Sonntagszeitungen im Zug

Herrlich, Zug fahren. An einem Sonntag. Mit zwei der drei großen Sonntagszeitungen: der FAS und der WAMS. Und meiner Lust auf Zeitungslektüre. Hier der große Vergleich. Wobei Sie hier nur meine Sicht der Dinge lesen. Eine andere gibt’s gleich bei Herrn Fiene. Der saß nämlich neben mir.

Optik: Natürlich muss die Zeitung über dem Bruch überzeugen, also von den Themen her ansprechend sein und von der Optik. Beide setzen auf Afghanistan als Aufmacher. In beiden Kategorien überzeugt die WAMS. Die spannenderen Themen, die tolleren Fotos. Auch im Vergleich der einzelnen Bücher liegt für mich die WAMS vorn. Tollere Fotos, mehr Emotionen. Am traurigsten der Geld-Teil bei der FAS. Die Optik ließ nicht einmal mehr auf das Thema unter dem „Bruch“ schließen. Sowieso: zu viele Symbolfotos. Doch werfen wir einen Blick auf den Inhalt.

Titel

Politik: Beide was Großes zur politischen Gemengelage vor der Bundestagswahl. Beide mit hochrangigen Interviews. Beide so langweilig, wie diese Interviews eben immer so sind. In der FAS war mir die Aufarbeitung der Landtagswahlen zu stereotyp. Trotz ödem Schöneberger-Interview klarer Punkt an die WAMS: Schröder! Thüringen über die Frauen verkauft, Stuckrad-Barre über Cem Özdemir! Drei Treffer plus Optik.

Sport

Sport: Les ich sonst nie. Überzeugten mich auch diesmal beide nicht. In der FAS ein langweiliger Bericht zum gestrigen Spiel, den ich auch nicht spannend fand, obwohl ich nichtmal Fernsehen geguckt habe. Verschenkte Geschichte (weil hölzern erzählt) zu dem wieder an Krebs erkrankten Handballspieler. Und die WAMS? Kann ich mich schon nicht mehr erinnern. Trostpunkt für die FAS.

Wirtschaft

Wirtschaft: True Fruits, Polens Wirtschaft und Nokia in der WAMS, die Wasser-Schwester hält in der FAS dagegen. Warum nur mag ich über all die anderen dort vorkommenden Themen nichts mehr lesen? 3:1.

Finanzen

Finanzen / Geld: Das Spannendste in beiden Geld-Teilen war die Meldung in der FAS, dass die Jung-Seite eingestellt wird. Dafür vergebe ich keinen Punkt.

Kultur

Kultur / Feuilleton: Beide widmen sich dem ARD-Skandal – die WAMS mit Interview, die FAS mit Meinung. Und dann legt die FAS noch mit Peter Richter über Obama („Wenn unsere Politiker unkonventionell sein wollen, kommt Claudia Roth heraus“) und ein paar Standards nach. Keine Chance für die WAMS. 3:2.

Stil

Stil/ Gesellschaft: Von Berlin in die Provinz bei Bremen – in der FAS spannend und gut geschrieben. Minuspunkte dafür für die Flipflop-Geschichte. Hallo? Wie out sind bitteschön Flipflops in diesem Sommer gewesen? Ich hab nur Leute in Römersandalen und Ballerinas rumlaufen sehen. Die WAMS punktet mit einer Kindererziehungsgeschichte und einer Betrachtung zum Flirtverhalten russischer Frauen. Wieder mal nicht nur in Sachen Optik: Punkt für die WAMS.

Immobilien

Immobilien: Les ich sonst nie, geb ich heute aus Ehrlichkeitsgründen auch keine Chance. Kein Punkt.

(Bild wird nachgereicht.)

Motor/ Technik und Motor: Siehe oben. Kein Punkt.

(Bild wird vielleicht nachgereicht.)

Wissenschaft: In der WAMS im Kulturteil versteckt. In der FAS was Größeres über die Wikinger. Dazu konnte ich mich nicht aufraffen. Beide ohne Punkt.

Reise

Reise: In der WAMS les ich vielleicht noch die Roger-Willemsen-Geschichte. Halber Punkt für die WAMS.

Beruf

Beruf: Gute Überschrift.

Endstand: 5,5 gegen 3. Hätte ich nicht gedacht.

7 comments on “Sonntagszeitungen im Zug

  1. Hendrik sagt:

    Endlich wird diese bekloppte Jung-Seite eingestellt. Ich war jedes Mal verwirrt, weil ich irgendwas an den Texten merkwürdig fand. Habe nämlich immer erst spät gemerkt, dass es sich um “jung” handelte :-)
    Das Bild des Geld-Teils fand ich hübsch. CO2 ist erkennbar, und etwas geheimnisvoll darf’s doch sein.

  2. Paul sagt:

    Klitzekleiner Hinweis: es gibt noch andere Adjektive als “spannend”

  3. Sanddorn sagt:

    ARD-Skandal? Hatte Johannes B. Beckmann ein T-Shirt mit Werbung für Gammelwurst an? Ach ich will es gar nicht wissen.
    Ist das Charlotte Gainsbourg im Kulturteil?

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