Mein Valentinstag 2003

Mann kann nicht sagen, dass ich frustriert war, ein glücklicher Single zu sein und allein durch die Welt zu wandern, aber manchmal wurde das Leben zur Hölle.

Wie eigentlich immer, begann der Tag mit einem Morgen. „Allein einsteigen – gemeinsam abfahren“ – die neue Aktion der BVG strahlte mir auf dem U-Bahnhof entgegen. Das war doch mal was anderes. Endlich wurde das U-Bahnfahren zu einem Erlebnis.

Aber ich war offen für Neues und schaute mir die Aktion an. Gesagt, getan, und schon saß ich im besagten Flirtwagen, der zweite in Fahrtrichtung. Strahlende Augen blitzten mir entgegen, knackige Kerle und – Pustekuchen: Damen in den 50ern mit gut frisierter Dauerwelle, unscheinbare Männer Ende 50 – dazu sollte auch ich gehören? Eine Frau mit braunem Parker musterte beim Aussteigen am nächsten Bahnhof kritisch die vielen Flyer.

Und da stieg er ein – mein Traummann. Setzte sich neben mich, doch wie sich herausstellt: Penner, Anfang 60, öffnete seine Bierdose und eine undefinierbare Duftmischung kam mir entgegen. Außerdem schien er ein Problem mit seiner Lunge zu haben. Bei jedem Atemzug pfiff es lautstark neben mir.

Ich musste hier raus! Gut.

Wenig später bei der Arbeit angekommen – ein kleiner Blumenstrauß empfing mich. Doch er war natürlich für die Kollegin bestimmt, die aber leider krank war. Voller Neid starrten alle Kolleginnen, die an diesem Tag an diesem Tisch vorbeigingen. Wenn sie nur gewusst hätte, was sie all den einsamen Herzen in dieser Redaktion damit antat.

Am Ende des Tages erreichte mich einer SMS. „Hab von IHM einen Blumenstrauß bekommen. Musste erstmal heulen und kann ihn gar nicht erreichen“. Wollen einsame Single-Herzen DAS wirklich wissen? Diese Gefühlsregungen? Schrieb zurück, dass ich das nicht wissen will und schwor mir, an einem Valentinstag nie wieder aus dem Haus zu gehen, keinen Anruf entgegenzunehmen und schon gar nicht Textnachrichten auf meinem Handy zu lesen.

Auf dem Weg nach Hause war dann endlich alles normal. Ich mied die U-Bahn, indem mich ein Kollege mitnahm – puh, der Single-Aktion entwichen, schloss ich die Haustür auf. Und da: In meinem Briefkasten ein Brief. Sah irgendwie handschriftlich aus. Sollte das etwa doch eine nette Nachricht am Ende eines besch… Tages sein?

Nein. Einfach nur die Werbung für Charmed-Toilettenpapier. Und so beschloss ich: Auch der Briefkasten wird in Zukunft an solchen Tagen verschlossen bleiben.

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