FILM: Requiem

Schlau war es nicht gerade, an einem Samstagabend in das Kino im Medienhafen zu gehen. Lange Schlangen und jede Menge Deppen, die anscheinend nur ins Kino gehen, weil die Angebetete mal wieder wollte oder weil es sich eben so gehört. Bewusst für einen Film scheinen sich aber nur die wenigsten zu entscheiden. Zumindest ein Großteil derer, die sich mit dem Mann meines Herzens und mir „Requiem“ anschauten. Die setzten alles daran, dass der Abend für alle Mitseher zu einem Desaster wurde. So ganz ist das der Prollgruppe hinter uns allerdings nicht gelungen. Obwohl sie bei jedem Auto, was durch den Film fuhr, lautstark den Markennamen artikulierten und bei besonders ruhigen Momenten wie wild in ihrer Popcorntüte wühlten. Oder laut gröhlten, weil die sich ja soooo lustig geküsst haben. Alles in allem fanden die den Film dann natürlich auch scheiße. Ich aber nicht. Ich war einerseits fasziniert. Andererseits, naja, „verstört“ wäre der falsche Begriff, aber zumindest berührt. Und aufgewühlt.
Der Film erzählt die Geschichte der 21-jährigen Michaela, die an Epilepsie erkrankt ist und bei ihren Eltern in einem sehr religiösen Dorf lebt. Wegen ihrer Krankheit musste sie bereits ein Schuljahr aussetzen. Da erhält sie mit der Zulassung zum Studium endlich die Möglichkeit, ihr eigenes Leben zu beginnen. Raus aus dem Dorf nach Tübingen. Sie blüht auf, lernt sogar einen Typen kennen. Doch lange hält dies nicht an, plötzlich hört sie Stimmen. Die Angst vor der Krankheit, die sie glaubte, besiegt zu haben, kehrt zurück. Die Medikamente helfen nicht, sie flüchtet in ihre Religion.
Mit „Requiem“ hat Hans-Christian Schmid einen Film geschaffen, der auf sehr einfühlsame aber auch erschreckende Art und Weise darstellt, wie das junge Mädchen letztendlich an ihrem Glauben und ihrer Sturheit zu Grunde geht. Aus Unwissenheit, Angst und einem unerschütterlichen Glauben. Ein Film, über den man noch eine Weile nachdenken muss. Über die Rolle, die Glauben in einem Leben spielen kann und über diese Selbstverständlichkeit, mit der diese Michaela bereit ist, sich zu opfern.

Eine Antwort zu “FILM: Requiem”

  1. Chikatze sagt:

    Siehste!! Genaaaaauuuuuuu das ist der Grund, weshalb ich normalerweise immer einen riesengroßen Bogen um diese scheiß Prollo-Massen-Kinos mache. Zum Kotzen. Schön, daß Du Dir den Film trotzdem nicht vermiesen lassen hast. Scheint ein guter zu sein, wenn das möglich war. Also, danke mal wieder für den Tipp. Mensch, Du bist echt oft im Kino, oder? ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.