Zeitschriften im Test: Das Wettermagazin


– Ganz schön kalt draußen, was?
– Ja, aber ich hab heute morgen gehört, dass es jetzt wieder wärmer werden soll.
– Wirklich?
– Ja.
– Aber wenn der Winter in diesem Jahr so kalt ist, dann wird der Sommer bestimmt sehr heiß, alte Bauernregel.
– Ja, davon hab ich auch schon gehört.

Ist es nicht seltsam, dass es „Das Wettermagazin“ erst seit einer Woche am Zeitschriftenkiosk gibt? Ein Magazin über das Smalltalk-Thema Nr. 1! Eigentlich unfassbar. Aber gut, alles kommt einmal auf den Markt, schauen wir uns das Heft, das von der Deutschen Meteorologischen Verlagsgesellschaft für 4,90 Euro, mir scheint monatlich, herausgegeben wird.

Und hey, keiner kann sagen, dass die Macher ihr Thema nicht Ernst nehmen. Das Heft ist ein bunter Mix aus kleinen Meldungen, Reportagen, Nutzwertkram und Nerd-Content. Da erfahre ich beispielsweise, in welchen Sendungen ich mich im Fernsehen über das Wetter informieren kann, es wird erklärt, wie Kugelblitze eigentlich entstehen und ich erwische mich dabei, dass ich das alles mit großem Interesse lese. Alles eigentlich ganz ordentlich geschrieben, besser würde es wohl nur bei Geo oder Mare gehen. Mir werden die Symbole der Wetterkunde erklärt, ich kann mich über das neue Erlebniscenter zum Thema Wetter und Klima informieren, das gerade in Bremerhaven gebaut wird und bis zum Frühjahr 2008 fertig gestellt sein soll. Festgelesen habe ich mich auch bei der Geschichte über die weltgrößte Klimatestanlage bei Wien, in der „Hersteller von Schienenfahrzeugen, Autos und Hubschraubern“ ihre „Gefährte auf Wettertauglichkeit überprüfen“. Die Geschichte ist garniert mit hübschen Bildern, auf denen vor allem eingeeiste Autos zu sehen sind.

Doch kommen wir nun zu den erheiternden Geschichten in diesem Heft. Da gibt es eine große Karte, die auf die „besonderen Wetterereignisse“ im Dezember hinweist. So erfährt der liebe Leser, dass die Schneefälle vor Weihnachten in Japan mindestens 6 Tote gefordert haben, dass Sydney von einer Hitzewelle mit Temperaturen bis 40 Grad geplagt wurde und ein Blitzschlag in Malawi am 18. Dezember elf Tote gefordert hat. Doch noch nicht genug Nerd-Content. Denn auf den folgenden Seiten gibt’s dann den großen Witterungsreport für den Monat Dezember. Und hört, hört, wenn ich „groß“ schreibe, dann meine ich das auch so. Denn auf 10 Seiten (!) kann ich mich noch einmal haargenau darüber informieren, welches Wetter wir denn nochmal am 22. Dezember hatten. Natürlich ausführlich nach Witterung, Temperatur, Niederschlag, Sonne und Wind aufgeschlüsselt. Antwort: War windig, aber Orkanböen gab’s nur am 15., 16. und 19. Dezember. Auf dem Brocken, übrigens.

Neben sehr vielen wirklich gelungenen Inhalten gibt’s aber auch ein paar Peinlichkeiten. So zum Beispiel eine Reportage über einen Mann, der sich aus dem Nordwesten Kanadas nach Grönland aufmachte. Leider war die allerdings schon 2003. Aber vielleicht tickt ein Wettermagazin einfach anders. Des weiteren sollte man Wettermagazin-Macher wohl lieber keine Interviews führen lassen. Die Jungs haben sich nämlich gedacht, Ole von Beust, den Bürgermeister von Hamburg über sein Interesse am Wetter zu befragen. Leider ist es das belangloseste Gespräch, das ich jemals gelesen habe. Oder wollt ihr gerne wissen, woher sein Interesse am Wetter kommt, wie hoch er den Wahrheitsgehalt von Wetterberichten einschätzt, wie sehr das Wetter sein Amt als Bürgermeister beeinflusst, welcher private Termin durchs Wetter mal „ins Wasser“ (hahaha) gefallen ist“, ob er bei einem Flug schon einmal eine gefährliche Wettersituation erlebt hat, was er bei heftigen Unwetter denkt, bei welchem Wetter er sich wohl fühlt und was er macht, wenn es am Sonntag Nachmittag regnet? Ja, ihr wollt das wissen? So völlig im Ernst und ohne zu lügen? Ja, wenn das so ist. Dann verrate ich euch auch, dass der erste Extremwetterkongress am 16./17. Februar in Hamburg stattfindet. Alles klar?

Eine Antwort zu “Zeitschriften im Test: Das Wettermagazin”

  1. […] Ich wundere mich immer wieder, über die Magazine, die sich an eine sehr spezielle Zielgruppe wenden. Das war damals so, als das “Wetter Magazin” plötzlich am Zeitschriftenhimmel erschien (allerdings auch nur wenige Monate überlebte) und das ist immer noch so, wenn ich sehe, welche Magazine seit eh und je dort ein Dasein fristen (”Messer Magazin” und Co.). […]

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