Was schön war (23/2017)

Den Kindern beim Rummanschen zuzuschauen. Die Sekunden, die es dauert, bis der kleine Sohn angelaufen kommt, weil seine Hose dann doch durch die eine Welle ein bisschen nass geworden ist. Die Streunerzüge des großen Sohns auf der Suche nach Ferienfreunden. Auf der Terrasse liegen, die Sonne auf der Haut spüren. Nichts tun. Abendliche Kniffelrunden. Der Sonnenhut. Die Markthalle in Rotterdam. Windmühlen. Durch die Dühnen mit dem Fahrrad fahren. Die allgemeine Freude über vielen Raupen auf dem Fahrradweg. Froschkonzerte. Kleine Schweine. Die Salzkörner in altem Ziegenkäse. Ziegenkratzmaschinen. Sand. Das Meer. Pfannkuchen mit Erdbeeren und Quark. Kibbeling mit Remoulade. Heimkommen.

gruessewuensche.de

Was ich im Holland-Urlaub vorhabe

Dieser Text stammt aus meinem Newsletter, den ich wöchentlich verschicke. Nicht alle diese Texte werden hier veröffentlicht. Hier kannst du dich anmelden.

Ich habe am Mittwoch eine Mail geschrieben, in der ich ankündigte, in der nächsten Woche ein wenig Digital Detox betreiben zu wollen und war von mir selbst überrascht. Weil ich dieses Buzzword „Digital Detox“ albern finde, wie ich eben viele der Buzzwords einfach albern finde. Weil ich den Hype um das Abschalten mittlerweile ein wenig albern finde. Weil auch ich das Bedürfnis habe, so lange abzuschalten.

Aber fangen wir mal mit dem Hype an: Es gibt Camps, die einem das Offlinesein mit Smoothies, Yoga und Powerfoods erleichtern sollen, reihenweise Bücher wurden zu dem Thema schon geschrieben, Menschen, die vor den Folgen des Always-On-Seins warnen, touren durch die Talkshows dieser Welt. Unternehmen machen Schlagzeilen, wenn sie E-Mail-Pausen einführen oder Mails einfach löschen, sollte ein Mitarbeiter eine Abwesenheitsnotiz hinterlegt haben. In Frankreich wird damit sogar Politik gemacht: Seit Januar gibt es im Kampf gegen die Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit im Job sogar ein Gesetz.

Und dann die ständigen Studien, die warnen: Wer direkt vor dem Zu-Bett-gehen noch auf seine digitalen Begleiter starrt, schläft schlechter. Wer sich feste Zeiten für digitale Kommunikation in Form von Mails, Facebook und Co. gibt, ist produktiver. Wer sich nicht ständig mit gephotoshoppten Instagramstars vergleicht, fühlt sich besser.

Muss das alles sein? Warum lässt sich mit dem Thema so viel Buzz erzeugen? Sind wir nicht mehr in der Lage, selbst zu bestimmen, wie viel digitale Kommunikation gut für uns ist? Ist die Angst um die Jobs so groß, zuhause eben nicht noch schnell in die Mails zu schauen, sondern den Feierabend Feierabend sein zu lassen? Sind wir süchtig nach Likes, Kommentaren oder Retweets, so dass wir nur noch am Smartphone hängen? Können wir uns nicht mehr auf einen Tatort konzentrieren, sondern brauchen das Twittergewitter, um die 90 Minuten durchzuhalten? Verfolgen wir mittlerweile lieber das Leben der anderen, als unser eigenes zu leben?

Ich schätze es, erreichbar zu sein, jederzeit und überall digital kommunizieren zu können, aber ich muss auch zugeben, dass ich ein paar der Fragen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht verneinen kann (Macht doch bessere Tatorte!). Und auch ich ärgere mich manchmal darüber, einen Abend am Smartphone verdängelt, statt mit der Freundin telefoniert oder in meinem Buch weitergelesen zu haben.

Und deshalb probiere ich das jetzt einfach mal aus. Eine Woche minimalste digitale Kommunikation. Danach erzähl ich euch, wie es war. Und kaufe mir wieder einen analogen Wecker.

Spiegel Daily: Worauf es jetzt wirklich ankommt

Dieser Text stammt aus meinem Newsletter, den ich vergangene Woche verschickt habe. Die neue Ausgabe erscheint am Donnerstag. Hier kannst du dich anmelden.

Sicherlich hast du schon einmal davon gehört, dass es in Deutschland mit seinen 80 Millionen Einwohnern rund 80 Millionen Fußball-Bundestrainer gibt. Denn nach einem Spiel der Nationalmannschaft hat so ungefähr jeder eine Meinung darüber, welchen taktischen Fehler Jogi Löw begangen hat, so dass das 0:1 möglich war, wen er in der zweiten Halbzeit unbedingt hätte bringen müssen und das es ja von vornherein falsch ist, seit Jahren auf Özil zu setzen.

Und dieses Phänomen gibt es eben nicht nur im Fußball. Wenn es um die Medienwelt geht und ein größerer Verlag ein neues Produkt auf den Markt bringt, dann mutieren fast alle, die schon einmal etwas mit Medien zu tun hatten, zu Medienkritikern. Medienjournalisten, klar, Blogger, Journalisten grundsätzlich, Berater sowieso, Twitter-People. Besonders groß ist die Resonanz, wenn ein Organ wie der „Der Spiegel“ nach Jahren der personellen Querelen mit Soap-Opera-Status sich auf seine eigentlichen Kompetenzen konzentriert und einfach mal wieder ein neues Produkt auf den Markt bringt.

Auch ich, die nun schon seit langem im digitalen Medienproduktentwickelbusiness unterwegs ist, könnte nun in den Meckermodus verfallen und all die Punkte aufzählen, die an „Spiegel Daily“ (so heißt das am Dienstag gelaunchte Produkt, das nun werktäglich (Hä?) immer um 17 Uhr (Hä?) mit einer neuen Ausgabe (Hä?) erscheint) so problematisch sind und davon gibt es wirklich einige. Aber das Meckern haben aber andere bereits erledigt (Medienjournalisten, Blogger, Journalisten, Berater, Twitter-People).

Und klar, Kritik gibt es immer und die muss man aushalten und ernst nehmen (oder ignorieren). Punkt. Manchmal wünschte ich mir allerdings auch, dass eben diese Kritiker selbst viel häufiger mit geilen Produktideen und eben diesem „einfach mal machen“ auffallen würden anstatt immer nur rumzuhacken. Denn erfolgreiche Produkte, vor allem digitale Produkte entstehen nicht über Nacht. Sie entwickeln sich, wachsen, verlieren Features und bekommen neue hinzu.

Wenn Verlage eines beweisen müssen, dann ob sie genau diesen Prozess leben können. Ob sie nach dem Big Bang, der ein Produktlaunch im Digitalen immer noch ist, auch in der Lage sind, Zahlen richtig zu deuten, Nutzungspfade zu optimieren, Features ständig zu verändern. Denn um ein Produkt erfolgreich zu machen, bedarf es nicht nur guter Inhalte sondern auch stetige(m), professionelle(m) Produktmanagement und -entwicklung. Facebook sah 2004 schließlich auch einmal ganz anders aus.

#rp17: hugtrump, Balkendiagramme und was das Internet von Köln lernen kann

Freisinn„: Gunter Dueck ist eine feste Größe auf der re:publica, diesmal redete er wieder einmal über die Digitalisierung, absurde Zustände in Unternehmen in Bezug auf diese und brachte wohl den einen oder anderen angestellt Arbeitenden ins Grübeln. Und ja: Seit diesem Vortrag denke ich über den Begriff der „Digitalen Transformation“ dann auch nochmal anders nach. Gehört dazu.

„Data Vis or: Why you don’t believe in facts, and how to fix it“: Lisa Charlotte Rost sprach über Datenvisualisierung und hat mich über Sinn und Unsinn von Balkendiagrammen nachdenken lassen. 

Coca Cola statt RTL, Edeka statt ProSieben: Marken produzieren Shows und Formate im Social Web“: Das Contentmarketing-Panel mit prominenter Besetzung. Zunächst hielt Nina Rieke eine Keynote und huldigte Jan Böhmermanns Aktivitäten rund um das Neo Magazin Royale als perfektes Beispiel für den Umgang mit Marken im  Digitalen. Dann gab’s eine Protesteinlage gegen die Bundeswehr und dann wurde noch geplaudert, was Marken tun müssen, etc. Ok, aber leider nicht sehr in die Tiefe gehend.

„Jemand vor Ort? Lokaljournalismus zwischen Innovation, gesellschaftlicher Bedeutung und staatlicher Förderung“: Warum ich mich ausgerechnet in diese Veranstaltung setzte? Weil ich seit Jahren nicht mehr zu Veranstaltung zum Thema Lokaljournalismus gehe, immer die gleichen Argumente, keine echten Ideen, ihn neu zu erfinden, keine Aussicht auf nachhaltiger Geschäfsmodelle. Hat sich auch in 2017 nicht geändert. Am enttäuschendsten: Bascha Mika, die nur über die Fehler der Vergangenheit klagte und der fehlende Wille, sich ernsthaft mit dem auseinander zu setzen, was der Kunde, der Leser will. 

„Save the world – tell a story: Wie wir die Deutungshoheit im Internet zurückgewinnen und die Welt retten können“: Journelles toller Talk, der mich auf die These brachte: können wir im Umgang miteinander nicht einfach mal von Köln lernen?

„Das Digitale Quartett“: Gute Mischung war das diesmal wieder mit Medienpolitik, Netz-Aktivismus mit der Besorgten Bürgerin, Ulrike von der Seriensprechstunde, der Lindenstraße und Mudditalk. Könnt ihr euch gerne selbst eine Meinung bilden!

Was andere gut fanden:

– Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat das insbesondere auf der Re:publica immer wieder gerne gehypte bedingungslose Grundeinkommen in ihrem Panel ziemlich auseinandergenommen. 

Die Emanzipation der Gutmenschen: Kübra war im vergangenen Jahr die Überraschung und dem Applaus nach urteilen, hat sie diesmal Stage 1 gerockt!

Was noch? Hinweise bitte in den Kommentaren. 

Erkenntnis Nummer 1: Es ist nicht einfach, Sascha Lobo zu sein.

Erkenntnis Nummer 2: Gbräu schmeckt.  

Erkenntnis Nummer 3: nur mit coolen Frauen gemeinsam ins Bällebad gehen. 

Erkenntnis Nummer 4: Erinnern ist wichtig.

#rp17: Emcke, Storytelling und ein bisschen Putin

Ich habe nicht allzu viele Talks besucht, was daran lag, dass ich mich ab und zu verquatscht habe oder ich aus bestimmten Talks früher gehen musste, weil sie mich sehr gelangweilt haben.

„Reflexion: Love out loud“ Angeschaut und für gut befunden, auch wenn mir die Selbstverliebtheit von Carolin Emcke streckenweise ein bisschen auf die Nerven ging. Aber kluge Worte, guter Appell, bitte unbedingt anschauen, wenn er im Youtube-Channel auftaucht.

„Step into Star Wars – the future of immersive Storytelling“ Fehlgriff Nr. 1 meinerseits. Langweilig, nichtssagend. John Gueta ist Executive Creative Director im ILMxLAB bei Lucasfilm und macht ganz viel mit immersive storytelling. The Future is not virtual reality but mixed reality. Alle Buzzwords untergebracht, aber wie gesagt, leider nix gelernt.

„New Media, new stories, new audiences: Storytelling in the age of smart phones and digital distribution“: Hier musste ich leider nach 19 Minuten den Raum verlassen. Aber immerhin lieferte ich durch diese 19 Minuten Content für Turi2.

„Hacking Democracy: Power and propaganda in the digital age“: Ein großartiger Gary Kasparov. Am Ende drohte die Session nach einer Diversity-Frage aus dem Publikum an Kasparov zu kippen, aber Geraldine de Bastion rettete gekonnt. Kasparovs Gesicht dazu: unbezahlbar. Ich hoffe sehr, dass man diesen Moment im Stream eingefangen hat.

„Wie wir lieben“: Friedemann Karig unterhaltsam aber auch verklemmt über die Liebe.

„Vom Reden im Netz“: Sascha Lobo konstruktiver als sonst, angeblich auch ernster, obwohl ich das gar nicht so empfand, aber wie immer rhetorisch brillant.

Was ich laut den anderen verpasst habe:
„Digitale Tauchgänge in der Tiefsee“ von Antje Boetius
Elisabeth Wehling übers Framing

(Bitte in den Kommentaren ergänzen.)

Erkenntnis Nummer 1: Überlege genau, ob du zu Putin in englischer Sprache twitterst.

Erkenntnis Nummer 2: Es gibt sie noch, diese Hach-Momente. „Wegen dir habe ich mit dem Bloggen angefangen“, sagt Sarah Schäfer beim Widi-Meetup am Microsoft-Stand zu mir. <3

Erkenntnis Nummer 3:

Sehen wir uns morgen? Spätestens um 20 Uhr auf Stage 2 zum Digitalen Quartett. Ja?

Ivanka Trump, Grlpwr oder verdammte Schei*e

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Ich habe mich nie als Feministin bezeichnet. Das lag zum einen daran, dass ich mich mit großen Teilen der Bewegung nicht so recht identifizieren konnte. Alice Schwarzer und die „Emma“? Nicht meine Generation. Auch mit den so genannten Netzfeministinnen habe ich nicht all zu gute Erfahrungen gemacht, zu aufgeregt der Tonfall, zu sehr auf sich selbst bezogen, manchmal gar zu hysterisch.

Versteht mich nicht falsch: Ich finde, dass jeder Mensch die gleichen Chancen haben sollte, seine Ideen und Ziele zu verwirklichen – gemessen an seinen Fähigkeiten und nicht gemessen an Geschlecht, Herkunft oder sonstigen diskriminierenden Fähigkeiten. Deshalb zögerte ich auch keine Minute, die Patenschaft für das Ada-Lovelace-Festival bei der WirtschaftsWoche zu übernehmen, ein Festival, das insbesondere Frauen in der Tech- und IT-Industrie feiert und vernetzt, aber auch für ein anderes Wort einsteht: Diversität. Und die geht über die reine Frauenfrage hinaus.

Womit wir wieder beim Problem wären: Das Wort Feminismus ist mir immer zu sehr auf die reine Frauenfrage bezogen gewesen. Es geht nicht nur um Frauen, es geht auch um körperlich Benachteiligte, um Menschen mit anderer Herkunft, und und und.

Was aber, wenn es offenbar nicht einmal mit den Frauen klappt? Wenn ich mir Geschichten anhören muss, in denen Frauen in Meetings immer erst dann ihre Punkte anbringen können, wenn alle männlichen Teammitglieder ihre Punkte angebracht haben und eigentlich keine Zeit mehr für Diskussionen verbleibt? Geschichten, in denen neue Mitarbeiterinnen in der Männerrunde mit derart sexistischen Sprüchen angekündigt werden, dass ich hier nicht weiter ins Detail gehen möchte? Geschichten, in denen Mütter immer noch dafür kämpfen müssen, nach einer kurzen Elternzeit in ihre Positionen zurückzukehren? Geschichten, in denen Frauen bei der Übernahme neuer Aufgaben ganz selbstverständlich nach dem damit verbundenen Titel fragen und dies dann als wirklich dreiste Forderung abgetan wird anstatt von Zielstrebigkeit auszugehen? Ganz zu schweigen von all den öffentlichen Geschichten, die jede Woche über Netzwerke, Medien oder sonstige Kanäle geteilt werden.

Und genau deshalb ist eben jeder Zeitpunkt der richtige, sich für die Gleichbehandlung von Männern, Frauen, Menschen mit unterschiedlichster Herkunft, Beeinträchtigungen einzusetzen. Weil wir eben nicht mal die Nummer mit den Frauen richtig hinbekommen. Und stattdessen lieber darüber debattieren, ob Ivanka Trump auch eine Feministin sein darf (Wenn es hilft!), ob Wirtschafts- und Politikfrauen per Handzeichen über Bundeskanzlerin Angela Merkel Feminismusstatus abstimmen sollten (WENN’S HILFT!) oder ob der Feminismus nun zur Popkultur gehört, weil die „Grlpwr“-Shirts von H&M ausverkauft sind (siehe oben.). (Natürlich ist an dem Begriff „Grlpwr“ so viel falsch wie an pinkfarbenen Überraschungseiern oder Einhorn-, Ladies- und Kerle-Bratwurst, aber wenn dieser Slogan oder meinetwegen auch die Shirts einen noch so kleinen Beitrag leisten können, dass wir gemeinsam für die gegen Diskriminierung kämpfen, dann tragt von mir aus auch diese Shirts. (Die hier sind aber besser.)

Um es mit Giulia Becker zu sagen: „Ladies seid ihr bereit, denn es ist an der Zeit, diese Ungerechtigkeit der ganzen Welt zu zeigen und wenn ihr mit mir seid, dann schwingt jetzt eure Scheiden“. Und klar: Wenn es hilft, könnt ihr auch gerne eure Penisse schwingen.

I <3 Podcasts: S-Town

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Vor einigen Wochen habe ich euch von „Missing Richard Simmons“ erzählt, einem siebenteiligem Podcast, in der sich ein Fan des Fitnessgurus Richard Simmons aufmacht, aufzuklären, warum sich Simmons 2014 ohne Vorankündigung plötzlich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. In dieser Ausgabe möchte ich euch einen weiteren Podcast ans Herz legen. Er heißt S-Town.

S-Town steht für Shit-Town. So nennt John McLemore den Ort, in dem er lebt. Der Reporter und Ich-Erzähler Brian Reed bekommt eine Mail von besagte McLemore, in der dieser von einem Mord berichtet, der sich in dieser Stadt zugetragen haben soll und der seiner Meinung nach vertuscht werden soll. Ob nicht mal jemand vorbeikommen könne, um das aufzuklären. Und Reed macht sich auf. Auf nach Alabama, auf zu John McLemore, der mit seiner dementen Mutter in einem Haus lebt. Mit dabei: sein Aufnahmegerät.

Und das ist wirklich das Tolle an diesem Podcast. Denn die Geschichte um John McLemore wird in so vielen Tondokumenten erzählt, die nicht einfach so aneinandergereiht werden. Zikaden sirren, die unterschiedlichsten Dialekte treffen aufeinander, nahezu jedes Gespräch, dass Reed bei seiner Recherche geführt hat, war aufgezeichnet, Er inszeniert, springt in den Zeiten, wechselt die Perspektiven, überrascht mit neuen Wendungen der Geschichte. Er lässt den Zuhörer mit Tränen kämpfen, als er erfährt, dass es einen Todesfall gegeben hat. Ihr merkt schon: Ich fand S-Town sehr großartig.

Wer mich schon länger kennt, wundert sich vielleicht, dass ich nun bereits zum zweiten Mal in so kurzer Zeit einen Podcast empfehle. Ausgerechnet ich, die Person, die bisher nie großer Fan von Audio war. Wenn ich Podcasts bisher gehört habe, dann entweder aus persönlicher Verbundenheit mit Freunden, tollen Musikern oder witzigen Typen, bei den Goldenen Bloggern überließ ich diese Kategorie meist den Kollegen. Und nun? Nutze ich freie Minuten oder die abendliche Nach-Hause-Fahrt dafür, Podcasts zu hören.

Dafür gibt es sicherlich nicht den einen Grund, sondern eher eine Vielzahl von Gründen. Ein wichtiger: Sowohl „Missing Richard Simmons“ als auch „S-Town“ bestechen durch ihre erzählerische Qualität. O-Töne, Musik, eigene Erörterungen werden geschickt zu einer Geschichte zusammengebaut – mit Cliffhangern, Hintergründen, Blenden – Instrumente, auf die ich bisher im Kanal Audio in deutscher Sprache nicht so häufig gestoßen bin. Falls das an mir und meiner bisherigen Audio-Ignoranz liegt, bin ich auf gute Beispiele dankbar.

Was soll ich als Nächstes hören? Ich freue mich über eure Tipps.

Was schön war (15/2017)


In meiner Liste der schönsten Buchläden der Welt gib einen New Entry: Fahrt alle nach Maastricht und geht in diese ehemalige Kirche. Am Samstagnachmittag wurde dort Kaffee getrunken, Live-Musik gehört und Bücher gekauft. Also für den nächsten Maastricht-Besuch vormerken. 


Am Freitag in Hamburg aus der U-Bahn aussteigen und Flashback in ein Jahr noch ohne Kinder. Blick auf die Straßenschilder und da war die Erinnerung zurück. Beschlossen, mal eine Freunde-besuchen-Deutschlandtour anzugehen. 


Im Café mit einem Kollegen sitzen, Ideen spinnen und merken, wie viel Spaß mir das macht. 

Spargel. 

United Airlines oder David gegen Goliath 2:0

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Ich denke gerade oft an den 24. Juli 2009. An diesem Tag nämlich schrieb ich für meinen damaligen Arbeitgeber RP Online einen Text über einen Song, den der kanadische Sänger David Carroll von der Band „Sons of Maxwell“ aus Frust komponiert hatte. Der Titel des Songs „United breaks Guitars“. Er entstand, weil die Mitarbeiter der Fluggesellschaft mit seiner Gitarre sagen wir mal ziemlich unachtsam umgegangen waren. Carroll forderte Schadenersatz, keiner fühlte sich zuständig und nach einem neun Monate langen Hickhack wurde seine Beschwerde endgültig abgewiesen.

Der Song verbreitete sich schnell – innerhalb weniger Wochen wurde das Video allein bei Youtube mehr als vier Millionen Mal abgerufen – für damalige Verhältnisse eine sehr hohe Zahl. (Mittlerweile hat der Song übrigens mehr als 17 Millionen Aufrufe.) Fernsehsender meldeten sich, Carroll trat bei Oprah Winfrey auf. „United breaks Guitars“ kletterte bei iTunes und Co. an die Spitze. Und irgendwann wurde der öffentliche Druck so groß, dass die Fluggesellschaft United Airlines reagierte und bereit war, für den Schaden aufzukommen. United kündigte außerdem an, das Video von Carroll als Material für Mitarbeiterschulungen verwenden zu wollen, um „eine bessere Unternehmenskultur in diesem Bereich und eine Verbesserung des Service zu erreichen“, so Wikipedia.

Warum ich in der vergangenen Woche an diese Geschichte denken musste, könnt ihr euch vielleicht denken. Denn eben diese Fluggesellschaft geriet in der vergangenen Woche in die Schlagzeilen, weil sie zunächst auf ziemlich rabiate Weise den 69-jährigen Passagier David Dao aus einem überbuchten Flug entfernten und der United-Chef Oscar Munoz das Vorgehen in einer internen Mail an die Mitarbeiter auch noch verteidigt hatte. Erst deutlich später – und nachdem die Aktie ordentlich Federn gelassen hatte, schwenkte Munoz um, entschuldigte sich öffentlich und kündigte Konsequenzen an. Der Börsenwertverlust in Höhe von einer Milliarde Dollar dürfte zumindest so schmerzhaft gewesen sein, dass Munoz‘ Ankündigung umgesetzt wird.

David Carroll hat nach den Geschehnissen übrigens auch ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel „United breaks guitars – The power of one voice in the age of social media“. Der Fall United Airlines zeigt, dass die Macht ist in den vergangenen Jahren eher noch größer geworden ist.

Was schön war (14/2017)

Dieses leicht beschwingte Gefühl nach zwei Erdbeer-Margarita beim Mexikaner. Sehr zu empfehlen: mit dem Rad nach Hause fahrend Fest&Flauschig hören.

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Kirschblüten auf dem Balkon.

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Ganz viele Familienmomente. Fußball spielen mit dem großen Sohn, Wippen mit dem kleinen Sohn. Spazierengehend die Welt entdecken. Kuscheln. Ostern feiernd gar nicht an den Alltag denken. Das war schön.

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Zeit gehabt zum Bücher lesen. Mehr demnächst.