Hausdrachen

Dieses Haus hat einen Drachen, einen Hausdrachen in Gestalt einer älteren Frau, die in großer Lautstärke den Fernseher laufen hat, egal, wann man bei ihr klingelt. Hört sie die Klingel, hüpft sie wie aufgescheucht an die Tür – auch gern ohne Schuhe. Kann man ja machen, jetzt. Ist ja warm. Dazu eine kreischende Stimme. Unterschwellig vorwurfsvoll, dass immer noch keine Klingelschilder an der Tür hängen – sei ja nicht so wichtig. Und Hausdrachen nehmen sich es auch heraus, morgens um halb neun hier zu klingeln. Nicht, dass ich nicht schon wach war und durchaus auch in der Lage gewesen wäre, an die Tür zu gehen. Aber seit morgens in Berlin eigentlich immer nur die Müllmänner wahllos klingelten, weil sie sonst nicht an die Tonnen kamen, gehe ich nicht mehr an die Tür.

Ganz flüchten konnte ich dann vor ihr nicht. Schließlich hat sie ja Zeit und wartete anscheinend im Hausflur, bis ich die Wohnungstür ins Schloss fiel ließ und die Treppen hinunterrennen wollte. Ich habe vorhin schon mal bei ihnen geklingelt? – stimmt, gute Frau. Da war ich wohl unter der Dusche.

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