Sieben Erkenntnisse aus der ARD-ZDF-Onlinestudie – bei Punkt 7 musste ich weinen. Vor allem in meinem Büro.

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Alle Jahre wieder erscheint die ARD-ZDF-Onlinestudie und gibt uns Auskunft darüber, wie die Deutschen das Internet nutzen. Was ich am spannendsten finde?

Erstens: Mehr als 90 Prozent der Deutschen sind online. Das ist nochmal eine Million mehr als im vergangenen Jahr. 75 Prozent sind täglich im Internet und Erwachsene über 14 Jahren sind im Schnitt täglich 196 Minuten druff. Fazit: Immer mehr Deutsche sind immer länger online. Medien nutzen sie dabei sehend, dann lesend und danach hörend. Das wiederum ist jetzt nicht allzu überraschend, ordnet aber dann doch den derzeitigen Hype um Podcasts ganz gut ein.

Zweitens: Wie werden Videos genutzt? Die Studie gibt auch hier Aufschluss: Am beliebtesten sind Portale wie Youtube und Co. (31 Prozent nutzen diese), gefolgt von Videostreaming-Diensten wie Netflix und Co (23 Prozent). Was die Fernsehsender freuen wird: Am drittbeliebtesten ist die zeitversetzte Anschauen von Fernsehsendern (22 Prozent). Doch auch hier lohnt ein Blick auf die unterschiedlichen Altersgruppen. Denn die 14- bis 29-Jährigen schauen Videos zunächst bei Videoportalen wie Youtube (83 Prozent), am zweitbeliebtesten sind Videos in Streaming-Diensten (67 Prozent) und am drittbeliebtesten Videos bei Facebook (47 Prozent) – und das, obwohl die doch angeblich gar nicht mehr dort sind?! Auf Platz vier folgen dann Instagram-Videos (42 Prozent). Wenn die Öffentlich-Rechtlichen – und die sind nun mal die Auftraggeber der Studie – also in Zukunft junge Menschen erreichen wollen, sollten sie schleunigst an ihrer Plattformstrategie arbeiten. Erst auf Platz 5 folgt das zweitversetzte Gucken von Fernsehsendungen..

Drittens: Audio wird vor allem über Streamingdienste und über Youtube konsumiert. Besonders krass ist die Nutzung dieser Dienste bei den 14- bis 29-Jährigen. Die Nutzung von Audio-Podcasts ist in allen Altersgruppen ein Nischenphänomen, der höchste Anteil der Nutzer liegt bei den 30- bis 49-Jährigen. Spannend ebenfalls: Auch wenn das Live-Streamen von Radiosendungen das drittbeliebteste Nutzungsszenario ist – wenn ich einen Radio-Sender betreiben würde, würde ich mir Gedanken machen.

Viertens: Ein wenig seltsam ist die Untersuchung der Online-Communities, wurden hier offenbar nur Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter und Xing (Warum dann nicht auch Linkedin?) abgefragt. Erkenntnis Nummer 1: Die Facebooknutzung der Deutschen (mindestens einmal wöchentlich) geht von 33 auf 31 Prozent leicht zurück, wobei mich auch hier der Anteil der 14- bis 29-Jährigen sehr überrascht: Erkenntnis Nummer 2: Mit 63 Prozent ist das Netzwerk beliebter als Instagram (50 Prozent). Und Erkenntnis Nummer 3: Snapchat ist keinesfalls tot. Schon gar nicht bei den Jungen.

Fünftens: Zum ersten Mal wurde gefragt, wie viele Menschen schon einmal einen Sprachassistenten genutzt haben: Rund ein Drittel der Bevölkerung bejahte dies. Das meistgenutzte System ist hierbei Siri von Apple, vor Google Now und Alexa von Amazon. Ich bin schon jetzt auf die neue Erhebung in 2019 gespannt.

Sechstens: Der Fernseher ist nicht tot! Grund: Viele verwenden ihn, um Streamingdienste wie Amazon-Prime, Netflix oder andere dort abzurufen. Auf dem Smartphone dominiert die Audionutzung (Spotify, Podcasts, Radio), aber auch Facebook wird vor allem mobil genutzt.

Siebtens: Das Smartphone ist der Treiber für die Internetnutzung. Zum einen wegen der weiter steigenden Individualkommunikation mit Hilfe von Messengerdiensten a la Whatsapp. Wer das Internet auch unterwegs nutzt, kommt auf deutlich höhere Gesamtnutzungswerte, schreiben die Studienbetreiber. Um so wichtiger, dass wir endlich Themen wie Netzabdeckung, 5G und Co. vorantreiben.

Du willst die Studie selber lesen? Hier entlang.

Ein Jahr Selbstständigkeit: Was ich gelernt habe

Dieser Text war Teil meines Newsletters, den ich wöchentlich verschicke und zu dem du dich hier anmelden kannst.

Seit einem Jahr bin ich meine eigene Chefin, Buchhalterin, Officemanagerin, Trainerin, Motivatorin. Vermutlich bringt so eine Selbstständigkeit noch viele weitere Jobbezeichnungen mit sich. Und weil ich so etwas gerne bei anderen lese, möchte ich heute mit dir teilen, was ich in diesem ersten Jahr des Freiberuflerdaseins gelernt habe.

1. Disziplin ist (fast) alles
Mir ist es noch nie sonderlich schwer gefallen, diszipliniert Dinge anzugehen, abzuarbeiten oder mich an Deadlines zu halten. Zwar gebe ich wie fast alle Journalistinnen und Journalisten am liebsten just-in-time ab, aber das ist dann auch in time und nicht zu spät. Natürlich würde ich mir von mir an der einen oder anderen Stelle noch ein bisschen mehr Weitblick wünschen, zum Beispiel an terminfreien Tagen wirklich mal ein bisschen an dem Workshop in drei Monaten herumzukonzeptionieren oder die Webseite endlich auf Vordermann zu bringen, aber hey: Wär es nicht tragisch, bereits im ersten Jahr total perfekt zu sein? Eben.

2. Das Zweifeln hört nie auf
Hast du einen Monat, in dem du jeden Abend bis halb eins Projekte abarbeitest, zweifelst du, ob das alles so richtig ist. Hast du einen Monat, in dem du mal ein bisschen Zeit zum Durchatmen hast, zweifelst du, ob das alles so richtig ist. Hast du ein Seminar, bei dem alles spitze läuft, zweifelst du, ob alles so richtig ist. Hast du ein Seminar mit herausfordernden Teilnehmern, zweifelst du, ob alles so richtig ist. Ich weiß, dass ich zu der Spezies Mensch gehöre, die sich ständig hinterfragt und das wird in der Selbstständigkeit per se nicht einfacher, weil sich viele Dinge auch recht kurzfristig ergeben. Gleichzeitig bist du letztendlich vor allem für dich selbst verantwortlich, jede Handlung musst du also vor allem vor dir selbst rechtfertigen. Im Angestelltenverhältnis ist da noch ein Chef, der Dinge hinterfragt, jetzt übernimmst du selbst diese Aufgabe. Gleichzeitig hängt ja auch viel davon ab: immerhin deine Zukunft.

3. Du bist viel unterwegs
Aus irgendeinem Grund bin ich davon ausgegangen, dass ich weniger unterwegs sein werde. War natürlich Quatsch. Meistbesuchte Städte: Köln und Hamburg, aber eben auch Stuttgart, Siegen, Dortmund, Aachen, Duisburg, Essen, Heide. Man kommt gut rum. Was ich für mich gelernt habe: Bei mehrtägigen „Ausflügen“ lieber ein Zimmer vor Ort nehmen – auch wenn die Entfernung ein Pendeln zulassen würde. Ich bin dann deutlich entspannter.

4. Und immer wieder das Thema Sicherheit
Nach sehr vielen Jahren in der Festanstellung ist es von Anfang an ein seltsames Gefühl, nicht so genau zu wissen, was du in einem halben Jahr machst. Ja oft sogar im nächsten Monat. Dieses Grübeln hat sich im Laufe des Jahres natürlich einigermaßen gelegt, weil ich mittlerweile auch feste Aufträge akquiriert habe, aber seltsam ist es doch oft immer noch. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass dieses Gefühl nie weggehen wird – wär ja auch wirtschaftlich betrachtet ungünstig. Und klar: Eine Anstellung wäre dafür auch keine Lösung, schließlich gibt es kaum eine Branche, in der es heute noch sichere Jobs gibt.

5. Du bist für dich verantwortlich
Natürlich gilt dieser Satz in jeder Lebenslage. Im beruflichen Kontext wälzen aber viele Menschen in Anstellung einen großen Teil der Verantwortung auf ihren Chef ab. „Der tut ja nix“, höre ich viele dann immer vorwurfsvoll sagen. „Du aber auch nicht“, antworte ich dann gerne.
Selbstständigkeit heißt in jeder Lage verantwortlich zu sein. Schlechte Tage haben? Schwierig. Neue Ideen finden? Ja, dann lass ich mir was einfallen. Das ist einerseits schön, andererseits aber auch nicht so einfach. Denn oft werden Ideen ja besser, wenn du sie vorher mal pitchst. Wenn du das Seminarkonzept mit jemanden durchsprechen kannst. Oder du mit jemanden gemeinsam überlegen kannst, welches Angebot für jenen Kunden am besten wäre und wie in kürzester Zeit der größte Nutzen entsteht. Am liebsten hätte ich da manchmal einen Gegenpart.

6. Halte die Augen offen
Vor welchen Herausforderungen steht ein Unternehmen gerade? Liegt die Lösung auf der Hand oder muss sie erst erarbeitet werden? Wird da gerade der richtige Mitarbeiter gesucht? Ich finde es extrem spannend, in Unternehmen hereinzugehen – meist mit einer bestimmten Fragestellung – und festzustellen, dass die Probleme eigentlich ganz woanders liegen. Weil das Gegenüber den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Eine vage Idee hat. Buzzwords aufgeschnappt wurden und man das jetzt auch so will. Oft war ich in solchen Fällen dann Content-Managerin, Journalistin, Organisationsberaterin und Coach in einem. Weil ich aufmerksam zuhöre, Fragen stelle und mich einbringe. Und aus einem Projekt plötzlich ganz andere entstehen können, ich Angebote entwickle und feststelle, dass es da draußen noch so viel zu tun gibt. Das ist toll, das gibt Kraft und motiviert.

7. Du arbeitest selbst und ständig
Ja, natürlich. Aber ich habe immer gerne gearbeitet und viel. Daran hat sich nichts geändert, nein, es ist vielleicht sogar ganz gut, weil sich gar nicht so viel geändert hat. Und weil ich für mich die Verantwortung trage, nehme ich mir Auszeiten. Bisher hat das ganz gut geklappt.

Mein persönliches Fazit
Was für ein Jahr! So vielseitig und abwechslungsreich. Ich habe in unterschiedlichste Branchen und Bereiche hineingeschnuppert, habe Dinge aufgebaut, Projekte abgeschlossen, war externer Impulsgeber und wenn gewünscht auch mal die Nervensäge. Ich habe neue Dinge gelernt, anderen Menschen Dinge beigebracht und mich weitergebildet. Ich habe Aufgaben abgegeben und bis tief in die Nacht gearbeitet, weil ich auch mal „Ja“ gesagt habe, obwohl eigentlich nix mehr ging, das Projekt aber so spannend war. Ich habe gelernt, auch mal „Nein“ zu sagen. Welchen Rat ich anderen gebe, die über den Schritt in die Selbstständigkeit nachdenken? Du musst es wirklich wollen (und vielleicht auch noch diese sieben Tipps meiner ehemaligen Kollegin Claudia Michalski beherzigen). Ich habe (bisher) noch keinen Grund gefunden, es nicht mehr zu wollen. Deshalb habe ich mir Ziele gesetzt – Dinge, die ich erreichen, lernen, ausprobieren will. Und darauf freue ich mich.

Das weibliche Prinzip – wer wollen wir sein?

(Dieser Text erschien zuerst in meinen Newsletter, zu dem du dich hier anmelden kannst)

(Werbung, da Affiliate-Link enthalten, Buch selbst bezahlt und im Buchhandel selbst ausgewählt)

„Wer wollen wir sein?“ steht im Klappentext des Buches. Erst jetzt beim Abtippen des Satzes wird mir klar, was für eine wichtige Frage das dieser Tage ist. Und natürlich passt diese Frage auch sehr gut zum Inhalt von „Das weibliche Prinzip“, dem neuen Buch von Meg Wolitzer (Affiliate-Link), der amerikanischen Bestseller-Autorin. Das Buch handelt von einer jungen, schüchternen Frau, die die Leser beim Erwachsenwerden begleitet. Sie trifft eine charismatische Frauenrechtlerin, die sie nachhaltig beeindruckt, für die sie später arbeitet und von der sie sich später emanzipiert, weil sie ihren eigenen Weg gehen will. Och nö, nicht noch eine Feminismusgeschichte, ich hab doch schon genug durch #metoo und Co. darüber gelesen, möchtest du vielleicht jetzt ausrufen. Ja, auch mich hat der Titel des Buches erst einmal abgeschreckt, aber ich empfehle dir trotzdem, dieses Buch zu lesen. Es ist wunderbar geschrieben, was sicherlich auch am Übersetzer Henning Ahrens liegt, es passt wunderbar in die Zeit, in der wir auch über die Rechte von Frauen diskutieren, über Quoten, über Männer, die sich durchaus feministisch verhalten und manchmal gleichberechtigter und frauenförderner agieren als die Frauen selbst – und natürlich Macht.

Es gibt eine Szene in diesem Buch, über die ich lange nachgedacht habe und noch immer denke: Es ist die Szene, in der die Protagonistin ihrer Freundin, die ebenfalls für diese charismatische Frauenrechtlerin arbeiten hatte wollen, beichtet, den Bewerbungsbrief nie weitergegeben zu haben. „Du weißt echt, wie man sich im Angesicht der Macht verhält“, wirft sie ihr vor. Ein Satz, der im Grunde ziemlich gut auf dem Punkt bringt, dass es oft eben nicht nur darum geht, dass Männer Frauen in Spitzenpositionen verhindern, sondern Frauen sich gegenseitig auch gerne im Weg stehen. Es zu den so genannten Männerseilschaften eben lange Zeit keine echten Frauenseilschaften gegeben hat. Frauen, die es geschafft haben, hielten nachkommende Frauen lieber auf Distanz. Ich habe die Hoffnung, dass sich das gerade ein wenig wandelt. Es gibt zumindest viele gute Beispiele.

Und es gibt in dieser Szene im Buch noch zwei weitere Sätze, die mich noch immer beschäftigen: „Ich glaube, es gibt zwei Sorten von Feministinnen. Die berühmten und den ganzen Rest, all jene, die still und gewissenhaft ihre Arbeit erledigen, ohne viel Anerkennung zu ernten, die niemanden haben, der ihnen täglich sagt, wie toll sie sind.“ Wer wollen wir sein? Das war der Satz, mit dem ich diesen Text begonnen habe. Wollen wir nicht diejenigen sein, die auf uns Acht geben, ob Männlein oder Weiblein, uns fördern und uns gegenseitig auch mal sagen, wie toll wir sind?

Wie wir (wieder) ins Gespräch kommen – vier Tipps von Organisationsberaterin Jana Stecher

Chemnitz, Köthen – es brodelt in Deutschland. Renate Künast sagt in der FAZ: „Die alte Bundesrepublik ist vorbei“ und noch ganz viele andere erstaunliche Dinge für jemanden, der zum aktiven politischen Betrieb gehört. Und wenn ich mit Menschen darüber spreche, herrscht oftmals eine große Fassungslosigkeit. Reden wir zu wenig miteinander? Also nicht nur mit Gleichgesinnten, sondern eben mit allen Bevölkerungsschichten? Hätten wir dann nicht schon früher bemerken können, was sich da zusammenbraut? Ich meine ja.

Eine, die das ganz hervorragend macht, ist Jana Stecher. Sie ist aus meiner Sicht eine hervorragende Organisationsberaterin (glaube ich ihren Instagram-Stories, folgt ihr, dort gibt sie oft Einblicke in ihre Arbeit) und unterstützt Unternehmen bei digitalen Herausforderungen und den dabei auftretenden Veränderungen in der Organisation. Vor ein paar Tagen startete Jana ein Experiment: Sie wollte verstehen, warum Deutschland gerade so auseinanderdriftet. Was die Menschen bewegt und antreibt so voller Hass zu sein. Jana hat mir daraufhin ein paar Fragen beantwortet.

Was für einer Gruppe bist du bei Facebook beigetreten und was hast du geschrieben?
In meinem Heimatort (eine Kleinstadt im Süden von Berlin) gibt es zahlreiche kommunalpolitische Gruppen. Ich bin in allen, die ich finden konnte, Mitglied. Ich wehre mich schon seit 2015 gegen das Entstehen einer eigenen Filterblase, die mir die Diversität der Gesellschaft vorenthält. Diese eine Gruppe möchte eigentlich meinungsoffen und objektiv sein, ist jedoch voll mit Posts und Stimmungsmache der AfD. Ich wollte dort nicht einfach austreten, wie es andere getan haben, sondern aktiv den Diskurs suchen. Daher schrieb ich bezugnehmend auf die Horror-Meldungen angeheizt durch Chemnitz, dass ich den Tag allein in Berlin war, mir trotz hohem Anteil von Migranten, nix passiert sei.

Wie waren die Reaktionen?
Innerhalb einer halben Stunde hatte mein Beitrag 80 Kommentare (bei einer Gruppe von nur 300 Mitgliedern). Nach einem Tag waren es 240 und dann nach zwei Tagen 360 Kommentare. Anfangs wurde ich ausgelacht, es wurde sich über mich lustig gemacht.

Hast du auf alle Kommentare geantwortet?
Nein. Vor allem Kommentare, die versuchten mich persönlich zu beleidigen, habe ich ignoriert. Generell wurde sehr oft in der dritten Person über mich gesprochen. Waren jedoch konkrete Fragen an mich, habe ich diese beantwortet.

Du bist Organisationsberaterin und hast in dem Gespräch bei Facebook Methoden aus deinem Berufsalltag angewendet. Welche sind das?
Systematisches Beraten basiert vor allem auf dem kompletten Freimachen von Vorurteilen. Jedem Menschen begegnet man wie einem leeren Buch. Ich habe mich als erstes frei gemacht von meinen eigenen Vorurteilen gegenüber diesen anders Denkenden. Ich habe relativ schnell versucht, die Aufmerksamkeit zu einer konstruktiven, ernst gemeinten Frage zu lenken. Zudem habe ich einen Teil der Kommentatoren direkt angesprochen. Von der auf mich bezogene persönliche Ebene habe ich mein „Publikum“ aktiviert. Ich bin dadurch in den Modus des Moderieren gewechselt. Drei Frauen haben hierauf ihre konkreten Ängste geschildert. Drei Frauen gaben an, keine größere Angst zu haben. Nun hatte ich auch die Aufmerksamkeit von den nicht eindeutigen AfD-Sympathisanten.
Aus meiner Tätigkeit als Beraterin (ich moderiere auch oft bei Team-Konflikten) weiß ich, dass Wertschätzung und Anerkennung von Emotionen die Basis für einen Wechsel in den konstruktiven Modus ist. Daher bin ich auf jede Meldung intensiv eingegangen. Habe die Emotion nicht in Frage gestellt, sondern für die Erfahrungsberichte und ehrlichen Statements gedankt. Hier habe ich auch immer wieder betont, dass es mir nicht zusteht, über die subjektiven Gefühle anderer zu urteilen. Damit habe ich irritiert. Das wurde von den Gruppenmitgliedern nicht erwartet. Irritieren ist ein mächtiges Tool beim Aufbrechen von Kommunikationsmustern. Jedoch muss ich hier noch klar machen, dass es mir nicht ums Überzeugen ging. Meine Empathie ist immer ehrlich gemeint.
Eine weitere Methode, die ich dann angewendet habe, ist die Wunderfrage. Das ist eine Methode aus dem systematischen Coaching. Wenn ich im Coaching bin und mit sehr verzweifelten Führungskräften zu tun habe, die vor Komplexität, keine Struktur erkennen können und komplett im Defizit hängen, erzeuge ich eine perfekte Zukunft. „Stell dir vor, du wachst morgen auf und alle Probleme, alle Sorgen sind gelöst. Wie fühlt sich das an? Was ist dann anders?“ Diese Methode habe ich abgewandelt und nach Klärung und Öffnung der Beziehungsebene benutzt und gefragt, was sich ändern müsste, damit sich alle in der Stadt wieder sicherer fühlen.

Was ist dann passiert?
Jetzt würde ich gern schreiben, alles super: 30 Maßnahmen gesammelt und direkt in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt. Leider nein. Die Problem-Ebene wollte kaum einer verlassen: Der Mensch liebt seine Probleme eben mehr als Lösungen. Ich sage dazu immer: Defizit schlägt Potenzial.

Was hast du in dem Gespräch gelernt?
Einerseits stand mein Post mit der dazugehörigen Diskussion durch die Aktivität der Gruppe mehr als drei Tage ganz oben. Fake-News der AfD kamen nicht mehr durch und verschwanden sofort wieder im Stream. Jeder Kommentar, jede Reaktion brachte meinen Post immer wieder nach oben. Diesen Mechanismus sollten wir stärker nutzen. Weiterhin habe ich gelernt, dass die Angst der Leute für sie real ist. Die Frustration über Politik der Vergangenheit ist so tief verwurzelt, dass es gar kein Glaube an eine positive Wendung gibt. Mit echter Moderation, die sich frei macht von persönlicher Überzeugungsagenda oder Likes, die es nur zum Ziel hat, wieder Verbindung zwischen den Menschen zu schaffen, können wir uns wieder annähern. Ich habe für mich erkannt, dass diese Kompetenz heute mehr denn je gefragt ist. Und zwar nicht nur mit bezahltem Auftrag. Ich wünschte mir, dass viel mehr meiner Berater- und Coach-Kollegen aktiv würden in sozialen Netzen und anfangen, ihre Kompetenzen einzusetzen und auch weiterzugeben.

Willst du die Aktion wiederholen?
In immer wieder anderem Rahmen bestimmt. Jedoch habe ich mir jetzt für eine Woche eine Pause verordnet. Es kostet Zeit und Energie, die ich nicht immer aufbringen kann. Mit nachlassendem persönlichen Akku fiel mir das Suspendieren und Wertschätzen immer schwerer, ich wurde dann zynisch oder sarkastisch, was wiederum nicht mehr auf das Ziel der verbindenden Kommunikation einzahlt.

Wenn es darum geht, Shitstorms zu vermeiden, sagen viele „Don’t feed the trolls“. Du sagt, dass dieser Satz ein Fehler ist. Aus welchen Gründen?
Wenn es um einen organisierten Shitstorm geht, ist es sicherlich noch immer richtig, die bloße Empörung nicht durch Argumente oder sonstigem weiter anzufüttern. Jedoch wird dieser Grundsatz in meinen Augen viel zu schnell hervor geholt. Wir nehmen uns viel zu selten die Zeit zu verstehen, nachzufragen, was hinter Aussagen, Hass und Vorurteilen steht. Da steckt auch ein Stück weit Bequemlichkeit dahinter: „Die haben eine andere Meinung, die mir fremd ist, also rede ich lieber nicht mit denen.“ Doch so haben wir die Filterblasen stärker werden lassen. Wutbürger sehen sich in ihren Kreisen immer wieder bestätigt, weil eben keiner mehr andere Perspektiven einbringt.

Ich glaube noch immer an das Potenzial von Digitalisierung, weil es die maximale Verbindung von Menschen erlaubt. Ich will nicht akzeptieren, dass das zu etwas Schlechtem führt.
Joi Ito der Leiter des MIT Media Labs sagt in der aktuellen „ZEIT“ über den Einfluss von Social Media: „Gibt man jedem eine Stimme, sind die Arschlöcher die Lautesten.“ – Und um dem zu entgegnen, sollte der Klügere nicht länger nachgeben, sondern hinhören, Fragen stellen, zusammenfassen, sich als Mensch zeigen. Das können wir alle.

Danke Jana.

Blogs sind super

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst)

Das Bloggen hat mich in den letzten 15 Jahren immer begleitet. Während ich meine Diplomarbeit schrieb, lenkte ich mich zwischendurch ab, surfte herum und stieß auf Blogs, damals noch echte digitale Tagebücher. Von denen gibt es glücklicherweise immer noch viele und vielen von damals bin ich über all die Jahre treu geblieben, auch weil ich die Menschen hinter diesen Seiten kennenlernen durfte, Freundschaften entstanden. Und wenn ich einige davon auf der re:publica wiedertreffen darf, freut mich das umso mehr. Aber auch die vergangenen Woche hatte es in Sachen Bloggen wirklich in sich.

Am Wochenende habe ich am Medienbüro in Hamburg wieder einmal ein Seminar zum Bloggen gegeben – das mache ich seit 2014 jedes Jahr und in diesem Jahr haben wir neben einem Einführungskurs auch eine Fortgeschrittenen-Variante angeboten. Sprich: Menschen, die schon ein Blog haben, aber Unterstützung benötigen – im Schreiben, Vernetzen, Reichweite aufbauen. Der Teilnehmerkreis setzte sich aus ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen, die aber eine Leidenschaft hatten: gerne über ihr Thema zu schreiben und schreiben zu wollen. Beste Voraussetzungen also. Denn das ist immer noch das, was mich an vielen Blogs so fasziniert: Dass die Schreiber nicht müde werden, über ihr Thema zu schreiben. Seien es Reise-, DIY- oder Foodblogs, um nur drei Kategorien zu nennen. (Und der Anfängerkurs im November ist auch schon wieder ausgebucht!)

Nicht zu vergessen auch die zahlreichen Finanzblogs, die ich mir in den vergangenen Tagen als Juryvorsitzende der Finanzblogawards (werden am 20. Oktober verliehen!) anschauen durfte. Viele von denen gibt es seit Jahren und sie verfolgen ihre Themen mit so viel Leidenschaft, die ich mir bei vielen Journalisten in klassischen Medien oft vermisse.

2018 war auch das Jahr, in dem wir es mit den Goldenen Blogger so viel klassische Medienresonanz wie nie erhalten haben – ja sogar bis in die Washington Post. Und wie der Zufall es will, saßen Christiane, Daniel, Thomas und ich in dieser Woche auch in Berlin zusammen, um die Planungen für die „Goldenen Blogger 2018“ aufzunehmen: Wer kümmert sich um was? Welche besonderen Akzente wollen wir diesmal setzen? Danach saßen wir mit Ferdinand von Téléfonica zusammen, weil wir auch diesmal wieder in der Hauptstadt mit den Bloggern und euch das beste aus dem Internet auszeichnen wollen. Am 1.10. dazu mehr. Im vergangenen Jahr konnten wir für die „Goldenen Blogger“ zahlreiche Sponsoren gewinnen, große Namen wie Amazon, Bayer, Daimler, Facebook, Go Daddy, Google, Téléfonica und Xing. Solltest du mit deinem Unternehmen im nächsten Jahr dabei sein wollen, schreib mir.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Auch nach 15 Jahren ist Bloggen immer noch ziemlich super: Weil daraus Verbindungen zu Menschen entstehen können, im besten Falle sogar ganz Besondere (mit Kindern und so), weil sie eine wunderbare Möglichkeit sind, Transparenz und Authentizität zu transportieren, weil du viel lernen kannst und weil es schlichtweg auch sehr viel Spaß macht.

Eine dritte Woche im August

Wie ich bemerkt habe, ist der Süden doch gar nicht so übel. Wenn ich dann allerdings wieder in den Norden fahre – und die Aussicht genieße und dabei einfach nur blauen Himmel, ein paar Wolken und ansonsten nichts sehe, dann finde ich das auch nicht so übel. Noch schöner ist dieses Nichts übrigens, wenn es aus ein paar Wellen besteht, auf denen in weiter Ferne Schiffe fahren. Herrlich. Ebenfalls bemerkt, dass ich dieses Strandkorbleben im Sommer ruhig mal wieder öfter haben könnte. Während außerhalb eine steife Brise weht, ist es im Strandkorb muggelig warm, ein Handtuch über den Schultern und schon ließe sich da drin sogar ein Schläfchen halten, wenn die Kinder nicht wären, die dann doch alle paar Minuten irgendwas wollen. Fußballspielen, Aufmerksamkeit oder ein Eis. Was ich eigentlich sagen will: ein Strandtag im Norden geht eigentlich immer.

Auf Helgoland war ich zuletzt in der Schulzeit. Ich war Mitglied in der Theatergilde und mit unserem Stück „Der Geizige“ von Molière so erfolgreich, dass wir auf Tournee gegangen sind. Nach Haldensleben in Sachsen-Anhalt und nach Helgoland. Das war toll. Ich erinnere mich dunkel daran, wie ausgestorben die Insel am Abend gewesen ist, weil all die Touristen die Insel dann wieder verlassen hatten. Diesmal bin ich selbst einer von diesen Touristen, der am Morgen in Cuxhaven an Bord geht, um einen Tag auf Helgoland zu verbringen. Es herrscht ordentlich Wind, zumindest so sehr, dass es hilft, an Bord eine Hand freizuhaben, um sich aufgrund des Wellengangs abzustützen. Auf Helgoland angekommen geht es entlang der bunten Häuschen zum „Ortskern“, zur Touristenmeile. Ein Helgoländer führt uns eine Stunde lang über das Oberland, erzählt viel zur Geschichte. Ich nehme mir vor, auf jeden Fall noch einmal herzukommen für eine Bunkerführung, einen Museumsbesuch und einen Abstecher auf die Düne. So viel Ruhe, so viel Meer, das kann nur erholsam sein.


Besuche beim Arzt hingegen kann ich im Urlaub eigentlich nicht empfehlen, aber sei es drum: Ich war mal wieder bei meinem alten Hausarzt, der leider keinen Dienst hatte, sondern nur sein jüngerer Kompagnon, der vermutlich in einigen Jahren die Praxis übernehmen wird. Krasser Flashback in die alten Zeiten.

Noch eine Woche im August

Ein drittes Buch fertig gelesen: Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete. Am nächsten Tag in Längenfeld dann dieses Haus gesehen und gegrinst.

Das Ötztal ist wirklich ein sehr schöner Ort zum Urlaub machen. Auch eine zweite Woche.

Aqua-Dome
Wunderbare Hallen- und Freibad-Anlage, in der Kinder und Erwachsene Spaß haben können. Auch nebeneinander. Und wer keine Lust auf Kinder hat, geht halt in den abgetrennten Ruhebereich mit Sauna-Anlage. Habe ich natürlich nicht gemacht. Und konnte zwischendurch sogar auf der Liege die Augen zumachen.

Bergisel
Ich bin kein großer Skisportfan und fand es trotzdem mal ganz spannend, mir eine Skisprungschanze anzuschauen. Diese hier eignet sich dafür ganz hervorragend – je nach Windlage gibt es auch Showsprünge und wer kulinarisch noch etwas ausprobieren möchte, probiert die Bergisel-Torte. Einzigartig übrigens auch der Blick von ganz oben – auf Innsbruck, die gegenüberliegenden Berge und weiter unten – den Friedhof. Muss seltsam sein, dort runterzuspringen. Aber da kenn ich mich ja wie gesagt nicht aus.

Timmelsjoch
Mal in fast 3000 Meter mit dem Auto die Alpen überquert? Kann man machen, über diese Hochalpenstraße. Kostet Maut und ein paar Nerven, da es schon sehr hoch geht und die Serpentinen es durchaus in sich haben besonders in Kombination mit lebensmüden Motorradfahrern, die einen in jeder erdenklichen Kurve überholen, auch wenn man selbst gerade einen Fahrradfahrer überholt. Alter. Vor allem aber landschaftlich der absolute Hammer.

Schafwollzentrum
Wie wird eigentlich Schafwolle zu einem bunten Pullover oder Teppich? Kann man sich hier anschauen und erklären lassen. Echt toller Erlebnisladen.

Freizeit Arena Sölden
Natürlich gibt es auch im Ötztal diese Tage, da regnet es den ganzen Tag, die Berge versinken in den Wolken und es mag nicht aufbrechen. Mit Kids eine gute Gelegenheit, ins Schwimmbad zu gehen. Zwar sind auf diese Idee noch einige andere Menschen gekommen, aber dennoch hat sich das ganz gut verlaufen, so dass es gar nicht so auffiel.

Weniger highlightig fand ich jetzt den DJ-Ötzi-Brunnen mitten in Oetz, aber da die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden sind, wollt euch den nicht vorenthalten.

Die Rückfahrt nach Deutschland geht entlang der Zugspitze und dann recht schnell auf die Autobahn. An einem Samstag sogar fast ohne Staus und Düsseldorf empfängt uns bei Sonnenschein und 26 Grad. Die Hitze in der Wohnung lässt ahnen, wie unerträglich das Stadtleben in den vergangenen Wochen gewesen sein muss. Am Rhein ist es am Sonntag regelrecht gruselig: kaum Wasser drin, die Wiesen verbrannt, überall schwirren Wespen umher, Spaß macht das nicht. Aber zuhause zu sein, hat auch seine schönen Seiten: das eigene Bett, die vertrauten Wege. Aber noch träume ich von dem saftigen Grün der Berghänge. Auf bald mal wieder. Sehr bald.

Eine Woche im August

Ich fahre wirklich gerne Auto. Zumindest dann, wenn es gut vorwärts geht. Wenn ich alleine unterwegs bin, höre ich Podcasts, wenn wir zusammen unterwegs sind, hören wir Hörspiele und spielen McDonalds gegen Burger King. Aktuell stehen die „Teufelskicker“ bei den Kindern wieder hoch im Kurs. Moritz ist verliebt und ich male mir aus, wie es ist, wenn der große Sohn demnächst mit einem Mädchen nach Hause kommt. Am Ende der Fahrt steht es 7:6. Die Fast-Food-Ketten-Dichte ist in Österreich nicht allzu hoch.

„Nichts im Leben ist ermutigend. Es ist an uns, dort Ermutigung zu finden, wohin unser Blick, unsere Begeisterung, unsere Leidenschaft, unser… egal, was auch immer, lenkt“. Christine Féret-Fleury hat ein gutes Buch mit vielen klugen Sätzen geschrieben.


Berge sind super. Sie sehen einfach spitze aus, wandert man auf ihnen, gibt es immer etwas zu entdecken: Bäume, ungewöhnliche Pflanzen. Die Luft ist meist richtig gut und das rumlaufen macht auch noch deshalb Spaß, weil es nicht einfach nur gerade aus geht. Konzentration ist gefragt, um nicht über Wurzeln oder Steine zu stolpern. Berge in Kombination mit Wasserfällen finde ich noch besser, wobei man ja sagen muss, irgendwas mit Wasser ist in den Bergen ja auch irgendwie immer. Und wenn man Glück hat, ist noch ne fancy Brücke oder ein Spitzen-Tunnel mit dabei.


Berge sind auch deshalb super, weil das Laufen für mich als Flachlandtiroler dann natürlich auch sofort um Einiges anstrengender ist und das Essen nach einem solchen Trip, wenn es gut schmeckt, auch noch doppelt so viel Spaß macht. Die Kinder lieben Kaiserschmarren und auch ich kann dieser Speise Einiges abgewinnen.

Wer einmal das Ötztal besuchen sollte, dem kann ich folgende Attraktionen wärmstens ans Herz legen.

Ötzi-Dorf
Wie hat der Ötzi früher gelebt? Das wird hier ziemlich gut erklärt. Aber auch: Was haben die damals gegessen? Wie wurde Feuer gemacht? Wie wurden Messer gemacht? Welche Tiere lebten damals? Selbst Erwachsene können hier was lernen. Wer nachmittags kommt, bekommt ein paar Live-Vorführungen. Und wer mal richtig viel Zeit hat, kann dort auch in sowas wie Survivaltrainings selbst erlernen, wie das Leben damals so war.

Greifvogelpark
Gleich nebenan ist der Greifvogelpark. Zweimal am Tag gibt es im Sommer Vorführungen, die recht unterhaltsam moderiert werden und die einen Einblick in die Falknerei bieten. Mich haben die beiden Kolkraben Bonnie und Clyde beeindruckt, den coolsten Flug legten aber die Barteule und Gitty der Geier hin..


Stuibenfall
Läuft man weiter den Berg hinauf, kommt man zu einem ziemlich beeindruckenden Wasserfall, der mit Hilfe einer Hängebrücke und ungefähr 800 Stufen (das ist der Endspurt, vorher geht es auch schon bergauf) zu erreichen ist. Wahnsinnsblick. Für kleine Platte-Land-Kinder nur bedingt geeignet.

Widiversum
Am Ortseingang von Oetz geht es den Berg hinauf in eine ziemlich schöne Wandergegend. Für Kinder wurde dort das sogenannte Widiversum errichtet. Wandern ist dabei nicht so, aber spielen. Muss ja auch mal sein.


Rettenbachgletscher

Wenn ich mich für den Skisport interessieren würde, dann würde ich den Rettenbachgletscher natürlich längst kennen. Tu ich aber nicht und so lerne ich den Gletscher im Sommer kennen. Es ist da oben nicht so kalt wie befürchtet, mich beeindruckt die Wucht, ja und auch die Schönheit der Gegend. Ich ärgere mich über Müll in der Natur und darüber, dass hier alles nur auf die nächste Skisaison wartet.

Gaislachkogel

Mit der Bahn in Sölden geht es hinauf auf den Berg, zunächst zur Mittelstation, wo auch die Mountainbiker aussteigen, um ihre Abfahrt zu beginnen. Ich ahne, dass ich bei sowas in ein, zwei Jahren auch mitmachen muss und werde demnächst mal mit dem Training anfangen. Es macht zumindest schon beim Zusehen Spaß. Seit kurzem kann man noch höher hinaus auf dem Gaislachkogel – in 3050 Meter Höhe. James Bonds „Spectre“ wurde dort gedreht und deshalb gibt es da jetzt ein Museum. Foodies kommen da oben auch auf ihre Kosten – Mamas mit kleinen Kindern werden mit dem Ausblick belohnt, fahren dann aber wieder eine Etage tiefer. Da gibt es nen Spielplatz.

Piburger See

Kann man machen, dieses Ötztal.

Bettina Röhls „Die RAF hat euch lieb“

Ich habe gerade in einem ziemlichen Eiltempo „Die RAF hat euch lieb“ von Bettina Röhl gelesen, was zum einen daran liegt, dass ich hier gestern fußbedingt ein Totalausfall war und die Wanderung schwänzen musste. Zum anderen hat mich die Geschichte ziemlich gefesselt.

Bettina Röhl hat jahrelang, ich gehe davon aus, dass es gar Jahrzehnte waren, recherchiert, um einen Teil ihrer Lebensgeschichte aufzuschreiben: Die Kindheit mit ihren Journalisteneltern, mit einer Mutter, die nach Scheidung, 68er Revolte und Umzug nach Berlin zu einer Terroristin wurde. Eine Terroristin, die in vielen gesellschaftlichen Gruppen mindestens Sympathien weckte.?

Ich kenne diese Phase Deutschlands nur aus Erzählungen, Geschichtsbüchern, Filmen und den Einblick, den Bettina Röhl in diese Jahre gibt, ist schon ziemlich einmalig. Sie zitiert aus unzähligen Interviews mit Zeitzeugen, die sie über die Jahr geführt hat, versucht immer wieder Distanz zu ihren Eltern zu wahren, was nur teilweise gelingt. Sie ordnet ein, manchmal sicherlich etwas wirr, aber man kann sehr gut nachvollziehen, wie anstrengend das Leben mit dieser Mutter, aber auch mit diesem Vater war, der daran beteiligt war, den Mythos Ulrike Meinhof aufzubauen.? Wie viele Menschen des heutigen politischen und journalistischen Geschehens eine Rolle spielten. Von vielen wusste man, Schily, Ströbele, Aust, Augstein, aber auch Bissinger, Dittfurth, Enzensberger und wie sie alle hießen. Johannes Raus Äußerungen zu Ulrike Meinhof lassen tief blicken. Selbst FDP-Mann Dirk Niebel hat eine Nebenrolle, durfte er den zehnten Geburtstag von Bettina und Regine Röhl mitfeiern.?

Was hat so viele Menschen an der Person Ulrike Meinhof fasziniert? Das ist für mich nach diesem Buch nur schwer nachzuvollziehen. Sicher, das mag an der Autorin liegen, die hier nicht objektiv sein kann, sein will, aber dennoch einen großen Beitrag zur Entmystifizierung der Person Ulrike Meinhof leistet. Krass: Welche Rolle die Medien gespielt haben. Als direkte und indirekte Finanzierer, Unterschlupfgewährer, offene Sympathisanten. Laut den Briefen zwischen Meinhof und ihrem Anwalt war der Stern Anfang der 70er Jahre bereit, mehr als 40.000 DM für ein Interview mit drei inhaftierten Terroristinnen und Terroristen zu bezahlen. Terroristen, die mehrere Menschen auf dem Gewissen hatten und sich das Recht vorbehielten, die Veröffentlichung des Interviews am Ende sogar doch noch zu stoppen. Alle großen Medien sorgten für den Rummel, der der RAF am Ende nur nützte.?

Wie kann eine Mutter die eigenen Kinder so sehr der politischen Sache unterordnen? Nicht nur, dass die siebenjährigen Kinder monatelang mehr oder weniger auf allein gestellt, in Italien in einem Barackendorf für Erdbebenflüchtlinge leben und am Ende eigentlich in ein palästinensisches Flüchtlingslager gebracht werden sollen. Als Ulrike Meinhof nach Ewigkeiten und einem ewigen juristischen Hin und Her (selbstverschuldet) ihre Kinder wieder sehen kann, schreibt sie ihnen eine Brief, in dem sie nicht etwa ihre Liebe beteuert, sondern lapidar „Die RAF hat euch lieb“ unterzeichnet.?

Überraschend, wie viele Themen von damals immer noch aktuell sind: die Rolle der Frau, die Rolle der Medien, des Staates, Antisemitismus usw.?

Welche Fragen für mich als viel zu junges Ossikind immer noch ungeklärt sind – auch nach diesem Buch: Warum war Terrorismus in vielen Gesellschaftsschichten und vor allem unter Menschen, die in den vergangenen Jahren unserer Regierung angehörten, ok? Und auch wenn die nächste Frage im Grunde zum Teil durch die erste Frage beantwortet werden kann: Warum konnten diese Menschen so lange unentdeckt durch Deutschland und Europa reisen? War Polizei und Justiz so überfordert oder gab es dort ebensoviele Sympathisanten? Wieso hat niemand ernsthaft nach zwei Kindern gesucht, die nach Italien gebracht worden sind und dort alleine wegen Haar- und Hautfarbe herausstechen mussten??

Dennoch: 50 Jahre nach 1968 hatte ich durch Röhls Buch die Gelegenheit in diese Zeit abzutauchen. Und es wird nicht das letzte Buch sein, dass ich zu dieser Epoche lesen werde.?

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Meine große Liebe zu leuchtenden Augen

Die Digitalisierung erfordert von uns allen ein großes Maß an Veränderung. Die einen spüren diese bereits, andere ahnen nur, was da auf sie zukommt. In den vergangenen Tagen habe ich mit vielen Menschen gesprochen, die diese Veränderungen vorantreiben.

In Berlin habe ich die Gelegenheit gehabt (Danke an meinen treuen Newsletter-Leser Sven!) einen Blick in das Porsche Digital Lab zu werfen. Beeindruckend allein der Weg dorthin: Denn das Spreeufer hinter der Oberbaumbrücke hat sich mittlerweile zu einem richtigen Vordenkerstandort entwickelt. Im Porsche Digital Lab wird ganz grob daran gearbeitet, interne Prozesse zu vereinfachen. Das können zum Beispiel Dinge sein, die die Produktion der Fahrzeuge vereinfachen – mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und Co. Für Porsche und manchmal sogar darüber hinaus.

Ein paar Tage später traf ich mich mit einem jungen Mann, der die Düsseldorfer Innenstadtlogistik revolutionieren will – wie genau, das werde ich in der nächsten Ausgabe von VIVID beschreiben.

Und dann war da noch der Mobilitätsexperte von den Stadtwerken Düsseldorf, der über neue Formen der Fortbewegung nachdenkt und ganz nebenbei die Düsseldorfer mit Eddy, einem Elektroroller, an die Elektromobilität heranführt. Und wenn man mal darauf achtet, hat sich der Roller schon ganz schön durchgesetzt.

Was all diese Menschen gemein haben? Sie brennen für ihre Ideen, hatten dieses Glitzern in den Augen, als sie von ihren Visionen berichteten. Es gibt nämlich ganz schön viele Menschen – auch unter Unternehmern – die Dinge vorantreiben, die Welt ein kleines bisschen besser machen wollen. Das tut gut. Denn das Treiben in einigen sozialen Netzwerken vermittelt doch manchmal den Eindruck, dass es eine Vielzahl von Menschen gibt, die ein größeres Interesse daran haben, die Welt eher schlechter zu machen.