Warum du mal wieder einen Liebesbrief schreiben solltest

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Als ich in diesem Jahr entschieden hatte, das Handelsblatt zu verlassen, habe ich auch dazu entschieden, etwas Neues zu lernen. Da ich seit Jahren Seminare gegeben, Workshops organisiert, Wissen weitergegeben habe, nahm ich mir vor, mich in diesem Bereich weiterzubilden. Sprich: Ich habe mich für einen Train-the-Trainer-Kurs an der IHK Düsseldorf angemeldet.

Eine richtig gute Entscheidung, wie ich jetzt im Nachhinein sagen kann – der Kurs ist so gut wie abgeschlossen. Ich bin in die Welt der Didaktik abgetaucht, habe neue Trainingsmethoden kennengelernt, das DISG-Modell erkundet, mich mit Vakog beschäftigt, ja sogar kurz in die neurolinguistische Programmierung hineingeschnuppert, meine Stimme erkundet, Konzepte schreiben gelernt. Und habe nebenbei noch ein paar tolle Menschen kennengelernt.

Zum Beispiel einen wahren Flipchartprofi, der eigentlich bei einer Bank arbeitet und mich innerhalb eines Nachmittags dazu gebracht hat, echt verständliche und gut gestaltete Flipcharts zu malen. Er verriet uns ein paar Tricks, die mir sehr geholfen haben.

Ich könnte noch so viele andere Menschen aus dem Kurs erwähnen (die anderen Teilnehmer und vor allem die Kursleiterin Sylvia Schnödewind), aber das sind andere Geschichten, die ich an dieser Stelle gar nicht erzählen möchte.

Im Rahmen des Kurses muss jeder Teilnehmer ein Trainingskonzept schreiben und eine Stunde daraus mit der Gruppe trainieren. Welches Thema nehme ich? Welche Methoden? In welcher Reihenfolge? Und wie schaffe ich es, das Thema auf die Zielgruppe der anderen Trainer zu zu schneiden?

Lange Rede: Ich bin am Donnerstag mit dem Thema „Digitale Selbstvermarktung für Trainer“ ins Rennen gegangen, ein Konzept, das sich recht einfach auch für andere Berufsgruppen anpassen lässt und wenn ich dem umfangreichen Feedback glauben mag, kamen Stunde und ich ganz gut an.

Umfangreiches Feedback? Oh ja. Das gab es direkt im Anschluss persönlich von den anderen Teilnehmern und der Ausbilderin. Gut vorbereitet, ungefähr eine halbe Stunde lang. Und schriftlich für zuhause von jedem einzelnen. Als Liebesbrief. Was für ein wirklich schönes Gefühl, die lieben und wohlwollenden Worte der Kollegen zu lesen.

Und wie einfach es doch ist, anderen Menschen eine Freude zu machen.

Wenn du mehr zu dem Trainingskonzept erfahren möchtest oder mich als Trainerin buchen möchtest, melde dich.

Manfred

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Seit Wochen versuche ich mich thematisch mal weg von der Medienbranche zu bewegen, aber dann passiert wieder was und zack, lande ich doch wieder einem Medienthema. Müsst ihr jetzt durch.

Was passiert ist? Nun: Das mit der Regierungsbildung will nicht so recht klappen und nicht nur das politische Berlin, sondern auch das journalistische Deutschland dreht auf. Die Lage ist unklar, die Ereignisse noch nicht so recht vorhersehbar, neue Machtkonstellationen könnten entstehen und da will man als Journalist natürlich ganz vorne mit dabei sein. Alles verständlich und das macht ja auch Spaß.

Was ich allerdings so gar nicht verstehe, ist der Impuls von Verlagen, den Erscheinungstag von wöchentlichen Printpublikationen nach vorne zu ziehen. Beispiel Stern: Erschien schon gestern, obwohl normalerweise Donnerstag. Beispiel Spiegel: Erschien schon heute und normalerweise Samstag. Also wirklich: Warum?

Ich stelle mir das so vor: Samstagmorgen in Deutschland. Manfred freut sich schon beim Frühstück, dass heute wieder der Spiegel kommt. Genüsslich beißt er in sein Brötchen. Was die wohl diesmal wieder ausgegraben haben, freut er sich. Nach dem Mittag macht er sich einen Kaffee, legt sich aufs Sofa und fängt an zu blättern. Herrlich.

Wenn nun der Spiegel schon am Donnerstag erscheint, dann läuft das so: Manfred sitzt beim Frühstück, gelangweilt kaut er auf seinem Brötchen herum. Heute gibt es keinen Spiegel. Der kam ja schon Donnerstag. Gelesen hat er ihn noch nicht, dafür war in der Woche keine Zeit. Aber beim Blick auf den Titel hat er gar keine Lust mehr zu lesen. Stunde Null. So ein Quatsch. Ist doch seit Donnerstag schon ne Menge passiert. Seehofer, die SPD – da hätte er gerne mehr zu erfahren. Stattdessen arbeitet sich der Spiegel an Lindner ab, ein Thema, das schon am Mittwoch durch war.

Merkst du, oder? Vergrätzt man nicht mit solchen Aktionen nicht gerade die Stammleser, die ihre Routine mit ihrem Printmagazin schätzen?

Und lohnt sich das wirklich, ein Magazin vorzuziehen, wenn man eigentlich digitale Kanäle hat, um aktuell zu informieren? Wenn man dem vorher erschienenen Heft dann zwei Tage weniger am Kiosk gönnt? Wenn man einem sich nach zwei Tagen längst überholten Heft noch zwei Tage länger am Kiosk gibt?

Wie gesagt, ich versteh das nicht. Aber ich hab mir Manfred ja auch nur ausgedacht.

Zeitschriften im Test: Das Brot-Magazin

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„Vor knapp zwei Jahren wies mein Freund Stevan Paul in seinem Blog auf einen Video-Backkurs für Brot von Lutz Geißler hin. Der Name sagte mir nichts. Brot hatte ich früher mal mit Backmischung, Automat und mäßigem Erfolg gebacken. Aber es klang interessant.“ Dies ist der erste Absatz von Sebastian Marquardts Kolumne „Auf ein Wort“ im gerade neu erschienenen „Brot-Magazin“. In dieser Zeitschrift geht es – du wirst es nicht glauben – um gutes Brot, den Backprozess und alles, was damit zu tun hat.

Sebastian ist der Chefredakteur des Brot-Magazins und gleichzeitig Geschäftsführer des Verlages Wellhausen&Marquardt. Ich kenne ihn schon länger, aus frühen Internetjahren und dem, was daraus entstanden ist. Vermutlich wäre ich gar nicht auf dieses Magazin aufmerksam geworden, das irgendwann in seinen Social-Media-Kanälen aufgetaucht ist.

Das „Brot-Magazin“ ist auf den ersten Blick ein klassische Special-Interest-Zeitschrift. Es finden sich dort viele Rezepte, schöne Geschichten von Hobbybäckern, Anleitungen, wie du dir selbst Lievito Madre herstellst, Tipps zur richtigen Pflege des eigenen Sauerteiges, mehr als 20 Brot-Rezepte und leckere Ideen für Brotbelage, die Stevan Paul beigesteuert hat. Küchen- bzw. Knetmaschinen werden getestet, der Entstehung des Franzbrötchens wird nachgegangen und es gibt Wissenswertes zu Glutenunverträglichkeiten und passende Rezepte dazu.

Jetzt wunderst du dich bestimmt, warum ich dieses Magazin hier bespreche, wo es doch meist um recht digitale Themen geht. Das hat ein paar Gründe.

Erstens: Ich habe zwar nur eine Ausgabe gelesen (mehr gibt es bisher auch nicht), aber das Magazin ist wirklich gut. Die Leidenschaft für das Brotbacken, die ich in den vergangenen Monaten nur in Sebastians Instagram-Feed gesehen habe, spüre ich beim Blättern und in den vielen Berichten. So hat er Satoko Shinke kennengelernt, eine japanische Puppenkünstlerin, die das Brotbacken für sich entdeckt hat, obwohl es in Japan keine Tradition hat. Sein eigenes Rezept für ein Sauerteig-Mischbrot – Sebastian hat eine Zeitschrift geschaffen, die Experten anspricht und Neulinge super in die Kunst des Brotbackens einführt. Ich selbst backe seit ungefähr zwei Jahren immer mal wieder Brot, meist mit Sauerteig aus der österreichischen Joseph-Bäckerei, wenn er mir nicht mal wieder (so wie jetzt gerade) umgekippt ist. Ich bin kein Profi, mich verwirren Begriffe wie Anstellgut immer noch, aber auch ich finde hier spannende Themen.

Zweitens: Das Gesamtkonzept des Brot-Magazins ist so schön stimmig. Neben Papierzeitschrift für den Kiosk gibt es Webseite und App für den digitalen Genuss. Ein paar Seiten kann ich mir online anschauen, um einen Eindruck zu gewinnen. Facebook und Instagram gehören ganz selbstverständlich auch zum Konzept. Wer sich dort übrigens mit dem Brot-Magazin verbunden hat, kann schon jetzt live dabei zuschauen, wie die nächste Ausgabe entsteht. Brote werden gebacken, Fotos vom Shooting geteilt – das ist alles sehr schön, zum Ausprobieren und macht Lust auf mehr.

Drittens: Bereits einige Wochen nach Kioskstart gibt es eine kleine aber feine Facebook-Gruppe, in der sich Leser austauschen können. Sie teilen Fotos der Brote, die auf Basis der Zeitschriftenrezepte gebacken worden sind. Sie wünschen sich Themen, die in den nächsten Ausgaben behandelt werden sollen. Sebastian reagiert auf fast alles und wenn ich das richtig beobachtet habe, müsste er allein auf Basis der vielen Fragen und Hinweise genügend Themen für die kommenden Ausgaben beisammen haben. Von Beginn an setzen die Macher auf die Community, binden diese ein, auch indem der oben genannte Lutz Geißler viele Rezepte beisteuert. Ich freue mich schon jetzt darauf, in den kommenden Monaten dabei zusehen zu zu können, wie es weiter geht und wie es dem kleinen Team gelingen wird, die Community einzubinden.

Das „Brot-Magazin“ ein gelungenes Beispiel dafür, wie man im Jahr 2017 Zeitschriften auf den Markt bringt – in Sachen Leidenschaft, Einbindung der On- und Offline-Community und hochwertiger Aufbereitung.

Gebacken habe ich am Wochenende auch. Für Faule gibt es in der Zeitschrift auch ein Speedbaking-Rezept (ohne Sauerteig als Triebmittel), für das ich gerade einmal drei Stunden benötigt habe. Nach dem Abendbrot mit der Familie habe ich übrigens direkt noch eins ansetzen müssen. Und jetzt züchte ich mir gerade Lievito Madre. Mal sehen, wie mir das gelingt.

Interview mit Sebastian Marquardt bei nutriculinary.com
Anja Hartmann über „The meaning and magic of making bread“

Die spannendsten deutschen Finanzblogs

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Am Freitag werden die Finanzblog-Awards der comdirect verliehen, die ich in diesem Jahr zum zweiten Mal und diesmal in der Funktion als Juryvorsitzende unterstützt habe. Das habe ich sehr gerne getan, beobachte ich die Szene doch schon seit einigen Jahren. (In meiner damaligen Rolle als Chefredakteurin von WirtschaftsWoche Online gewann ich so den ein oder anderen Gastautoren und auch in unserem Lunchtalk waren viele gern gesehene Gesprächspartner. Das waren noch Zeiten!)

Seitdem hat sich viel getan. Und wer es in diesem Jahr auf die Shortlist geschafft hat, erkennt alte Bekannte aber eben auch viele neue Gesichter, die einen anderen Ansatz verfolgen. Wer am Freitag ausgezeichnet wird, das werde ich hier natürlich nicht verraten. Ich möchte dir aber fünf Projekte ans Herz legen, die herausragen (und auch nicht alle nominiert waren). Wagen wir also einen kleinen Ausflug in meine persönlichen Highlights der Finanzblogszene im Jahr 2017.

Madame Moneypenny. Im vergangenen Jahr entdeckt – seitdem bin ich großer Fan. Nein, nicht unbedingt des Blogs, sondern der Facebook-Community, die sich um dieses Blog geschart hat. Wenn du ein Mann bist, dann muss ich leider sagen: Sorry. Du musst mir leider einfach glauben, denn hier haben wirklich nur Frauen Zutritt. Mittlerweile hat Natascha Wegelin mehr als 4100 Frauen in dieser Gruppe versammelt und ich bin jedes Mal wieder überrascht, wie gut das Klima dort ist. Wie ernsthaft und engagiert auf beinahe jede Frage reagiert wird. Weiter so. (Und welcher Finanzjournalist ist eigentlich ähnlich nah an seiner Zielgruppe?)

Finanz-Szene.de. Nicht nominiert, aber im Sommer sehr ambitioniert gestartet ist der (Blog-)Newsletter von Heinz-Roger Dohms. Hier merkt man, dass ein klassischer Finanzjournalist gerade das Internet für sich entdeckt, was großartig ist. Ebenso großartig ist der Stil, mit dem er die täglichen Texte verfasst, mit Spitzen garniert, manchmal sehr insiderisch, oft aber mit Humor. Kann ich jedem Finanzinteressierten wirklich ans Herz legen.

Kleingeldhelden. Noch so ein Newsletter, dieser ist auch bei den Finanzblogawards nominiert und wir haben auch diskutiert, ob die nicht eigentlich aus formellen Gründen nicht dabei sein dürften. Was ich an dem Konzept so gut finde? Normalerweise werden Finanzblogs von nicht ganz jungen Herren geschrieben und viele sind so geschrieben, dass du dich wirklich für das Thema interessieren musst… Hier versuchen drei Nachwuchsjournalisten Wirtschaft- und Finanzthemen für ihre Altersgruppe zu machen – es geht um Minijobs, Streamingdienste und klar, auch klassische Anlagethemen. Bin gespannt, wie es bei Marian, Johanna und Sabina weitergeht.

Aktien mit Kopf. Dieses Blog gehört sicherlich zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Finanzblogs und es ist wirklich beachtlich, was Kolja Barghoorn da auf die Beine gestellt hat. Ich meine: Ein Finanzchannel bei Youtube mit mehr als 85.000 Abonnnenten? Wer bietet mehr?

Fintechnews.ch. Eines der bekanntesten Blogs sind die Fintechnews aus der Schweiz, die mit englisch- und deutschsprachigen News die Fintechbranche covern. Warten gerne mit fancy Rankings auf und sind alles in allem sehr lesenswert.

Und nun warte mal ab, wer am Freitag gewinnen wird. Bei Twitter könnt ihr es unter #fba17 erfahren und ansonsten auf der Finanzblogaward-Seite.

Die Zukunft des Journalismus? Nicht reden, sondern machen.

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Es sind schon seltsame Zeiten. Auf den Medientagen in München wurde auf nahezu jedem Panel über die Zukunft des Journalismus gesprochen und auch ich durfte etwas dazu beitragen. Ich war Teil des „Thesenbattles“ am Mittwoch, mit dem nicht unambitionierten Titel „Die ultimativen Antworten auf alle Fragen zur Zukunft des Journalismus“. Um es vorweg zu nehmen: Die konnten wir nicht liefern, allerdings konnte jeder von uns sagen, wo er die Schwerpunkte legen würde.

Ich habe meinen Schwerpunkt darauf gelegt, Kommunikationsprozesse zu optimieren – aber um es ein bisschen plakativer zu machen, habe ich das ganze in fünf denglische Schlagwörter gefasst: listen, communicate, lead, (show) courage und diversity.
Listen: Wenn du dein Gegenüber ernst nimmst, dann hörst du zu. Hörst auf Themen, wie Themen diskutiert werden, analysierst deine Daten und leitest Handlungsmuster ab. Tun die meisten (immer noch) viel zu selten.
Communicate: Redet. Miteinander, mit anderen Abteilungen im Haus, bildet diverse (siehe unten) Teams, redet mit den Menschen da draußen und nicht nur mit der hippen Starbucks-Crowd, sondern mit allen Schichten der Gesellschaft. Das ist eure Zielgruppe. Stellt euch den Diskussionen, auch wenn es schwer fällt. Vor allem in diesem Punkt kann jeder einzelne Journalist von Bloggern und (so genannten) Influencern lernen.
Lead: Eine Vision muss ins Team getragen werden – so transparent wie möglich. Denn nur wenn alle an einem Strang ziehen und in eine Richtung laufen, kann das alles funktionieren.
(Show) courage: Wandel tut weh und bedeutet auch, dass Opfer gebracht werden müssen. Aber das Schlimmste wäre doch, sehenden Auges gen Abgrund zu laufen, anstatt den notwendigen Richtungswechsel einzuleiten. Damit meine ich nicht, einfach umzudrehen, sondern vielleicht lieber eine Kurve einzukalkulieren oder den Fallschirm mitzunehmen.
Diversity: Nein, dabei geht es mir nicht einfach nur um den Frauenanteil in Redaktionen. Es muss nicht immer der stringente Lebenslauf sein, gute Journalisten sind Handwerker und dafür ist nicht unbedingt ein Hochschulabschluss notwendig – am besten noch mit Auszeichnung. So wundert es nicht, dass sich derzeit so viele Menschen von den etablierten Medien abwenden und auf der Suche nach neuen Informationsquellen sind – Journalisten, die ihre Sprache sprechen, die ihre Themen aufgreifen.

‚Wir sind mal rausgegangen und aufs Land gefahren‘, war einer dieser Sätze, die ich auf den Medientagen mehrfach gehört habe – die Reportage aus der Provinz wird im Jahr 2017 als das große Ding gefeiert. Wenigstens haben sie einfach mal gemacht. Wie schrieb Mary Hamilton vor einigen Tagen so schön: „It doesn’t matter what you say you want, it’s what you do to make it happen that makes a difference in the world.“

Fliehen Digitaljournalisten aus Verlagen? Nö, aber ändern muss sich trotzdem was.

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Drüben bei Facebook gibt es eine spannende Diskussion unter einem Spruch von Daniel Fiene: „Gerüchten zur Folge, soll es schon bald eine Meldung in Mediendiensten geben, wenn Digital-Journos in ihrem Job bleiben.“ Hintergrund ist, dass Branchendienste beinahe täglich von Abgängen und Neuverpflichtungen von Digitaljournalisten berichten, wobei sich insbesondere in der vergangenen Woche die Abgänge beim „Spiegel“ gehäuft haben.

Wie gesagt: Unter dem Post wird nun diskutiert, warum das so ist: zu wenig Mut, keine Bereitschaft in Neues zu investieren, keine Lust auf Risiko, zu wenig Vertrauen der „Etablierten“ in das Digitale, zu wenig Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen, zu wenig Ressourcen, Angst vor dem Machtverlust.

Natürlich sind das die üblichen Argumente Spannend daran finde ich vor allem aber zwei Aussagen: Die eine stammt von Cordt Schnibben, ebenfalls Spiegel-Aussteiger, allerdings aus dem deutlich lukrativeren Print-Zweig. Er wünscht sich mehr Journalisten, die auf die Verlagsseite wechseln und gemeinsame Führungsstrukturen aus Verlag und Redaktion. Ich verstehe nicht ganz, warum viele Journalisten immer wieder der Meinung sind, dass sie die besseren Verlagsmanager sind, aber das geht wahrscheinlich einher mit der Annahme, dass gute Journalisten auch ohne Führungs-und Managementqualifikationen in Leitungspositionen berufen werden – Hauptsache, die Leitartikel lesen sich fluffig.

Die andere spannende Aussage stammt von Rheinische-Post-Chefredakteur Michael Bröcker: Es sei seiner Meinung nach keine Frage von Print vs. Digital oder umgekehrt, sondern vielmehr eine Frage von Leidenschaft, Neugier, innerem Feuer.“ Wenn man dieses nicht mehr ausleben kann, dann zieht man weiter, interpretiere ich mal in seine Aussage hinein und damit hat er natürlich völlig recht: Auch unter Printjournalisten hat es in den vergangenen Monaten Abgänge und Wechsel gegeben.

Wenn ich mir grundsätzlich etwas wünschen dürfte für die Verlagsbranche: Diversität auf allen Ebenen. Füllt die Redaktionen mit nicht-studierten Talenten, Menschen, ohne stringenten Lebenslauf, die mal was von der Welt gesehen haben, die eine eigene Filterblase mitbringen. Killt die Silos aus Entwicklern, Analysten, Produktmanagern und Verlagsfuzzis und arbeitet zusammen. Schafft Hierarchien ab. Bildet Teams, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und hört auf zu glauben, dass Journalisten alles besser können. Es gibt gerade auch auf Verlagsebene so viele fähige und inspirierende Menschen, die ihren Job können. Setzt euch zusammen, redet einfach mal und schaut, was dann entstehen kann, bevor es zu spät ist.

Passend zum Thema.

Die seltsame Digital-Strategie der Nordsee-Zeitung

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Heute schauen alle nach Niedersachsen, da kann ich auch noch einmal dorthin schauen. Als ich nämlich letztens in der Heimat war, habe ich mal wieder einen Blick in die Nordsee-Zeitung geworfen, meiner so genannten Heimatzeitung. All die Jahre, in denen ich in Bederkesa gelebt habe, kam gegen viertel vor sieben immer die Zeitungsfrau angefahren und hat uns die Zeitung vor die Tür gelegt. Ich habe das oft gehört, weil die Haustür jedes Mal geknarrt hat und manchmal war die Zeitungsfrau so schwungvoll unterwegs, dass das Papierpaket gegen die Wohnungstür knallte, so dass ich auch das hören konnte.

Vor ein paar Jahren hat meine Mutter die Zeitung abgeschafft, die Gründe dafür sind vielfältig, ich kann sie nachvollziehen, auch wenn ich zwischendurch immer denke, dass das ja schon auch ein bisschen schade ist, aber auch ich in Düsseldorf lese vor allem digital und da kann ich ihr gar keinen Vorwurf machen.

Als dann letztens dieser Sturm wütete, wollte ich mal nachschauen, wie sehr der Landkreis Cuxhaven denn in Mitleidenschaft gezogen wird und fand unter nordsee-zeitung.de nur noch einen Hinweis auf das E-Paper. Offenbar hat sich die Marke „Nordsee-Zeitung“ aus dem frei zugänglichen Internet verabschiedet. Wer sich informieren will, kann das nun nur noch unter nord24.de machen, einem so genannten Reichweitenportal, das nicht so aussieht, als ob da viel Reichweite drauf ist und bei der IVW ist das Portal auch nicht gemeldet. Ernst nehmen kann ich dieses Portal nicht, am Wahlsonntagabend sind dort die Nartumer Schützen mit ihrem Oktoberfest wichtiger als politische Entscheidungen.

Dazu muss man wissen, dass die Nordsee-Zeitung schon so etwas wie eine Traditionszeitung ist. Viele gute Journalisten haben dort gearbeitet, die Nordsee-Zeitung ist zudem seit jeher Monopolzeitung, was manche als Glück bezeichnen, andere als Unglück, weil dadurch in den vergangenen Jahren kein echter Druck zur Transformation bestand.

Nun könnte man meinen: Mensch, vielleicht haben die ja die sozialen Medien für sich entdeckt, um die Marke im Digitalen weiterleben zu lassen. Doch, nein. Selbst im Nordsee-Zeitungskanal bei Facebook gibt es nichts Aktuelles, schon gar nicht bei Sturm. Von den Wahlergebnissen am heutigen Wahlabend natürlich auch keine Spur – der neueste Beitrag ist ein Hinweis auf das Rezept für lauwarmen Zwetschgenkuchen. Und das ist kein Scherz.

Am 1. November gibt es dort übrigens einen neuen Chefredakteur. Angeblich soll er dann die Digitalisierung der Zeitung vorantreiben. Wenn es dafür nicht längst zu spät ist.

Wie kämpft man 2017 um eine Schule?

Das letzte September-Wochenende fühlte sich ein wenig wie eine Zeitreise an. Ich tauchte ab in meine Schulzeit – der 97er Abiturjahrgang des Niedersächsischen Internatsgymnasiums Bad Bederkesa (Ja, so heißt die Schule wirklich!) traf sich. 20 Jahre ist das alles her. Erkannt habe ich alle noch – und der Rundgang durch die Schule war eine Mischung aus Nostalgie, dem Entdecken von Neuem und Erinnerungen. Mein Klassenraum in der 7. Klasse, der damalige Musikraum ist nun das Lehrerzimmer, der Kunstraum war frisch renoviert aber alt betischt, da die altgediente Lehrkraft darauf bestanden hatte, die alten Tische noch benutzen zu wollen. (Sowas geht vermutlich auch nur an Schulen.)

Der Matheraum ist mittlerweile mit einem anderen Raum verschmolzen – den Klassengrößen sei Dank. Die alte Turnhalle, die damals als Ort für die besten Schulpartys her hielt, ist nun eine moderne Bibliothek. Auf dem alten Tennisplatz steht ein schicker Mehrzweckbau mit Pausenhalle und jeder Menge Fachräume.

Es gibt wohl nur wenige Orte, an denen Altes und Neues so aufeinander treffen wie in Schulen. Es gibt Wände, von denen die Farbe blättert, das gesamte Obergeschoss riecht nach altem Holz, Staub und frischer Farbe. Vor grünen Tafeln stehen weiße moderne Boards, mit denen man ins Internet gehen kann, im Informatikraum druckt ein 3D-Drucker.

Wir laufen auch durch das Archiv des Fördervereins. Beinahe griffbereit stehen da in der Ecke die alten Protestschilder aus dem Jahr 1994. Damals kämpften Lokalpolitiker, Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam für den Erhalt der Schule. Mit Streiks, Unterschriftenaktionen, Demonstrationen in der Landeshauptstadt Hannover, wochenlanger Begleitung in der lokalen und regionalen Presse. Das Internet spielte damals keine Rolle. Und trotzdem haben alle darüber geredet und sich engagiert.

Derzeit wird auch wieder um die Zukunft dieser Schule gerungen, weil in der nächst gelegenen Stadt Langen eine Oberstufe errichtet werden soll. Ich bin sehr gespannt, ob es im Jahr 2017 gelingt, eine ähnliche Aufmerksamkeit zu generieren und auf welche Mittel dabei gegriffen wird. Reicht die Begleitung durch die Nordsee-Zeitung, die immer weniger lesen? Hat die aktuelle Schulleitung Format und politisches Gespür, um Mehrheiten zu organisieren? Fährt wieder einer Buskarawane zur großen Demo nach Hannover? Könnte Social Media helfen? Bei Facebook hat die Schule 197 Fans. Ich bin gespannt, welche Mischung aus Bewährtem und Modernem zum Zuge kommen wird.

In eigener Sache

Es gibt Neuigkeiten. Nach knapp vier Jahren als Chefredakteurin von WirtschaftsWoche Online und knapp zwei Jahren als Leiterin Digitale Vernetzung für Handelsblatt und WirtschaftsWoche endet meine Zeit bei der Verlagsgruppe Handelsblatt. Ich verlasse das Unternehmen zum 30. September und mache mich selbstständig.

Ich habe beim Handelsblatt viel gelernt und bewegen können: Habe WirtschaftsWoche Online in die Top25 der Nachrichtenwebseiten geführt, viele spannende vor allem interaktive redaktionelle Formate und das Paid-Content-Modell eingeführt. In meiner Rolle als Leiterin Digitale Vernetzung für Handelsblatt und WirtschaftsWoche habe ich viele digitale Trends aufgegriffen und umgesetzt: Wir haben die Social-Media-Strategien von Handelsblatt und WirtschaftsWoche weiterentwickelt, neue Formate eingeführt, gemeinsam Hackathons veranstaltet, das Ada-Lovelace-Festival wachsen lassen, den Digital Transformation Summit der WirtschaftsWoche zum Erfolg geführt, mit dem Handelsblatt beim Brexit London und zur Trump-Wahl Washington unsicher gemacht – ich könnte noch viele weitere spannende Projekte nennen. Ich bin dankbar für die Zeit, die Möglichkeiten und die tollen Kollegen, mit denen ich arbeiten durfte.

Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ich freue mich, meine gesammelten Erfahrungen nun auch anderen Unternehmen anzubieten:
– Ich konzipiere digitale Produkte sowie innovative Kommunikationswege wie auch Veranstaltungen
– Ich entwickle erfolgreiche Strategien, Inhalte, sowie Formate für digitale Kanäle und soziale Netzwerke und setze sie um
– Ich baue digitale Teams auf und um, schaffe Strukturen und führe neue Prozesse ein
– Ich begeistere Mitarbeiter und Redakteure für die digitalen Publikations- und Kommunikationskanäle und helfe im Transformationsprozess
– Und klar: Schreiben und Moderieren geht auch immer…

Konzeption, Beratung, Training, Redaktion – das habe ich mir vorgenommen und darauf freue ich mich.

PS: Falls es bei dir im Haus eine Idee gibt, die weitergedacht und umgesetzt werden soll, let’s talk.
PPS: Ich freue mich über Weiterempfehlungen in dein Netzwerk.
PPPS: Du hast den ultimativen Tipp für die Selbstständigkeit? Her damit! :)

Warum ich am Sonntag (mal wieder) strategisch wähle

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Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich jetzt in einem langen Aufsatz dazu auffordere, am Sonntag zur Wahl zu gehen. Ob auf Instagram, Snapchat, Facebook, Twitter oder in Blogs – überall gibt es persönliche oder organisierte Initiativen für eine höhere Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl am Sonntag. Das ist toll – hey, politisches Engagement! – , auch wenn ich nicht unbedingt glaube, dass das etwas bringt. Denn ist es sinnvoll einfach nur irgendwelche Stimmen zu mobilisieren, um dann wieder vier Jahre rumzumäkeln, dass eh alles scheiße ist und Politiker blöd? Viel wichtiger wäre echtes und langfristiges politisches Interesse und Engagement.

In dieser Woche hat mich ein Text sehr berührt. Nicht nur weil ich mir vorgestellt habe, wie sich Anna fühlen muss, hin und her gerissen zwischen Familie und ihrem eigenen Leben, zwischen Vorurteilen und Realität. Der Text hat mich auch deshalb berührt, weil er das Dilemma dieser Bundestagswahl perfekt auf den Punkt bringt. Grob zusammengefasst: Die Eltern der jungen Journalistin wählen nicht mehr, weil sie meinen, dass ihre Interessen von keiner der Parteien vertreten werden. Sie haben früh Kinder bekommen, sind in Hartz IV gerutscht, Anna erzählt, wie sie dieses Stigma im Schulleben begleitete und gleichzeitig motivierte, ein anderes Leben leben zu wollen.

Ich verstehe nun ein bisschen besser, warum es immer mehr Menschen gibt, die Protest wählen – in Form von AfD oder anderen politischen, aber auch unpolitischen Parteien: Es gibt eine immer größer werdende Zahl an Menschen, die sich auf welche Weise auch immer nicht mehr vom politischen System, ihren Parteien und Köpfen abgeholt fühlt. Die Jungen, die beim TV-Duell die für sie wichtigen Zukunftsthemen vermissten, diejenigen, die befürchten, ihre Arbeit an Flüchtlinge zu verlieren, und andere, die befürchten, in der neuen digitalisierten Welt nicht mehr mitspielen zu können. Und da sind beispielsweise auch Annas Eltern, die nicht mehr auf den Sozialstaat vertrauen. Alle eint: Die Angst vor dem Ungewissen. 

Die eine setzt auch ein fröhliches „Weiter so“, der andere tut so, als ob der Sozialstaat einfach nur immer weiter aufgebläht werden könne, die Grünen wehen berechtigt mit der Klimafahne, aber vergessen, dass sich in unsicheren Zeiten meist jeder selbst am nächsten ist. Die Linke will alle über einen Kamm scheren und die FDP hat zwar die beste Kampagne in diesem Wahlkampf hingelegt, aber ob sie auch in der Langstrecke wirklich mit Themen jenseits der bewährten Klientelpolitik abliefern kann, steht noch in den Sternen.

Warum sollte ich diesen Menschen vertrauen? Menschen, die nicht meine Sprache sprechen. Die in den vergangenen Jahren das politische System geformt haben, Entscheidungen vorangebracht oder mitgetragen haben. Menschen, die nicht wissen, wie es ist, aus dem System Hartz IV nicht mehr herauszukommen (Ich weiß es ja nicht.). 

Und so passiert es wieder: Noch gehöre ich zu den Menschen, die zur Wahl gehen, ja sogar ganz klassisch am Sonntagmorgen mit Spaziergang zum Wahllokal. Weil ich an die Demokratie glaube und am Ende auch davon profitiere. Und ich werde auch diesmal nicht aus Überzeugung, sondern strategisch wählen. Damit andere Mehrheiten zustande kommen und wir irgendwann dann doch mal die Zukunft angehen. Unsere Kinder haben sie verdient.