Zum Diktat!

Nicht, dass wir ansonsten keinen Kontakt haben, nein, keineswegs. Mit meinem lieben Ex-Freund aus Studienzeiten telefoniere ich durchaus alle paar Monate. Dann erzählen wir uns kurz, wie es so geht, wie – wenn vorhanden – die Beziehungen so laufen und was sonst so passiert. Dann kommt es vor, dass er sich nur kurz meldet. Dass er extrem säuselig mit mir redet. Zuvorkommend ist und gar nicht schimpft, dass ich mich so lange nicht mehr bei ihm gemeldet habe. Ist das der Fall, ist klar: Er will was.

Ebenfalls klar ist dann auch, was er will. Ich soll mal wieder was lesen. Mach ich auch meistens gern, schließlich soll es sich bei den Texten um wissenschaftliche Arbeiten handeln und wann lese ich sowas schon privat. Diesmal geht es ums Flaschenpfand, was aber nichts zur Sache tut. Denn eigentlich wollte ich erzählen, was es heißt, wenn ich was lesen soll. Ist nämlich gar nicht so einfach. Und ein langes Prozedere. Immer wieder gehen Mails in diesen Tagen zwischen uns hin und her, werden Kommentare an den Rand geschrieben und anstrengende Telefonate geführt. Dass man das so nicht verstehe, dass da noch eine Ergänzung sein müsse und dass man anderes wiederum weglassen könne.

Und immer wieder stolpere ich über seine Macken, die mich damals schon immer aufgeregt haben. Diese seltsamen Fehlerchen, die er in allen seinen Texten hat. Diese Wortdreher, dieses … alles. Und genau in diesen Momenten beschließe ich immer wieder von Neuem, bei der Wahl meiner Liebhaber und Freunde demnächst vor allem auf eins zu achten: Schreiben müssen sie können. Zumindest ein bisschen korrekt.

6 Antworten zu “Zum Diktat!”

  1. mark793 sagt:

    Wer schreibt, der bleibt… ;o)

  2. Ole sagt:

    Ich vermute und hoffe aber schwer, Deine Beziehungen haben noch ein spannendes „Diskurskenseits“ jenseits von Texten, die man sich gegenseitig zum Korrekturlesen in die vor verliebter Aufregung leicht feuchten Hände drückt?! :-)

  3. Ole sagt:

    Man sollte ruhig auch einmal den Mut besitzen in direkter Aufeinanderfolge zweimal „jenseits“ zu schreiben. ;)

  4. franziska sagt:

    In die Hände drückt? Ts, wie uncool!

  5. Texas-Jim sagt:

    Ein bißchen korrekt gibt es nicht. Genausowenig wie ein bißchen schwanger. Noch genauer gibt es von korrekt nicht einmal einen Komparativ. Kein bißchen. So.

    Und wenn ich jetzt um Ihre Telefonnummer bitten dürfte ;-)

  6. Stig sagt:

    Ich fühle mich gerade ein wenig, als würde ich mich entjungfern. Mein erster Dummschwätz-Beitrag in einen von mir selbst gelesenen äh… Dings.

    Ich möchte der Welt mitteilen, dass ein fehlendes „ss“ oder „ß“, wo eins in ein „dass/daß“ hingehört, erblickt in einer Mail meiner Angebeteten und zweifelsfrei nicht als Flüchtigkeits- oder Tippfehler identifiziert, diese sofort zu einer Ex-Angebeteten macht – und irgendwie fühle ich mich immer schlecht dabei, fast schon faschistisch, solche Auslesekriterien. Aber jetzt – natürlich – fühle ich mich besser.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.