FILM: Elementarteilchen

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich in letzter Zeit sehr gerne den Stern lese. Wegen toller Sprache, tollen Themen und der meist tollen Umsetzung. Seit letzter Woche weiß ich, dass es sich auch aus anderen Gründen lohnt. Weil man sich dort nämlich Karten für eine Preview von „Elementarteilchen“ sichern konnte. So gab es ein bisschen Berlinale-Feeling in Düsseldorf. Wie gesagt, ein bisschen. Ach ja, und gleichzeitig gibt’s Premium Content fürs Blog.

Nein, ich habe das Buch, welches als Vorlage für das Drehbuch diente, nicht gelesen. 40 Seiten habe ich geschafft, dann musste ich es beiseite legen. Kann mich nicht mehr erinnern, wahrscheinlich bin ich einfach nicht warm geworden, mit dem Stoff. Und hätte ich das Buch gelesen, dann wäre ich wahrscheinlich auch nicht ins Kino gegangen, nach den schlechten Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit mit Buchverfilmungen machen musste.
Und auch wenn ich das Buch nicht gelesen habe, verstört es ein wenig, die Halbbrüder Michael und Bruno, in einer Berliner Bar (Warum in alles in der Welt nicht in Paris?) sitzen zu sehen. Beide teilt das gleiche Schicksal. Ihre Mutter zog es vor, ein Leben ohne ihre Kinder zu führen. Beide wuchsen bei ihren Großmüttern auf, wobei Bruno ab seinem 13. Lebensjahr im Internet lebte. Beide sind mit dieser frühen Zurückweisung nicht klargekommen. Während sich Bruno als gescheiterter Lehrer, Ehemann und Vater in den Alkohol und sexuelle Exzesse stürzt, zieht es Michael vor, ein Leben ganz für die Wissenschaft zu führen. Keine Frauen, keine Gefühle, nur die beinahe autistische Hingabe zur Molekularbiologie. Bruno, der sich nach einer Annäherung an eine Schülerin zunächst freiwillig in psychologische Behandlung begibt, lernt in einem Hippie-Camp Christiane kennen und Michael trifft bei einem Besuch in der Heimat seinen Jugendschwarm Annabelle wieder. Doch natürlich geht auch das alles nicht gut.
„Elementarteilchen“ ist kein Film, in dem man sich mit einer der vielen handelnden Personen identifizieren kann. Zu verstörend, zu durchgeknallt ist jeder einzelne Charakter und es fällt schwer, zu folgen, was in ihnen wirklich vorgeht. Ich hoffe, das Buch gibt da weniger Rätsel auf. Doch werde ich das Gefühl nicht los, dass eben diese Distanz, die der Film aufbaut, auch etwas mit den Schauspielern zu tun hat. Denn auch wenn ich Christian Ulmen wieder einmal brillant fand und ich immer wieder betonen muss, was für eine verdammt tolle Schauspielerin Martina Gedeck (Äh, wieso steht in der Wikipedia, welchen Body-Mass-Index sie hat?) ist, war ich von Moritz Bleibtreu, der den depressiven Bruno spielt, eher enttäuscht. Ich hab ihm die Rolle einfach nicht abgenommen. Wären da noch ein paar Anmerkungen, die ich zum Ende des Films machen muss. Denn nach allem, was ich von Michel Houellebecq gehört habe, war mir das Ende hier ein wenig zu happy-endig, zu glatt, zu, ach was weiß ich. Hab ich etwa im Abspann überlesen, dass Annabelle am Ende stirbt (Steht zumindest in der Wikipedia!)?
Ein Fazit? Schwierig. Nicht gerade befriedigend, dass ich mich bei der Interpretation des Films so sehr nach der Vorlage, dem Buch sehne. Muss wohl daran liegen, dass mich der Film nicht so richtig überzeugt hat.

6 Antworten zu “FILM: Elementarteilchen”

  1. Setza sagt:

    Hab gerade in Deinem Archiv nachgeschaut: »Agnes und seine Brüder« hast Du nicht geschaut?! Vermutlich wärest Du dann noch verstörter gewesen, oder hättest von einem Plot-Déjà-vu geschrieben.
    Vermutlich.
    Wenn es so etwas gibt.

    [Und: Man sollte endlich einen guten psychologischen Betreuungsdienst in der Filmregissuergewerkschaft installieren.]

  2. Ich mag diesen deinen Freud’schen Verschreiber: „…wobei Bruno ab seinem 13. Lebensjahr im Internet lebte…“

  3. Jestofunk sagt:

    „…wobei Bruno ab seinem 13. Lebensjahr im INTERNET lebte…“

    Tun wir das nicht alle ein bißchen? ;)

  4. Stefan sagt:

    Hätte Frau Gedeck einen BMI von 29 hat, wäre sie recht adipös …

  5. […] ser besetzt sein. Ich muß mich wirklich erstmal beruhigen. Vielleicht später mehr dazu. Franzi hat was darüber geschrieben. Ich mag nichts mehr schreiben. Was sie sagt, entspric […]

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