Unterhaltungsräume

In der U-Bahn darf man reden. Aber nicht zu laut, wie ich vor einigen Jahren auf dem Weg von der Uni nach Hause lernte. Mit einer Freundin tauschte ich den neuesten Tratsch aus. In normaler Lautstärke, ohne großes Kichern. Bis mich der Blick meines Gegenübers traf. Ein stechender Blick. Vernichtend. Wir schauten uns an. Hielten inne. Sprachen weiter, bis sie uns in einer Lautstärke zurechtwies, die im gesamten Wagen zu hören war. Ob wir nicht endlich still sein könnten. Zum Glück waren wir bereits angekommen.
Reden, unterhalten, lästern. Wie gesagt, fast überall möglich. Auf der Straße, im Café. Tabu jedoch Kinos, Theater und ähnliche abgeschlossene Räume, die man doch aufsucht, damit man andere reden hört.
Ebenso Fitnessstudios. Erntet man doch böse Blicke, wenn man auf der Matte zwischen den Bauchübungen redet und (lauthals) kichert oder sich beim Umziehen über die (eigene) Figur lustig macht. Und schon gar nicht in der Sauna. Ruhe ist dort angesagt. Wegen der Entspannung. Das lernte ich gestern. Während zwei Personen weiblichen Geschlechts flüsternd miteinander kommunizierten, ertönte plötzlich von der obersten Bank eine laute Stimme: „Das ist eine Sauna und kein Unterhaltungsraum!“ Danke. Danke. Danke. Fürs Klarstellen. Ehrlich.

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