

Mich hat diese Meinung erschrocken, weil ich mich erinnerte, wie es damals war, als ich wieder arbeiten gegangen bin. Wie sehr es mir gut getan hat, mit meinen Kollegen über andere Dinge als Schlafdefizite, Windelinhalte oder Essgewohnheiten zu sprechen, wie befreiend es war, dass nicht 24 Stunden lang ein Kind an mir hing. Allein dafür hatte sich die Rückkehr in den Job schon gelohnt. Trotz nicht unerheblicher Kosten für die Kinderbetreuung.

Nur um das klarzustellen: Ich liebe meine Kinder sehr, bin gerne rund um die Uhr für sie da. Dennoch ist es auch jetzt so, dass ich mich darauf freue, bald auch wieder ein Berufsleben zu haben. (Eigentlich stand da gerade was vom “alten Leben” aber das wird es nie wieder sein, denn zwei Kinder sind anders als eins.)

Vorhin in der Mütterrunde habe ich das nur gedacht und nichts gesagt. Weil natürlich jeder für sich den Weg finden muss, mit Kind oder Kindern. Für sich, für die Familie, wer welche Aufgaben übernimmt, wenn es die Möglichkeit gibt, diese aufzuteilen. Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht. Allerdings hat jedes Modell seine Konsequenzen.

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Spaziergang durch mein Berlin

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Manchmal mache ich das. In den letzten Wochen hatte ich mehrfach So Nostalgie-Momente. Damals. Berlin und so. Meine kleine aber feine Hinterhofwohnung am Nikolsburger Platz. Also den Berlinbesuch genutzt für eine Tour durch ein anderes Leben.

Irgendwann ist das Erlebte so lange her, dann erinnert man sich nur noch an ganz bestimmte Dinge. An den Friseur nebenan, aber eben nicht mehr an die kleine Pension im Haus und das persische Restaurant, das heute ein Inder ist. Nicht mehr an den Telekom-Laden an der Ecke (warum auch), die Tankstelle und schon kommt die Erinnerung mit all den schönen Gedanken an Damals zurück.

Der Platz mit der Skulptur. Die Klingelschilder. Die Kirche, auf dessen Turm ich mit einem Studienkollegen gestiegen bin. Bier über den Dächern von Berlin.

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Ich laufe vorbei an dem Griechen. Und denke daran, wie mein Vater mir damals beim Einzug das Badezimmer gestrichen hatte. Einer dieser späten Vater-Tochter-Momente, in denen ich gemerkt habe, dass ich jetzt groß bin, wir unsere Beziehung neu abgesteckt haben. Nach dieser Maleraktion haben wir dort gegessen. Nur er und ich.

Ein Schild. Fünf-Zimmer-Wohnung zu vermieten, so viele müssten es jetzt sein. Würde ich nochmal? In diese Gegend? Das Bauchgefühl sagt: auf jeden Fall.

Die Uhlandstraße hinauf, der Blick auf den Ludwigkirchplatz mit dieser Bar, dessen Name mir natürlich nicht mehr einfällt. Gintonic-Erinnerungen, Bloody-Mary als Absacker. Rechts ging es zum Blumfeld-Mann, oh Gott, der Blumfeld-Mann, schnell weiter. Hühnchen in der Witwe Bolte, das Mittagessen in der Schildkröte mit meinen Großeltern, der rustikale Italiener gegenüber mit seinen wunderbaren kleinen Gläsern für Wein und Wasser. Links der Blick auf das Caras, das einzig wahre. Müsli-Momente mit Sonntags-FAZ und dem Blumfeld-Mann, ach lassen wir das.

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Weiter immer weiter die Knesebeckstraße hinauf in Richtung Savignyplatz.

Der Westen von Berlin. Ein schöner Mittag im Damals. Weil vieles jetzt so anders ist.

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