Die Videothek an der Ecke. Heißt immer noch so, obwohl mindestens die Hälfte der verfügbaren Filme mittlerweile auf DVD zu haben sind. Unsortiert. Am Tresen, die Frau mit blondem Zopf und blauem Polo-Shirt. Mein Tipp: Ende 30, Brille. Ich ging davon aus, dass das Personal in solchen Etablissements zumindest in Sachen Filmen bestens ausgebildet ist. Erwartete, dass sie mir auf meine Frage nach „Before Sunrise“ gleich alle Filme aufzählt, in denen Schnuckel Ethan Hawke bisher mitgespielt hat, gefolgt von der Liste mit Julie Delpy. Und mich hätte sie auch wirklich damit beeindrucken können, genauso, wie ich Menschen begeistert betrachte, die mir aus einer Zeitschriftenwand von mindestens 200 verschiedenen Exemplaren mit einem Handgriff die richtige heraussuchen, auch wenn der Titel noch so abseitig ist. Oder Kassierer, die genau wissen, dass der Frosch-Toilettenreiniger mit Zitronengeruch gerade ausverkauft ist, aber in der nächsten Woche wieder reinkommt. Spätestens. Oder CD-Verkäufer im Mediamarkt. „Kenn ich nicht“ war ihre Antwort. Und auch als ich sie darauf hinwies, dass da so ein Nachfolger jetzt in die Kinos kommt, blieb sie sprachlos. Nicht mal ein „Ham wa nicht“ kam ihr über die Lippen. Und da die Datenbank auch nicht weiterhalf, zog ich weiter. Mit einer Träne im Auge und der Gewissheit, mir nun wohl eine andere Anlaufstelle für Filmabende in dieser Gegend suchen zu müssen.

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