Wundern

Es gibt solche Tage, da läuft man durch die Stadt und wundert sich. Wundert sich die Menschen, auf die man trifft. Da erzählt einem die McDonalds-Mitarbeiterin, dass sowohl oben als auch unten Nichtraucher-Zone ist. Fein, denke ich mir, und frage mich, ob der Rauchgeruch schlimmer gewesen wäre als der milde Schweißgeruch, der vom Nebentisch in meine Nase schwappt.
An der Ampel wartet man pflichtgemäß auf das grüne Licht, weil nebenan ein Wunderweib eine Mutter mit Kind im Trolley steht. Vorbild sein, denke ich gerade noch, als diese plötzlich losläuft – das kleine Männchen in Sichthöhe animierte hingegen noch lange nicht zum Laufen. Dann eben nicht.
Hinter mir unterhalten sich zwei Typen, die das 20. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, darüber, dass letztens ein Mann in ein Geschäft ging, umherschaute und dann mit einem seufzenden „Jaja…“ dieses wieder verließ. Kommt häufiger vor und bisher dachte ich, dass sich solche Geschichten nur Frauen erzählen.
Einige schräge Momente später ein kleiner Mann, Ende 50 mit blauem Schal. So blau, dass ich mich frage, ob er sich diesen wohl selbst ausgesucht hat, die Enkel ihm diesen zu Weihnachten geschenkt haben oder ob sonst irgendetwas in seinem Leben schief gelaufen ist. Fragen will ich ihn auch nicht, er fühlt sich wahrscheinlich nur belästigt. Belästigt von einer Frau, Mitte 20, die einen knall orangenen Schal um den Hals trägt. Wir hätten eigentlich ein gutes Paar abgegeben, wir zwei.

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