So ist Karneval (sagen die anderen)

Peter Richter hat einen sehr schönen Text (nur für Abonnenten) über Karneval in Köln geschrieben. Auszug:

Und der Anblick einer etwa fünfzigjährigen Frau, die als Lappenclown verunstaltet am helllichten Tag zwischen den verkachelten Wiederaufbaufassaden der Kölner Innenstadt umherschlurft, ist auf jeden Fall ein Grund, sich schon morgens ein Bier aufzumachen. Karneval ist ein Fest, bei dem sich erwachsene Menschen verkleiden und dann aus Scham darüber betrinken, dadurch wird es irgendwann lustig.

4 Antworten zu “So ist Karneval (sagen die anderen)”

  1. Kiki sagt:

    Darüber hab‘ ich gestern früh sehr gelacht. Die Idee, den Franzacken das Rheinland einfach wieder unauffällig zuzuschieben ist auch nicht schlecht.

  2. KAKA sagt:

    Karneval ist ein Fest dafür, dass sich einige darüber aufregen das andere Spaß haben. Die Aufreger, statt einfach wegzubleiben, sondern dann Scheißdreck in Zeitungen und Blogs ab.

  3. Kölscher Jeck sagt:

    Ach, Ihr lieben Journalisten-Narren, warum schreibt Ihr so oft über Dinge, die Ihr zuvor nicht ergründet habt? Warum, lieber Peter Richter, wagen Sie keinen Blick in die kölsche Seele? Hätten Sie es nur versucht, Sie hätten eine Ahnung davon bekommen, dass Karneval das Fest der Sehnsucht ist. Es stillt die Sehnsucht nach Ausgelassenheit und Melancholie, nach Anarchie und dem Bewahrenden, nach dem Rausch und dem Wir-Gefühl. Es ist der Ausbruch aus der Domestizierung, der Karneval gibt uns das Paradies der Kindheit zurück. Wir Kölner leben und lieben das. Und wir hassen den Missbrauch – auch den journalistischen: Wenn Redakteure statt Ausgelassenheit nur Maßlosigkeit sehen wollen, wenn sie Melancholie als Kitsch fehldeuten, wenn sie statt Rausch nur ordinären Suff in den Vordergrund stellen.

  4. mark793 sagt:

    @Kölscher Jeck: Ach, Ihr lieben Nichtjournalisten-Narren, was hat es mit Missbrauch zu tun, wenn ein Berichterstatter versucht, nach dem Motto von Hajo-Friedrichs zu arbeiten: “Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache”. Ist es etwa kein Missbrauch, wenn sich Abertausende ansonsten wohlanständige Mitmenschen auf Kommando die Lichter ausschießen und umhertapernd schwachsinniges Liedgut mitgrölen? Gut, natürlich ist Karneval mehr als das. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, kann sich von der Welle der Ausgelassenheit ja fort tragen lassen. Aber von dem Chronisten einer überregionalen Tageszeitung darf man erwarten, dass er dem Treiben einigermaßen nüchtern zusieht.

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