Der ‚Popliterat‘

Während Städte wie Jena oder Dortmund schon früher im Jahr mit einer Stuckrad-Barre-Lesung beglückt werden, müssen die Düsseldorfer Mädels und Jungs ein paar Monate länger warten, bis der so genannte Herr Popliterat auch diese Stadt beehrt. Soviel dazu.

Bevor man sich entscheidet, zu einer solchen Lesung zu gehen, stellen sich einem natürlich viele Fragen. Kann man in diesen Tagen noch zu einer solchen Lesung gehen? Ist man noch cool oder völlig uncool oder wieder cool? Ersteres beantwortete ich mit ‚Ja‘, auch weil ich leider eine der sommerlichen Lesungen verpassen musste und zweiteres mit ‚Egal, ich geh da jetzt einfach hin‘.

Also, aufgemacht, Karte gekauft, Platz gesucht, aufgrund der Sehschwäche und nostalgischen Gründen im Zakk ganz weit vorn gesessen und gewartet. Er kam – unbeholfen – auf die Bühne gestolpert, las seine Texte – wie immer mit Musikschnipseln unterlegt – und amüsierte. Mal schmunzelnd, mal lachend. Der Waffeninspektor-Text langweilte, der Blick auf Details, die genaue Beobachtungsgabe beruhigt. Dann die Pause.

Ist er anders? Anders als noch bei der Lesung im Deutschen Theater, bei der er das Buch vorstellte, welches genauso hieß? Glasige Augen, das hektische Ziehen an der Zigarette, das T-Shirt mit dem Schriftzug der Christiaan-Barnard-Klinik aus Sachsen. Keine Ahnung. Vielleicht ist er ein bisschen auf den Boden zurückgekehrt, vielleicht ist es aber auch nur seine Masche. Vielleicht nicht ganz so zappelig. Dann sah ich sie. Die Frau, die so typisch für die Menschen um mich herum war. Jung, braune Haare, der Pony mit einer Zopfband zusammengebunden. Die feine Brille ließ sie noch braver wirken. Das weiße Polohemd lugte aus ihrem mit Strass besetzten weinroten Pulli mit V-Ausschnitt hervor, die Jeans saß gut, die Tasche mit einem gelben Smilie-Button trug sie locker über der Schulter. So sieht sie also aus, die Frau, die sich für 2,50 Euro ein Plakat der Lesereise von dem Popliteraten kauft, es sich nach der Lesung signieren lässt und es dann in den Flur hängt. Gleich neben die Weltkarte, auf der sie Stecknadeln gekennzeichnet hat, welche Länder sie schon bereist hat.

Er las weiter, nicht ohne sich weitere Sprüche über Aachen zu reißen, die Geschichte, die während einer Radiosendung entstand, ein Text aus dem Netz. Wie drei versuchten, hinter das Geheimnis der Prodomo-Werbungsmusik zu kommen.

Der Popliterat gefiel. Noch unterhaltsamer wäre es gewesen, wenn er einige Texte weggelassen und einfach ein wenig geplaudert hätte.

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