Goldene Blogger 2024: Make some Neuss!

Foto: Constantin Ranke

Am Montag haben wir die Goldenen Blogger verliehen. Hier sind ein paar meiner schönsten Momente rund um die Preisverleihung. Die Momente eint, dass sie mit Menschen zu tun haben, die mit Herzblut, Leidenschaft und Mut öffentlich im Internet unterwegs sind. Denn das hat mir die diesjährige Verleihung gezeigt: Es gibt sie, die guten Seiten im Internet, man muss sie nur suchen und finden! 

Erstens: Dass eine 75-Jährige unter die Podcaster geht, ist schon mal interessant, dass sie es zusammen mit einer 45 Jahre jüngeren Kollegin tut, ist spannend. Dass die beiden, mit diesem Podcast, den Preis als „Newcomer“ abräumen, ist großartig. Die Rede ist natürlich von Christine Westermann und Mona Ameziane mit „Zwei Seiten„.

Newcomer des Jahres
Foto: Constantin Ranke

Zweitens: Er hat zwar nicht gewonnen, aber ich habe am Rand ein paar Worte mit ihm wechseln dürfen, die Rede ist von Tise, einem Tiktoker aus der Nähe von Mannheim, der in der Coronazeit begonnen hat, Sneaker anzumalen. Diese Sneaker sind nun nicht nur gefragt, er inspiriert viele Kinder und Jugendliche ebenfalls zu Kreativität. Dass er das Herz am richtigen Fleck hat, zeigt beispielsweise auch dieser Beitrag aus der ARD-Mediathek.

Drittens: Würdest du zu den Goldenen Bloggern feiern, wenn die Veranstaltung an deinem 60. Geburtstag liegt? Claudia Eva Steinlein von „Glam up your lifestyle“ hat ihre Freundinnen eingepackt und hat es getan. So konnten die rund 300 Gäste im Neusser Zeughaus ihr gemeinsam ein Ständchen singen. Ich hoffe, dass wir ihr so einen schönen Moment kreieren konnten, auch wenn der Preis in ihrer Kategorie an Jonas Bernschneider ging. 

Viertens: Wie cool ist bitte Doro Pesch? Mit welcher Geduld sie die zahlreichen Selfie- und Fotowünsche der anwesenden Gäste bejahte und niemanden abwies, wie entspannt sie die Show verfolgte und ansehen musste, dass Judith Rakers die Kategorie „Celebrity“ gewann – und wie sie dennoch auf Social Media von diesem Abend berichtet. Was bitte ist das für eine großartige Künstlerin und ein toller Mensch. 

Fünftens: Wenn wir Kritisches über die Goldenen Blogger hören, dann kommt meist der Vorwurf, dass ja gar keine richtigen Blogs (im Sinne von Webseiten, auf denen Texte publiziert werden) mehr dabei sind. Dass dann aber in der Kategorie „Nische/ Thema“ mit Ankerpunkte genauso ein Blog gewinnt, wird dann gerne übersehen. Autor ist der Historiker Bastian Vergnon, der sich dort mit Alternate History befasst. Großartiges Thema und ja, großartiges Blog im klassischen Sinn.

Sechstens: Und weil uns natürlich diese klassischen Blogs auch am Herzen liegen, haben wir irgendwann begonnen, die Kategorie „Langstrecke“ oder „Lebenswerk“ zu etablieren. Dort werden Menschen ausgezeichnet, die einfach schon sehr lange bloggen und dabei Dinge bewegen. In diesem Jahr haben wir hier die Autorin Patricia Cammarata ausgezeichnet, die mittlerweile einen Bestseller nach dem anderen schreibt und das auch noch zu Themen wie Gleichberechtigung, Vereinbarkeit und Co.

Siebtens: Ein echtes Highlight war für mich die Verleihung der Kategorie „Gesellschaftliches Engagement“. Zum einen, weil alle drei nominierten Projekte einen echten Beitrag leisten. Gewonnen hat die Kategorie Etrit Asllani mit keinfakenews. Nicht nur, dass er dieses wichtige Thema besetzt, er hat auch noch eine kleine Tochter und arbeitet als Change Manager bei der Deutschen Bank. 

Achtens: Zum anderen habe ich mich sehr gefreut, dass die R+V Versicherung dieses Jahr diese Kategorie unterstützt hat und der zukünftige Kommunikationschef Grischa Brower-Rabinowitsch auf der Bühne auf den Punkt brachte, worum es uns geht: „Wer den Mut besitzt, sich als Privatmensch im Netz ungeschützt nach vorne zu wagen, lebt Meinungsfreiheit pur.“

Neuntens: Richtig gerührt war ich bei den minutenlangen Standing Ovations für die herausragende Arbeit des Recherchenetzwerks Correctiv, deren Gründer David Schraven den Preis entgegennahm und erzählte, wie die Recherche zu „Geheimplan gegen Deutschland“ entstanden ist. Wer die Journalist*innen unterstützen will, kann das übrigens hier tun. 

Zehntens: Der Autor und Journalist Nils Minkmar war als „Blogger*in des Jahres“ für seinen lesenswerten Newsletter „Der 7. Tag“ nominiert. Er war zudem der einzige aus seiner Kategorie, der angereist war. Kurz vor der Preisvergabe fragte ich ihn, wer die Kategorie wohl gewinnen würde. Seine Antwort: „Ich finde, ich hab schon gewonnen. Ich habe wahnsinnig viel gelernt, ich habe die ganze Zeit mitgeschrieben. (…) Ich werde in meinem Newsletter eine Goldene-Blogger-Spezial-Würdigungskategorie machen für diese ganze Kreativität und Diversität, die ich erlebt habe, diese Energie, das ist super!“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Nur, dass wir, Thomas Knüwer und ich, sehr dankbar sind, dass wir jedes Jahr Menschen und Unternehmen finden, die die Ideen der Goldenen Blogger unterstützenswert finden. In diesem Jahr waren das: R+V Versicherung, comdirect, DHL, LMC Caravan, 25hours hotels, sowie Neuss Marketing und Wirtschaftsförderung. Und wenn du möchtest, dass es diesen Preis auch in Zukunft gibt, melde dich bei mir.

Alle Fotos stammen vom fantastischen Constantin Ranke.

Die gesamte Shortlist der Gewinner*innen gibt es hier.  

Einen Bericht vom WDR findest du hier.

Die NGZ stellt die Gewinner*innen vor.

Goldene Blogger 2024: Die große Vorfreude

So kurz vor der Verleihung der diesjährigen Goldene-Blogger-Verleihung habe ich mich noch einmal durch unser Archiv an Fotos geklickt. Das Ergebnis: große Dankbarkeit. Seit 2015 können wir die Goldenen Blogger auf einer Bühne mit einer erheblichen Anzahl an Publikum verleihen (Ich hab damals hier was dazu geschrieben!). Damals zum ersten Mal im Basecamp und hier ist das Foto mit den Preisträger*innen am Ende der Veranstaltung. Das Ergebnis war überschaubar, waren damals eigentlich nur die Berliner*innen vor Ort.

#Blogger2015

Dann haben wir begonnen, mit Sponsoren zusammenzuarbeiten, die es uns ermöglicht haben, Reisekosten und Unterbringung der Nominierten mitzufinanzieren. Und jedes Jahr wurde die Zahl derer, die sich aufmachten, zu uns zu kommen, größer.

Momentan sieht es so aus, als ob wir bei den Nominierten, die vor Ort dabei sind, einen neuen Rekord knacken. Das lässt die Vorfreude steigen. Und mein Herz mit Dankbarkeit füllen. Denn das geht eben nur mit unseren Partnern:

r+v Versicherung, comdirect, DHL Group, LMC Caravan, das 25hours Hotel Das Tour, Neuss Marketing und die Neusser Wirtschaftsförderung. Nicht unerwähnt soll auch nicht Audiocolab bleiben, die uns bei den Show-Videos geholfen haben.

Und nun freue ich mich einfach auf Montag! Die Abstimmung über die Gewinner*innen läuft bereits!

10 Dinge, die den März schön gemacht haben

13 Jahre Muttersein
  1. 13 Jahre Mutter sein. Hätte man mich vor 13 Jahren gefragt, was sich durch das Muttersein verändern würde, ich hätte geantwortet: nichts. Zum einen, weil es schwer vorstellbar ist, wie ein Leben mit Kindern ist, wenn man keine Kinder hat. Zum anderen, weil ich fest davon überzeugt war, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon funktioniert. Wenn man denn will, dass es funktioniert.

    13 Jahre später hat sich meine Sicht darauf zumindest ein wenig verändert. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann funktionieren, wenn Frau und Mann wollen, dass sie funktioniert. Aber es gibt eben auch Dinge, die Frau, Mann und Kinder nicht in der Hand haben. Und das sind vor allem Faktoren, die unser gesellschaftliches Miteinander betreffen.
    „Geht das denn überhaupt mit Kind?“
    „Die will doch bestimmt kürzertreten.“
    „Jetzt hat sie doch dafür keine Zeit mehr.“
    „Warum kommt eigentlich immer nur der Mann?“
    „Die ist ja ständig unterwegs. Wie kann sie da für ihre Kinder da sein?“
    „Kein Wunder, dass sie ständig krank ist.“

    Vollberufstätige Mütter brauchen mindestens ein gutes, wertschätzendes Umfeld und ein dickes Fell.
  2. Fahrradtouren mit dem kleinen Sohn. Endlich Frühling.
  3. Konzerte in der Wohnung. Ich liebe es, wenn ich in der Küche stehe und im Kinderzimmer die Gitarre höre. Höre, wie der Sohn immer wieder diese eine Passage spielt, damit sie ihm endlich gelingt. Und wie er, voller Stolz, dann zum Vorspielen kommt und auch ein bisschen stolz ist, wenn ich ihn dabei filme.
  4. Seit Wochen, nein, Monaten hat sich dieses eine Projekt gezogen, weil entweder noch eine weitere Anforderung dazu kam, oder technische Lösungen her mussten, die wir zunächst recherchieren mussten. Und wie befreiend dieses Gefühl, endlich die Abschlussrechnung schreiben zu können.
  5. Ich habe Sophie Passmann das erste Mal bei den Goldenen Bloggern getroffen, es war 2017 in Berlin und seitdem verfolge ich, was sie so treibt. Mal intensiver, mal weniger intensiv und als mich eine Freundin fragte, ob ich nicht mitkommen wolle ins Schauspielhaus zu einer dieser „Düsseldorfer Reden“ sagte ich natürlich sofort zu. Wir erlebten eine Sophie, die klug und gewitzt über Humor spricht und am liebsten hätte ich die Rede aufgezeichnet und sie mir noch mal in 0,8facher Geschwindigkeit angehört, weil soviel Gutes dabei war, das ich in der vorgetragenenen 1,5fachen Geschwindigkeit gar nicht alles erfassen konnte.
  6. Bochum. Zum ersten Mal dort gewesen. Keine Currywurst gegessen.
  7. Indisch gekocht und zwar mehrfach und so langsam bekomme ich ein Gefühl für Timings in der Zubereitung von begleitendem Reis und Naanbrot. Aber um hinter das Geheimnis von perfekt gekochtem Reis zu kommen, muss ich wohl noch ein paar Mal üben.
  8. Buchclub. Ich liebe es, wenn ich durch den Austausch über Bücher noch einmal eine andere Perspektive auf das Buch bekomme und Lust bekomme, ein Buch direkt noch einmal zu lesen. Plus: Die anderen Werke der Autorin Claire Keegan sind jetzt auf der Will-ich-lesen-Liste gelandet!
  9. Fünf Tage allein zu Hause. Wenn du zunächst darüber nachdenkst, ob das wirklich eine gute Idee ist, du zwischendurch entschlossen bist, doch der Familie hinterherzufahren und am letzten Tag der Meinung bist, dass ein Tag länger jetzt auch noch ginge.
  10. 86 Tage italienisch. Hätte nicht gedacht, dass mir das Lernen dieser Sprache so viel Spaß macht.

Gelesen

Muskelfaserrissbedingt habe gerade gegen Ende des Monats viel Zeit auf dem Sofa verbracht und viel gelesen.

Elizabeth Strout – Die Unvollkommenheit der Liebe: Teil 1 der Lucy-Barton-Reihe und ja, in diesem Buch geht es um die Unvollkommenheit der Liebe, aber warum muss das der Titel dieses Buchs sein? Im Englischen heißt das Buch „My name is Lucy Barton“ und ich empfinde ihn als den besseren Titel, weil wir hier verstehen, wer diese Lucy ist, die nach langer Zeit ihrer Vergangenheit begegnet, derer sie sich geglaubt, entledigt zu haben. Lucy liegt im Krankenhaus und die Mutter kommt und wacht ein paar Nächte an ihrer Seite. Die reden über vieles und doch nicht explizit über das, was zwischen ihnen liegt. Der Schmerz, die Fragen, die Wut. Weil es eben die eigene Mutter ist. 

Ein tolles Buch über die Liebe von Töchtern zu ihren Müttern und umgekehrt, die unvollkommene Liebe, trotz Verletzungen und Misshandlungen in der Kindheit. Ein tolles Buch und ein toller Start in die Reihe von Elizabeth Strout.

Elizabeth Strout – Alles ist möglich: Teil 2 der Lucy-Barton-Reihe und hier erfahren wir ganz viel über die Leben der Menschen, die im ersten Buch kleine Nebenrollen hatten, aber alle irgendwie einen Bezug zu Lucy Barton haben. Menschen aus ihrer Kindheit und Jugend, die Hass, Neid, Einsamkeit, Wut und Liebe erleben. Es sind Familiengeschichten. Und dann taucht auch Lucy nach 17 Jahren wieder in ihrer Heimatstadt auf, die sie geglaubt hat, hinter sich gelassen zu haben. Tolles Buch, man hätte auch mit diesem Buch in diese Reihe starten können.

Elizabeth Strout – Oh William!: Im dritten Teil der Reihe lernen wir William kennen, den ersten Ehemann von Lucy Barton, der sie betrogen hat und von seiner dritten Frau verlassen wird, mit der er noch einmal ein Kind hat. Wie viele ältere Männer interessiert er sich für seine Vergangenheit und macht dabei eine Entdeckung, die sein Leben nochmal ziemlich auf den Kopf stellt. Gemeinsam mit Lucy begibt er sich auf eine schmerzhafte Spurensuche. Hab ich auch sehr gemocht.

Elizabeth Strout – Am Meer: Der vierte und vorerst letzte Teil der Lucy-Barton-Reihe, der 2020/2021 spielt, als auch in den USA Lockdowns waren und gerade in New York viele Menschen an der Krankheit starben. Lucys Ex-Mann William sorgt dafür, dass seine Lieben New York verlassen, bevor die Pandemie zu sehr wütet. Gemeinsam mit Lucy mietet er ein Haus am Meer in Maine. Es ist eine Geschichte des Annäherns, des Verarbeiten von Trennung und Tod des Mannes, eine Geschichte über die Angst, die lieben Menschen im Leben womöglich schneller zu verlieren, als einem lieb ist. Und es ist eine Geschichte der Reflexion über das Leben, über Kompromisse, die man eingeht.

Gehört

Neben den üblichen Podcasts war mein absolutes Highlight in diesem Monat „Kleine Dinge wie diese“ von Claire Keegan. Das Hörbuch, gelesen von Stefan Wilkening, gibt es auf Spotify und das Buch auch gerade mal 116 Seiten umfasst, war es auch nicht sonderlich lang. Aber sowas von intensiv.

Es handelt vom Kohlenhändler Billy Furlong, der in einer kleinen Stadt in Irland lebt und hart arbeitet, um seine Familie zu versorgen. 1985 herrschen wirtschaftlich schwierige Zeiten in Irland. Die Kirche spielt eine wichtige Rolle im Leben der Stadtbewohner und entscheidet darüber, wer gute Bildung genießt und wer nicht. Als Billy bei seiner morgendlichen Kohlelieferung ans Kloster eine zutiefst verstörende Entdeckung macht, muss er eine Entscheidung treffen, die mit der großen Frage zusammenhängt, wie wir miteinander leben wollen. Wovor man die Augen verschließt, und wo das nicht mehr möglich ist.

Dankbar gewesen, dieses intensive Hörerlebnis im Nachgang im Buchclub besprochen haben zu können. Einfach, weil es nochmal andere Perspektiven gebracht hat. Denn mit katholischer Vorbildung lassen sich da noch viele Anspielungen erkennen. Und der schönste Impuls kam von V., die mir einen Tag nach dem Buchclub in einer Sprachnachricht den Impuls gab, auch über das Ende nochmal ganz anders nachzudenken.

Geschaut

Die Endlich-Wittwer-Reihe mit Joachim Krol. Unterhaltsam.

Kungfu Panda 4: Mit den Jungs im Kino. Mit Popcorn und einer Lebensweisheit: Jeder Schritt hinterlässt einen Abdruck und sei er auch noch so klein.

Kafka: Tolle Miniserie in der Mediathek, die extrem gut besetzt ist. Plus: Das Drehbuch stammt von Daniel Kehlmann. Alles höchst anspruchsvoll mit vielen kleinen Anspielungen, die man wohl nur als Kafka-Kenner deuten kann. Ich hab’s trotzdem geliebt, aber ich lieb ja auch Kafka.

Und sonst so: Noch 29 Tage bis zu den Goldenen Bloggern. Du willst live dabei sein? Tickets gibt’s hier.

Und so war der Februar.

Februar 2024: 10 Dinge, die den Monat schön gemacht haben

  1. Das erste Mal auf dem Coachcamp in Köln gewesen, Menschen aus dem Internet getroffen. Seit langem mal wieder spontan eine Session ausgerichtet.
  2. Dank Maren Martschenko habe ich mich dann wenig später mit OKRs auseinandergesetzt und endlich auch nachvollziehen können, was der Unterschied zu anderen Tools ist. Der Fokus ist ein anderer. Als Test habe ich mir selbst zwei OKRs gesetzt bis Ende April und überprüfe nun Woche für Woche, was ich in den kommenden Tagen anschieben kann, um meinen Zielen näher zu kommen.
  3. Als ich noch in Berlin lebte, ging ich recht regelmäßig ins Ballett. Immer, wenn meine Mutter zu Besuch war oder mit einer Freundin. Seitdem ich in Düsseldorf lebe, habe ich das nicht mehr getan und ich kann gar nicht so genau sagen, woran es liegt. Umso mehr freute ich mich, als meine Mutter meinte, dass sie Karten für die Düsseldorfer Oper am Rhein besorgt habe.
  4. Ein Februar mit Kindern in Düsseldorf kommt nicht ohne Karneval aus. Und auch in diesem Jahr bin ich gerne zum Zug gegangen.
  5. Weil in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder Moderationen und öffentliche Auftritte anstehen, habe ich mir zwei Stunden mit einer Trainerin gegönnt, die mit mir an Stimme, Präsenz und Sprache gearbeitet hat. Das war sehr augenöffnend. Schon am nächsten Tag konnte ich überprüfen, inwiefern ich alte Muster zu brechen bereit bin.
  6. Es gibt seit einigen Jahren die „Unter meinem Bett“-Reihe, für die Singer und Songwriter Songs beisteuern, die vor allem für Kinder geeignet sind, aber eben auch Eltern gefallen könnten. Bei einer der ersten Ausgaben waren meine Söhne noch sehr klein, sodass „Kommissar Ärmchen“ von Oli Schulz in unserem Wohnzimmer und auf Autofahrten ein echter Dauerbrenner waren. Beim Konzert im Kölner E-Werk kam es dann zur Aufführung und ich kann mit Fug und Recht behaupten, auch nach ca. 10 Jahren immer noch sehr textsicher gewesen zu sein.
  7. Sehr viel indisches Essen, weil der große Sohn so ein großer Fan ist und gerne in die Kunst des Kochens eingeführt werden wollte. Hat jedes Mal anders, aber auch jedes Mal gut geschmeckt.
  8. Beim Friseur gewesen. Endlich.
  9. Der Gedanke, dass es sich am Ende dann doch immer alles zusammenpuzzelt.
  10. Shortlist raus. Und sogar hier drüber gebloggt.

Gelesen

Dörte Hansen – Altes Land

Meine Erwartung war hoch, hatte ich doch schon so viele Lobeshymnen auf dieses Buch und alle anderen Dörte-Hansen-Bücher gelesen. Vielleicht waren sie zu hoch, denn irgendwie konnte ich nicht so viel mit der Geschichte anfangen. Ich hatte die Hoffnung, in die Geschichte hineingezogen zu werden, doch gefühlt stand ich immer nur daneben.

Dennoch brachte das Buch mich dazu, über Mutter-Töchter-Verhältnisse nachzudenken. Einer dieser Sätze, der noch eine Weile nachhallte: „Alles, was sie taten, taten sie einander an.“

Mathijs Deen – Der Taucher

Ich lese selten Krimis, aber den ersten Band dieser Reihe habe ich meiner Mutter geschenkt und dann selbst gelesen. Den zweiten Band habe ich ihr zu Weihnachten geschenkt und nun also auch selbst gelesen. Der Ermittler, Liewe Cupido, ist ein in Deutschland lebender Niederländer, kauzig und darauf spezialisiert, Kriminalfälle aufzuklären, die im deutsch-niederländischen Grenzgebiet handeln und meist irgendwas mit Wasser zu tun haben. So auch dieses Mal, weil eine Leiche gefunden wurde, an ein altes Wrack im Meer gekettet. Was der Autor schafft: Mich noch einmal auf ganz andere Weise auf das Leben an der Nordseeküste zu blicken und auf das Meer selbst. Mir war zudem auch nicht bewusst, wie häufig es vorkommt, dass Frachtschiffe Container „verlieren“. Freue mich auf jeden Fall schon auf den dritten Band.

Mona Ameziane – Auf Basidis Dach

Ein Buch aus dem Buchclub vom Localbookshop und ein Buch, dass ich ohne den Buchclub wohl auch nicht gelesen hätte. Mona Ameziane erzählt, wie es ist, mit marokkanischen Wurzeln in Deutschland zu leben. Sie erzählt von diesem Konflikt, im eigenen Land irgendwie fremd zu sein und sich auch bei den Besuchen in Marokko als irgendwas zwischen Urlaub und Heimat zu fühlen. Ein gutes Buch für eine junge Generation. Ich persönlich hätte mir an der einen oder anderen Stelle noch mehr Tiefe gewünscht, aber dem Kommentar einer Mit-Buchclubberin: „Dieses Buch sollte Schullektüre sein“ kann ich ebenfalls sehr viel abgewinnen.

Gehört

Marco Balzano – Ich bleibe hier

Eine Empfehlung aus dem Zwei-Seiten-Podcast von Christine Westermann. Ich liebe es, über sie italienische Autor*innen kennenzulernen und hier nicht nur etwas über den Kirchturm im Reschensee in Südtirol zu erfahren. Sondern auch über das „Dazwischenfühlen“ von vielen Menschen, die in Südtirol gelebt haben. Wie schwer muss es für die Südtiroler gewesen sein, in der Mussolini-Zeit ihre (deutsche) Sprache nicht mehr sprechen oder gar unterrichten zu dürfen. Wie sie unterschieden haben zwischen italienischen Faschisten und deutschen Nationalsozialisten, obwohl beide auf ihre Weise Grausamkeiten brachten. Ein wirklich wunderbares Buch, das ich sehr gerne gehört habe.

Geschaut

Wochenendrebellen: 2017 haben die Wochenendrebellen einen Goldenen Blogger gewonnen. Und wie sehr habe ich mich gefreut, als ich irgendwann gehört habe, dass die Geschichte von Mirco und Jason verfilmt werden sollte. Im vergangenen Sommer lief der Film in den Kinos, seit kurzem kann man ihn über Streamingdienste leihen. Ein wirklich guter, berührender Film, der auch für Kinder sehr anschaulich macht, was Autismus ist, wie wenig wir in vielen Bereichen bereit sind, uns auf ein Anderssein einzulassen und welch tolle Wege es gibt, eben doch aufeinander zuzugehen und eine gute Zeit miteinander zu haben.

Und sonst so: Seit 53 Tagen jeden Tag Italienisch gelernt.

Goldene Blogger 2024: Das sind die Nominierten

Wenn ich in den vergangenen Jahren gefragt wurde, warum ich die Goldenen Blogger eigentlich (immer noch) mache, dann musste ich nicht lange nachdenken: Weil ich jedes Jahr so viele tolle Menschen in diesem Internet entdecken darf.

Menschen, die tolle Texte schreiben.

Menschen, die herausragende Podcasts machen.

Menschen, die auf Instagram oder Tiktok so gut informieren – und das sogar auf unterhaltsame Weise!

Menschen, die leidenschaftlich ein Thema repräsentieren und die unterschiedlichsten Facetten beleuchten.

Zum Glück war das dieses Jahr auch wieder so, aber als Thomas und ich sahen, dass wir sage und schreibe 5.000 Vorschläge erhalten haben, dachte ich zunächst: Uff.

Nun gut. Auch in diesem Jahr ist meiner Meinung nach eine ganz wunderbare Shortlist entstanden. Eine, die aus unserer Sicht in dieses Jahr passt.

Weil wir es wichtig finden, Menschen eine Bühne zu geben, die sich für gesellschaftliche Themen engagieren, die einen positiven Blick auf die Welt nach draußen tragen, die kritisch sind.

Ich möchte jetzt keine einzelnen Personen hervorheben, denn die Liste soll als Ganzes für sich stehen.

Hier geht’s zur Shortlist!

Ich weiß also immer noch, warum ich an den Goldenen Bloggern, diesem viel zu groß gewordenen Hobbyprojekt festhalte, das Daniel, Thomas und ich vor 17 Jahren ins Leben gerufen haben.

Und kann sogar noch ein drei Gründe hinzufügen.

Erstens: Wir haben auch in diesem Jahr tolle Unterstützer gewonnen, denen wir nicht genug danken können, denn in diesem Jahr gestaltete sich die Locationsuche deutlich schwieriger. Danke also an die r+v Versicherung, comdirect, DHL Group, LMC Caravan, 25hours Düsseldorf Das Tour und die Stadt Neuss.

Zweitens: Im Laufe des Tages trudelten dann immer mehr freudige Reaktionen auf Instagram und Co. ein. Ich bin sehr gespannt, wie das in den kommenden Tagen weitergeht.

Drittens: Exakt 12 Minuten nach der Informationsmail an eine Nominierte, erhielten wir auch schon die Zusage fürs Vor-Ort-Dabeisein.

So. Und immer dann, wenn ich in den kommenden Wochen wieder einmal fluche, weil ich mich abends noch an den Rechner setze, um Dinge vorzubereiten, werde ich mir diese Liste durchlesen und mich daran erinnern, wie viel Freude mir die Goldenen Blogger auch nach 17 Jahren immer noch bereiten.

Und hier noch eine kleine Rückschau auf das letzte Mal. Und ich entdecke gerade, dass ich ganz ähnlich in den Text eingestiegen bin.

Januar 2024: 10 schöne Dinge, die ich mit dir teilen will

  1. Ich habe die freien Tage Anfang Januar wirklich noch gebraucht, da die Tage um Weihnachten herum wegen der Herumreiserei nicht so erholsam waren, wie ich gehofft hatte. Minigolf und Schwimmbadbesuch mit den Jungs waren genau das Level an Aktivitäten, was ok war.
  2. Fahr ich da wirklich hin? Diese Frage habe ich mir gestellt, als die Einladung zur Geburtstagsfeier vor ein paar Wochen eintrudelte. Und ich beschloss: Warum eigentlich nicht? Und so erlebte ich eine wunderbare Tanzparty im Norden Hamburgs inklusive langen Spaziergängen durch den Schnee.
  3. Wenn ich an Grünkohl denke, muss ich auch an Pinkel denken. Und das hat mich all die vergangenen Jahre abgeschreckt, Grünkohl noch einmal eine Chance zu geben. Der Januar startete mit der Erkenntnis, dass Grünkohl sogar schmecken kann. In Form von Salat. Gegessen bei Laura’s Deli am Carlsplatz. Bin offen für Grünkohlrezepte.
  4. Reflexionen zu Jahresbeginn: Was lief gut, was nehme ich mir in diesem Jahr vor? Manche Erkenntnisse waren schmerzhaft, andere motivierend.
  5. Goldene Blogger Shortlisting. Sagen wir es so: rund 5000 Vorschläge gesichtet.
  6. Es gibt Menschen, die mögen kein Rosenkohl. Manchmal habe ich das Bedürfnis, sie davon zu überzeugen, diesem Gemüse eine weitere Chance zu geben. Deshalb habe ich ein Rosenkohlgedicht geschrieben.
  7. Nachdem fest stand, dass es im Sommer erneut nach Italien gehen soll, beschloss ich, in diesem Sommer ein wenig Konversation betreiben zu können. Zumindest in Restaurants, bei der Eisbestellung oder am Strand. Deshalb lud ich Duolingo herunter und lerne seitdem täglich. Und lasse mich inspirieren.
  8. Mein erster Fünf-Kilometerlauf nach der langen Verletzungspause. Mein Ziel: in ein paar Monaten die 10 Kilometer wieder schaffen.
  9. Es ist vollbracht: Der kleine Sohn ist an der weiterführenden Schule angemeldet. Wieder so ein Meilenstein.
  10. Beruflich denke ich gerade viel über gute Newsletter nach und über Paid-Newsletter. Außerdem freue ich mich, dass die Grundsteine für die Social-Media-Workshops gelegt sind. In den kommenden Wochen begleite ich eine Institution, die ihre bisherigen Aktivitäten auf den Prüfstand stellt und neu ausrichten möchte.

Gelesen

Wlada Kolosowa: Der Hausmann
Das Buch erzählt die Geschichten von Tim und Thea, Maxim und Dagmar. Sie alle wohnen in einem Haus in Neukölln. Jedes Kapitel erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive. Tim zeichnet seine erste Graphic Novel, Thea arbeitet in einem Start-up, Maxim lernt Deutsch und Dagmar ist einsam und beginnt zu bloggen. Ein wunderbar kreatives Buch.

Judith Poznan: Prima Aussicht

Gehört

Nele Pollatschek: Kleine Probleme
Eine Empfehlung aus dem Zwei-Seiten-Podcast und ich freue mich ja immer, wenn es die dort besprochenen Bücher zum Hören gibt. Gerade vor längeren Autofahrten. Wer das Buch liest oder hört, begibt sich in die Gedankenwelt von Lars, einem Autor, der uns in seinen Silvestertag mitnimmt, an dem er seine Todoliste abarbeitet. Das ist oft lustig, auch tragisch und man möchte ihn schütteln. Insgesamt ein Buch, das wirklich Spaß macht.

„Wenn es hart auf hart kommt, kann man alles schaffen. Aber meistens kommt es weich auf weich und dann bleibt man besser liegen.“

Geschaut

Succession: Es tut häufig weh, aber ich kann nicht aufhören, mir das Drama anzuschauen.

Ich woanders

Ich durfte Kerstin Hoffmann zu ihrem neuen Buch Fragen in ihrem Podcast stellen und mit Gavin Karlmeier bei „Haken dran“ über Social Media reden.

Und sonst so

Wir sollten alle viel regelmäßiger unsere Geburtstage feiern.

Jahresendzeitfragebogen 2023

„Ich freue mich schon auf deinen Fragebogen, sagte J. in unserem letzten Call in diesem Jahr und erinnerte mich an diese Tradition, die ich nun schon seit 20 Jahren pflege. Wahnsinn. Und los.

2023 war wieder einmal intensiv. Ich befürchte, dass es mit dem Alter der Kinder und möglicherweise dem eigenen zu tun hat: viele Bedürfnisse und Interessen, dazu die Pflichten. Aber ich will nicht jammern, war aber kurz vor Weihnachten wirklich durch. Mehr dazu in diesem Fragebogen. Dieser wurde vor rund 20 Jahren entwickelt und bisher habe ich ihn jedes Jahr ausgefüllt, manchmal leicht verändert. Früher (siehe unten) wurde dieser Fragebogen von ziemlich vielen Bloggerinnen und Bloggern ausgefüllt. Einige machen das immer noch.)

Zugenommen oder abgenommen Körpergefühl?

Ich habe in diesem Jahr sehr viel über Ernährung gelernt und vieles an meiner Nahrungsaufnahme verändert. Das lag zum einen an „Das weibliche Gehirn“, das ich im Sommer gelesen habe. Aber einen noch größeren Einfluss hatte Susanne Liedtke mit ihrem Newsletter und Kurs, an dem ich teilnahm. Seitdem mache ich einiges anders und wenn ich doch mal wieder in alte Traditionen zurückkehre, weiß ich, zu welchem Preis.

Mehr bewegt oder weniger?
Vermutlich gleich geblieben. In den ersten neun Monaten fast täglich Yoga, das tat unheimlich gut und auch wieder ab und zu laufen gewesen. Dann durch die Handverletzung außer Gefecht gesetzt, was mir nicht so guttat. Aber Bewegung geht ja auch ohne Joggen und Yoga, wobei es zum Jahresende hin hätte mehr sein können.

Haare länger oder kürzer?

Keine großen Veränderungen frisurtechnisch dank der tollen Madeleine, die ich in regelmäßigen Abständen besuche.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Habe in der Distanz keine große Veränderung feststellen können, höchstens in der Nähe.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Der Urlaub am Gardasee und die Woche in London mit den Jungs – bisschen mehr würde ich schätzen.

Der hirnrissigste Plan?

In der Rückschau betrachtet könnte ich entscheidungsfreudiger sein, denn ich habe über Monate hinweg eine Entscheidung aufgeschoben (was auch eine Entscheidung ist, ich weiß). Aber manchmal sollte ich beherzigen, dass der Spruch „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ durchaus Wahres enthält.

Manche würden behaupten, dass die Organisation der Goldenen Blogger jedes Jahr auch durchaus Züge von Hirnrissigkeit enthält.

Die gefährlichste Unternehmung?

Vermutlich der Ausflug zum Fußballplatz, bei dem mich ein Zweijähriger auf dem Fahrrad umgenietet hat. Hand zum Glück nicht gebrochen, Genesung hat dennoch lange gedauert.

Die teuerste Anschaffung?

Die Einrichtung des Coachingraums zu Beginn des Jahres und das neue Smartphone.

Das leckerste Essen?

Ich hatte sehr guten Fisch am Gardasee und an der Nordseeküste. Meine noch frische Beziehung zu Roter Bete wurde in diesem Jahr intensiviert und ich habe meine Liebe zum englischen Frühstück mit gebackenen Bohnen und Ei wiederentdeckt.

Das beeindruckendste Buch?

Mich haben in diesem Jahr einige Bücher beeindruckt. Der Mut von James Baldwin, in den 50er Jahren ein Buch wie „Giovannis Zimmer“ zu veröffentlichen. David Safiers Familiengeschichte. Sophie Passmanns Ehrlichkeit und Offenheit.

Der berührendste Film?

Keine Filme, dafür Serien. Am berührendsten: Ted Lasso.

Das beste Lied?

Wenig Musik gehört, aber ich mochte Olli Schulz‘ „Einfach so“.

Das schönste Konzert?

Das Singpausenkonzert in der Tonhalle mit den Grundschüler*innen – da liefen Tränen der Rührung. Insgesamt viel zu wenige Konzerte in diesem Jahr. Am Jahresende dann noch Noel Gallagher in der Philipps-, äh, Mitsubishi-Electric-Halle.

Die meiste Zeit verbracht mit?

Arbeit und Familie.

Die schönste Zeit verbracht mit?

Den Jungs. Und mit mir.

Vorherrschendes Gefühl 2023?

Unruhig.

2023 zum ersten Mal getan?

Einen 60., 70. und 90. Geburtstag gefeiert. Nicht gleichzeitig, aber alles in diesem Jahr.

Mit dem Sohn im Café ten Cate in Norden Tee getrunken.

Corona durchgestanden.

Einen Buchclub besucht.

In Pullach übernachtet und ein Seminar besucht.

In Nürnberg gewesen.

Auf der Buchmesse eine Veranstaltung moderiert.

2023 nach langer Zeit wieder getan?

Im Improvisationstheater gewesen und sehr viel gelacht.

Im Musical gewesen und es bereut.

In London gewesen und die englische Küche genossen.

In Magdeburg gewesen und an meine Volozeit zurückgedacht.

Im Harry-Potter-Rausch gewesen.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Krieg. Streit. Langgezogene Abschiede.

Drei Dinge, auf die ich nicht hätte verzichten wollen?

Bücher.

Die Küchenmaschine.

Kopfhörer.

(Sollen ja Dinge sein, oder?)

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Vertraue dir.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Man lernt nur, wenn man lebt.

2023 war mit einem Wort in fünf Worten?

Don’t look back in Anger.

Wer sich nochmal durch die vergangenen Jahre klicken will: 2022, 20212020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003

2023: Das Jahr in Büchern

2023 war aus meiner Sicht ein sehr gutes Lesejahr. Das lag nicht unbedingt daran, dass ich sage und schreibe 50 Bücher gelesen und gehört habe und damit mein selbst gestecktes Ziel von 30 weit übertroffen habe. Es waren eher die schönen Lesemomente, die mir dieses Jahr geschenkt hat. Die Momente, in denen ich ganz alleine mit den Geschichten war. In denen ich mich ein bisschen aus der Realität rausbeamen konnte in andere Welten. Das war sehr schön.

Schön war auch, dass ich mich im Sommer einem Buchclub angeschlossen habe und seitdem zumindest einmal im Monat auch über ein Buch gesprochen habe. Das war inspirierend und es kam nicht nur einmal vor, dass ich mit einer klaren Haltung zu einem der Bücher zum Buchclub gegangen und mit einer anderen nach Hause gegangen bin.

Und es war ein zweites Jahr, in dem ich in den Genuss eines Buchabos gekommen bin und so viele der Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe, nicht selbst ausgesucht habe. Da ich aber parallel auch angefangen habe, viele Bücherpodcasts zu hören, werde ich daran 2024 wieder etwas ändern und mehr Bücher lesen, die ich selbst auswähle. Die Liste der Bücher, die ich nämlich gerne mal lesen wollte, ist in diesem Jahr dadurch ziemlich voll geworden.

Aber nun zu meinem Lesejahr. Ich hab mich mal bei der Kaltmamsell und Anke Gröner inspirieren lassen: Die Bücher mit Sternchen dahinter empfehle ich. Und zu manchen Büchern habe ich schon mal was geschrieben – das verlinke ich. Und wenn ich die Bücher gehört habe, sind die Titel kursiv gestellt.

Alexa von Heyden – Mohn und Regen* Mehr dazu hier

Teresa Bücker – Alle_Zeit: Eine Frage von Macht und Freiheit Mehr dazu hier

Eberhard Seidel – Döner. Eine deutsch-türkische Kulturgeschichte* Mehr dazu hier

Ewald Arenz Die Liebe an miesen Tagen Mehr dazu hier

David Walliams Gangsta Oma schlägt wieder zu* Mehr dazu hier

Manfred Krug – Ich bin zu zart für diese Welt: Tagebücher 1998-1999*

Constantin Seibt – Deadline: Wie man besser schreibt Mehr dazu hier

Arno Geiger – Das glückliche Geheimnis

Hellmuth Karassek – Soll das ein Witz sein?

Depentes – Liebes Arschloch* Mehr dazu hier

Robert Seethaler – Das Feld* Mehr dazu hier

Rónán Hession – Leonhard und Paul Mehr dazu hier

Miriam Georg – Elbleuchten

Miriam Georg – Elbstürme

Thierry Paquot – Die Kunst des Mittagsschlafs

Thorsten Pilz – Weite Sicht Mehr dazu hier

Joseph Roth – Das falsche Gewicht* Mehr dazu hier

Judith Holofernes Die Träume anderer Leute* Mehr dazu hier

David Walliams – Banditen-Papa Mehr dazu hier

Benjamin von Stuckrad-Barre – Noch wach? Mehr dazu hier

David Safier – Solange wir leben* Mehr dazu hier

Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek Mehr dazu hier

Matt Haig – Ich und die Menschen

Hab Matt Haig eine zweite Chance gegeben und was soll ich sagen: Wenn man sich drauf einlassen kann, dass ein Außerirdischer die Menschen lieben lernt, geht‘s!

Eugen Roth – Der Wunderdoktor*

Lisa Mosconi – Das weibliche Gehirn*

Bisschen was über den eigenen Körper lernen. Am meisten hat mich schockiert, wie krass das weibliche Gehirn über Hormone gesteuert wird und wie entscheidend der richtige Lebenswandel für die Gehirngesundheit, nein, die gesamte Gesundheit ist.

Paul Bokowski – Schlesenburg*

Ein aus Polen stammender Junge wohnt mit seinen Eltern in der Schlesenburg, einer Frankfurter Siedlung, in der viele Aussiedler leben, Menschen, die die Freiheit gewählt haben und etwas erhalten haben, was sie nicht unbedingt erwartet haben. Die ein Zuhause haben, und eine Heimat, die erst einmal in weite Ferne gerückt ist. Die sich aus dem Nichts etwas aufbauen und nirgends dazu gehören. Und auch wenn sie nicht mit ihren Kindern darüber sprechen, spüren diese die Wehmut, die Einsamkeit, das Ausgrenztseins, die leisen Zweifel. Paul Bokowski hat ein berührendes Buch geschrieben über Integration, Rassismus und die Suche nach einer neuen Heimat.

Caroline Wahl – 22 Bahnen*

Das perfekte Urlaubsbuch habe ich natürlich im Urlaub gelesen! Tildas Leben ist durchgetaktet: Lernen, sich um die Schwester kümmern, weil die eigene Mutter nicht dazu in der Lage ist. An der Supermarktkasse arbeiten, und schwimmen gehen. 22 Bahnen. Und dann ist da der Wunsch nach Mehr, die Option auf die Promotion in Berlin, die Gelegenheit, mit einem Teil der eigenen Vergangenheit abzuschließen. Es ist ein Buch zum Hindurchrauschen.

Katrin Burseg – Adas Fest*

Echte Urlaubslektüre.. Die Handlung: Ein Sommer am Meer. Der letzte von Ada, die in diesem Strandhaus an der französischen Atlantikküste viele erlebt hat. Wo sie ihre große Liebe kennengelernt, Kinder gezeugt und Familienurlaube verbracht hat. Und dort kommt sie ein letztes Mal zurück, weil sie Abschied nehmen muss. Denn der ansteigende Meeresspiegel und die Herbststürme werden zu einer Gefahr für das Haus aber auch den anliegenden Ort. Und so kehren nicht nur sie, sondern auch ihre Kinder an diesen Ort zurück und nach und nach kommt heraus, was lange verschwiegen wurde.

Tomasz Jedrowski – Im Wasser sind wir schwerelos*

Es geht um einen jungen Mann, der seine Homosexualität entdeckt und diese im Polen der 80er Jahre auszuleben, ist gefährlich. Das Buch beschreibt seine Geschichte. Die Versuche, diese zu leben, die Notwendigkeit im Sozialismus, gute Beziehungen zu haben, die Diskrepanz zwischen denen, die diese haben und den anderen. Es ist ein Buch über eine unmögliche Liebe, das Leben von Werten mit all seinen Konsequenzen. „(…) dass Menschen uns nicht immer geben können, was wir von ihnen möchten; dass man nicht von ihnen verlangen kann, uns so zu lieben, wie wir es wollen. Man kann das niemandem zum Vorwurf machen.“

David Walliams – Billionen Boy

David Walliams – Fing Mehr dazu hier

Ernest van der Kwast – Fünf Viertelstunden bis zum Meer*

Dieses Buch hat gerade mal 96 Seiten (2Std. 9 Min bei Spotify) und erzählt eine wunderbare Geschichte über eine Liebe, die nicht alt wird. 1945. Ezio trifft an einem Strand in Apulien seiner großen Liebe. Doch Giovanna liebt ihre Freiheit, will nicht heiraten, und so zieht Ezio am Ende des Sommers in den Norden Italiens, ohne Giovanna jemals zu vergessen. Sechzig Jahre später bekommt er einen Brief. Hab es sehr gern gehört.

Grégoire Delacourt – Die vier Jahreszeiten des Sommers*

Perfekte Sommerlektüre und ebenfalls eine Empfehlung von Christine Westermann in „Zwei Seiten“.

Volker Ulrich – Deutschland 1923: Das Jahr am Abgrund*

„Wenn man eine Hürde zu nehmen hat, muss man zuerst sein Herz hinüberwerfen.“ Dieses Zitat von Bismarck habe ich aus diesem Buch mitgenommen genauso die Tatsache, dass Alfred Kerr früher eine Zeitschrift namens „Plauderbrief“ herausgegeben hat. Aber dieses Buch war nicht nur deshalb höchst bereichernd, sondern vor allem, weil es mir die Wucht der unterschiedlichen Krisen vor Augen geführt hat, mit dem die damals noch junge Weimarer Republik zu kämpfen hatte. Die ständigen Intrigen der ehemaligen Eliten, der Druck der Alliierten, die Last auf der Bevölkerung in Form der davon galoppierenden Währung, der Angst, seine Lieben nicht versorgen zu können und Unsicherheiten. Schon vergessen hatte ich, dass sich auch der Putschversuch Hitlers im Jahr 1923 ereignete.

Louise Erdrich – Jahr der Wunder

Während in der Stadt Proteste gegen rassistische Gewalt und Corona wütet, geschehen in einer kleinen Buchhandlung wundersame Dinge: Die treue Kundin Flora stirbt und ihr Geist bleibt aber als Gast im Laden. Darunter leidet Tookie, die dort nach einer Gefängnisstrafe arbeitet. Beiden Frauen verbindet nicht nur die Liebe zur Literatur. Autorin Louise Erdrich führt ein in die Welt indigener Kultur, lässt uns teilhaben an den Ängsten, die Pandemie, Klassenkampf und Gewalt mit sich bringen und nebenbei gibt es noch jede Menge Buchempfehlungen aus einer Welt, die mir zumindest bisher völlig unbekannt gewesen ist.

Alena Schröder – Bei euch ist es immer so unheimlich still*

Das Buch erzählt die Geschichte von zwei Frauen, die auf dem ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, auf den zweiten aber doch ähnlicher sind. Tochter Sylvia hat ein Kind bekommen und sucht Zuflucht bei ihrer Mutter, die sie 17 Jahre nicht gesehen hat. Mutter Evelyn hat sich immer fremd gefühlt, in dem Ort, in dem sie lebt, als Frau, Ärztin im Krankenhaus und in ihrer Rolle als Mutter. Ein Buch zum Abtauchen.

Jonathan Lee – Der große Fehler*

Es ist kein großer Fehler, dieses Buch zu lesen. Zumal es auf einer wahren Begebenheit beruht. Denn Andrew Green gab es wirklich. Er ist der Mann, der dafür sorgte, dass es in New York den Central Park gibt und noch vieles mehr. Und Andrew Green wird mit 83 Jahren vor seinem Haus erschossen. Jonathan Lee erzählt, wie es dazu kommen konnte. Erzählt, welche Menschen Green begleiteten, was er durchlebte. Das ist stellenweise wunderschön. Gleichzeitig ist es ein Buch, das darüber nachdenken lässt, warum wir leben. Was wir erreichen wollen. Und worauf wir zurückblicken könnten, wenn wir selbst eines Tages aus dem Leben scheiden.

Minna Rytisalo – Lempi, das heißt Liebe*

Der junge Bauernsohn Viljami hat sich in Lempi, die Tochter des Ladenbesitzers aus einer kleinen Stadt verliebt. Sie heiraten und das Stadtmädchen zieht aufs Land und wird von ihrer Schwester getrennt, zu der sie eine besondere Beziehung hat. Das erfahren wir alles im Laufe des Buchs, das aus verschiedenen Kapiteln besteht. Denn Lempi gibt es nicht mehr. Ganz langsam fügen sich Puzzleteil um Puzzleteil zusammen. Empfehlung von Christine Westermann in „Zwei Seiten“ und eine gute Anregung, sich über die deutsch-finnische Geschichte im Zweiten Weltkrieg zu informieren.

Taylor Jenkins Reis – Die sieben Ehemänner von Evelyn Hugo Mehr dazu hier

Sophie Passmann – Pick Me Girls*

Ich muss zugeben, dass ich das Buch erst nicht lesen wollte: wieder so ein Begriff, in den man sich einsortieren oder von dem ich mich abgrenzen muss. Und dann erzählt sie mir ihr Leben, wie sie zu der Frau geworden ist, die sie jetzt ist. Welche Kämpfe sie gekämpft hat: in ihrer Kindheit, Jugend und den Zwanzigern. Sie erzählt gut, berührt mich immer wieder sehr, bringt mich zum reflektieren und ich bin das ein oder andere Mal froh, in einer Zeit ohne Social Media groß geworden zu sein.

Wenn Benjamin von Stuckrad-Barre mit seinen Büchern derjenige war, der uns die Popkultur der 90er und 2000er erklärt hat, dann ist Sophie Passmann diejenige, die die Folgejahre wunderbar erklären kann. Auf eben ihre Weise: verletzlicher, ehrlicher, schonungsloser.

Sophie hätte dieses Buch, dass die selbst gern als 14-Jährige gelesen hätte, auch anders schreiben können, doch sie hat es auf sehr persönliche Weise getan. Sie nimmt die Leserin mit in ihre Ängste, Komplexe, inneren Kämpfe. Und weil sie es getan hat, ist das Buch so hörens- oder lesenswert.

Und eigentlich will ich sie einfach nur in den Arm nehmen.

Benedict Wells – Spinner

Jesper Lier ist 20, nach Berlin gezogen, mit schriftstellerischen Ambitionen und einem ziemlich verkorksten Leben. Wie verkorkst, erfährt die Leserin auf den Seiten dieses Buches. Schnell ist die Erkenntnis da, dass sich was ändern muss. Und dann zieht sich das ganz schön, der Protagonist sinkt immer tiefer in sein Loch, und wir leiden mit. Das ist bisweilen ganz schön anstrengend. Aber irgendwie gehört das zu Coming-of-Age-Büchern ja auch dazu.

Mathijs Deen – Der Holländer

Schön erzählter Krimi von der Nordseeküste. Leider war für mich recht schnell klar, wer hinter dem Mord im Wattenmeer steckte. Aber schön erzählt isses und ich würde auf jeden Fall auch noch ein Buch des Autors lesen. Zumal dieser Teil nach einer Fortsetzung schreit: Was ist das für ein Typ, dieser Liewe Cupido. Wie kommt es, dass er den Hund aufnimmt? Und wieso darf der eigentlich machen, was er will?

Laetitia Colombani – Der Zopf

Ich mochte, dass jedes Kapitel die Geschichte einer anderen Frau erzählte und wie sie am Ende zusammenfinden. Das Buch hat mich aber vor allem darüber nachdenken lassen, ob es die Marotte unserer Zeit oder Zufall ist, so ausschweifend mit Cliffhangern am Ende von Kapiteln zu arbeiten, so als ob man nicht sicher sein kann, dass die Lesenden nicht doch aussteigen. Ich war mehrfach geneigt, der Autorin zuzurufen, dass mir die Geschichten der einzelnen Frauen und wie sie sich ihre Freiheit auf ihre ganz eigene Weise erkämpfen, genügen.

James Baldwin – Giovannis Zimmer*

Es kommt nicht so häufig vor, dass Bücher mich dazu bringen, andere Bücher zu lesen. Hier traf das zu, denn auf „Giovannis Zimmer“ wäre ich ohne Tomas Jedrowksis „Im Wasser sind wir schwerelos“ wohl gar nicht gestoßen. Der Autor James Baldwin hat dieses Buch gegen alle Widerstände 1956 herausgebracht. Es handelt von einem jungen Amerikaner, der sich seine Homosexualität nicht eingestehen will, sie regelrecht leugnet, was in einer Tragödie endet. Es ist ein Buch über das, was gesellschaftliche Konventionen mit uns machen können. Und auch wenn das Buch in den 50er Jahren spielt, ist es in vielen Regionen auch heute noch nicht möglich, so zu leben, wie man möchte

Benjamin Myers – Offene See*

Robert, tritt, bevor sein Leben als Bergarbeitersohn in den vorbestimmten Wegen weitergeht, eine Reise an. Eine Reise durch das Nachkriegsengland, zu Fuß, sich selbst verpflegend. Er trifft auf Dulcie, eine Frau, die an der Küste Englands ein selbstbestimmtes, einsames Leben lebt. Gemeinsam sind sie ein bisschen weniger allein, Robert öffnen sich Lebenswelten und Dulcie gelingt es nach und nach, den Schmerz zuzulassen und zu verarbeiten, den der Verlust eines ihr lieben Menschen hinterlassen hatte. Ein schönes Buch, das auch zeigt, welche Wirkung Literatur und Lyrik haben können.

Sven Pfizenmaier – Draußen feiern die Leute

Ein Dorfroman. Und das Leben in der Stadt, das, nach dem man sich als Jugendlicher sehnt, spielt in Hannover. Diese Jugendlichen haben alle ihr Päckchen zu tragen: die Herkunft, Ticks, Ängste, das ganz normale Leben. Und manche von ihnen verschwinden einfach. Ein paar von ihnen wollen wissen, wohin. Die einen mögen diese offenen Enden, andere eher nicht. Ich bin noch immer hin- und hergerissen, tendiere aber dazu, dass es gut so ist.

David Walliams – Propeller-Opa*

In diesem Buch geht es um den 2. Weltkrieg. Da war der Opa von Jack nämlich als Pilot im Einsatz. Und durch seine Demenz lebt dieser nun wieder in der damaligen Zeit. Jack hat einen wunderbaren Weg gefunden, damit umzugehen. Doch der Opa bückst immer häufiger aus und kommt ins Seniorenheim. Mehr verrate ich mal nicht, nur, dass es Walliams wieder gelingt, auch Neunjährige über Wochen hinweg zum Lesen zu motivieren.  

Jon Fosse – Das ist Alise

Literaturnobelpreisträger! Das Buch ist es der Blick in die Gedankenwelt einer älteren Frau, deren Mann irgendwann das Haus verlies und niemals wieder kam. Auch wenn die Perspektiven wechseln, bleibt eines gleich: die Sprache. Monoton, wiederholend, in einfachen Sätzen geht es in die Vergangenheit des Mannes, in dessen Elternhaus die ältere Frau immer noch lebt. Erinnerungen kommen hoch.

Für die einen mag das hohe Literatur sein und ein besonderer Umgang mit Sprache. Für mich war es anstrengend, der Handlung zu folgen.

Marie Benedict – Die einzige Frau im Raum
Hätte die Geschichte einen anderen Verlauf nehmen können, wenn man auf eine Frau gehört hätte? Das ist das Thema dieses Buchs. Und es wird an Hedy Lamarr erzählt, die eigentlich Hedwig Maria Kiesler heißt und jüdischer Abstammung ist. Als junge Schauspielerin heiratet sie einen österreichischen Waffenhändler, der allerdings vor allem an ihrem Aussehen interessiert ist und sich dadurch bessere Geschäfte erhofft. Durch ihn erhält sie Zugriff auf das Wissen, das sie später nutzt. 1937 verlässt sie ihren gewalttätigen Ehemann und flieht nach Hollywood. Dort wurde sie zu einem weltberühmten Filmstar, der nebenbei daran arbeitet, die Waffen der Alliierten zu verbessern.

Marie Benedict erzählt die Geschichte packend, sodass es nicht schwerfällt, dranzubleiben. Und das Buch hat mich dazu gebracht, herauszufinden, wie viel Wahres hier verarbeitet wurde. Mein Schluss: alles auch immer eine Frage der Interpretation. Das hat bei mir ein wenig Enttäuschung ausgelöst.

Carsten Henn – Der Buchspazierer

Das lag bei meiner Schwiegermutter herum und weil ich an dem einen Morgen nicht mehr schlafen konnte, habe ich es mir geschnappt.

Hier die Ausgaben der vergangenen Jahre: 2022, 2021, 2020, 2019, 2018, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006

Juni 2023: re:publica, Besitz und der erste Buchclub

Einmal im Monat auf das zurückblicken, was mich in den vergangenen Wochen beschäftigt hat, was ich gehört, geschaut oder gelesen habe, und manchmal vielleicht auch darüber, woran ich gerade arbeite. Verspätet, aber besser als gar nicht: die Juni-Edition.

Bemerkenswert
Der Juni war der Monat in diesem Jahr, in dem ich wirklich mal wieder viel unterwegs war – also auch beruflich. Während in den vergangenen Monaten doch immer noch viele Dinge digital passierten, ging es nach Berlin, Hamburg, Köln, Koblenz. Daraus entstanden jede Menge Begegnungen und ich habe gemerkt, wie gut mir das tut. Privat führte mich zusätzlich eine Familienfeier nach Thüringen.

Das Highlight: die re:publica mit all den Begegnungen und Gesprächen. Über eine Sache habe ich noch lange nachgedacht. Auf der großen Wand in der Mitte der Halle hat das rp23-Team die großen Fragen gestellt und um Antworten gebeten: Was war deine überflüssigste Anschaffung? Und auch: Was ist dein teuerster Besitz? Viele Menschen haben geantwortet: meine Kinder. Wie kommen Menschen darauf, zu sagen, dass sie ihre Kinder besitzen? Kann man Menschen besitzen, so wie man Autos besitzt?

Der Juni war auch der Monat meiner ersten Teilnahme am Buchclub des Localbookshops von Anja Urbschat hier in Düsseldorf. Einmal im Monat treffen sich dort Interessierte, um über ein Buch zu sprechen. Was ich wirklich toll fand: Meine Begeisterung für das Monatsbuch hielt sich nach der Lektüre in Grenzen (siehe unten). Aber nachdem jede in der Runde ihre Meinung kundgetan hatte, war ich doch sehr inspiriert und so offen, de Autoren noch eine Chance zu geben.

Gelesen

Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek
Die Therapiesitzung als Buch. Der Plot: Frau ist ohnehin schon in einer labilen Verfassung und dann geht an einem Tag auch noch alles schief, sodass sie beschließt, eine Überdosis Tabletten zu nehmen. Doch anstatt zu sterben, gelangt sie in eine Bibliothek, die Mitternachtsbibliothek. Und erhält die Möglichkeit, all ihre ungelebten Leben einmal durchzutesten. Was wäre gewesen, wenn sie ein Rockstar geworden wäre. Oder Wissenschaftlerin. Oder eine erfolgreiche Schwimmerin. Die Jugendliebe geheiratet hätte. Oder, oder, oder. Mich hat das Buch unendlich gelangweilt. Aber man sagte mir: Halte durch. Ich tat’s und es wurde ein bisschen besser, zumindest so viel, dass ich es dann doch zu Ende gelesen habe. Ich glaube, für den Strand ist es gut geeignet. Und wer es lieber hören will, Annette Frier liest’s bei Spotify gerade vor.

Vorgelesen

David Walliams – Fing
Ich habe einen neuen Lieblingskinderbuchautor und sein Name lautet David Walliams. Ich hoffe sehr, dass mein Sohn noch klein genug bleibt, sodass wir alle übrigen Bücher gemeinsam lesen können. Auch wenn mich Fing nicht so umgehauen hat wie die anderen. Denn der Plot ist diesmal ein bisschen na ja: Bibliothekspaar bekommt Tochter und setzt keine Grenzen, sondern sagt zu allem Ja. Das führt zu Problemen, als sich die Tochter ein Fing, ein Ding, wünscht. Ein ziemlich gefährliches Monster, das eigentlich den Untergang bedeutet, sollte dieses Fing in das Haus der Familie ziehen. Doch natürlich macht sich der Vater auf, so ein Fing zu besorgen und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Mai 2023: Provokatives Coaching, Geburtstag feiern und Singpause

Einmal im Monat auf das zurückblicken, was mich in den vergangenen Wochen beschäftigt hat, was ich gehört, geschaut oder gelesen habe, und manchmal vielleicht auch darüber, woran ich gerade arbeite. Na, das hat ja super geklappt. Aber ich habe mir vorgenommen, die vergangenen Monate nachzuarbeiten und deshalb starte ich gleich mal los. So war mein Mai 2023.


Bemerkenswert
Ich hab in diesem Jahr ganz schön lange gebraucht, um mich vom Goldene-Blogger-bedingten Trubel im April zu erholen. Zum einen, weil dann doch noch viel auch nach einer solchen Veranstaltung zu tun ist. Zum anderen weil auch in der Woche davor einiges liegen geblieben ist. Und dann gibt es dieses Loch. Was nun? Geht es weiter? Wie geht es weiter? Was steht eigentlich noch bis zur Sommerpause an?

Was mir dabei sehr geholfen hat, war meine kleine Mini-Auszeit, die ich mit einer Fortbildung verbunden habe. Drei Tage Ausbildung zum Thema „provokatives Coaching“. Das war sehr inspirierend – in vielerlei Hinsicht. Seitdem habe ich ein Livegoal: So fit im Kopf bleiben, wie es Noni Höfner immer noch ist.

Ansonsten war der Monat geprägt von Familienfeiern – u.a. 70 Jahre Mutter -, ich habe mich mal wieder an das Genre Musical herangewagt und mit meiner Mutter „Moulin Rouge“ geschaut, aber vor allem die Deko und wieder einmal die Leistung von Ballett-Tänzerinnen und -Tänzern gefeiert. Ist dann doch nochmal eine ganz andere Liga.

Gelesen

Benjamin von Stuckrad-Barre: Noch wach
Ein typischer Stuckrad-Barre oder eben ein komplett untypischer. Das Beste an diesem Buch? Das Ende. Weil es abrupt ist. Weil es viel offen lässt und weil es eben für vieles keine finale Lösung gibt. Anders als bei anderen Büchern von ihm habe ich ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte zu kommen, in die Sprache, in die Welt zwischen realem Geschehen und Fiktionalisierung. Zwischenzeitlich wollte ich das Buch nicht mögen: Braucht es wirklich einen Mann, der das alles mal darstellt? Kann sowas nur mit soviel Medienrummel veröffentlicht werden? Und will sich hier nur jemand rehabilitieren, obwohl er vermutlich selbst lange Zeit von einem solchen (oder eben diesen) Machtsystem profitiert hat.

Wie gesagt: Das Ende hat so manche Abneigung, die ich zwischenzeitlich verspürte, wettgemacht. Gutes Buch. Wichtiges Buch. Freu mich aufs nächste.

David Safier: Solange wir leben
Ich mag solche Familiengeschichten, die über mehrere Generationen erzählen, warum die Menschen so sind, wie sie sind. Was uns prägt, formt, wovor wir Angst haben. Was wir mögen. „Solange wir leben“ ist ein solches Buch. Und ich bin jedes Mal wieder verwundert, dass jüdische Menschen hier in Deutschland wieder einen Weg gefunden haben, hier zu leben.

„Wir leben, um zu leiden“, dieser Glaubenssatz prägte mindestens eine Generation und es hat mich sehr berührt, dass Waltraut am Ende ihres Lebens noch ein wenig leben konnte, ohne zu leiden.

Was für ein schönes, trauriges Buch. Und wie gut, dass es mich nicht abgeschreckt hat, es zu lesen, weil ich mit seinen anderen Büchern wirklich nichts anfangen kann.

Eugen Roth: Der Wunderdoktor
Ich liebe Eugen Roth.

Gehört

Einer der schönsten Momente in jedem Grundschuljahr (Noch ein Jahr!) ist der Besuch der Singpause. Die Klassen haben dazu pro Woche eine Stunde in ihrem Stundenplan blockiert, in dem sie die Lieder, die dort vorgeführt werden, einstudieren. Gemeinsam mit anderen Grundschulen aus Düsseldorf gestalten sie dann ein knapp einstündiges Konzert in der Tonhalle. Und da es das erste Konzert dieser Art in der Tonhalle nach der Coronapause waren, haben die Kinder es dreifach genossen, endlich wieder gemeinsam zu singen. Das war unheimlich berührend und wunderschön.