Aufgeschnappt

„Wir begrüßen dann auch die Fahrgäste, wegen denen wir nun eine Verspätung von 15 Minuten haben“ – mit so lieben Worten hat mich ein Zugführer noch nie in Empfang genommen. So persönlich und verdammt herzlich. Empörung bei den Fahrgästen, die mit mir im Gang standen. Gemeinsam hatten wir uns durch die Menschenmassen in der Unterführung gekämpft, um noch in den wartenden Zug zu springen und dann das. Beschämt blickten wir uns an – wie diskriminierend. „In der Mitte des Zuges finden Sie unser Bordrestaurant, in dem wir Sie gerne bedienen. Halten Sie aber auch die Gänge frei, damit wir für Sie da sein können.“ Ja, schon klar. Wieder spielte er auf uns an, die sich jetzt in den Gängen lümmelten, zu faul, nach einem Sitzplatz zu suchen. Eingeschüchtert richteten alle den Blick auf den Fußboden, flüchtend vor den Blicken der anderen. Ja, er meinte wohl uns. Was war nur in den Zugchef gefahren? Gibt es seit neuestem eine RTL-Sendung „Deutschland sucht den witzigsten Zugchef?“ oder warum diese Sprüche?
„Sie wissen ja, 15 Minuten Verspätung – jetzt geht es ja wieder um Anschlusszüge, die Sie in Düsseldorf und Duisburg erreichen wollen – ich melde mich dann wieder bei ihnen.“ Unter die ersten 12 hat’s dann aber doch nicht gereicht. Denn die Wiederholungen seiner Mitteilung in Englisch und Niederländisch trug der gute Mann dann wesentlich weniger bissig vor. Das üben wir dann aber noch einmal.

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