I <3 Podcast: "Missing Richard Simmons"

Was wäre, wenn dein Fitnesstrainer plötzlich nicht mehr auftaucht? Sich völlig zurückzieht, die Öffentlichkeit meidet und nicht erreichbar ist? Was ist, wenn du meinst, zu deinem Fitnesstrainer eine Freundschaft aufgebaut zu haben und nun bemerkst, dass dieses Gefühl von Freundschaft nur einseitig gewesen ist?

All das hat Dan Taberski erlebt, ein ehemaliger Produzent der „The Daily Show“. Er war der Meinung mit Richard Simmons befreundet gewesen zu sein. Und eben dieser Richard Simmons, Fitness-Guru, Motivationskünstler, Komiker und Autor, entschied 2014, sich plötzlich und ohne Vorankündigung aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. Damit stieß er vielen Menschen vor den Kopf, insbesondere solchen, die meinten, mit ihm befreundet zu sein. Auch Dan Taberski gehört dazu. Drei Jahre später veröffentlichte er den Podcast „Missing Richard Simmons“. In sechs Folgen macht er sich auf die Spurensuche, trifft alte Wegbegleiter und versucht zu verstehen, was Simmons dazu bewegt haben könnte, diesen für sein Umfeld radikalen Schritt gegangen zu sein.

Ich bin nicht sonderlich podcasterfahren, aber ich sage dir: Höre dir diesen Podcast an. Er ist großartig erzählt, aufwändig produziert, persönlich und durchaus inspirierend. Er ist laut „New York Times“ ein „Hit“ und war im März 14 Tage lang auf Platz eins der amerikanischen iTunes-Charts.

Was ist Freundschaft? Taberski erzählt von seiner Freundschaft und versucht immer wieder, in das nähere Umfeld Simmons einzudringen – mal über den Manager, mal über den Bruder. Was ihm schnell klar wird: Es gibt nur noch sehr wenige Menschen, die Simmons in sein jetziges Leben lässt. Ich finde es faszinierend, wie Taberski bemerkt, dass er offenbar viel mehr aus seiner Freundschaft zu Simmons gezogen hat als Simmons selbst. Dass Simmons offenbar zu sehr vielen Menschen ein Verhältnis aufgebaut hat – was diese als Freundschaft verstanden haben – für den Motivationskünstler und Fitnessguru einfach zum Geschäft dazu gehörte. Ich glaube, wir alle sollten ab und zu darüber nachdenken, wer unsere wirklichen Freunde sind.

Was wäre der beste Abgang gewesen? Hätte Richard Simmons sagen sollen, dass er sich zurückziehen möchte? Vielleicht. Gleichzeitig kann ich sehr gut nachvollziehen, dass er eben genau diesen Weg gegangen ist. Abrupt, ohne Erklärung. Denn wie wäre eine solche Erklärung verstanden worden? Hätte er vielen seiner so genannten Freunde damit nicht noch viel mehr vor den Kopf gestoßen? Und kann es für jemanden, der immer gut drauf war, ja sein Geld damit verdiente, gut gelaunt zu sein, überhaupt einen perfekten Abgang geben? Würdest du dir nicht auch wünschen, dass sich alternde Witzbolde einfach zurückziehen? Wirken seine Auftritte nicht manchmal seltsam fremd wie aus einer anderen Zeit und wollte Richard Simmons vielleicht auch einfach nicht als peinliche Witzfigur enden?

Natürlich gibt es auf diese Fragen nicht DIE Antwort. Aber es lohnt sich, darüber nachzudenken. Und ich finde es faszinierend, dass dies ein Podcast geschafft hat.

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