Goldene Blogger: Fünf Dinge, die ich 2019 gelernt habe

Zum 13. Mal verleihen Daniel Fiene, Thomas Knüwer und ich am 9. März die Goldenen Blogger. In den vergangenen Tagen haben wir uns mehr als 2000 Vorschläge angeschaut, die die Community in 2019 begeisterten. Fünf Dinge, die ich dabei gelernt habe.

Erstens: Es spricht sich so langsam rum: Blogs sind mittlerweile viel mehr als digitale Tagebücher, das konnte man sehr gut an den diesjährigen Nominierungen sehen. Viele Bloggerinnen und Blogger nutzen Blogs, um ihre Leidenschaft für ein Thema auszudrücken und Gleichgesinnte zu finden. Nicht ohne Grund kann in diesem Jahr entschieden werden, wer das beste Blog in den Kategorien „Wirtschaft“, „Kultur“, „Food/Wein“, „Sport“ oder auch Thema/Nische sein wird.

Zweitens: Medienwandel ist was Feines! Aus Blogs und anderen digitalen Projekten entstehen immer mehr Geschäftsmodelle. Deshalb haben wir in diesem Jahr die Kategorie „Neue Medienmacher“ ins Rennen geschickt und mit ihr Persönlichkeiten wie Tijen Onaran, Stefanie Luxat und Maria Lorenz und Nilz Bokelberg. Sie alle eint die Leidenschaft, mit der sie Medien machen – auf allen Plattformen.

Drittens: 2019 war ein weiteres Jahr der Polarisierung. Gut, dass es dennoch Menschen da draußen gibt, die mit Leidenschaft gute Laune verbreiten und aus Gepöbel, schlechter Laune und Hass hervorstechen. Natürlich musste es diesmal wieder die Kategorie „Flausch“ geben, in der wir die Menschen feiern müssen, denen das täglich gelingt!

Viertens: 2019 war außerdem ein Jahr, in dem auch deutsche Politiker auf den sozialen Kanälen angekommen simd. Gleich drei Politiker haben die Community dabei besonders beeindruckt: Ruprecht Polenz, der im Alter von 73 Jahren 2019 aufdrehte, SPD-Hoffnung Lilly Blaudszun und Digitalstaatsministerin Dorothee Bär.

Fünftens: Wenn ich auf die komplette Liste der 48 Nominierten schaue, dann spiegelt diese für mich wieder einmal ein sehr vielfältiges Bild von dem, was in Blogs, in sozialen Netzwerken und digitalen Medien so entsteht. Da stehen Youtuber neben etablierten Entertainern wie Kai Pflaume, Tiktoker neben der Tagesschau. Ich habe die Möglichkeit, zum Fachmann für Helikopter, Käse oder Ibuprofen zu werden, erfahre, wie es ist, mit Tourette zu leben und nebenbei gibt’s noch Beziehungscoaching mit Charlotte und Martin. Besser geht’s doch eigentlich nicht, oder?

Hier die Liste aller aller Nominierten! Sehen wir uns am 9. März 2020?

Blackrock-Chef Larry Fink ruft Revolution aus

Zu Beginn des Jahres schaue ich noch einmal nach vorn. Eine spannende Lektüre ist jedes Jahr der Brief von Larry Fink an seine Kunden, meist Chefs der größten Konzerne der Welt. Larry Fink selbst ist Chef des größten Vermögensverwalters der Welt, Blackrock. Der Brief macht in diesem Jahr deutlich, welches Thema die Finanzwelt in 2020 beschäftigen wird: der Klimawandel. Fink beschreibt in wenigen Sätzen, wie sehr das gesamte Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt werden wird:

„Will cities, for example, be able to afford their infrastructure needs as climate risk reshapes the market for municipal bonds? What will happen to the 30-year mortgage – a key building block of finance – if lenders can’t estimate the impact of climate risk over such a long timeline, and if there is no viable market for flood or fire insurance in impacted areas? What happens to inflation, and in turn interest rates, if the cost of food climbs from drought and flooding? How can we model economic growth if emerging markets see their productivity decline due to extreme heat and other climate impacts?“

Fink verkündet eine Reihe von Maßnahmen, die in den kommenden Monaten einen Wandel der Wirtschaftswelt hervorbringen werden. Keine Investitionen, die mit Nachhaltigkeitsrisiken verbunden sind, eine größere Implementierung von Nachhaltigkeit im Investmentprozess, mehr Transparenz über Nachhaltigkeitsfaktoren in allen Produkten. Mehr noch: Auch das Abstimmungsverhalten in den unzähligen Aufsichtsräten, in denen Blackrock vertreten ist, soll sich nun noch viel stärker an diesen Faktoren ausrichten.

Auch wenn man hier natürlich noch einkalkulieren muss, dass Fink es durchaus auch um maximale Aufmerksamkeit geht – es ist schon erstaunlich, dass der Chef von Blackrock den Klimawandel mit all seinen Auswirkungen zum Thema macht und den Versuch unternimmt, sich nun an die Speerspitze des Wandels zu setzen. Die Klimakrise ist in der Wirtschaft angekommen. Und sie wird auch die Digitalisierung beeinflussen: Schon jetzt geht ein erheblicher Anteil des Stromverbrauchs für die Nutzung des Internets drauf und dieser stammt keinesfalls nur aus klimaneutralen Energien.

(Dieser Text erschien zuerst in meinem wöchentlichen Newsletter, den du hier abonnieren kannst.)

Was kommt 2020?

Ich hoffe, dass du gut ins neue Jahr gestartet bist. Was wird uns 2020 beschäftigen? Welche Themen, Trends, Plattformen, Fragen? Das habe ich in den vergangenen Jahren auch schon gemacht (z.B. im Januar 2019). Ein paar Dinge haben sich bewahrheitet, ein paar nicht. Bist du bereit? Los geht’s.

Purpose, Haltung, New Work | Über diese Themen werden wir auch in 2020 intensiv diskutieren. Doch es geht 2020 darum, diese Begriffe, die Buzzword-Charakter haben, noch viel stärker mit Inhalten und echten Cases zu füllen. 

Persönlichkeitsentwicklung | Kein neuer Trend, aber einer, der 2020 noch mehr im Mainstream wahrgenommen werden wird und der aus meiner Sicht sehr stark mit den Begriffen in Punkt 1 verknüpft ist. 

Diversität | 2020 werden Frauen in hochkarätige Positionen in Politik und Wirtschaft wechseln. Doch wir werden nicht nur über Führungspositionen sprechen oder Diversität im Hinblick auf das ausgewogene Geschlechterverhältnis begreifen, sondern auch in Bezug auf Alter, Herkunft, Lebensstile und Gesellschaftsschichten erleben. Wir können es uns auch schlichtweg nicht mehr anders leisten! Und ja: Diversität kann anstrengend sein, umso wichtiger ist es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Diversität möglich macht. 

Die eigenen Kanäle | Anfang 2019 habe ich vom Comeback der eigenen Kanäle geschrieben und das ist ein Trend, der uns auch in diesem Jahr beschäftigen wird. Die eigene Webseite, Newsletter, eine treue Community – darauf kommt es in 2020 umso mehr an. Bei Unternehmen und Medien. 
 
Linkedin, Instagram, Tiktok | Das sind die Namen der Plattformen, die 2020 zu den Gewinnern zählen werden. Tiktok war bereits 2019 der große Aufsteiger und ich bin gespannt, welche Formate von Medien und Unternehmen wir dort in den kommenden Monaten erleben. Linkedin wächst weiter und es könnte gut sein, dass das Netzwerk Ende 2020 kein klassisches Business-Netzwerk mehr ist. Und ja: Instagram wird zu den Gewinnern 2020 zählen, aber im Laufe des Jahres aufgrund der zunehmenden Fokussierung auf werbliche Inhalte eine gewisse Ernüchterung spüren.

Journalismus | Neue Medienmacher werden in 2020 noch relevanter und noch stärker gesellschaftliche Debatten mitbestimmen, so genannte klassische Medien verlieren weiter an Bedeutung. Die Fragmentierung der vierten Gewalt verstetigt sich und ich sehe darin auch viele Vorteile. 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk | Allein das Wort „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ macht deutlich, dass hier dringender Reformbedarf besteht. Die Themen sind vielfältig und es ist schon fast ein bisschen niedlich, wie Quarks und Co. neuerdings auf Instagram bei jedem veröffentlichten Video erklären, dass dies mit Hilfe des Rundfunkbeitrags finanziert worden ist. Welchen Auftrag und welche Aufgaben hat der Ö-R in der digitalisierten Welt? Wie muss der Ö-R in Zukunft organisiert sein? Welche Mitarbeiter werden in Social-Media-Debatten geschützt und welche nicht? Dies wird 2020 breit debattiert werden. Und ich hätte nicht gedacht, dass die Sender diese Debatte selbst befeuern würden. WDR-Indendant Tom Buhrow hat mit seiner Löschaktion rund um das „Umweltsau“-Video ein wahres Eigentor gelandet.  

Und was meinst du?  

Ich wünsche dir ein großartiges 2020!

(Dieser Text erschien zuerst in meinem wöchentlichen Newsletter, den du hier abonnieren kannst.)

Im Dezember postete ich jeden Tag einen Witz. Das kannst du daraus lernen

Wer mir auf Twitter folgt, hat vielleicht mitbekommen, dass ich dort vom 1. bis 24. Dezember jeden Morgen den #Witzeadvent gefeiert habe. Hintergrund ist, dass sich die Kinder in diesem Jahr neben gekauften Adventskalendern dann doch noch einen selbstgemachten mit Säckchen gewünscht hatten. Es entstand in einer nächtlichen Hauruck-Aktion ein Witzekalender, jeden Tag ein Witz. Eine gute Sache übrigens, die eigenen Vorstellungen über Kinderhumor zu überprüfen, ich lag bereits das eine oder andere Mal richtig daneben. Bei Twitter zweitverwertete ich also die Witze mit folgenden Erkenntnissen, die nicht neu sind, aber doch ziemlich gut zeigen, wie das mit den Netzwerkeffekten, dem Communityaufbau so funktioniert – nicht nur bei Twitter, auch bei Instagram, da postete ich die Witze übrigens auch jeden Morgen als Story.

Witze gehen immer: Ob neu, alt, verkopft, entweder du findest ihn schlecht oder gut – Hauptsache Emotionen. Und die funktionieren in sozialen Netzwerken bekanntermaßen besonders gut.

Dranbleiben: Zwar erhielt der Witz am ersten Dezember die meiste Aufmerksamkeit, doch nach einer Weile hatten sich die morgendlichen Witze etabliert. Jeden Tag regnete es zahlreiche Interaktionen – Likes, Retweets und Antworten, oft sogar mit Adaptionen gar Weiterdrehs. Am vierten Tag kam die erste Nachfrage, wann der Witz denn endlich kommt. Am dritten Wochenende erhielt ich zweimal die Bitte, die Witze doch bitte bei Instagram in die Highlights zu legen, man habe sie an den vergangenen Tagen verpasst. 

Je älter der Witz, desto höher die Haltbarkeit des Tweets: Ich postete die Witze morgens zwischen 7 und 8 Uhr – und die meisten Interaktionen hatte der Tweet dann bis ungefähr 11 Uhr mittags. Je nach Witzgüte kam es abends noch einmal zu einer Interaktionswelle, einigen Tweets gelang es sogar noch am Folgetag, Likes einzusammeln. Das ist sicherlich algorithmisch bedingt, zeigt aber auch: Auch auf Twitter „funktionieren“ nicht-aktualitätsgetriebene Inhalte. 

Meine Qualität ist nicht unbedingt eine objektive Qualität: Ich habe mich fast geschämt, dass auch der Witz mit der schwer verständlichen Muschel (Nuschel) dabei war, denn dieser Witz ist wirklich verdammt alt. Aber es sind genau diese Witze, die dann dafür sorgen, dass andere besonders gerne mit ihnen interagieren und sich amüsieren.  

Communitypflege ist wichtig: Ja, das wichtigste ist natürlich jeden Tag einen neuen Witz abzuliefern. Auf Reaktionen reagiere ich, Nachfragen beantworte ich. Das kostet Zeit, ja, aber zahlt sich aus.  

Und nein: Twitter lässt sich zwar wunderbar zum Aufbau von Personenmarken nutzen, aber 24 Tage reichen dafür nun wirklich noch nicht aus. Ich habe auch noch keine Talkshoweinladung als Witzeexpertin erhalten, dafür müsste ich wohl mindestens ein Buch schreiben. Und Witzebücher aller Art gibt es nun wirklich schon zuhauf.

Der Text erschien in abgewandelter Form in meinem wöchentlichen Newsletter, für den du dich hier anmelden kannst.)

Jahresendzeitfragebogen 2019

Traditionen soll man nicht brechen. Daher: Der alljährliche Fragebogen. (Für alle Leser, die erst in den vergangenen Monaten dazu gestoßen sind: Früher (siehe unten) wurde dieser Fragebogen von ziemlich vielen Bloggerinnen und Bloggern ausgefüllt. Einige machen das immer noch. Ich gehöre dazu.)

Zugenommen oder abgenommen?

Wenn dann eher ab.

Haare länger oder kürzer?

Ich bin meiner Friseurin Pia treu geblieben und habe sie kurz vor Weihnachten das letzte Mal gesehen.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Der letzte Check ergab: nen Tick besser.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Irgendwann im Frühling knallte mein Rechner vom Fahrrad (und war schrott). Im Mai der Büroumzug und damit die Anschaffung von diversen Stühlen, Tischen und einem Regal. Macht zusammen: eher mehr.

Der hirnrissigste Plan?

Da bleibe ich bei meiner Aussage von 2018: Zu glauben, in der Selbstständigkeit weniger unterwegs zu sein. 69 Dienstreisen in 2019. Und dann wäre da noch das Vorhaben, entspannt Weihnachten zu feiern – ohne familiäre Grippewelle oder andere Gebrechen.

Die gefährlichste Unternehmung?

Ich neige nicht zu gefährlichen Unternehmungen, ich habe Kinder.

Die teuerste Anschaffung?

Das Büro.

Das leckerste Essen?

Die erste Gans Ende November, die hatte schon was. Ansonsten habe ich in diesem Jahr asiatische Nudelsuppen für mich entdeckt. Ja, kein neuer Trend, aber ein gesunder und vor allem sehr sättigender.

Das beeindruckendste Buch?

Tausend Zeilen Lüge von Juan Moreno. Was ich sonst so gelesen habe, kannst du hier sehen.

Der berührendste Film?

Ich habe sehr wenige Filme geschaut. Wenn überhaupt dann Serien.

Das beste Lied?

„Fünf Jahre nicht gesungen“ von Thees Uhlmann, weil es das erste Lied der neuen Platte war, das veröffentlicht wurde. Nach dem Besuch des Konzerts: Avicii.

Das schönste Konzert?

Am 21.12. Thees Uhlmann im Kölner Palladium. Sein letztes Konzert auf der Tour 2019 und eine grandiose Show.

Die meiste Zeit verbracht mit?

Arbeit.

Die schönste Zeit verbracht mit?

Familie.

Vorherrschendes Gefühl 2019?

Jonglieren kann ich.

2019 zum ersten Mal getan?

Einen 10-km-Lauf mitgemacht. Ein eigenes Büro angemietet und den Mann zum Untermieter gemacht. Mitarbeiterin Nummer 1 offiziell angestellt. Meine erste eigene Weihnachtsfeier ausgerichtet. In vielen deutschen Städten gewesen, die ich bisher nicht kannte: Bad Rodach, Erfurt, Gera, Hildesheim. Über eine Bahncard100 nachgedacht. Eine Mastermind-Gruppe gegründet. Mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren.

2019 nach langer Zeit wieder getan?

Joggen gewesen. Regelmäßig für ein Ziel trainiert. In Thüringen gewesen, Pilze gesammelt. (Das war toll, das habe ich früher mit meinen Eltern gemacht, mein Vater kannte sich da gut aus.)

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Auch wenn mich die Grippewelle und mein Krankenhausbesuch am Jahresende wirklich genervt hat, mittlerweile glaube ich fest daran, dass diese Dinge, über die wir uns erst einmal ärgern, aus einem Grund geschehen. Vielleicht sollte auch diese Pause einfach mal sein.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Wird schon.

2019 war mit einem Wort?

Kräftezehrendaberhatsichgelohntgut.

Wer sich nochmal durch die vergangenen Jahre klicken will: 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003

2019: Das Jahr in Büchern

(Wichtiger Hinweis: Viele Links sind Affiliate-Links)

Ich habe in diesem Jahr mal wieder mehr Bücher gekauft als gelesen. Ein paar Bücher hab ich auch angefangen, aber dann doch wieder beiseite gepackt, andere warten auf dem Nachttisch schlichtweg darauf, gelesen zu werden. Invisible Women, Beschreibung einer Krabbenwanderung, usw und so fort. Hier die Auswahl der Gelesenen. An Weihnachten kam dann noch ein weiteres dazu Ein paar nette Kinderbücher sind auch dabei.

Michelle Obama: Becoming
Kurzweilig und wenn du ein bisschen was darüber erfahren willst, wie das Leben im Weißen Haus so abläuft, dann lies das.

Hubertus Bessau, Philipp Kraiss, Max Wittrock: Machen!: Das Startup-Buch der Mymuesli-Gründer
Dieses Buch wurde mir empfohlen. Wenn du wissen willst, wie man ein Start-up gründet – lies das.

Marc-Uwe Kling: Das Neinhorn
Großartiges Buch. Und nicht nur für Kinder.

Austin Kleon: Keep Going: 10 Ways to Stay Creative in Good Times and Bad

Peter Wittkamp: Für mich soll es Neurosen regnen
Meine Meinung habe ich in diesem Tweet versteckt

Isabel Bodgan: Laufen
Ich hab im Newsletter drüber geschrieben. Kurzurteil: super!

Johanna Adorian: Männer
Ich mag Johanna Adorian, ich mag nicht so gerne Kurztexte.

Sophie Passmann: Alte weiße Männer
Hab im April schon drüber geschrieben.

Juan Moreno: Tausend Zeilen Lügen
Was für ein Krimi. Hier hab ich mehr dazu geschrieben.

Renate Welsh: Das Vamperl
Der große Sohn hat es in der Schule gelesen und ich wollte mitreden können. Ich fand’s gut, es gibt da auch noch einen zweiten Teil.

Tobias Beck: Unbox your life
Ich interessiere mich seit einigen Monaten dafür, was Leute aus dem NLP-Kram machen. Liest sich schnell weg. Wer nicht weiß, was er im Leben will, könnte hier Anregung finden. Oder einfach mal mit einem guten Freund ein Bier trinken gehen.

Tobias Beck: Unbox your relationship
siehe oben.

John Strelecky: The big five for life
Ich wollte wissen, warum die Bücher dieses Mannes immer in den Bestenlisten auftauchen. Ja, ich müsste dafür noch das „Café am Ende der Welt“ lesen, ich weiß, aber ich dachte, eins reicht erstmal.

Bill Burnett, Dave Evans: Mach was du willst

Alan Bennett: Die souveräne Leserin
Zu Weihnachten geschenkt bekommen und direkt gelesen. Das ist toll, da werde ich nochmal was drüber schreiben.

Vermutlich fehlen wieder einige Bücher, aber diese gehören für mich ins Jahr 2019.

Sind wir nicht alle Markenbotschafter?

„Corporate Influencer“, „Brand Ambassadors“, „Mitarbeiter-Markenbotschafter“ – nein, ich möchte mit dir jetzt nicht Buzzword-Bingo spielen. Es gibt viele Begriffe für ein Thema, was viele Unternehmen beschäftigt: Wie können meine Mitarbeiter dazu beitragen, mein Unternehmen bekannter zu machen und es als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren? Darüber mit Kommunikatorinnen und Kommunikatoren zu sprechen, ist eigentlich naheliegend. Als ich am Wochenende das Thema im Seminar „Digitale Kommunikation“ ansprach, ergab sich (wieder einmal) eine hitzige Diskussion. Warum in aller Welt soll ich jetzt auch noch die Botschaften meines Unternehmens auf meinen Kanälen verbreiten, so eines der Argumente. Mögliche Antworten: Weil du es kannst, weil du es ohnehin bereits tust oder weil du als Kommunikatorin oder Kommunikator ohnehin bereits Botschafter für dein Thema und dein Unternehmen bist. Weil du als Teilnehmerin in diesem Seminar dein Unternehmen repräsentierst, weil du durch dein Eintrag in deinem Linkedin-Profil ohnehin als Botschafter wahrgenommen wirst, weil du mit der Unterzeichnung deines Arbeitsvertrages, dem Verwenden der beruflichen E-Mailadresse, beim Verteilen deiner Visitenkarte, auf Veranstaltungen, im Kundengespräch, im Gespräch mit Journalisten und sogar intern gegenüber deinen Kollegen dein Unternehmen repräsentierst. Eigentlich bist du qua Vertragsunterzeichnung bereits Botschafter für dein Unternehmen mit der Besonderheit, dass du das Kommunikationshandwerk verstehst.

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, für den du dich hier anmelden kannst.)

Ein Chefredakteur macht noch keinen guten Newsletter

Eigentlich ein seltsames Phänomen, welches sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt hat: Kaum ein Medium, dass keinen so genannten „Chefredakteursnewsletter“ herausgebracht hat. Wenn ich durch meine Newsletter-Routine gehe, dann fällt mir auf, dass ich viele allein aus Neugier eine gewisse Zeit gelesen habe, es aber kaum einer geschafft hat, langfristig zu überzeugen. Und das aus genau einem Grund: Sie haben mir keinen echten Mehrwert geliefert. Das Argument „Der Chefredakteur schreibt“ reicht mir nicht aus. Denn am Ende des Tages abonniere und lese ich Newsletter, weil sie mir einen Mehrwert liefern: Inspiration, Meinung, Persönlichkeit oder ganz klassisch: Information. Nur wenige Newsletter schaffen das wirklich. Es reicht nicht, eine persönliche Ebene per Foto vorzutäuschen, wenn der Inhalt ohne persönliche Note verfasst ist und nicht einmal eine Meinung durchblitzt. Es reicht nicht, Meinung nur über innerredaktionelle Späße und Spitzen zu transportieren, die vermutlich nur die Kollegen richtig verstehen. Am Ende ist es ganz einfach: Ohne Mehrwert geht es nicht. Oder um es in Anlehnung an Dieter Nuhr so zu formulieren: „Wenn man nix zu sagen hat, einfach mal Fresse halten.“ Egal ob Chefredakteur, Blogger oder Elisabeth Strunkmann. Ich entschuldige die Wortwahl, aber ich glaube, du verstehst, was ich meine.

Was übrigens ein bisschen lustig ist: Dieser Text war Teil meines Newsletters (Hier kannst du dich anmelden!) Mitte November und ich habe auf ihn ziemlich viele Reaktionen bekommen. Und obwohl ich darum gebeten hatte, mir Newsletter von Chefredakteurinnen und Chefredakteuren zu empfehlen, erhielt ich keine einzige.

PS: Mein nächstes Newsletter-Seminar an der Akademie für Publizistik ist erst im September 2020. Wenn du vorher was entwickeln willst, sprich mich gerne an.

Buzzard möchte mehr Perspektivenvielfalt im Journalismus

„Die Demokratie ist in Gefahr“ – was für ein Satz. Der scharfe Ton lässt sich erklären: Er stammt von dem journalistischen Start-up „Buzzard“, dass, wenn alles gut geht, im Frühjahr 2020 an den Start gehen soll. Ziel: Ein Medium, das schnell und übersichtlich einen Überblick über die unterschiedlichsten Perspektiven auf ein Thema rüberbringen soll.
Journalistische Start-ups haben es nicht so leicht, an Geld zu kommen, denn auch das Geld verdienen ist im Netz bekanntlich nicht ganz so einfach. Deshalb hat Buzzard einen anderen Weg gewählt, um ihre journalistische Tätigkeit und ihr Produkt zu finanzieren: ein Crowdfunding. Warum und wozu die Welt „Buzzard“ braucht – diese und ein weitere Fragen hat mir Moritz Fehrle aus dem Redaktionsteam beantwortet.

Warum braucht die Welt Buzzard?

Der Diskurs in Deutschland wird immer radikaler. Die Gesellschaft ist in Lager gespalten, die Auseinandersetzung ist polarisiert und die Stimmung im Netz ist vergiftet. Das hat auch mit dem Medienkonsum zu tun. Menschen schotten sich ab, viele konsumieren Medien, die ihre Weltsicht bestärken. Algorithmen tun ihr Übriges. Wir stellen dem ein Online-Medium mit einem ganz neuen Konzept entgegen: ein Mal pro Tag liefern wir Meinungen zu den Nachrichten und Debatten des Tages. Gesammelt aus der ganzen Medienlandschaft: von Blogs, alternativen Medien und etablierten
Medienhäusern. Von links bis rechts, von liberal bis ökologisch, verlinkt, zusammengefasst, journalistisch eingeordnet – und mit Hintergrundinfos zu den Originalautoren Natürlich gibt es dabei Grenzen: Extremismus, egal von welcher politischen Seite, bringt kein Gespräch voran und hat bei Buzzard nichts verloren.
Wir haben eine Redaktion, die diese Medienperspektiven einordnet, Hintergrundinformationen recherchiert und Leseempfehlungen gibt. Durch Buzzard kommen Nutzer*innen im Alltag wieder öfter mit anderen Meinungen in Berührung, können sich frei und unabhängig eine Meinung bilden und finden spannende Reportagen, Videobeiträge und Interviews in der täglichen Informationsflut.
Wir haben das Projekt gestartet mit der Hoffnung, dass wir dazu beitragen können, dass Leute sich differenzierter auseinandersetzen. Denn ich muss die Haltung meines Gegenübers nicht gut oder richtig finden, aber wenn ich mich mit seiner Weltsicht und seinen Argumenten auseinandersetze, kann ich ihm viel reflektierter und offener entgegentreten. Unser Ziel ist es, dass man sich konstruktiv mit Andersdenkenden austauscht, anstatt sie zum Schweigen bringen zu wollen und dass man es sich angewöhnt, Verständnis zu entwickeln – auch für Positionen abseits der eigenen Blase. Wir wollen damit Radikalisierung bekämpfen und Demokratie stärken.

Aus welchem Grund sammelt ihr Geld für euer Projekt per Crowdfunding?
Weil wir nur so unsere Vision eines unabhängigen, partizipativen und werbefreien Journalismus umsetzen können. Wenn Journalismus durch Werbeeinnahmen finanziert wird, zählen Klickzahlen oftmals mehr als die Qualität der Inhalte. Wir wollen weder bei Medienhypes mitmachen, noch Click-Baiting betreiben. Deshalb setzen wir auf werbefreien und mitgliederfinanzierten Journalismus. Und wir wollen eng mit unseren Unterstützer*innen zusammen arbeiten. Buzzard Unterstützer*innen sind für fünf Euro im Monat Gründungsmitglieder. Sie können nicht nur alle Inhalte lesen, sondern auch mitbestimmen über Themensetzung und Perspektivenwahl, Auswahlkriterien und Recherchen. Wenn wir es schaffen, innerhalb eines Monats 4500 Unterstützer*innen unserer Vision zu sammeln, dann wird Buzzard im nächsten Jahr an den Start gehen.


Habt ihr versucht, auch auf anderen Wegen an Geld zu kommen?

Unsere erste Version von Buzzard, die bis Ende August lief, wurde neben unseren Abonnent*innen zusätzlich durch Kooperationen und Preisgelder finanziert. Sie war aber auch darüber hinaus von ehrenamtlichem Engagement unserer Redakteur*innen getragen. Auf Dauer ist das natürlich keine Lösung. Hochqualitative Recherchen sind Arbeit und kosten Geld. Außerdem können wir unserer Vision nur gerecht werden, wenn wir wirklich viele Menschen erreichen. Auch dafür brauchen wir Budget. Gemeinsam mit 4500 Gründungsmitgliedern können wird das bereitstellen und ermöglichen, dass Buzzard als neue Medienplattform 2020 richtig gut arbeiten kann.

Weshalb muss es eine App sein, hätte man das nicht auch mit einer smarten Webseite lösen können?

Buzzard wir sowohl als App als auch als Website gelauncht. Je nach Bedarf können Nutzer*innen Buzzard entweder auf Handy oder auf Desktop nutzen. Die App ist wichtig, weil das fürs Handy einfach deutlich angenehmer ist als eine mobil optimierte Seite. Und das ist uns sehr wichtig: Dass Buzzard so designt ist, dass man es wirklich gerne und viel im Alltag nutzen kann. Auch wer nur ganz wenig Zeit hat, kann unser Angebot schnell auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn checken. Einmal am Tag den differenzierten Überblick über die Welt der Medienperspektiven haben. Noch bequemer kommt man nicht aus der eigenen Medienblase.

Einerseits prangert ihr den immer schlechter werdenden Diskurs an, andererseits soll die Buzzard-App erst im Frühjahr an den Start gehen. Braucht es nicht jetzt schon ein Angebot?

Klar. Es ist wichtig, dass es Buzzard gibt. Je früher, desto besser. Aber unter den aktuellen Umständen können wir erst ab Frühjahr 2020. Wir brauchen Budget, um eine Tagesredaktion zu bezahlen, wir brauchen Gelder für Design und Entwicklung und wir brauchen eine große Community an Gleichgesinnten, mit denen wir den Grundstein legen für eine neue, unparteiische, partizipative Medienplattform – für die es bisher weltweit kein Vorläufer gibt. Deshalb müssen wir erst die Crowdfunding-Kampagne erfolgreich machen, bevor wir an den Start gehen können. Nach Erfolg der Kampagne geht die Arbeit dann richtig los.

Der Übergang von einer wöchentlich kuratierten Debattenübersicht zu einem Tagesjournalismus zu schaffen, wird sicherlich nicht einfach und wir wollen topvorbereitet an den Start gehen. Voraussichtlich ist das vor März leider nicht zu schaffen. Auch wir würden am liebsten gleich nach dem Crowdfunding loslegen, müssen uns aber in Geduld üben.

Wie wollt ihr eure Unterstützer bis Frühjahr bei der Stange halten?

Die Jahresabos der Mitglieder starten erst, wenn die App online ist. Unsere Gründungsmitglieder „verlieren“ also keine Zeit. Sie bezahlen nur die Monate, für die sie auch Inhalte bekommen und alle bekommen das volle Jahr Buzzard, wenn die Kampagne erfolgreich war. Das ist unser Versprechen. In der Zeit bis zum Frühjahr bekommen unsere Mitglieder regelmäßige Updates, wie wir
die Neuausrichtung gestalten, wie der Umbau läuft. Mitglieder sind Teil dieses Wandels, sie bekommen Einblicke hinter die Kulissen, können eigene Ideen mit einfließen lassen und uns kritisch begleiten.

Zum CrowdfundingHintergrund beim Deutschlandfunk

Finanzblog-Awards, Finanz-Heldinnen-Podcast und ein paar Gedanken zum Daimler-Blog

Vergangene Woche kündigte Daimler an, sein Unternehmensblog zu schließen und in einem Magazin aufgehen zu lassen und seitdem wird spekuliert, ob die Zeit der klassischen Blogs oder gar der Corporate Blogs nun vorbei sei. Gleichzeitig verleiht die comdirect in dieser Woche bereits zum neunten Mal die Finanzblogawards. 72 Blogs haben meine Jurykollegen und ich uns in diesem Jahr angeschaut – seit 2017 bin ich dort Juryvorsitzende – und wieder einmal bin ich überzeugt, dass Blogs trotz des stetig wiederkehrenden Abgesangs ihre Daseinsberechtigung haben und nichts an Faszination verloren haben. Gerade in den vergangenen Jahren hat sich in der „Finanzblogszene“ sehr viel getan. Die Themenvielfalt wurde breiter, die Inhalte professioneller und es ist schön anzusehen, dass sich auch die so genannten „alten Hasen“ wie beispielsweise der Finanzrocker weiterentwickeln. Wer in diese Welt eintauchen möchte, dem empfehle ich einen Blick in die Shortlist.

Und natürlich habe ich mich im Zuge dessen auch mit der Frage beschäftigt, was für mich eigentlich ein gutes (Finanz-) Blog ausmacht. Diese fünf Punkte sind für mich elementar:

Erstens: Ein gutes Oberthema, das ich sofort verstehe und ein ansprechender Name. Ein Kopf hinter dem Blog, der auch sichtbar wird.
Zweitens: Gute Inhalte – ja ich sage das so neutral, weil Inhalte natürlich Texte, Videos, Fotos, Grafiken oder eine Kombination aus all dem sein können. Inhalte, die mir einen Mehrwert bieten. Was ich darunter verstehe: Ich möchte etwas lernen, ich möchte inspiriert werden, ich möchte unterhalten werden, ich möchte, dass der Inhalt ein Problem löst.
Drittens: Eine einfache, verständliche Sprache ohne Fach-Geschwurbel und Wichtigtuerei.
Viertens: Eine ansprechende Gestaltung, responsiv versteht sich!
Fünftens: Eine Community oder zumindest – gerade bei jungen Projekten: der Wille zur Community. Für mich sind Blogs Kommunikationsplattformen und auch wenn sich die Kommunikation auf andere Netzwerke verlagert – man hat ja dennoch jede Menge Möglichkeiten, Verbindungen herzustellen. In den guten Blogs sind die Diskussionen, die sich unter einem Inhalt entspannen, ebenso wertvoll wie der Inhalt selbst.
Sechstens: HERZ!

Wer übrigens eine Langversion davon haben möchte: Ich war diese Woche auch im Finanz-Heldinnen-Podcast „Schwungmasse“ und habe mit Kathrin Jürgens genau darüber gesprochen!

Zum Schluss noch ein Satz zum Thema Corporate Blogs: Sie sind ein gutes Kommunikationsinstrument, aber es gibt eben auch viele andere gute Wege mit Zielgruppen ins Gespräch zu kommen und sie kommunikativ und im besten Fall auch darüber hinaus zu binden. Finde deinen Weg. Und wenn du dabei Hilfe brauchst, melde dich bei mir.

(Dieser Text erschien in abgewandelter Form in meinem wöchentlichen Newsletter, den du hier abonnieren kannst.)