Mal wieder im Zug

Wenn man auf dem Bahnsteig steht, auf der Anzeigetafel liest, dass der eigene Zug 5 und der am Nebengleis 60 (!) Minuten Verspätung hat, dann weiß man: Das wird eine klassische Fahrt. Mit Bangen um den Anschlusszug, nervenden Zuggästen, Kaffeeverteiler, die man nicht versteht. Großartig.
Düsseldorf Hauptbahnhof, der Zug fährt ein. Die Fahrgäste stapeln sich auf den Gängen. Vor mir zwei pinkfarbene Mädchen, feingemacht mit Mützchen, klitzekleinen Handtäschchen, die haben wohl noch was vor, heute. Neben mir ein schmucker Werber mit langem Cordmantel, gut sitzenden Haaren, Laptop. Trägt man wohl heute so.

Köln Hauptbahnhof. Umsteigen, der Zug wartet auf dem gegenüberliegenden Gleis. Nur so können die Menschen aus den Gängen ihn noch erreichen und abermals die Gänge bevölkern. Hinzu kommt die Durchsage, dass heute ausnahmsweise einmal die Wagen in verkehrter Reihenfolge verkehren. Es täte leid, mir nicht, denn so bekomme ich noch einen Sitzplatz. An einem Tischplatz. Wirklich die unkomfortableste Möglichkeit, Bahn zu fahren, meiner Meinung nach. Zumindest nicht zu viert. Wer die mal erfunden hat?

Jedenfalls, Auftritt: die 23-jährige K., die erst vor kurzem bei ihrem 37-jährigen Freund ausgezogen ist, man hat sich getrennt, wahrscheinlich auch, weil sie zum Feiern und weggehen immer alleine unterwegs sein musste. Er ist halt alt geworden, in den letzten vier Jahren.

K. ist mit M. unterwegs, weil auch er in Köln seinen Anschluss verpasst hat. Keine 20 Jahre alt, Zivildienstleistender, der in Münster auf einem Lehrgang war und die quirlige K. ziemlich dufte findet. Daneben die unbekannte, erkältete Studentin, die die Lage sofort gecheckt hat und mit der ich mir nun immer wieder vielsagende Blicke zuwerfen kann. Ja, wir verstehen uns. Haben wir alles schon erlebt.
Jedenfalls tauschen die beiden allerlei Details aus. Sie, die aufgeweckte Studentin, die ständig auf Reisen ist (‚Hast du auch L’auberge Espagnole gesehen? Ich in Spanien mit meiner WG und wir haben unser Leben auf der Leinwand gesehen‘). Er, der Realschulabsolvent, der am liebsten zuhause ist (‚Mein letzter Film war ’30 über Nacht‘ – voll cool‘). Er, der lieber mit seinem Auto durch die Gegend fährt. Kurz vor Mannheim tauschten sie dann Handynummern. Sie: Ich schreib mal ‚M. Zug‘ in mein Handy, damit ich dich nicht verwechsle‘.

Endlich raus, schnell, damit ich den, na, ihr wisst schon. Rein in die Bahn, ebenfalls überfüllt, diesmal mit einer Horde Kinder (8-10) und überforderten Eltern, die den Eingang blockieren (‚wir müssen gleich wieder raus‘). Ja, vorbei darf man, auch wenn ich nicht weiß, ob es schlimmer ist, zwischen 8- bis 10-Jährigen zu stehen oder zwischen rumprollenden 14-Jährigen, die sich lustige Witzchen erzählen. Wenn sich die Stimme immer wieder überschlägt, unentschlossen, mal hoch, mal tief, je nach Erregungsgrad.

Aber was soll’s. Nicht klassisch war jedenfalls der Ausgang der Bahnfahrt. Ich war pünktlich. Auf die Minute.

Happy End.

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