Zurück im Hofschulen-Modus

Sechs Wochen lang ging es gut, jetzt sind wir zurück im Hofschulen-Modus, sprich: Kind zuhause, Arbeit läuft weiter und irgendwie muss das jetzt für mindestens zwei Wochen gehen. Und yeah! Danach sind ja auch schon Herbstferien…

Am Samstagabend kam sie, die Meldung aus der Schule: Eine positiv-getestete Mitarbeiterin hatte am Freitag Kontakt zu vier Klassen, die nun für 14 Tage in Quarantäne geschickt werden. Was noch vor einem halben Jahr zu einem chaotischen Zustand führte, war jetzt super geregelt. Am Sonntag informierte die Klassenlehrerin über das Lernen auf Distanz: Lernpakete für eine Woche können am Montagnachmittag in der Schule abgeholt werden, es gibt einen Wochenplan mit jeder Menge Aufgaben, ein kleines Forschungspaket und einen festen Termin, zu dem die bearbeiteten Materialien wieder in der Schule abgegeben werden sollen.

Am Donnerstag wird das mobile Testteam bei uns vorbei kommen und dann werden wir hoffentlich schon bald wissen, ob der Virus zugeschlagen hat oder nicht.

Bis dahin heißt es also wieder einmal: jonglieren. Kann nicht sagen, dass ich das in den vergangenen Wochen vermisst habe.

Warum dein Newsletter ein Problem lösen sollte

Neulich im Seminar. Thema: Newsletter. In der Kennenlernrunde frage ich gerne nach, welche gerne gelesen werden, Lieblingsnewsletter sozusagen. Die Antworten: In Hamburg steht die Elbvertiefung immer hoch im Kurs, junge Frauen nennen hier gerne Steingarts Morning Briefing, aber auch nicht-mediale werden genannt: die Angebote eines Biokistenanbieters werden hier sehr geschätzt und auch ich erwische mich dabei, an den elektronischen Service des griechischen Lagerverkaufs in meinen Viertel zu denken: Einmal in der Woche erhalte ich dort Angebote, ein Rezept und die Erinnerung, eventuell mal wieder Grillwürste zu bestellen.

Warum? Weil uns all diese elektronischen Briefe einen Mehrwert liefern: relevante Informationen, Überraschung, Haltung, Service, Inspiration – Lösungen!

Was das auch bedeuten kann, lernte ich am Montag, als eine Teilnehmerin sagte, dass sie in diesem Zusammenhang auch den Alert-Service der Hamburger Müllabfuhr nannte. Käme immer per Mail, würde sie jedes Mal lesen und sorge in der Familie sogar für Gesprächsstoff, weil entschieden werden muss, wer diesmal die Tonne rausstellt.

Während sich viele von uns immer wieder darüber Gedanken machen, welchen Mehrwert sie Leserinnen und Lesern, Kundinnen und Kunden liefern können, welche aufwändigen Recherchen getätigt und exklusiven Informationen herangekarrt werden sollten, kann ein einfacher, voll automatisierter E-Mail-Service ausreichen.

Denn: Relevant ist nicht das, was du als relevant empfindest. Oder um es mit dem amerikanischen Autoren und Marketing-Guru Seth Godin zu sagen: „Don’t find customers for your products, find products for your customers.”

Dieser Text stammt aus meinem wöchentlichen Newsletter, in dem ich regelmäßig über Digitalisierung, Medienwandel und Social Media schreibe. Melden Sie sich hier an!

Massenkommunikationstrends 2020: Wie die Deutschen Medien nutzen

Welche Medien nutzen die Deutschen? Das ist eine der Fragen, die die Massenkommunikationstrends 2020 jedes Jahr beantworten möchte, eine Langzeitstudie von ARD und ZDF. Basis dafür sind telefonische Interviews. Und natürlich: Es ist EINE Studie von vielen, die es dazu gibt. Aber es ist eine, die seit 1964 durchgeführt wird und deshalb auch Aufschluss über langfristige Trends gibt mit vergleichbaren Daten. Was sind die spannendsten Ergebnisse in diesem durch Corona und Co. besonderem Jahr? Hier die aus meiner Sicht sieben wichtigsten Erkenntnisse.

Erstens: Jede Person ab 14 Jahren wird pro Tag mit mindestens einem medialen Inhalt erreicht – egal ob jung oder alt. Und in allen Altersgruppen gilt: Video vor Audio vor Text. Unterschiede gibt es nur in den Inhalten, Plattformen und Verbreitungswegen, sowie in der Nutzungsintensität.

Zweitens: Bei der Videonutzung gibt es eine Schere zwischen den Ü50 und U50: Während bei Ü50 immer noch die lineare Fernsehnutzung dominiert, ist es bei U50 anders: Die Bedeutung von Live-Fernsehen nimmt weiter ab. Bei den 14 bis 29-Jährigen dominieren Youtube, Streamingdienste und soziale Netzwerke. Hier manifestiert sich für die Auftraggeber der Studie: Wenn sie junge Menschen erreichen wollen, dann nicht mehr über die klassischen TV-Kanäle.

Drittens: Bei der Audionutzung dominiert in der Gesamtbevölkerung noch das Radiohören, wenn auch mit einem leichten Rückgang. Das Spannendste: Die 14- bis 29-Jährigen haben von allen Alterskohorten die größte Audionutzung pro Tag – dominierend hier: Musik über Streamingdienste, klassisches Radio und Musik über Youtube. Plus: Die Podcastnutzung ist in dieser Altersgruppe doppelt so hoch wie die der Gesamtbevölkerung.

Viertens: Die Textnutzung nimmt weiter ab – in allen Altersgruppen, aber besonders heftig wieder einmal bei den Unter-30-Jährigen. Bemerkenswert finde ich hier vor allem die verstärkte Nutzung von gedruckten Büchern. Die Studie sieht das auch als Corona-Effekt. Spannend allerdings: E-Books konnten hier nicht profitieren.

Fünftens: Obwohl die Nachrichtenseiten durch Corona Nutzungsrekorde vermeldeten, ist laut dieser Studie die Nutzung von Artikeln oder Berichten im Internet aber auch die Nutzung von gedruckten Artikeln und Berichten rückläufig. Hier scheint diese Studie keine echten Erkenntnisse zu liefern. Fakt ist aber sicherlich: Mit Texten Menschen zu erreichen, wird in den kommenden Jahren immer schwieriger werden. Looking at you, Verlagshäuser.

Sechstens: Bei der Mediennutzung im Tagesverlauf ist der Corona-Effekt ebenfalls spannend: Insgesamt wurden mehr Medien konsumiert, allerdings weniger am frühen Morgen (der fehlende Arbeitsweg). In der sogenannten Primetime ist die Videonutzung sogar nochmal gestiegen – offenbar durch den Mangel an Alternativen wie unter Leute gehen und dem Bedürfnis, sich irgendwie abzulenken.

Siebtens: Der Versuch der Öffentlich-Rechtlichen Streamingdiensten mit Mediatheken etwas entgegenzusetzen, funktioniert so mittel. Zwar etablieren sich diese einigermaßen, doch große Sprünge in der Nutzung gibt es nicht. Das könnte sicherlich auch daran liegen, dass die dort dargebotenen Inhalte vor allem für die Zielgruppe gemacht sind, die das lineare Fernsehen auch nutzt. Die Studie selbst kommt zu dem Schluss: „Dies ist ein Hinweis darauf, dass die erst in Ansätzen umgesetzte Positionierung der Mediatheken als eigenständige Angebote beschleunigt werden sollte.“

Fazit: Viele Trends der vergangenen Jahre haben sich 2020 fortgesetzt oder haben sich coronabedingt sogar verschärft. Wer weiterhin versucht, mit altbewährten Rezepten junge Menschen zu erreichen, sollte vielleicht über einen Berufswechsel nachdenken. Du musst verstehen, wie deine Zielgruppe tickt, um die perfekten Inhalte für sie bereitzustellen.

Dieser Text stammt aus meinem wöchentlichen Newsletter, in dem ich regelmäßig über Digitalisierung, Medienwandel und Social Media schreibe. Melden Sie sich hier an!

Medienkompetenz für alle

Ich erinnere mich nicht an DEN einen Moment, aber wenn ich darüber nachdenke, warum ich mich während meines Studiums darum bemüht habe, irgendwas mit Journalismus zu machen, dann haben die Lehrenden an meiner damaligen Schule schon einen Beitrag dazu geleistet. Nachrichtenkompetenz zu vermitteln, stand da durchaus auf der Tagesordnung. Ein Lehrer gab uns FAZ-Artikel, der andere bevorzugte die SZ und fotokopierte immer wieder Artikel, die wir dann im Unterricht besprachen. In einer der höheren Klassen nahmen wir dann auch am FAZ-Projekt „Jugend schreibt“ teil und erhielten somit ein Jahr lang die FAZ-Papierberge nach Hause.

Umso mehr haben mich in den vergangenen Tagen die Ergebnisse einer Umfrage erschrocken, nach der Lehrende in bestimmten Teilen Deutschlands das Vermitteln von Nachrichtenkompetenz als nicht allzu wichtig einordnen, selbst ein verzerrtes Bild des deutschen Mediensystems haben und vor allem im Osten Deutschlands Medien kein großes Vertrauen entgegen bringen. Immerhin 19 Prozent der Lehrkräfte glauben sogar, dass Nachrichten, die eigentlich wichtig seien, verschwiegen werden und nur in sozialen Netzwerken zu finden sind.

In der Pressemitteilung bezeichnet Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger, die Ergebnisse als besorgniserregend und fordert „gerade in Zeiten von Corona“ gut ausgebildetes Lehrpersonal, „das flexibel auf Informationsbedürfnisse reagiere“. Nachrichtenkompetenz sei für ihn eine Schlüsselkompetenz. Dem kann man nicht widersprechen. In der taz wünscht sich Wolff eine regelmäßige Fortbildung der Lehrkräfte.

Den Punkt finde ich spannend: Auch wenn die Verlage mit Programmen wie „Jugend schreibt“ natürlich vor allem den Nachwuchs für den Journalismus begeistern wollen und das Vermitteln von Medienkompetenz eher mitgeliefert wird, wäre ein „Lehrkraft schreibt“ bei der FAZ oder eine Lehrenden-Version der Texthelden bei der Rheinischen Post zumindest eine Idee, wie man Medien- und Nachrichtenkompetenz vermitteln könnte. Auch wenn diese Programme natürlich den bitteren Beigeschmack haben, vor allem die geschriebenen Medien – ob gedruckt oder digital – kompetent zu nutzen.

Wichtig wäre aus meiner Sicht aber auf jeden Fall ein Umdenken. Denn wenn der Fokus in der Debatte um die Vermittlung von Medienkompetenz bisher vor allem auf den Kindern und Jugendlichen liegt, sollten so schnell wie möglich auch Erwachsene und vor allem Lehrende berücksichtigt werden.

Dieser Text war Teil meines wöchentlich erscheinenden Newsletters, den du hier abonnieren kannst.

Magst du Veränderungen?

Neulich in einem Workshop: Brainstorming für mögliche Themen in einem Unternehmensblog. Idee: Was durch Corona anders geworden ist – vor allem in der Zusammenarbeit im Unternehmen. Eine potenzielle Überschrift entsteht: Was das Home Office verändert hat (und weiter verändern wird). Reaktion eines Teilnehmers: Das klingt aber negativ. Mein Gedanke: spannend. Denn eigentlich sollte es in dem Text darum gehen, welche Chancen und neuen Ideen entstanden sind.

Während die einen erwarten, dass nun eine Vielzahl von Chancen und neuen Ideen aufgelistet wird, sehen die anderen Veränderung im schlimmsten Fall als Bedrohung der eigenen Gewohnheiten. Werde ich wieder einen Arbeitsweg haben und wann? Mit den Kolleg:innen aus den anderen Teams in der Kaffeeküche quatschen? Auf einen Netzwerkabend gehen? Wie kann ich mit meinen Arbeitsergebnissen sichtbar werden, ohne die physische Begegnung? Kopfkino pur.

Wie kommt es, dass die einen Veränderungen durch Corona oder natürlich Automatisierung und Digitalisierung als negativ wahrnehmen, andere aber nicht und diese sogar freudig vorantreiben? Sicherlich liegt das an Vorerfahrungen, aber eben auch an anderen Dingen. Vor ein paar Wochen habe ich mich mit dem Graves-Modell auseinander gesetzt, einigen vielleicht eher unter dem Begriff Spiral Dynamics bekannt. Der Begründer, Clare Graves war Psychologieprofessor und beschäftigte sich u.a. mit der Frage, warum Menschen wie reagieren (sehr verkürzte Darstellung, I know). Sein Modell geht davon aus, dass der Mensch Aktionssysteme bildet, die abhängig sind von der individuellen und kulturellen Hintergründen des Menschen. Wer sich näher damit beschäftigen will, dem empfehle ich einen Blick in die Originalliteratur oder einschlägige Managementbücher.

To make a long story short: Bei der Recherche zu dem Thema fand ich ein paar Leitsätze von Clare Graves, in denen ich mich in meiner Arbeit in Redaktionen und Unternehmen wiederfand und die ich gerne mit dir teilen möchte:

„Jeder hat das Recht, so zu sein, wie er ist. Lehre Menschen, die Qualität ihrer Arbeit zu erhöhen, indem du ihren Denkweisen gerecht wirst und nicht von dir selbst ausgehst.”

„Erleichtere Veränderung und gib Unterstützung für die, die Veränderung wählen. Bestrafe die übrigen nicht, für das, was sie sind (und bleiben wollen).”

Spannend – das werde ich also weiterhin denken, wenn jemand mit einer negativen Grundhaltung auf das Thema Veränderung reagiert und dann mit der Arbeit beginnen.

Dieser Text ist zuerst in einer abgewandelten Version in meinem Newsletter erschienen. Abonniere ihn hier.

Das neue Normal – wie lange noch?

Gestern bei der Einschulung meines Sohnes war er wieder da, dieser Moment: Die Direktorin der Schule begrüßte die Familien der Erstklässler, freute sich alle zu sehen und entschuldigte sich dann sofort, dass wir ja nun heute auf dem Schulhof im Freien seien und nicht wie sonst in der großen Kirche mit allen Erstklässler und deren Familien. Dass die Drittklässler nicht singen würden wie sonst, sich aber auch was Schönes ausgedacht hätten. Dass es eben eine besondere Situation sei. Rechtfertigungen für Dinge, mit denen viele der Anwesenden gar nichts anfangen konnten, weil sie die alte Situation ja gar nicht kannten, aber hier sofort den Eindruck bekamen, dass das hier nur eine Notlösung, nichts richtig Besonderes sei. Meine liebe Kollegin Kerstin Hoffmann nennt das in ihrem Video gerade die Entschuldigungsfalle.

Bewusst oder unbewusst lenkte die Direktorin also die Aufmerksamkeit auf all die von ihr empfundenen Defizite, weil sie es so in den vergangenen Jahren so gemacht hatte und ungewohnt war. Für mich allerdings und ich denke für viele andere und vor allem für die Kinder war dieser Moment ein besonderer. Wir saßen auf dem Schulhof unter dicken Bäumen, die Schatten spendeten, wir erlebten einen feierlichen Moment, in dem unsere Kinder voller Stolz ihre Schultüten hielten und gemeinsam mit der Klassenlehrerin gemeinsam die Schule betraten und danach freudestrahlend verkündeten, sogar schon Hausaufgaben zu haben. Für mich passte das alles ganz wunderbar und ich fand es sogar besser als in der überfüllten Kirche zu sitzen. Die Situation hatte also sogar Vorteile!

Und das ist ja kein Einzelfall. Online-Seminare und digitale Workshops wurden in den vergangenen Monaten – oft zu unrecht – als Notlösung verkauft, obwohl sie bei guter Vorbereitung und Anpassung von Tools und Methoden einen mindestens genauso großen Nutzen haben. Eine eigentlich in Präsenz geplante Fortbildung schaffte durch die digitalen Räume eine noch viel größere Intimität und intensive Momente, die im realen Zusammentreffen gar nicht möglich gewesen wären.

Viele sprechen vom neuen Normal, aber nur in der Abgrenzung zum alten und in der Abwertung des Neuen. Dabei haben die vergangenen Monate doch gezeigt, dass wir uns sehr gut anpassen können. Und das nicht nur, wenn wir es müssen. Wenn wir ehrlich sind, gab es doch bei vielen eben diese Momente, die gezeigt haben, dass es sich auch lohnt, Veränderung zu wollen.

Inspirieren wie Kafka

Ich bin in meiner Sommerpause, war an der Nordsee, um etwas genauer zu sein, mitten im Grün. Wenn ich aus dem Küchenfenster schaute, sah ich ein Kornfeld, Weizen um genau zu sein. In der Ferne sah ich den Deich und manchmal fuhr dort ein „Turm“ vorbei, der zu einem der großen Schiffe gehörte. Für mich war das in diesem Jahr nicht nur ein Sommerurlaub, sondern auch eine Reise zurück in die alte Heimat, denn hier habe ich meine Jugend verbracht, Abitur gemacht.

Apropos Abitur, mein Deutsch-Abitur habe ich über Franz Kafka geschrieben, den ich in den vergangenen Wochen wiederentdeckt habe. Grund: Nachdem ich im Buchladen gehört hatte, dass dort das Buch „Die Kakerlake“ von Ian McEwan empfohlen wurde, in dem eine Kakerlake in den Körper des britischen Premierministers Jim Sams schlüpft, um mal eben das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem umzudrehen. Wer Satiren mag, wer wissen will, wie die Kakerlake das anstellt und welche Rolle die deutsche Bundeskanzlerin dabei hat, dem empfehle ich die Lektüre.

Du ahnst nun vermutlich bereits, was das ganze mit Kafka zu tun hat. Denn vor knapp 100 Jahren ist „Die Verwandlung“ erschienen, in der ein junger Mann namens Gregor Samsa sich in einen Käfer verwandelt und das Leben seiner Familie sagen wir mal vorsichtig ziemlich durcheinander bringt.

Was mich nach der Lektüre so beeindruckt hat? Vor allem die Kraft, die ein 100 Jahre altes Buch noch haben kann, so dass selbst Autoren wie Ian McEwan diese in ihren aktuellen Werken huldigen. Die Aktualität, denn Kafka spricht Dinge an, die uns natürlich auch heute noch beschäftigen und die durch die Corona-Krise aktueller denn je erscheinen. Welche Rolle spielt Familie in deinem Leben? Was ertragen wir, weil Familienmitglieder hinter bestimmten Handlungen stecken? Welche Rolle spielt Arbeit in deinem Leben? Welche Werte sind dir wichtig und wie sehr vertrittst du sie auch sichtbar?

Eine Frage beschäftigt mich seitdem besonders: Wäre es nicht ebenso faszinierend, wenn es dir gelingen könnte, heute einen Inhalt zu erschaffen, ein Produkt, das deine Nachfahren noch in 100 Jahren inspiriert? Oder müssen wir das auch dann noch Kafka überlassen?

Dieser Text ist zuerst in einer abgewandelten Version in meinem Newsletter erschienen. Abonniere ihn hier.

Der Sinn von QR-Codes – endlich entdeckt!

Wusstest du, dass es den QR-Code schon seit 1994 gibt? Laut Wikipedia wurde er zur Markierung von Baugruppen und Komponenten für die Logistik in der Automobilproduktion von Toyota entwickelt. Ebenfalls dort zu lesen ist, dass die Erfinder 2014 mit dem Publikumspreis des Europäischen Erfinderpreises ausgezeichnet wurde. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber bisher hat mir der QR-Code keine Vorteile gebracht. Vielmehr war ich mal genervt, wenn eine Zeitschrift mich mit Hilfe des kryptischen Codes auf seine Webseite locken wollte. Oder fragte mich, ob es auf großen Out-of-Home-Plakaten nicht sinnvoller wäre, die Website gut leserlich draufzudrucken, als zu hoffen, dass ich an viel befahrenen Straßen eine Vollbremsung hinlege, um mir den QR-Code abzufotografieren. 

Es mussten einige Jahre ins Land gehen, bis endlich ein Use Case entstanden ist, an dem auch ich verstehe, wie nützlich ein QR-Code sein kann. Denn einige Restaurants, die ich gerne in der Mittagspause besuche, sind dazu übergegangen, das Hinterlassen der Kontaktdaten zur Nachverfolgungen von Infektionsketten per QR-Code zu regeln. Auf Tischen liegen also nicht Formulare, die es auszufüllen gilt, sondern QR-Codes, die jeder abfotografieren und danach direkt das Online-Formular ausfüllen kann. Herrlich einfach, wenn du deine Daten dann noch per Autofill eingibst. 

Nutzt du QR-Codes und schüttelst den Kopf, wie ich deren Sinn erst jetzt erkennen konnte? Dann schreib mir gerne. Ich lerne gerne dazu.

Dieser Text ist zuerst in meinem Newsletter erschienen. Abonniere ihn hier.

Twittern wie Ruprecht Polenz

„Wenn man die Menschen, die einen gewählt haben, ordentlich vertreten will, muss man sich auch ein Bild von deren Lebenswirklichkeit machen“ – das waren die Worte, die der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz am Dienstagabend wählte. Der 74-jährige Goldene-Blogger-Gewinner in der Kategorie „Newcomer“ war im „Goldene Blogger Quartett“ zu Gast. Da er selbst – damals schon coronabedingt – nicht anwesend sein konnte, habe ich mich sehr gefreut, als er auf unsere Anfrage per Twitter-Direktnachricht sofort zusagte.

Und natürlich sprachen wir über sein Twitter-Engagement. „Jeder sollte eine Stunde am Tag mit den Menschen in sozialen Medien sprechen“, empfiehlt er seinen Politikerkolleginnen und -kollegen. Und ganz nebenbei gibt er jede Menge Tipps, wie er Twitter verwendet und wie das Netzwerk zu einem geschätzten Rückkanal werden kann. Ich erlaube mir, diese Punkte hier in seinen bzw. meinen Worten zusammenzufassen. Twittern wie Polenz – los geht’s.

Warum Polenz auf Twitter ist: Warum Ruprecht Polenz in die Politik gegangen ist? Um zu gestalten, mindestens genauso wichtig, sei es ihm aber schon immer gewesen, Menschen von dem zu überzeugen, von dem er selbst überzeugt gewesen ist. „Wenn man das will, muss man mit den Menschen reden.“ Gleichzeitig habe er schon früh festgestellt, dass sich sein Leben als Bundestagsabgeordneter sehr stark von dem Leben anderer unterscheide. Noch eins ist ihm wichtig: Er will Artikel, die er gut findet, zu mehr Sichtbarkeit und Reichweite verhelfen.
tldr: Überlege Dir, was Du auf Twitter erreichen möchtest – dann ist es wahrscheinlicher, dass Du dran bleibst.

Wie Polenz seine Argumente verbreitet: Wer durch Polenz‘ Twitterstream scrollt, der wird feststellen, dass es dort viele ähnliche, wenn nicht sogar komplett wortgleiche Tweets gibt. Das kommt, weil er seine Argumente mehrfach postet – in jeden Diskussionsstrang, den er wahrnimmt. Und auch wenn das für einige seiner Follower seltsam erscheinen mag, verdeutlicht es, wie wichtig es ihm ist, seine Argumente zu teilen.
tldr: Überlasse es nicht dem Zufall (oder dem Algorithmus), dass deine Argumente gefunden werden.

Wie Polenz Twitter versteht: Schon auf Facebook habe er sich nicht gescheut, in den Dialog mit den Menschen zu gehen – zu Sarrazin, Flüchtlingen und anderen Themen diskutierte er mit. Immer und immer wieder. Twitter, Facebook, ja, soziale Medien seien für ihn „dialogische Medien“. Es mache keinen Sinn, diese nur als Sendekanal zu verstehen oder zu hoffen, dass das, was du postest, in diesem Moment auch alle anderen interessiert. „Nicht du entscheidest, ob ein Thema gerade relevant ist, sondern oft die anderen. Man muss sich drauf einlassen, auch über Themen zu sprechen, über die die anderen gerade sprechen.“
tldr: Auf sozialen Medien werden Dialoge geführt. Jeder hat die Möglichkeit zum Agendasetting. Lass dich darauf ein.

Wie Polenz Twitter zur eigenen Meinungsbildung nutzt: 600 bis 800 Kommentare bekomme er täglich, auf Twitter und Facebook, erzählt Polenz. „Ich lese nicht jeden, aber ich schaue mir an, was zu meinen Posts und Tweets gesagt wird.“ Die Rückmeldungen interessieren ihn, um „Argumente anders zu formulieren und was dazuzulernen. Wenn ich das Gefühl habe, missverstanden worden zu sein. Ich lerne sehr viel durch diese Diskussionen“, sagt er.
tldr: Es gibt immer mehrere Perspektiven. Höre gut zu.

Was Polenz durch seine Twitterei (immer noch) lernt: Obwohl Ruprecht Polenz bereits 2015 den Twitter-Account einrichtete, legte er erst 2019 los. Die Erweiterung der Zeichenzahl auf 280 habe dabei geholfen. Nun trainiere er, schnell(er) auf den Punkt zu kommen und noch präziser zu formulieren.
tldr: Schnell auf den Punkt kommen kannst du lernen. Zum Beispiel mit Twitter.

Wie Polenz von Twitter überzeugen will: Seit längerem versuche er Kolleginnen und Kollegen mit einem politischen Mandat davon zu überzeugen, soziale Medien zu nutzen, „um mit Menschen im Gespräch zu sein. Nicht nur mit denen, die sie wählen, sondern darüber hinaus. Ich finde, das gehört dazu.“ Viele sagen, dass sie für Twitter keine Zeit haben, dafür aber kein Schützenfest auslassen. Für Polenz eher eine Frage der Effizienz. Sein Argument: Während er dort oft wenige Menschen gleichzeitig erreiche, fange er bei Twitter mit einem Tweet bereits mit ein paar hundert gleichzeitig an.
tldr: Wenn Du einen Job hast, in dem Kommunikation eine Rolle spielt, solltest du auch digital ins Gespräch kommen.

Das komplette Gespräch kannst du dir hier anschauen.

Dieser Text ist zuerst in meinem Newsletter erschienen. Abonniere ihn hier.

Wie digital ist Deutschland wirklich?

Wie digital ist Deutschland? Wenn ich da in meinen eigenen Freundes- und Bekanntenkreis schaue, dann antworte ich darauf: sehr. Gerade in den vergangenen Wochen ist Deutschland in vielen Kreisen ein bisschen digitaler geworden, Social-Distancing, Homeoffice und Co. sei dank. Doch um einen umfassenderen Blick zu erhalten, gibt es glücklicherweise Umfragen, Studien und so weiter. Einen Blick gestattet zum Beispiel der Digital-Index der Initiative D21, für den seit 2013 jährlich 20.500 Menschen in Deutschland befragt werden. Laut dieser Befragung sind 86 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren online. Doch es gibt dann doch einen nicht unerheblichen, wenn auch sinkenden Anteil der Bevölkerung, die diese Entwicklung nicht unbedingt mitgehen.

14 Prozent gehören zu den so genannten Offliner:innen. Warum diese Menschen das Internet nicht nutzen? Fehlendes Interesse, zu hohe Komplexität und mangelnder Nutzen sind nach wie vor die Hauptgründe, so die Studie. Und wenn man sich das Profil der „Offliner:innen“ einmal anschaut, dann sind sie im Schnitt 71 Jahre, weiblich und haben einen Haupt- oder Volksschulabschluss. Und das, weil diesen Menschen bisher der Nutzen immer noch nicht klar ist, weil ihnen die Funktionsweise nicht gezeigt wurde oder weil die Bedienung einfacher sein müsste. Alles Dinge, die vermeintlich einfach zu lösen sein müssten. Findest du nicht?

Und auch der Anteil der so genannten Digital Mithaltenden ist mit 38 Prozent ziemlich groß. Und Bewegungen in den unterschiedlichen Clustern sind zwar erkennbar, aber für die Schnelligkeit der derzeitigen Entwicklungen doch immer noch gering. Das liegt zum größten Teil an uns selbst. Gerade einmal 50 Prozent der Befragten ab 14 Jahren geben an, daran interessiert zu sein, ihr Wissen im Bereich Computer, Internet und digitale Themen auszubauen. Ein Trauerspiel, könnte man sagen. Zumal die meisten auch nicht bereit sind, dafür Geld zu investieren. Sie bringen es sich entweder selbst bei, fragen Freunde oder Bekannte, alles Dinge, die unter das informelle Lernen fallen. Formell wird fast nur gelernt, wenn es der Arbeitgeber finanziert. Die Bereitschaft, sich auf eigene Kosten weiterzubilden, ist gering. Wenn hier also mehr geschehen soll, sind Unternehmen und Institutionen gefragt. Auch wenn das Vertrauen in eben diese recht gering ist. Gerade einmal 36 Prozent meinen, dass Schulen notwendige Digitalisierungsfähigkeiten vermitteln.

Fazit: Trotz stetiger Weiterentwicklung ernüchternde Zahlen. Dabei sollten wir doch gerade jetzt endlich mal richtig Gas geben.

Dieser Text ist zuerst in meinem Newsletter erschienen. Abonniere ihn hier.