Verwöhnaroma

Ich weiß nicht, wie oft er in diesen 15 Minuten von Mannheim nach Heidelberg an der Marlboro-Schachtel gerochen hatte. Immer wieder griff der kleine, dicke Mann mit seiner viel zu großen Jeans zu der Schachtel, nahm vorsichtig eine Light-Zigarette heraus und schnupperte daran. Als ob er sich auf den Genuss einer teuren Zigarre vorbereiten würde. Dann packte er die Zigarette wieder zurück in die Schachtel, ganz vorsichtig. Er legte die Schachtel auf den an der Wand angebrachten Mülleimer und achtete darauf, dass sie nicht zu Boden ging. Nach einem kurzen Griff an die Hosenträger strich er sich nervös über den Schnauzer. Dann schnellte die Hand wieder zur Schachtel und das Prozedere begann von vorn. Schachtel auf, Zigarette raus, riechen, Zigarette wieder rein und Schachtel zu. Dann nochmal an der Schachtel gerochen. Hatte er das Rauchen aufgegeben? Freute er sich darüber, die Schachtel in der Bahn gefunden zu haben? Konnte er den Zeitpunkt seiner Ankunft einfach nicht erwarten, bis er endlich den Rauch in seiner Lunge zu spüren, den herben Geschmack auf der Zunge?

Wenig später griff er sich wieder an den Hosenträger, seine Hand wanderte an den Schnauzer und zur Schachtel. Mit seiner anderen Hand fingerte er aus seinem Jutebeutel eine kleine Plastiktüte. Er packte die Zigarettenschachtel hinein. Dann roch er noch einmal daran.

Eine Antwort zu “Verwöhnaroma”

  1. Paul sagt:

    Ich denke wohl an Zwangsstörung. Die etwas größere Variante von „ich schau noch mal nach ob de Herd aus ist“.

    Fein beobachtet.

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