Meine Challenge: Abschalten

Vor ungefähr vier Wochen habe ich ein Experiment gestartet: Ich schränke meine Smartphone-Nutzung ein. Von 22 Uhr bis 6.45 Uhr morgens habe ich keinen Zugriff auf eine Vielzahl von Apps, außerdem habe ich die Zeit in Social-Media-Apps begrenzt. Das bedeutet nicht, dass ich die Apps nun wirklich immer nur in diesem Zeitrahmen nutze (Es gibt die Möglichkeit, auf „Limit ignorieren“ zu klicken und sich dann entweder 15 weitere Minuten oder sogar durch Klick auf „Heute kein Limit“ unbegrenzten Zugriff bis 0 Uhr zu holen).

Was sich seitdem verändert hat? Zum einen wird mir nun täglich bewusst, wie häufig ich mein Smartphone für eben diese Aktivitäten nutze. Wenn ich berufsbedingt in den Kanälen recherchierte, poppte die Meldung, dass ich noch fünf Minuten meiner Social-Zeit zur Verfügung habe, bereits um 13.35 Uhr auf.

Zum anderen liebe ich mittlerweile die 22-Uhr-Schranke. Sie diszipliniert mich ungemein und hat meine Abende verändert. Mal lese ich noch ein bisschen in einem Buch, mal mache ich mir einen Podcast an. Auf jeden Fall schalte ich bewusster ab. Und das tut gut.
Ebenso entspannend, aber das mache ich schon viel länger so: auch tagsüber keine Pushmeldungen mehr. Nur SMS und Whatsapp lasse ich noch durch. Für alles andere muss ich mich bewusst entscheiden.

Und jetzt bin ich gespannt: Was machst du, um deine Zeit bewusster einzuteilen? Nichts, weil es ohnehin gut klappt? Oder legst du dein Smartphone an einem Tag der Woche gar komplett beiseite und bist unerreichbar? Hast du nur den „Nightshift“-Modus aktiviert?

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den ich wöchentlich verschicke. Hier kannst du ihn abonnieren.)

7 Tipps für virtuelle Seminare und Workshops

In dieser Woche hatte ich mein letztes zweitägiges Seminar für dieses Jahr. Natürlich haben wir wieder gezoomt. Während ich in den ersten Monaten der pandemiebedingten Heimarbeit immer sehr ausführlich die unterschiedlichen Funktionen des jeweiligen Tools erklären musste und wir diese gemeinsam ausprobiert haben, ist das oft gar nicht mehr in dieser Ausführlichkeit notwendig. Die Mikrofone werden bereits automatisch ausgeschaltet – viele von uns sind Profis in virtuellen Meetings, Workshops und Seminaren geworden.

Das für mich überraschendste: Die Arbeit im digitalen Raum kann sogar noch intensiver sein! Denn: Zum einen sitzt du deinem Gegenüber ja sonst auch viel mehr auf Abstand und zum anderen kannst du dich in der 1:1-Situation ja auch viel intensiver auf dein Gegenüber einlassen, zuhören und interagieren. Das weiß ich mittlerweile wirklich zu schätzen!

Aber jetzt sieben Dinge, auf die es in virtuellen Seminaren und Workshops immer ankommt.

1. Guter Ton: Ha, sogar im doppelten Sinn! Und natürlich Mikros aus, wenn nix gesagt wird, damit Hintergrundgeräusche nicht stören (Wenn die Katze in der Küche Randale schiebt). Ich arbeite mittlerweile mit einem Headset und bin sehr zufrieden.

2. Licht von vorne: Klingt logisch, ist es auch, denn wenn das Licht von hinten kommt, siehst du von deinem Gegenüber nix. Wer ein bisschen aufrüsten will, besorgt sich ein günstiges Ringlicht.

3. Bildschirme an: Damit ein Seminar gut gelingt, bitte ich die Teilnehmenden immer darum, die Kameras anzulassen, sofern es die Bandbreite zulässt. Mir hilft das sehr, weil ich dann viel besser die Teilnehmenden einbeziehen kann, aber auch Fragezeichen sehen und direkt ansprechen kann.

4. Pausen: Nach 1,5, maximal zwei Stunden mache ich mindestens 15 Minuten Pause.

5. Virtuelle Kaffeeküche: Was ich am meisten am persönlichen Austausch vermisse? Die Gespräche in den Pausen, das Informelle. Einfach einen Breakout-Room (geht zumindest in Zoom) anlegen, in den die Teilnehmenden in den Pausen gehen können zum ungestörten Austausch.

6. Weniger ist mehr: Es gibt so viele verschiedene Tools, von Miro, über Mural bis hin zu Stimmungsmessern etc. Alles schön, aber für viele eben noch eine technische Hürde. (Kerstin Hoffmann hat das Thema Barrierefreiheit kürzlich ebenfalls thematisiert!)

7. Führung: Es fängt bei der Vorstellungsrunde an und hört bei der Feedbackrunde und Abmoderation auf: Vieles dauert im virtuellen Raum länger, manche unnötigen Pausen lassen sich aber auch vermeiden.

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Twitter startet Fleets – spät

Heute empfehle ich dir, ein Update deiner Twitter-App auf dem Smartphone zu machen. Was du entdecken wirst? Twitter hat jetzt Stories, äh, Fleets. Bei mir sah das gestern Abend dann so aus:

Damit dir der Einstieg leichter fällt und Du erfährst, ob das neue Feature etwas taugt, beantworte ich heute die wichtigsten Fragen.

Was geht mit Fleets?
In diesen Fleets kannst du einen „flüchtigen Gedanken“ in Form eines Textes, eines Foto oder eines Videos teilen. Du kannst Reaktionen auf einen Tweet teilen und diesen dann mit eigenen Gedanken, Emojis und einem schicken Hintergrund versehen. Wenn du erlaubst, dass man dir Direktnachrichten schicken kann, können Nutzerinnen und Nutzer dir auch auf deinen Fleet antworten. 
Fleets sind 24 Stunden live, danach verschwinden sie wieder. Das Feature gibt es derzeit nur mobil. Twitter hat angekündigt, die Funktion schrittweise auszubauen.

Warum macht Twitter das? Twitter will die Hürde senken, sich zu äußern. In einem Blog-Post erläutern sie, dass einige Nutzerinnen und Nutzer Twitter als unkomfortabel wahrnehmen:

„It feels so public, so permanent, and like there’s so much pressure to rack up Retweets and Likes. That’s why, unfortunately there are so many ? Tweets left in drafts!“  

Im Frühjahr hatte Twitter das Feature in einigen Ländern getestet und herausgefunden, dass Menschen dadurch leichter in Diskussionen eingestiegen sind. 

Braucht Twitter neue Nutzer:innen? Eindeutig: ja! Noch immer funktioniert bei Twitter viel über Text, Instagram ist beispielsweise in den jungen Zielgruppen so erfolgreich, weil hier audiovisuelle Inhalte im Vordergrund stehen. All diesen Nutzer:innengruppen soll der Einstieg so leicht wie möglich gemacht werden. 

Höher, schneller, weiter – jetzt auch bei Twitter? Nicht erst jetzt. Twitter ist schon eine ganze Weile ein börsennotiertes Unternehmen und muss seinen Investoren in jedem Quartal erklären, dass es läuft – dass die Zahlen stimmen und im besten Fall natürlich eine Wachstumsgeschichte erzählt wird (Ich verweise hier gerne nochmal auf meinen Text zu „The Social Dilemma“). Schaut man mal in den letzten Bericht, dann wird dort beispielsweise die Zahl der monatlich aktiven monetarisierbaren Nutzer betrachtet. Die lag im dritten Quartal bei 187 Millionen Nutzern, während es im Vorquartal 186 Millionen waren und davor 166. Sprich: So richtig kommt Twitter da nicht aus den Puschen. Das Unternehmen erhofft sich also mehr, im besten Fall natürlich schnell mehr monetarisierbare Nutzer. Dabei könnte eine Funktion wie Fleets natürlich helfen. Theoretisch.

Der erste Eindruck? Nun ja: Noch scheinen Fleets sehr rudimentär. Man kann dort zwar mehr als 280 Zeichen hinterlassen und das Aufnehmen von Videos erscheint wirklich einfach, doch fehlen mir Filter, Sticker und die ganzen anderen tollen Features, die Instagram zu bieten hat und die zum Verweilen anregen. Vieles davon wird auch hier ausgerollt werden, sagt Twitter. Abwarten. 

Gary Lineker sagt „Fleets are Shit“ – wirklich? Soweit würde ich noch nicht gehen, zumal der komplette Umfang der Funktion ja noch gar nicht live ist. Ein wenig skeptisch bin ich aber schon: Twitter ist spät mit dieser Form des Storytellings, selbst Linkedin war schneller und tut sich bisher noch schwer. Andererseits war eine Öffnung von Twitter für jüngere Zielgruppen längst überfällig. Meine Prognose: Das wird nicht reichen.

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Wie schlimm ist Social Media wirklich?

Ich habe eine Weile gebraucht, um nun auch endlich „The Social Dilemma“ (deutscher Titel: „Das Dilemma mit den sozialen Medien“) zu schauen, immerhin gibt es die Doku ja schon seit September auf Netflix. Doch eigentlich war der Zeitpunkt dafür perfekt: Denn gerade die vergangene Woche war „The Social Dilemma“ im Praxistest: Die Wahl des neuen Präsidenten der USA wurde begleitet von zahlreichen Tweets des Amtsinhabers – und diese wurden mittlerweile nach langwierigen Debatten über Fake News und Co. immerhin eingeordnet. Ja, erstmals trauten sich US-Medien sogar den Kreislauf der Nachrichtengenerierung von Donald Trump zu durchbrechen, indem sie die Übertragung seiner Pressekonferenz unterbrachen und stattdessen einordneten, was dort behauptet und gelogen worden ist.

„The Social Dilemma“ beleuchtet die Schattenseiten der Aufmerksamkeitsökonomie. Facebook, Google, Twitter und Co. haben in den vergangenen Jahren Plattformen und ein dazugehöriges Geschäftsmodell aufgebaut. Konzerne sammeln Daten und tun alles dafür, dass diese Daten immer präziser werden, dass Werbetreibende möglichst genau wissen, ob und wie ihre Werbung geklickt wird. Und weil Menschen vor allem auf emotionale Inhalte reagieren, steigt das Engagement je polarisierender der Inhalt. Lagerbildung, wenig Debattenkultur und süchtig macht das ganze auch noch. Das alles transportiert der Film auf vielschichtige Weise – zum Beispiel in Form von Interviews mit den Protagonisten, die viele der heute beliebten Funktionen erfunden haben.

Das ist nicht wirklich neu und in meinen Social-Media-Seminaren weise auch ich seit Jahren immer wieder darauf hin, dass diese Plattformen von börsennotierten Unternehmen betrieben werden, die Umsatz- und Gewinnziele für ihre Aktionäre erreichen müssen – und daher alles dafür tun, dass wir noch mehr Zeit dort verbringen und mit den Inhalten interagieren.

Und trotz der ganzen Schwarzmalerei – auf die Chancen, die sich durch diese Netzwerke ergeben, wird nämlich gar nicht eingegangen – lohnt es sich, diesen Film anzuschauen.

Stichwort Debattenkultur! Es gibt nicht eine Wahrheit über soziale Medien, sondern viele und diese anzuhören und als Impuls für eine weitere Diskussion mitzunehmen – lohnt sich aus meiner Sicht immer.

Das eigene Nutzungsverhalten! Seit einiger Zeit beobachte ich Woche für Woche mein Nutzungsverhalten auf meinem Smartphone. Wie viel Zeit habe ich in sozialen Medien verbracht? Wie viel habe ich gespielt? Wie viele Podcasts gehört? In der vergangenen Woche war diese Nutzungszeit zum Beispiel auf einem Tiefpunkt. Es lohnt sich, die Plattformen bewusster zu nutzen – nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Welche Daten gebe ich an? Wie wichtig ist mir Datenschutz? Diese Fragen für sich selbst zu beantworten, ist hilfreich und sinnvoll. 

Das Nutzungsverhalten der anderen! Aufgrund der aktuellen Situation meine ich dabei vor allem meine Kinder. Gehört das Smartphone an den Essenstisch? Kann ich wirklich „Nein“ sagen, wenn mein Sohn nach iPad-Zeit fragt und ich währenddessen gerade den Instafeed checke? Als Elternteil bin ich ja auch noch Vorbild.

Hast du „The Social Dilemma“ gesehen? Was war dein Fazit? Schreib mir gerne in die Kommentare.

Hier geht’s zum Trailer.

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Wie die Corona-Pandemie die Verlagswelt verändert

90 Prozent der Verlagsmanager sagen, dass sich die Digitalisierung beschleunigen wird

Wie verändert die Corona-Pandemie den Journalismus bzw. die Verlagswelt? Das ist die Frage, die eine VDZ-KPMG-Studie untersucht hat. Das Ergebnis: Die meisten erwarten einen deutlichen Umsatzrückgang, der sich vor allem durch das weggebrochene Veranstaltungsgeschäft, dem Einbruch im Werbegeschäft und dem Rückgang im Vertrieb von Printprodukten erklären lässt. Problem: Das sind bei vielen Verlagen die großen Umsatzträger und deshalb tut vielen Verlagen die derzeitige Krise auch so weh.

Und wie wurde bisher reagiert? 66 Prozent der befragten Medienhäuser haben die verstärkte Digitalisierung bereits eingeleitet, weitere 15 Prozent planen damit immerhin in den nächsten sechs Monaten; 61 Prozent haben staatliche Hilfen beantragt, 46 Prozent setzen auf Rationalisierung, 37 Prozent kürzen ihre Investitionen. Immerhin: Nur knapp 20 Prozent kürzen oder planen Kürzungen im Bereich Weiterbildung.

Und welche Folgen wird die Corona-Pandemie auf die Branche haben? Der Digitalisierungsprozess wird sich stark beschleunigen – davon sind 90 Prozent der befragten Verlage überzeugt. Eine ähnlich hohe Zustimmung gibt es dazu, dass viele Häuser ihr Portfolio bereinigen und ihre Prozesse und Strukturen neu gestalten werden. Einige Häuser scheinen nicht mehr an die eigene Zukunft zu glauben: 81 Prozent der befragten Verlage glauben, dass die Zahl der Verlage abnehmen wird.

Und was ist das Fazit? Die Corona-Pandemie legt auch in der Verlagsbranche schonungslos die Baustellen offen, die in den vergangenen Jahren versäumt wurden: Digitalisierung, veraltete Strukturen und Prozesse, die u.a. zu einer mangelnden Innovationskraft führen. Man kann nur hoffen, dass nun nicht an den falschen Stellen gespart wird, sondern endlich alles gegeben wird, um digitale und mobile Angebote zu schaffen, die den Kundenbedürfnissen gerecht werden.

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Werden Medien gerade ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht?

Wir haben derzeit wieder diese Tage, an denen ich noch sorgenvoller beobachte, wie Medien über die aktuellen Geschehnisse berichten. Wie sie sich überschlagen mit Eilmeldungen bzw. jeden kleinen Schnipsel zu einer machen, weil das Thema wieder „zieht“. Oder auch: Weil viele Menschen in großer Sorge sind, um ihre Zukunft, ihre Existenz, die Zukunft ihrer Freunde und Bekannten, ihre Familienmitglieder – und jeden Nachrichtenschnipsel dankend annehmen. Ja, sogar Digitalabos abschließen, um nichts zu verpassen. Ein Teufelskreis der Aufmerksamkeitsökonomie.

In der Süddeutschen Zeitung geht der Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl sogar noch einen Schritt weiter und schreibt den Medien sogar eine Mitschuld an dem für November beschlossenen Maßnahmen zu: „Vielmehr haben die Medien mit ihrem grotesken Übersoll an Berichterstattung Handlungsdruck in Richtung Lockdown erzeugt, dem sich die Regierungen in Demokratien kaum entziehen konnten.“

Die Fragen, die ich mir immer öfter stelle: Werden Journalistinnen und Journalisten, die gerne als vierte Gewalt angesehen werden und sich zu gerne auch selbst so sehen, werden sie der damit verbundenen Verantwortung in der demokratischen Gesellschaft gerecht? Bzw. können sie dieser noch gerecht werden, wenn die Art wie und über was sie berichten, so sehr wie derzeit vom monetären Erfolg abhängt?

Auf den Medientagen in München hielt der Journalist und langjährige Medienmanager Wolfgang Blau eine viel beachtete Keynote und sagte: „Journalismus muss der Wahrheit verpflichtet sein. Anders formuliert: Journalismus darf sich natürlich nicht vereinnahmen lassen.“

Ich würde mir wünschen, dass sich viele Medienschaffende darauf gerade jetzt besinnen.

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Politisches Framing: Wir brauchen neue Begriffe in der Corona-Debatte

Social Distancing, Beherbergungsverbot, Sperrstunden, Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht, Feiernde werden zu Gefährdern – das sind die Formulierungen und Begriffe, die die Nachrichten derzeit bestimmen. Gleichzeitig wird es kälter, die lauen Sommerabende, an denen wir draußen sitzen konnten und ein Gefühl von altem Leben in Gesellschaft genießen konnten, werden schwieriger. Angesichts der deutschlandweit steigenden Infektionszahlen kommen Erinnerungen ans Frühjahr hoch und Begriffe wie Lockdown rücken wieder näher.

Es ist schon eine Weile her, dass das Buch „Politisches Framing“ von Elisabeth Wehling (Affiliate-Link) erschienen ist, aber da ich mich derzeit mit der Wirkung von Sprache beschäftige, habe ich es erst jetzt gelesen und halte es für aktueller denn je. 

Framing beschreibt den Prozess der Einbettung von Themen in ein gewisses Deutungsraster. Wir nehmen Informationen wahr und selektieren und strukturieren diese, um diese besser einzuordnen. Kommunikationsprofis nutzen bestimmte „Frames“, um Probleme offen zu legen, moralisch zu bewerten oder in einer vermeintlichen Nachricht durch die Verwendung bestimmter Begriffe auch gleich eine Handlungsempfehlung mitzuliefern. Denn, so schreibt Elisabeth Wehling auch in ihrem Buch: „Sprache aktiviert und festigt Metaphern in unserem Gehirn!“

Steuern sind nicht etwa Zahlungen, um unser gesellschaftliche Leben zu ermöglichen, sondern eine „Last“, für die Vermeidung von Steuerzahlungen gibt es niedliche „Schlupflöcher“, es gibt Steuerparadiese und -oasen. Die Worte, mit denen wir das System beschreiben, das uns ermöglicht, relativ frei und unbelastet in Deutschland zu leben, machen eben dies nicht unbedingt deutlich.

Wie wir Arbeitsverhältnisse beschreiben, ist davon geprägt: Arbeitnehmer nehmen Arbeitsaufträge des Arbeitgebers entgegen und ist mindestens überarbeitenswürdig – gerade auch vor dem Hintergrund von Agilität und New Work. Arbeitende Menschen werden durch „HR“ – Human Resources – zu Objekten. Auch die Art und Weise, wie wir die Klimadebatte führen, blendet völlig aus, dass der Mensch selbst Verursacher ist – ja, das Klima wandelt sich nur ein bisschen – Ende offen. 

Ich kann die Lektüre des Buchs von Elisabeth Wehling wirklich empfehlen – Asyl, Terrorismus, Schwangerschaftsabbrüche – sie liefert viel Inspiration, genau darüber nachzudenken, welche Worte wir verwenden (sollten).

Dies wissend und zum Beginn meines Textes zurückkommend: Hältst du die oben genannten Begriffe für geeignet, Menschen davon zu überzeugen, als Gesellschaft zusammenzuhalten und eine Überlastung unseres Gesundheitssystems zu verhindern? Ich nicht.

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Twitter ist beides – Nische und große Party

„Mich macht Twitter viel zu oft wütend“, sagte Sascha Lobo in seinem Podcast „Realitätsschock“ zu Jan Böhmermann. Der wiederum sagt: „Twitter ist die wichtigste Quelle für Journalisten“ und attestiert dem Netzwerk, der Ort zu sein, an dem derzeit gesellschaftlicher Diskurs stattfindet. Auch wenn Twitter noch immer eine Nischen-Veranstaltung ist, wie auch die jüngsten Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie andeuten. Oder gerade deswegen. 

Denn auch dazu liefert Böhmermann in diesem hörenswerten Podcast einen Gedanken: Gesellschaftlicher Diskurs sei schon immer eine Angelegenheit von wenigen gewesen, die sich als Multiplikatoren ausgetauscht haben. Und da würde ich ihm zustimmen. Einzig anzweifeln würde ich, dass auf Twitter ein echter Diskurs stattfindet. Zu einigen Themen sicherlich, doch es gibt auch viele, bei denen allenfalls viele Seiten ihre Meinung äußern – echten Diskurs, indem man auf den anderen hört, Argumente abwägt, ins Verhältnis stellt usw. vermisse ich häufig. 

Muss deshalb jeder auf Twitter sein? Sicherlich nicht. Aber jeder, der Teil dieses Diskurses sein möchte, der Essentielles in diese Debatten beitragen möchte, sollte auch auf Twitter sein. Deshalb ist Twitter für mich zweierlei: Nische und große Party, bei der alle durcheinander reden und auf der man sich auch einmal verloren fühlen kann. Wer jedoch kommuniziert, etwas von sich erzählt, zuhört, zum Beispiel um das Gehörte aufzugreifen, der wird bei dieser großen Sause auch Spaß haben. 

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Twitter ist natürlich noch viel mehr – Nachrichtenquelle, Meinungsmacher… Du willst mehr wissen oder eigene Twitter-Strategie entwickeln? Einfach Kontakt aufnehmen.

Instagram und Whatsapp gewinnen – zehn Erkenntnisse aus der ARD/ZDF-Onlinestudie 2020

Ein Oktober ohne die ARD/ZDF-Onlinestudie, die jedes Jahr Hinweise darauf gibt, wie die Deutschen das Internet nutzen. Die zehn wichtigsten Aspekte habe ich für dich hier zusammengefasst.

1. Alle sind online und die Alten holen weiter auf
Das Internet erreicht in den letzten Jahren stetig immer mehr ältere Menschen. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, dann wird in den nächsten Jahren die komplette Bevölkerung online sein. In diesem Jahr haben vor allem die ab 70-Jährigen aufgeholt (plus 17 Prozentpunkte!). Männer sind nur noch geringfügig häufiger online als Frauen (96 vs. 92 Prozent).

2. Noch mehr Smartphone-Nutzung
Mittlerweile geben 60 Prozent der Befragten ab 14 Jahren an, am vergangenen Tag ein Smartphone benutzt zu haben. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es fast 100 Prozent. Bei allen anderen Altersgruppen hat in 2020 die Nutzung um mindestens fünf Prozentpunkte zugelegt.

3. Das beliebteste soziale Netzwerk ist Whatsapp
Whatsapp ist und bleibt das beliebteste Netzwerk und hat seinen Vorsprung wegen dem Mehr der Nutzung der Älteren nochmal ausgebaut. In der täglichen Nutzung hat Instagram erstmals das traditionelle soziale Netzwerk Facebook überholt. Nur beim Blick auf die Nutzung innerhalb einer Woche kann Facebook (26%) seine Position vor Instagram (20%) noch behaupten – Tendenz ist aber dennoch sinkend.

4. Mehr Mediennutzung als Individualkommunikation
Was machen die Deutschen im Internet? Auch darauf versucht die ARD/ZDF-Onlinestudie eine Antwort zu liefern, bei der Auswertung bemerkt man aber stark, dass ARD und ZDF hier auch nach einer Rechtfertigung für den eigenen Auftrag suchen: So wird angegeben dass das so genannte „mediale Internet“ mehr genutzt wird als die Teilbereiche „Individualkommunikation“ oder „sonstiges Internet“. Schaut man aber genauer hin, liegen die Zuwächse vor allem an einem Mehr im Bereich „Filme/Videos bei Netflix, Maxdome, Amazon usw. gesehen“ oder „Musik bei Spotify oder YouTube gehört“. Der kleine Seitenhieb für die Verlage wird hier ebenfalls geliefert: Waren es in 2019 noch 20 Prozent, die angaben „Artikel/Berichte digital im Internet gelesen“ zu haben, waren es 2020 nur noch 17 Prozent.

5. TV-Programm wird mehr gestreamt
77 Prozent der Befragten schauen Fernsehinhalte linear – ein Rückgang zum Vorjahr um fünf Prozentpunkte, immerhin stieg aber die Nutzung von Fernsehinhalten im Internet um fünf Prozentpunkte auf 40 Prozent. 

6. Wenn Audio, dann meistens Musik
Musik-Streamingdienste werden von 35 Prozent der Befragten genutzt, Musik über Youtube von 31 Prozent. Wenn es um Podcasts geht, ist die Nutzung bei den 14- bis 29-Jährigen mit 24 Prozent am höchsten, in der Gesamtbevölkerung sind es 12 Prozent.

7. Je älter der Facebook-Nutzer, desto aktiver
Zum ersten Mal haben die Forscher abgefragt, wie Facebook eigentlich genutzt wird – eigentlich schade, denn die Nutzung ist ja in diesem Jahr erstmal deutlich zurückgegangen. Und auch die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzung vor allem passiv ist: Es wird gelesen und geschaut, was Freunde und Bekannte machen oder was im Newsfeed angezeigt wird. Auch Kommentare lesen rangiert weit oben auf der Nutzungsliste. Noch ausgeprägter ist die passive Nutzung bei den unter 30-Jährigen. Zweite Erkenntnis: Je älter, desto aktiver. 35 Prozent der 50- bis 69-Jährigen posten mindestens gelegentlich, bei U30 gerade einmal 16 Prozent. 

8. Je jünger der Instagram-Nutzer, desto aktiver
Zum Glück haben die Forscher aber auch abgefragt, wie es mit der Instagramnutzung aussieht. Die häufigsten Tätigkeiten: Storys ansehen, den Newsfeed durchscrollen sowie Videos anschauen. Bei den unter 30-Jährigen spielen Storys eine noch größere Rolle. Erkenntnis hier: Je jünger, desto aktiver: Fast die Hälfte der jüngeren Nutzerinnen und Nutzer postet mindestens gelegentlich selbst etwas, wohingegen nur 37 Prozent der 30- bis 49- Jährigen dies tun. 

9. Das Internet wird weniger unterwegs genutzt
Hier muss man sagen: vermutlich großer Corona-Effekt, wir waren schlichtweg alle weniger unterwegs. Und was machen wir unterwegs? 45 Prozent nutzen dabei täglich Whatsapp, 16 Prozent jeweils E-Mail und Nachrichten. Unterschiede im Alter: In der Gesamtbevölkerung hören 10 Prozent Musik über Streamingdienste – bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 40 Prozent!

10. Nutzung von Sprachassistenten stagniert
Hier gab es wenig Bewegung: 31 Prozent der Bevölkerung gibt an, Sprachassistenten schon einmal genutzt zu haben. Nur die unter 30-Jährigen nutzen diese weniger. Das am meisten genutzte Gerät für Sprachassistenz-Anwendungen bleibt das Smartphone mit 25 Prozent Nutzung, mit deutlichem Abstand gefolgt von smarten Lautsprechern (9 Prozent). 

Die komplette Studie kannst du hier selbst nachlesen.

Fünf gute Gründe für „Neue Narrative“

Heute möchte ich dir von einem wunderbaren Zeitschriftenprojekt erzählen, das aus meiner Sicht ganz viel richtig macht. Es geht um „Neue Narrative“, auf das ich bei Instagram aufmerksam geworden bin, was die irgendwie mitbekommen und mir eine Ausgabe zum Testen angeboten haben. Und das habe ich gemacht.

Checkin: „Neue Narrative“ will ein Wirtschaftsmagazin sein, das sinnorientiert, verantwortungsbewusst und selbstorganisiert ist, dreimal im Jahr erscheint und den Untertitel „Das Magazin für neues Arbeiten“ trägt. Und darum geht es auch. Und vieles hier ist anders, als in anderen Magazinen. New Work steht nicht nur im Namen, sondern ist auch Programm. 

Fünf gute Gründe, warum auch du dir „Neue Narrative“ mal genauer anschauen solltest.

1. Das Konzept: Ja, darüber sollte ich auch noch ein paar Worte verlieren, denn das Heft hat einen auf den ersten Blick ungewöhnlichen Aufbau: Es startet mit einem Checkin anstatt eines Editorials und endet mit einem Checkout, das die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammenfasst, inklusive Checkout-Frage an die Lesenden und Platz für Notizen. Es werden Tools vorgestellt, die direkt angewendet werden können. Immer wieder sind Seiten eingestreut für Reflexionsfragen wie zum Beispiel „Ist dir immer bewusst, dass du dich in deinem Urteil auch irren könntest“? 

Neue Narrative ist keine normale Zeitschrift, eher ein Arbeitsbuch, das dir die Möglichkeit gibt, an dir zu arbeiten. Ein wenig erinnert mich das an Magazine wie „Flow“, „Neue Narrative“ ist viel weniger esoterisch, wirklich Business, New Business, und dennoch verständlich und relevant. 

2. Die Digital-Strategie: Einige der Inhalte, die im Heft abgedruckt sind, sind auch online verfügbar, was mir hier die Möglichkeit gibt, auf das Tool „Tretralemma„, die Kolumne „Kinski meets McKinsey“ oder den Artikel über die Theory U hinzuweisen. Das ist auch sinnvoll, erhalten Interessierte so einen Eindruck über die Inhalte. Mich haben diese Artikel sogar eher neugierig auf das Gesamtkonzept gemacht und auch als Leserin der gedruckten Ausgabe sehe ich den großen Mehrwert dieses Arbeitsbuches. Ganz besonders mag ich, dass ich mir – ganz altmodisch – überall Notizen machen kann. 

3. Die Social-Media-Strategie: Ohne Social-Media hätte ich dieses Magazin gar nicht kennengelernt. Wer dem Account bei Instagram folgt, bekommt Wissen pur und ein bisschen Selbstfindung mit guten Coachingfragen ist auch inklusive. Die perfekte Inspiration und ein guter Teaser, um neugierig auf das Hauptprodukt zu machen.

4. Die Transparenz: „Neue Narrative“ gab es auch eine Weile am Kiosk, von diesem Vertriebsmodell hat sich der Verlag aber wieder verabschiedet. Warum und was das für das Geschäftsmodell bedeutet, macht das Team sehr transparent. Auf der Aboseite steht aus meiner Sicht zwar ein bisschen zu sehr der „Purpose“ im Vordergrund, aber es wird transparent gemacht, wie viel Geld es benötigt, um auf einigermaßen wirtschaftlichen Beinen zu stehen. Das ist mindestens sympathisch.

5. Die neuen Arbeitsweisen: „Neue Narrative“ schreibt nicht nur über „neue Arbeit“, sondern lebt sie. Das aktuelle Magazin ist – wie so viele Medien – komplett im Homeoffice entstanden und obwohl bereits vorher agil gearbeitet wurde, hat die Redaktion noch etwas über sich und die Zusammenarbeit lernen können. Das macht sie auch transparent. Wie Agilität in Redaktionen angewendet werden und was das auch für die Entstehung von Texten bedeuten kann, das hat Dirk von Gehlen vor einiger Zeit bereits aufgeschrieben. Eine Produktionsweise, die für Journalisten des „alten Schlags“ auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich erscheint. Die aber sehr erfrischend Egos dem Produkt unterordnet. 

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