FILM: Mein Führer

Eine Vorpremiere zu Dani Levys neuen Film, dem ich nach den Trailern vor einigen Wochen voller Erwartung entgegengesehen habe. Leider. Denn das, was der Regisseur den Zuschauern bietet, ist in Teilen sicherlich amüsant, letztendlich aber ein halbgarer Film. Ein Film ohne Aussage. Dani Levy wagt nichts. Ich habe mich wirklich gefreut: auf politische Unkorrektheiten, überspitzte Klischees, halt alles, was zu einer guten Komödie gehört. Erhalten habe ich von all dem nichts. Oder nur wenig. Stattdessen versucht mir Dani Levy eine Geschichte mit Moral zu erzählen.

Natürlich habe ich auch gelacht. Manchmal. Und immer dann, wenn Helge Schneider spielen konnte. Wenn er sich über Goebbels lustig macht („Wollt ihr den totalen Krieg, pah!“), wenn er sich zu den Grünbaums ins Bett legt („Mir ist so kalt“) oder wenn er die Maskenbildnerin zu Recht weist. Allerhöchstens noch Ulrich Mühe schafft es, einigermaßen brillant herüberzukommen. Alle anderen bleiben blass. Welch Potenzial Figuren wie Goebbels, Himmler und Speer gehabt hätten – aber nein, Levy nimmt die Geschichte zu ernst und scheitert an ihr.

Wahrscheinlich lag es wirklich am vielen Umschneiden und Nachdrehen. Anders ist es mir zumindest nicht zu erklären, dass dieser Film den Untertitel „Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ trägt. Denn eine so genannte „Wahrheit“ über diesen Mann habe ich wahrlich nicht erfahren. Allenfalls die über einen Schauspieler namens Adolf Grünbaum. Um die zu erfahren, bin ich allerdings nicht ins Kino gegangen.

8 Antworten zu “FILM: Mein Führer”

  1. Setza sagt:

    1)
    Vielleicht so? http://sevenload.de/videos/IFwtKmX-Der-Bonker

    2)
    Außerdem: Ich frag mich immer wieder, warum es Leute (auch Chaplin) als Herausforderung betrachten, diesen grauenvollen Komplex zu verkomödisieren zu müssen (oder so…). Ich will über diese Menschenverderber einfach nicht lachen können und bezweifle, ob deren Wiederheraufkommen mit vorangegangener Belustigung abzuwenden ist… Die Grenze des Machbaren scheint mir mit „Jakob der Lügner“ und/oder „Das Leben ist schön“ erreicht.

  2. melle sagt:

    War auch sehr enttäuscht, der ständig präsente Moralzeigefinger hat genervt. Dafür waren die Momente großartig, in denen Hinter Hitler Helge hervorlugte, z.B. als er beim Filmabend an der Orgel sitzt.

  3. Melitta sagt:

    Danke für die ausführliche Kritik, ich hatte selbst schon vermutet, dass das Projekt schiefgehen muss. Bin in dem Vorsatz bestärkt, den Film nicht anzuschauen. Levy hat sich im Ãœberschwang seines Glücks über den Erfolg von „Alles auf Zucker“ schlicht übernommen. Der beste Film von ihm ist immer noch „Robby, Kalle, Paul“.

  4. 160typo sagt:

    helge hat sich nach aktuellem schnitt ja auch von dem film distanziert

  5. MC Winkel sagt:

    Selbstnotiz: Nie wieder eine Kritik des Filmes lesen, auf den Du Dich schon seit Monaten freust, wenn die Headline schon Unschönes verspricht.

    War wirklich nicht so gut?
    Aber Helge!

  6. Felix Deutsch sagt:

    Die grösste Frechheit ist ja das vorangestellte Tucholsky Zitat „Küsst die Faschisten“, das von Levy wie auch jedem dummen Journalisten (u.a. Schmieder in der Sueddeutschen) sozusagen als Vorwärtsverteidigung gegen eventuelle Kritik benutzt bzw. verstanden wird.

    Das diese Zeile enthaltene Gedicht Rosen auf den Weg gestreut hat Tucholsky 1931 sicher nicht nur so leicht ironisch gemeint.

  7. Eva sagt:

    Interessantes Interview auch heute in der Welt. Fand ich.

  8. Paul Stercken sagt:

    Pop-Grauen

    Dass wohlgemerkt der Historiker und Blackouter Kohl, aus dem infantilen Habitus „Ich war es nicht!“, die Erkenntnis erlangte und sich und uns durch die ,Gnade der späten Geburt‘ Absolution erteilte. Damit hatte uns Deutschen unser Bundeskanzler die Pop-Vergangenheitsbewältigung beschert. So ist es nun die folgerichtige Tat diesen Hitler-Film „Mein Führer“ gedreht zu haben.

    Das Stilmittel des Pop ist, die Oberfläche zur Aussage zu erheben, oder besser
    zu persiflieren. Damit soll sichtbar die Fragwürdigkeit der Oberfläche aufgezeigt werden, von dem Kern ganz zu schweigen.

    Es sollte ja die Bemühung der Aufklärung im 18. Jhdt. und der deutschen Nachkriegszeit sein, der wahren Wahrheit unter der Folie der Oberfläche nicht nur sichtbar, sondern auch mit Erkenntnisgewinn teilhaftig zu werden. Aber zuerst hat uns Kohl erklärt, dass seine Erkenntnis darin liegt: „Helmut war es nicht!“. (Dies erhellt natürlich, dass die heutigen Führungspersonen keine Verantwortung mehr übernehmen zu brauchen, denn sie haben – ja sogar nachweislich – persönlich nicht gehandelt.) Und nun möchten uns der Regisseur und sein Tross an Witzbolden die Oberfläche in Gestalt von Bild und Ton auf die Komik reduzieren, als bestünde die Wahrheit in der Projektion der Oberfläche und damit sei Geschichte zur Realität geworden.

    Den an dem Film beteiligten Figuren sei anzuraten, sich zur Filmvorführung in Israel einzufinden. Ich wüßte nur zu gerne, ob sich ein Helge Schneider dann lachend auf die Schenkel und seinen Sitznachbarn aufmunternd und Beifall heischend auf die Schultern klopft. Bei Herrn Levy müßte der Selbstversuch, mit der Realität in Kontakt zu treten, etwas modifiziert werden. Er könnte unter Sinti, Roma und weiteren Vertretern der Verfolgten und Geschundenen seinen Humor verteidigen und einen Begriff bekommen von der „Herrschaft über das Leiden“, welches sich die Juden angeeignet haben.

    Da ich nicht die Hoffnung hege, dass die Betreffenden sich der Erfahrung der leibhaftigen Realität stellen, und eingedenk dass die Zielgruppe für den Film schon in den Politikteilen der Medien ausreichend identifiziert wurde, wünsche ich diesen Personen viel Freude am Gewinn dieses Filmes.

    Ach übrigens, mir fällt da noch etwas ein: Im Herbst 2001 da war doch so eine Situation, bestimmt können dafür auch etliche dokumentarische Unterlagen herangezogen werden. Dort sprangen brennende Menschen aus brennenden Häusern, echt wie im Comic. Gewiss ließe sich doch etwas daraus machen Hr. Levy, oder? Alles, was wahr ist: Pop-Völkermord, Pop-Grauen usw.

    Denkbar ist natürlich, dass ich das Ende der Geschichte nicht mitbekommen habe, weil ich bisher ein anderes Verständnis davon hatte. Vielleicht meint der Begriff vom Ende der Geschichte, dass Geschichte deshalb endet, weil Geschichte keine Bedeutung und jegliche Verbindlichkeit verloren hat. So degenerieren wir alle zu Witzbolden und die Zukunft wird unbändig lustig.

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