Die Ex-Freundin

Noch vor zwei Jahren dachte ich, das ist eine dieser einzigartigen Freundschaften. Diese, in denen man sich monate-, manchmal jahrelang nicht hörte und dann, beim nächsten Wiedersehen nicht einmal 5 Minuten braucht, bis das Eis wieder aufgetaut ist und die Wellenlänge wieder stimmt.

Wir kannten uns vom Zaubern. Ja, vom Zaubern. Taten das auf Kindergeburtstagen, Ferienveranstaltungen im Ort oder Freizeiten. Wir hatten immer großen Spaß, waren ein wunderbares Team. Auch sonst.

Doch dann kommt es, wie es immer kommt. Die Treffen werden seltener, die Anrufe rarer und das Band wird dünner. Sie zog mit ihrem Freund zusammen, konnte mein unbeständiges Leben nicht verstehen. Ich besuchte sie in ihrer Wohnung und nie fühlte ich mich in einer solchen Behausung fremder. Fremd mit einer Person, der ich eigentlich einmal so nah stand. Ich fragte sie aus, nach ihrem Leben, zeigte echtes Interesse, doch zurück kam nichts. Kein „Was machst du so?“, nicht einmal eine oberflächliche Frage nach dem Fortschritt des Studiums. Enttäuscht fuhr ich davon, dann herrschte Funkstille. Nach elf Monaten meldete sie sich bei mir. Fragte, ob sie bei mir übernachten könne. Doch ich war verletzt. Hatte keine Lust auf weitere Oberflächlichkeiten, kein Lust, meine Wohnung mit ihr zu teilen. Machte ihr klar, dass wir uns gerne treffen könnten. Nur nicht in meiner Wohnung. Zog eine Grenze, so wie man sie zieht, wenn man sich irgendwann mit dem Ex wieder trifft. Wenn der erste Schmerz abgeklungen ist, man letzte Sachen austauscht und die Option auf eine Freundschaft getestet wird.

Es kam nicht dazu, nicht einmal Weihnachtsgrüße. Ich wollte nicht mehr. Ganz ohne Option. Und wie das wiederum bei Exfreunden manchmal so ist, melden sie sich manche irgendwann noch einmal nach Jahren. Und so erhielt ich vor einigen Tagen eine Karte von ihr. Mit herzlichen Grüßen und der freudigen Nachricht: Sie haben geheiratet. Wohnen in der Stadt ihrer Eltern, beide mit Job, noch ohne Nachwuchs. Es gäbe sicher viel zu erzählen.

Nun frage ich mich, ob sie Recht hat. Und ob ich bereit bin. Für einen Neuanfang mit ihr.

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