WG-Leben

Vielleicht bin ich nicht WG-tauglich. Das kann sein. Vielleicht hat es auch einfach nicht gepasst. Damals. Fakt ist jedoch, dass ich froh bin, alleine zu wohnen. Nur für mich. Mich nicht darüber ärgern, dass der Mitbewohner mal wieder nicht abgewaschen hat. Oder das Badezimmer so was von dreckig ist. Oder der Müll nun schon seit Tagen überquillt. Die Küche könnte auch mal wieder gewischt werden. Und ob es möglich wäre, auch mal vor zwölf zu kochen, so wie es normale Menschen tun, wenn sie am nächsten Tag um acht aufstehen müssen. So schlimm wäre das ja nicht, wenn danach nicht immer in vollen Zügen der Geschlechtsakt vollzogen werden würde. Mit angemessener Geräuschkulisse, versteht sich. Denn der Nachbar soll ja auch was davon haben.
Eigentlich kenne ich keine WG, in der es keine Probleme gibt. Auch wenn Haushaltssklaven wie eine funktionierende Geschirrspülmaschine den Bewohnern unter die Arme greifen. Oder polnische Gastarbeiterinnen einmal die Woche vorbei schauen, zum Reinemachen.
Sicher. So ein WG-Leben hat auch seine guten Seiten. Immer jemand da, der einem zuhört. Jemand, mit dem man gemeinsam einsame Abende verbringen kann. Zum Quatschen, weinen, lachen. Diesen Lebenspartner hat man alleine nicht.
Aber zum Glück gibt es ja Telefon. Die Worte „Mir ist so langweilig“ genügen meist, und schon ist man unterwegs. Und köpft gemeinsam eine gute Flasche Rotwein. Plaudert, lacht und freut sich über die Gesellschaft. Ist sie dann leer und alle wichtigen Gespräche geführt, locken schon wieder die eigenen Wände. Erst ruft sie ganz leise, dann werden die Schreie immer lauter. Denn nichts ist schöner als die Ruhe nach einem Abend in Geselligkeit. Ohne beischlafende Nachbarn. Ohne das Rödeln der Waschmaschine zu später Stunde. Nur ich allein.

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