DLD19: So war Tag 1

Quelle: Richard Gutjahr/Pia Frey

Nach einem Jahr Pause bin ich in diesem Jahr wieder einmal auf der DLD. Diesmal das erste Mal in der neuen Location in der Theresienhöhe – mit zwei räumlich getrennten Bühnen – die eine in der alten Kongresshalle und die andere im gegenüberliegenden Track des Deutschen Technikmuseums, inmitten alter Autos. Was optisch richtig super ist, akustisch allerdings nicht ganz so einfach zu bewältigen ist. Und DLD19 fühlt sich für mich dann auch wieder an wie ein Klassentreffen. Das ist so schön wie seltsam zugleich. Dennoch habe ich mich bemüht, mich in möglichst viele Sessions zu setzen. Ein paar Dinge habe ich mitgenommen.

Eine Digitalkonferenz ohne das Thema „Blockchain“ ist auch 2019 keine Digitalkonferenz. Das steht ja nun schon mal fest.
Den Anfang machte für mich deshalb Don Tapscott vom „The Blockchain Research Institute“, der über „The New Social Contract“ sprach. Kurzfassung: Es wird eine zweite Ära der Demokratie geben, für die wir aber werden kämpfen müssen. Kennzeichen: „the second wave will be characterized by transparency, a culture of public deliberation built on active citizenship and representatives accountable to citizen. (Talk bei Youtube)

Ich blieb sitzen. Joe Lubin, Erfinder von Ethereum und Consensys-Gründer, sprach über den Stand von Civil, einem Projekt, dass Journalisten mit Hilfe der Blockchain die Arbeit erleichtern soll. Entgegen anderslautender Gerüchte (die zitierte zumindest Mike Butcher, Moderator und Editor-at-Large bei Techcrunch, stehe das Projekt kurz vor der Veröffentlichung

Fun Fact in dieser Runde: Joe Lubin zahlte seine Mitarbeiter anfangs in Bitcoin und Ether, das habe aber zu Problemen geführt. „As we grew bigger, we had to move to pay people in state currency“. Was für eine schöne Umschreibung für den guten alten Dollar. (Talk bei Youtube)

Gemäß dem Motto, in einer Konferenz immer bei einem Thema sitzen bleiben, mit dem du auf den ersten Blick gar nicht viel anfangen kannst, machte mich Steffi Czernys Schwärmerei über Bob Greenberg neugierig und in der Tat bereute ich es nicht, sitzengeblieben zu sein. Ich habe gelernt, warum er es für notwendig hielt, sich alle neun Jahre neu zu erfinden – Spoiler: Es hat etwas damit zu tun, kreativ zu sein/bleiben. Und ich habe gelernt, was Digitalunternehmen von Bauhaus (Ja, das Bauhaus!) lernen können. 1. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. 2. Weniger ist mehr. 3. Zusammenarbeit rules. The next big thing in design? Laut Bob Greenberg: Roboter. Vor allem sei er gespannt, welche Rolle Japan dabei übernehmen werde.
(Talk bei Youtube)

Deutsche-Post-Chef Frank Appel möchte mit FAZ-Mann Carsten Knop nicht allzu lange über die Herausforderungen des vergangenen Jahres sprechen. Gemäß dem Motto der Konferenz „Optimism & Courage“ macht er sich stark für die globalisierte, vernetzte Welt – trotz protektionistischer Tendenzen bei dem einen oder anderen Politiker: „No Country has ever been successful with protectionism“, sagt er.

Der spannendste Aspekt in dem Interview war allerdings, als er von der größten Herausforderung seines Unternehmens sprach: Deutschland mache den Fehler, dass die meisten Menschen nach dem Ende der Schulzeit mit dem Lernen aufhören. Lebenslanges Lernen, wer trägt die Verantwortung von Bildung? Wer kommt für die Kosten von Bildung auf? Eine Debatte, die vermutlich gerade erst beginnt. (Talk bei Youtube)

„Cyber-Security is not a sexy topic, it’s an effort“, sagt Udo Helmbrecht von der European Network and Information Security Agency. Und auch: It’s about cyber hygiene: You wash your hands, you should also take care of your digital assets.
(Talk bei Youtube)

Den Rest des Tages habe ich mit Gesprächen verbracht und dabei ein paar Gedankenfetzen mitgenommen.

1. Egal, was du geschaffen hast: Wenn es auf einem Lizenz-Modell beruht, kannst du nix tun, wenn die Mutter schwächelt.
2. Das mit den E-Autos kommt dann doch so langsam. Memo to me: Wirklich mal tiefer ins Thema einsteigen.
3. Es gibt mehr als 100 Tänze bei Fortnite.
4. Wer ein Unternehmen gründen möchte, sollte das Buch „Machen“ der Mymuesli-Gründer lesen. (Ich habe einen Affiliate-Link verwendet)
5. „Wachse. Schrumpfen kannst du immer noch.“ In diesem Spruch steckt so viel drin.
6. Es gibt so viele, die eine Marie-Kondo-Geschichte haben. (Bei Instagram spreche ich darüber mit Daniel (Story findet ihr in den Highlights.)
7. Schnitzelessen macht müde und glücklich.
8. Kinder machen müde und glücklich.

Was wird 2019?


Wenn ich durch meine Social-Media-Timelines scrolle, dann wird 2019 das Jahr, in dem alle so richtig durchstarten – mit dem Sport, dem frühen Aufstehen und schon mal produktiv sein, dem Durchoptimiertsein. Was sich da viele vorgenommen haben – ich hoffe, dass nicht einige davon, nach zwei Monaten komplett zusammenbrechen ob des Drucks, den sie sich gemacht haben. Und ich hoffe, dass du nicht auch zu denen gehörst, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen wollen. Das geht ja bekanntlich meistens eher schief.

Im vergangenen Jahr habe ich im ersten Newsletter des neuen Jahres ein paar Dinge beschrieben, die ich von 2018 erwartet hatte. Ein paar davon haben sich bewahrheitet, ein paar sind ausgeblieben, welche, das kannst du gerne selbst nochmal nachlesen. Ins Jahr 2019 würde ich auf jeden Fall folgende Punkte rüberretten: Community-Aufbau rules! Inhalte! Silos aufbrechen! Sprachassistenten! Amazon!

Und nun haben wir 2019, es ist wiederum der erste Newsletter in diesem Jahr und daher ein paar Punkte, die ich von diesem Jahr erwarte.

Linkedin, Pinterest, Instagram | Das sind aus meiner Sicht die Namen der sozialen Netzwerke, die 2019 deutlich an Bedeutung gewinnen werden. Linkedin als professionelles Netzwerk, Pinterest als Reichweitenlieferant und Instagram wird der Kanal für die B2C-Kommunikation werden. Das bedeutet nicht, dass die anderen in der Bedeutungslosigkeit verschwinden werden, ich gehe nur davon aus, dass diese drei die Gewinner 2019 sein werden.

Einszueins-Kommunikation rules | Und damit meine ich nicht nur die klassischen Newsletter, sondern auch die Kommunikation mit Kunden, Lesern und anderen Zielgruppen via Messenger. Perfektes Instrument in der Kunden- und Leserbindung und ich wünsche mir hier insbesondere von Medienhäusern intelligente Formate in der Kommunikation. Bisher vielerorts noch ein ungehobener Schatz.

Das Comeback der eigenen Kanäle | Wer sich 2018 gewundert hat, dass so viele wieder über das leicht angestaubte Format des Newsletters gesprochen haben: Weil die Reichweiten über Social Media weggebrochen sind, haben viele gemerkt, dass es vielleicht doch nicht schlecht ist, mal wieder ein bisschen mehr auf die eigenen Kanäle zu schauen. Webseite, Newsletter, Blog – die eigenen Kanäle, mobil optimiert, gewinnen wieder an Bedeutung. (Und wer schlau war, hat diese all die Jahre nicht vernachlässigt.)

Podcasts | In den vergangenen Monaten sind sehr viele spannende Podcasts entstanden, allerdings auch viele, die nur schlechte Kopien von guten Formaten sind. Nur wer sich jetzt durch Qualität und Originalität abheben kann, wird in der Lage sein, eine Hörerschaft aufzubauen. Und ich wünsche mir endlich eine nutzerfreundliche Lösung, um Podcasts von verschiedenen Plattformen zu abonnieren. Wir haben schließlich 2019.

Personenmarken im Journalismus | Ein paar Anfänge gibt es bereits, aber wir werden 2019 sehen, dass auch in Deutschland immer mehr Journalisten ihr eigenes Ding machen und für ihre Projekte eine Finanzierung finden und wachsen. Gabor Steingart hat schon einiges an Reichweite aufgebaut, Pit Gottschalk hat sich vorgenommen, im Themenbereich „Fußball“ durchzustarten und wer weiß, wer da noch folgen wird. Sicherlich nicht nur (mittel)alte weiße Männer.

Ohne Qualität kein Erfolg bei Paid Content | Ja noch eine These zum Thema Journalismus, er liegt mir halt immer noch sehr am Herzen. Immer noch treffe ich auf Manager, die meinen, dass es genügt, ein Preisschild an die online verfügbaren Inhalte zu tackern – fertig ist die Paid-Content-Strategie. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss sich ganz genau überlegen, in welchem Bereich er wirklich einzigartig ist, eine Nische besetzt. Und bei regionalen Medienanbietern kommt noch hinzu: ohne Community, kein Erfolg, sprich digitalen Umsätze.

Relotius und die Folgen | Ich befürchte, dass die vor Weihnachten entfachte Debatte über Recherchemethoden und Dokumentationspraktiken bei Spiegel und Co. schnell wieder abebbt. Zu unbequem, zu entlarvend. In diesem Punkt wünsche ich mir übrigens, dass ich widerlegt werde.

Künstliche Intelligenz | Ja, ich muss auch mal ein Buzzword verwenden, aber ich glaube, dass wir in diesem Jahr spannende Projekte in Kommunikation und Medien sehen werden, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz eine individuelle Ansprache von Kunden und Lesern ermöglichen wird.

Bildung ist das Thema der Zukunft | Klingt auch buzzwordig, ist aber nicht so gemeint. Und natürlich meine ich damit nicht nur die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, sondern auch und vor allem die Erwachsenenbildung. Unternehmen, die in ihre Mitarbeiter investieren, werden langfristig gewinnen. Und glücklicherweise gibt es dafür schon viele gute Beispiele, bei denen man sich was abschauen kann.

Und wie lautet deine These?

(Dieser Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters, für den du dich hier anmelden kannst.)

2018: Das Jahr in Büchern

Um es gleich zu Beginn zu schreiben: Ich hatte mir vorgenommen, in diesem Jahr 30 Bücher zu lesen. Hat nicht geklappt, weil ich mir dafür zu wenig Zeit genommen habe. Zu oft saß ich abends noch am Schreibtisch, zu oft griff ich im Bett lieber nochmal zum Handy, um bei Instagram rumzudaddeln. What Franzi read. Hier die Zusammenfassung.

(Geht in die Buchhandlung in eurer Nähe und kauft dort Bücher! Alle Amazon-Links sind Affiliate-Links)

Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
Teil 3 der Reihe von Joachim Meyerhoff. Ich habe die alle drei sehr gerne gelesen, mich nur immer darüber gewundert, dass besonders der Humor gelobt wurde. Ab und an konnte ich auch lachen, aber meist fand ich das alles eher tragisch.

Swing Time
Eines dieser Bücher, das ich unbedingt lesen wollte. Die tolle Buchtante (Anja Urbschat) hat es mir geschickt und ich habe mit dem Buch auch das erste Mal die App „Papego“ ausprobiert, mit der man ein Buch digital weiterlesen kann. Ich ertappte mich dann dabei, dass ich es fast nur noch online gelesen habe und als sich die App dann plötzlich nicht mehr gemerkt hatte, auf welcher Seite ich zuletzt war, verlor ich die Lust. Alles sehr tragisch, aber hätte es mich ein bisschen mehr gefesselt, hätte ich mir womöglich die Mühe gemacht.

Das Design Thinking Playbook
Gutes Buch, das viele Einblicke in „Design Thinking“ gibt. Praxisnah.

Digital Innovation Playbook
Guter Überblick über nützliche Tools und Methoden.

Der Karriere-Magnet
Wie schreibt man ein Buch? Darauf will dieses Buch eine Antwort geben. Liest sich gut weg.

Ich glaub mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal hinlegen

Ich habe alle Bücher von Stuckrad-Barre gelesen, so auch dieses Buch gekauft, gelesen, endlich mal auf einer seiner Lesungen gewesen. Beim Signierenlassen meines Buches in Stuckrad-Barres leere Augen geschaut. Mich von diesem Blick nicht erholt. Mir fest vorgenommen, mal ausführlich drüber zu bloggen. Bis heute nicht dazu in der Lage gewesen. Oder finde ich es nur nicht?

Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?
Nicht fertig gelesen, hier hatte ich schon mal was dazu geschrieben.

Die RAF hat euch lieb
Was man so im Sommerurlaub liest. Bin immer noch beeindruckt.

Das Mädchen, das in der Metro las
Noch ein Buch aus dem Urlaub. Das las sich deutlich schneller weg. Ich mag Bücher über das Lesen.

Das weibliche Prinzip
Wenn ich unterwegs bin, lese ich gerne, habe aber oft kein Buch dabei. Deshalb habe ich die meisten Bücher, die ich mir selbst gekauft habe, auch in Hamburg gekauft. So wie dieses, an einem dieser Wochenenden in Altona. Hier hab ich mehr dazu geschrieben.

Ein ganzes Leben
In meinem Viertel hat eine Buchhandlung aufgemacht, inhabergeführt und so habe ich seit November dort öfter Bücher bestellt und meinen Buchhändler den typischen „Können Sie mir was empfehlen?“-Test unterzogen. Unter seinen Empfehlungen war dieses Buch. Und ich habe es nicht bereut.

Meine wundervolle Buchhandlung
Noch so ein Buch aus Hamburg-Altona. Ich liebe diese kleine Buchhandlung da, die auch ständig tolle Lesungen veranstaltet (Eyh Hamburger, am 23.1. liest dort Robert Seethaler!) Ein Abend und eine Zugfahrt zurück nach Düsseldorf reichten aus für dieses kleine Büchlein, es war sehr schön und es animiert, eigentlich zum Scheitern verurteilte Dinge einfach zu machen. Weil Leidenschaft auch zum Erfolg führen kann.

Die Stellung
Ich war begeistert von Meg Wollitzers „Das weibliche Prinzip“ und wollte mehr von ihr lesen. Bei diesem hier habe ich ne Weile gebraucht, um reinzukommen, aber nach einem Drittel hatte sie mich wieder. Unterm Weihnachtsbaum beendet. Wer Familiengeschichten mag, sollte dies hier lesen. „Die Interessanten“ habe ich auch schon hier liegen, mal sehen, wann ich mich da ran traue.

Becoming
Lesen gerade alle. Und bisher mag ich’s.

Mehr als 12 Bücher in 2018 – also mehr als eins pro Monat. Kommt zwar nicht an das Ziel von 30 heran, aber damit bin ich trotzdem zufrieden. Mal sehen, ob ich 2019 auf 20 komme.

Jahresendzeitfragebogen 2018

Traditionen soll man nicht brechen. Daher: Der alljährliche Fragenbogen.

Zugenommen oder abgenommen?

Recht konstant.

Haare länger oder kürzer?

Ich bin meiner Friseurin Pia treu geblieben. Schwankungslänge: acht Wochen.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gleichgeblieben. Lasse ich aber im Juni mal wieder augenärztlich checken. (Next appointment available, fuck the system.)

Mehr ausgegeben oder weniger?

Bisschen weniger. Warte noch auf die Steuer 2017.

Der hirnrissigste Plan?

Zu glauben, in der Selbstständigkeit weniger unterwegs zu sein.

Die gefährlichste Unternehmung?

Durch die Kids ist man ja grundsätzlich nicht ganz so gefährlich unterwegs. Und da ich es ja auch geschafft habe, auf sehr ebenem Untergrund im Sommer mal wieder umzuknicken oder mir beim Fußballspielen den Zeh zu lädieren, muss meine Antwort hier lauten: das Leben.

Die teuerste Anschaffung?

Die Fortbildung, die ab Februar beginnt, ich aber schon im Dezember beglichen habe.

Das leckerste Essen?

In diesem Jahr habe ich das Matjesbrötchen wiederentdeckt. Immer und immer wieder. Die Gans im November war auch nicht übel, der eine oder andere Fisch. Aber auch hier die Erkenntnis: Es ist immer leckerer in guter Gesellschaft!

Das beeindruckendste Buch?

Entweder Das weibliche Prinzip oder „Die RAF hat euch lieb“.

Der berührendste Film?

In diesem Jahr wieder sehr wenig Filme geschaut, man kommt ja zu nix.

Das beste Lied?

„Zuhause“ von Fynn Kliemann.

Das schönste Konzert?

Dieser komische Abend in Düsseldorf, als ich erst viel zu lange in der Schlange stand, um in die Bar in diesem Hotel da zu kommen. Kurz vor der ersten Pause durften wir dann hochfahren und da spielte ein total erkälteter Bernd Begemann.

Die meiste Zeit verbracht mit?

Arbeit.

Die schönste Zeit verbracht mit?

Familie.

Vorherrschendes Gefühl 2018?

Läuft.

2018 zum ersten Mal getan?

Gepitcht. Neue Seminare konzipiert, angeboten und durchgeführt. Mich in einer Bürogemeinschaft eingemietet. Eine Zeitschrift gelauncht. Beim OMR gewesen. Alleine ins Theater gegangen. Bei einem Konzert in der Waldbühne gewesen.

2018 nach langer Zeit wieder getan?

Auf Helgoland gewesen. Matjesbrötchen gegessen.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Knie- und Fußaua in den Bergen und die Sache mit dem Zeh.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Ich kann das.

2018 war mit einem Wort?

Gut.

Wer sich nochmal durch die vergangenen Jahre klicken will: 2017 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010,
2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003.

Meine Anmerkungen zu Goldenen Blogger 2018

So ganz erschließt es sich mir nicht, warum sich Thomas Knüwer, Daniel Fiene, Christiane Link und ich uns zu dem ohnehin doch recht intensiven Jahresende immer noch die Sichtung der Nominierungen für den Goldenen Blogger legen. Und das seit mittlerweile zwölf Jahren!

Aber so haben wir es mal wieder getan: Wir haben uns all die 2000 Einreichungen aus der Community angeschaut. Jedes einzelne Blog. In unzählige Podcasts reingehört. Twitter-Accounts gesichtet (und gleich mal abonniert), Instagram-Stories geschaut. Das war toll. Weil wir dabei wieder so wunderbare Blogprojekte entdeckt haben. Und es war weniger toll, weil der Frust bei der Erstellung der Shortlist immer wieder durchkam, wenn ich die anderen mal wieder nicht von einem heiß geliebten Blogprojekt überzeugen konnte. Demokratie kann auch richtig weh tun. Wie gerne hätte ich Stefanie Luxat nominiert oder Witzigweil oder 22Monate oder Larissa Rieß oder der Hashtag #septemeer.

Was aber dennoch gut ist: Das Jahr 2018 hat trotzdem eine spannende Shortlist zusammengebracht – und jedes einzelne Projekt steht völlig zu recht auf dieser Liste. Was mich vor allem freut?

Erstens: Die Qualität der Blogs – und Texte. Du spürst, mit wie viel Herzblut hier geschrieben, fotografiert wird.

Zweitens: Vor allem die Frauen scheinen echt gut zu schreiben – alle nominierten Texte in der Kategorie „Blogtext des Jahres“ stammen von Frauen!

Drittens: Authentizität – bei einigen schon zum Buzzword verkommen – ist immer noch der Schlüssel zum Erfolg. Denn glücklicherweise haben auch die Old-School-Promis verstanden, dass Social Media Kommunikation ist und nicht nur ein weiterer Kanal, den man mit seinen Botschaften befüllt.

Viertens: So oft totgesagt, aber gerade bei Twitter hat sich in den vergangenen Monaten wirklich viel getan. Kreative Hashtags haben das Jahr geprägt – nicht nur um Quatsch zu verbreiten, sondern auch für Wichtiges (#wirsindmehr). Journalisten dokumentieren ihre Arbeit dort, kommunizieren über Rechercheergebnisse oder schaffen neue Formate, wie es beispielsweise Sophie Passmann häufig gelang.

Fünftens: Die Wertschätzung. Ja, klingt pathetisch, mir egal. Aber wie sich heute die Nominierungen in den sozialen Netzwerken verteilten – das war toll! Nominierte haben sich gefreut. Freunde von Nominierten haben Menschen entdeckt und sich darüber gefreut. Und wir haben uns gefreut, dass sich alle gefreut haben. So muss das sein. Und dafür gibt es die Goldenen Blogger.

Wir, Christiane, Daniel, Thomas und ich, sind sehr glücklich, dass wir auch in diesem Jahr mit comdirect, Daimler, Facebook, GoDaddy, Telefónica Deutschland und Xing wieder sechs Unternehmen von den Goldenen Bloggern begeistern konnten und so ermöglichen, dass wir am 28.1. gemeinsam im Basecamp die Sieger küren können.

Wenn du vor Ort sein möchtest, dann solltest du dir hier ein (kostenloses) Ticket besorgen. Ohne Ticket, keine Chance reinzukommen. Und bitte gib deins wieder frei, wenn du es doch nicht schaffst :)

Robert Seethaler – Ein ganzes Leben

Andreas Egger ist so etwas, was man vermutlich einen Kauz nennt. Redet nur das nötigste, wirkt auf seine Art unnahbar. Und hat dann aber doch ein großes Herz. Wenn du das Buch „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler schon gelesen hast – es erschien bereits 2014 – dann kennst du Andreas Egger bereits. Er ist die Hauptfigur in diesem wunderbaren kleinen Buch. Es erzählt die Geschichte dieses Mannes, der in einem Dorf in den Bergen aufwächst, später Hilfsarbeiten leistet, miterlebt, wie die Elektrizität ins Dorf Einzug hält, bei der Entstehung der ersten Bergbahnen mitwirkt, liebt, trauert, in den Krieg zieht, die Gefangenschaft überlebt und die Nachkriegszeit in eben diesem Dorf miterlebt. Fremdenführer wird. Und am Ende in seiner Wohnung aus dem Leben geht. Das Buch ist so lesenswert, weil Robert Seethaler so wunderbar klar formuliert, ohne große Umschweife fast dokumentiert, aber dennoch so viel Atmosphäre mitliefert.
Eine Textstelle habe ich mir markiert:

„Wie alle Menschen hatte auch er während seines Lebens Vorstellungen und Träume in sich getragen. Manches davon hate er sich selbst erfüllt, manches war ihm geschenkt worden. Vieles war unerreichbar geblieben oder war ihm, kaum erreicht, wieder aus den Händen gerissen worden. Aber er war immer noch da. Und wenn er in den Tagen nach der Schneeschmelze morgens über die taunase Wiese vor seiner Hütte ging und sich auf einen der verstreuten Flachfelsen legte, in seinem Rücken den kühlen Stein un dim Gesicht die ersten warmen Sonnenstrahlen, dann hatte er das Gefühl, dass vieles doch gar nicht so schlecht gelaufen war.“

Warum ich mir das markiert habe? Weil wir doch alle dazu neigen, unzufrieden durchs Leben zu gehen, weil wir uns Ziele gesteckt haben, die gar nicht zu erreichen waren oder weil wir – ganz banal – die letzte Mail im Büro dann doch nicht mehr geschrieben, sondern auf den nächsten Morgen verschoben haben. 
Eigentlich braucht es gar nicht so viel für ein erfülltes Leben. Lass dich in den letzten Tagen vor der Weihnachtspause nicht allzu sehr stressen.

Hier könnt ihr das Buch kaufen (Affiliate-Link)

(Text stammt mal wieder aus meinem Newsletter)

Stimme weg – was hilft?

Letzte Woche war ich bei Bayerischen Rundfunk und durfte dort ein bisschen was zum Thema „Newsletter“ erzählen. Doch als ich morgens aufwachte und nach ziemlichen Halsschmerzen in der Nacht meine Stimme testete, war da: nix. Zweieinhalb Stunden hatte ich Zeit und fragte das Internet nach guten Tipps:

Und weil das Internet manchmal auch ein gutes ist, bekam ich welche. Die besten habe ich euch hier mal die besten Tipps zusammengestellt.

1. Ingwertee trinken und Lieder summen.

Meine Umsetzung: Da ich im Hotel unterwegs war, gab es dort kein Ingwer. Aber Zitrone! Also habe ich zum Frühstück heiße Zitrone getrunken und fühlte mich gleich ein bisschen besser.

2. Zwischendrin Trinkpausen machen und dafür Fragen zulassen
Quelle: Maren Kaspers

Meine Abwandlung: Trinkpausen habe ich gemacht, allein weil irgendwann doch die Stimme wegkippte. Fragen kamen dann trotzdem erst am Schluss. Aber das Publikum hat gewartet, bis ich fertig getrunken habe.

3. Gelo Revoice aus der Apotheke besorgen

Meine Umsetzung: Hab ich 1:1 so gemacht und hat in den ersten zehn Minuten auch gut geholfen.

4. Salbei-Tee und vorher am besten nicht sprechen

Meine Umsetzung: Ignoriert.

5. Wodka trinken

Meine Umsetzung: ignoriert. Mit leichtem Bedauern. Aber hielt ich für morgens um 9 Uhr nicht umsetzbar.

6. Mikro und ab ins Bett

Meine Umsetzung: Mikro gab es nicht. Und mein Bett war ein Zug, der mich nach Düsseldorf gefahren hat.

7. Gar nicht reden

Meine Umsetzung: War leider zu kurzfristig, aber wäre was, was ich gerne mal probieren würde. Aber das bedarf dann nochmal einer anderen Vorbereitung.

8. Gebärdensprache lernen

Meine Umsetzung: Zu kurzfristig. Und bedeutet ja auch nicht, dass die anderen mich dann verstehen!

Bonusrunde: Emeukal, Laxvox und auch Thymiantee hat vielen von meinen Twitterfreunden bereits geholfen.

PS: Die Stimme ist mittlerweile wieder da, nun wütet ein Husten. Bin gespannt, was ihr da für Tipps habt :)

Was man von Elisabeth Strunkmann lernen kann

Neulich beim Kunden. Wir reden über Newsletter und wie persönlich die Ansprache im Newsletter in Zukunft sein soll. Plötzlich fällt dieser Name. Elisabeth Strunkmann. Entweder sagst du jetzt: Wer? Oder du sagst: Ja, klar, die schreibt mir auch immer! Elisabeth Strunkmann ist nämlich die Absenderin der Mails, die wöchentlich in das Postfach von DriveNow-Kunden purzeln. Vielleicht liegt es am Namen, vielleicht liegt es an ihrer herzlichen Art, vielleicht aber einfach auch nur an DriveNow – Elisabeth Strunkmann kannten lustigerweise aber alle in der Runde.

Gar nicht mal so schlecht oder? Denn wenn man herauszufinden versucht, wer das eigentlich ist, dann findet man zwar einen Twitter-Account, der im April 2014 entstanden ist und auch einen Facebook-Account. Aktivitäten gibt es in diesen Accounts aber seit Jahren nicht mehr. Und auch die Anfrage bei der Pressestelle lichtete den Nebel um Frau Strunkmann nicht:

Elisabeth Strunkmann ist unsere Newsletter-Fee bei DriveNow. Sie hat blaue Augen, blonde Haare und ihr Sternzeichen ist Löwe. Ihre Hobbies sind Yoga, Klettern und Kino. Elisabeths Lieblingsauto ist der MINI Cabrio.

Und am Ende ist es völlig egal, ob es eine Elisabeth Strunkmann wirklich gibt oder ob das nur der Name der Persona ist, die DriveNow entwickelt hat, um möglichst gute Newsletter an Kunden
herauszuschicken. Wichtig ist doch vor allem, dass sich Kunden den Namen merken, dass sie eine persönliche Beziehung zu Frau Strunkmann und der Marke DriveNow aufbauen. Und das scheint ja ganz gut zu funktionieren.

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst.)

Ein paar Erkenntnisse aus der neuen JIM-Studie

Wie nutzt eigentlich Deutschlands Jugend das Internet? Seit 1998 untersucht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) den medialen Alltag von Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren. Gerade ist die neueste JIM-Studie erschienen. Ich habe mir die Studie mal genauer angeschaut. Die aus meiner Sicht spannendsten Punkte.

Gerät Nummer eins: das Smartphone
In den Haushalten, in denen die Jugendlichen leben, gibt es ein großes Medienangebot: vom Fernseher über Laptop bis hin zum Sprachassistenten – alles ist dabei. Mehr als 95 Prozent der befragten Jugendlichen besitzen ein Smartphone oder Handy. Und zwar egal ob Mädchen oder Jungen. Bei anderen Geräten gibt es deutliche Unterschiede: Jungs haben häufiger eine Spielekonsole oder einen Computer.
Mit welchem Gerät nutzen Jugendliche das Internet? Auch hier ist die Antwort nicht überraschend – 79 Prozent sagen: mit dem Smartphone. Unterschiede gibt es hier zwischen Jungs (71 Prozent) und Mädchen (88 Prozent). Die Rechnung zahlen bei 63 Prozent übrigens die Eltern.

Freunde first, Family more popular
Die JIM-Studie untersucht auch die Freizeitaktivitäten von Jugendlichen – ohne Medien. Auf Platz 1 liegt mit 71 Prozent „Mit Freunden/Leuten treffen“, gefolgt von „Sport“ mit 69 Prozent und „Familienunternehmungen“ mit 38 Prozent. Spannend: der Vergleich der Zahlen von 2008 und 2018. „Mit Freunden/Leuten treffen“ wird unwichtiger (2008: 88 Prozent), „Familienunternehmungen“ werden wichtiger (2008: 22 Prozent).

Jugendliche vertrauen Tagesschau und Tagesthemen
Die ARD wird es freuen: 84 Prozent der befragten Jugendlichen vertrauen dem Nachrichtenformat im Ersten. Nicht minder spannend: Auf Platz zwei liegen regionale Tageszeitungen Print (77 Prozent), obwohl die gar nicht so häufig konsumiert werden. Überraschend: Das Vertrauen von Jugendlichen in Focus Online und Spiegel Online liegt mit 51 und 50 Prozent ziemlich gleichauf.

Büchernutzung seit Jahren konstant
Trotz Digitalisierung und Smartphone-Konsum liegt der Anteil derer, die mehrmals pro Woche ein Buch lesen, seit Jahren recht konstant bei 40 Prozent. Und das auch eher auf Papier und nicht in Form von E-Books.

Wer Musik hört, tut das bei Musik-Streaming-Diensten
Musik ist wichtig – und erstmals stehen Streaming-Dienste bei den regelmäßigen Nutzungsoptionen auf Platz 1 vor „Live bei Radiosendern“ und „Youtube“. 62 Prozent der Befragten hören so Musik. Die Nutzung von MP3, CD, Kassette oder Platte ist hingegen von 37 Prozent im vergangenen Jahr auf 24 Prozent geradezu abgestürzt.

Die Top3 Online-Angebote
Youtube, Whatsapp, Instagram. Keine Veränderungen, keine Überraschungen.

Die Top3 Apps
Bei den Mädchen: Whatsapp, Instagram, Snapchat. Bei den Jungs: Whatsapp, Youtube und Instagram. Es gibt auch noch ein paar Details zur Frage, wie Instagram und Snapchat genutzt werden. Ganz kurz: Die meisten folgen und kommunizieren mit Freunden.

Wichtige Informationsquellen: Google und Youtube
Welche Medien haben eigentlich gute Youtube-Kanäle? Wer Jugendliche erreichen möchte, muss in seiner Strategie auf Youtube setzen. Denn um sich zu informieren, nutzen Jugendliche zu 88 Prozent Suchmaschinen und 60 Prozent schauen Youtube. Nachrichtenportale von Zeitungen suchen nur 22 Prozent der Jugendlichen mehrmals pro Woche auf.

Die komplette Studie findest du als Download hier.

(Dieser Text ist zuerst als Teil meines Newsletters erschienen, den du hier abonnieren kannst.)

Schön aber unzufrieden – warum kalter Kaffee im Seminar Mist ist

In den vergangenen Monaten war ich wirklich viel unterwegs und habe Seminare und Workshops gegeben – Hamburg, Berlin, Stuttgart, Düsseldorf. Und immer wieder sind es andere Locations mit anderen Rahmenbedingungen, mit denen du als als Trainer oder Dozent, aber auch als Teilnehmer klar kommen musst. Ob er schlauer ist oder sich nun endlich traut, neue Tools auszuprobieren, auf neuen Kanäle zu kommunizieren – ja, das ist alles wichtig. Aber es sind meist die einfachsten Dinge, die am Ende auch darüber entscheiden, ob ein Teilnehmer mit der Fortbildung zufrieden war.

Der Raum an sich: Ist es hell dort? Sind die Stühle bequem? Nichts ist schlimmer als zu wissen, einen Tag auf furchtbaren Stühlen zu verbringen. Sind die Tische sauber? Kann ich von meiner Position das Flipchart, die Moderationswand, die Präsentation sehen? Und zwar ohne den Kopf zu verrenken? Zieht es gar? Ein Seminar in einem guten Raum zu geben, ist das A und O. Sonst startet der Tag bereits mit Gemecker und das hat Auswirkungen auf die gesamte Runde. 

Die anderen Teilnehmer: Ob ein Tag, ein ganzes Wochenende oder gar eine ganze Woche – wenn die Chemie unter den Teilnehmern nicht stimmt und die Trainerin oder Dozentin darauf nicht eingeht, kann es ganz schnell knallen. Selbstdarsteller reden gern und viel und können die anderen schnell nerven. Egoisten nehmen keine Rücksicht auf die anderen Teilnehmer, können schnell ein ganzes Seminar dominieren. Die Ruhigeren verstummen ganz und sind gefrustet am Ende des Tages, ihre Fragen gar nicht losgeworden zu sein. Diese unterschiedlichen Charaktere in Einklang bringen – die Lauten mal zu bremsen, die Ruhigen zu fordern – das ist die Herausforderung an jedem Seminartag.

Die eigene Verfassung: Schlecht geschlafen? Schlecht geträumt? Ein blöder Anruf am Vorabend? Die dringende Mail am Morgen, deren Beantwortung eigentlich zwei Stunden Recherche und drei Telefonate erfordert? Was die Teilnehmer außerhalb des Seminars gerade beschäftigt, lässt sich nur erahnen. Aber auch hier gilt es: erkennen, im Notfall ansprechen und ausgleichen.
 
Die Verpflegung: Schmeckt der morgendliche Kaffee nicht oder ist er gar kalt, kann so ein Seminartag ganz schnell gelaufen sein. Kondensmilch statt frische Milch, kein Zucker, pappige Kekse – auch bei Dingen, die eigentlich ganz einfach erscheinen, kann viel schief laufen.

Die Technik: USB-Kabel, Adapter, ja selbst Lautsprecher – diese Dinge habe ich eigentlich immer dabei. Manchmal denke ich darüber nach, einen eigenen Beamer in die Grundausstattung zu nehmen. Wie oft mir der Techniker des Hauses schon vormachen wollte, dass mein Rechner nicht funktioniere, obwohl es am Kabel lag. Und wie nervig es für die Teilnehmer ist, wenn der Bildschirm alle paar Minuten flackert oder das Bild zittert, wenn die Referentin etwas am Flipchart notiert.

Auf all das muss sich jede Dozentin, jede Trainerin, jede Seminarleiterin einstellen – und mit Humor, Feingefühl und Schokolade für Ausgleich und gute Stimmung sorgen. Weil am Ende die Zufriedenheit der Teilnehmer zählt.

(Männliche Trainer, Dozenten und Seminarleiter sind in diesem Text mitgemeint.)

(Dieser Text war Teil meines Newsletters – hier entlang!)