FILM: Der Untergang

Eigentlich sollte ich mich nicht darüber ärgern, dass ich gestern im Kino neben diesen Proll-Kids sitzen musste. Die – bevor der Film losging – nett fragten, ob wir nicht noch einen Platz weiter rücken, damit die Sechserbande sich auch zusammen niederlassen könnte. Und weil sie so nett gefragt hatten, rückten wir leise, nicht ohne kurz darüber nachzudenken, doch noch ganz die Reihe zu wechseln.

Wir blieben. Und bereuten, als nach einer halben Stunde Film plötzlich das Handy meines Sitznachbarn klingelte und er – völlig ohne Scham – ranging, kurz berichtete, dass er gerade im Kino saß und sich dann, so um zehn bei ihm/ihr melden würde. Ich konnte nicht anders und musste den jungen Herrn darum bitten, sein Handy auszuschalten, was er nicht tat, zumindest aber das Gespräch beendete.

Aber ich habe mir vorgenommen, mich nicht darüber zu ärgern, schließlich muss man sich ja eigentlich darüber freuen, dass diese Kids, die nicht den Anschein machen, viel im Kopf zu haben, sich einen solchen Film anschauen. Sich ein Bild über die Geschichte machen wollen. Verstehen, was in den letzten Tagen im Hitlerbunker passierte. Aufnehmen, wie eigentlich intelligent wirkende Menschen einer Idee verfallen, einer Person und ihrer Idee.

Das Wechselspiel zwischen der Darstellung der Person Hitlers, der Begeisterung für diese Person und der von ihr ausgehende Wahnsinn, der nicht vorhandene Respekt vor Leben, Menschen und dem Volk, das ihm zu dem gemacht hatte, was er war, gelang. Immer dann, wenn man begann, darüber nachzudenken, dass er ja doch ein ganz normaler Mensch gewesen sein muss, folgte eine Szene, in der er wieder einmal seinen Hass freiem Lauf ließ und man nur angewidert auf die Leinwand schauen konnte.

Die Besetzung des Films – großartig. Corinna Harfouch überzeugte in der Darstellung der furchtbaren Magda Goebbels, die mit kaltblütiger Berechnung ihre sechs Kinder mit Blausäure umbrachte, Alexandra Maria Lara gab die junge Sekretärin und die von mir nicht gemochte Juliane Köhler gab die naive Partymaus Eva Braun. Selbst die kleinste Nebenrolle schien perfekt ausgesucht. So muss das sein.

Ein Film, den wirklich jeder gesehen haben sollte. ‚Langweilig‘ urteilte nur einer der Burschen neben mir, während sie viel zu schnell die Kinosessel verließen und den Blick auf den Abspann störten. Ein einzelnes Urteil, dem die anderen nicht zustimmten. Und damit hat man ja schon etwas erreicht.

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