18_2011

Schuhe

Mit großen Nachrichtenlagen verhält es sich ja so. Wenn ich früher Urlaub hatte, dann passierte meist irgendetwas Großes. Beispiel eins: Als ich im September 2008 in den USA war, ging Lehman Brothers pleite und löste die Finanzkrise aus. Als ich im November 2009 in Südafrika war, starb plötzlich Robert Enke, und als im Mai 2010 Roland Koch und Horst Köhler zurücktraten und Lena den Eurovision Song Contest gewann, war ich in Kalifornien. Jetzt bin ich seit einiger Zeit in Mutterschutz und was bisher alles schon passiert ist. Ministerrücktritt wegen Plagiatsaffäre, Erdbeben, Atomkraftwerke fliegen in die Luft, selbst Osama bin Laden ist nun tot. Jobtechnisch sind diese großen Ereignislagen immer die spannendsten. Mit welchen Geschichten spielt man das Thema über den Tag, was interessiert die Leute am meisten, welche Hintergründe müssen ganz dringend und am besten sofort recherchiert und umgesetzt werden. Als ich in der Nacht von Sonntag auf Montag gerade auf das Bäuerchen des Früchtchens wartete, schaute ich bei Twitter herein und da wurde gerade angekündigt, dass Barack Obama gleich eine Pressekonferenz halten würde. Ich muss wohl nicht dazu sagen, dass ich sofort ein wenig hektisch wurde, die deutschen Nachrichtenseiten checkte, wer einen echten Nachtdienst installiert hat (keine wirklich, es sei denn die Newsticker bei Bild.de, Welt.de und Handelsblatt.com werden wirklich manuell bestückt) und dann doch lieber bei der New York Times vorbeisurfte. Ja, in diesen Momenten fällt der Mutterschutz schon schwer.

Das erste Mal: wieder im Büro vorbeigeschaut. Zeit eigentlich mal die beliebtesten Fragen an eine frisch gebackene Mutter aufzulisten. Erstens: Schläft er durch? Antwort: Natürlich schläft mein Wunderkind durch. Kaum hat es die Augen aufgeschlagen, fielen sie auch schon wieder zu und das Kind in den Tiefschlaf. Wir haben uns darauf geeinigt, dass einmal blinzeln Windeln wechseln bedeutet und zweimal blinzeln „Ich hab Hunger“. Klappt ausgesprochen gut. Zweitens: Schreit er viel? Antwort: Natürlich nicht, wir kommunizieren ja über das Blinzeln. Drittens: Ist der immer so brav? Antwort: Ja, er schläft ja eigentlich nur. Viertens: Wie alt ist der denn? Antwort: Bisschen mehr als sieben Wochen. Klugscheißer-Eltern antworten übrigens dann „Oh, sie zählt noch in Wochen.“

Der Besuch im Büro war also ein voller Erfolg. Das Früchtchen hat sich nach der ersten Viertelstunde entschieden, nach ein paar Abwehrversuchen sich doch der Müdigkeit hinzugeben und hat geschlafen. Keine schlechte Strategie, denn sonst wären die vielen neuen Gesichter wahrscheinlich ein wenig überfordernd gewesen. Gegen Ende wachte es dann noch einmal kurz auf, aber auch nur, um auf den Arm genommen zu werden und dort dann einfach weiterzuschlafen.

Die ersten Male werden nun weniger. Aber ein paar gibt es noch: Elterngeld beantragt, das Lachen des Früchtchens in der Badewanne, Eisladen auf der Lorettostraße getestet (ganz ordentlich), Bauchmuskeln gespürt (Es gibt sie!). Und natürlich das Highlight in dieser Woche: Die erste alte Hose passt wieder. Trotz Eisladenrumprobiererei.

Die Nächte werden irgendwie entspannter. Muss an der Routine liegen.

Familie Ente

Ich könnte mittlerweile bei „Wetten dass..?“ auftreten: auf welchen Wasserflächen in der Umgebung von Bilk die Enten wieviel Nachwuchs bekommen haben.

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