Nordstrasse

Es ist kalt. So kalt wie es sein kann, wenn die reale Temperatur um den Gefrierpunkt liegt und ein paar Schneeflocken auf den Boden schnellen, weil sie keine wirklichen Flocken mehr sind sondern in Regen übergehen. Die Brille möchte man gar nicht mehr tragen, weil die vielen kleinen Tropfen die Sicht behindern. Im „Weihnacht’s Grill“ steht sie in einem weißen Kittel, unter dem sie einen dicken Pullover trägt. Sie hält die Zange in der Hand, wendet die Würste (kein halber Meter) dann und wann. Sie hört die Musik, die von nebenan tönt. Dort fahren zum wiederholten Male die Motorräder, Polizeiwagen und anderen Autos im Kreis. Sie hat aufgehört, mitzuzählen. Auf einem der Motorräder sitzt ein kleiner Junge. Er lacht. Sie hat auch aufgehört, zu zählen. Zu zählen, wie oft an diesem Tag schon dieses Lied gespielt wurde. Nur an diesem Tag.
Die Anwohner kommen schon lange nicht mehr zu ihr herunter. Auch sie haben aufgehört, mitzuzählen. Am 23. ist dann hoffentlich wieder alles vorbei.

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