Berlin (1)

Heute war ja erstmal nur Ankommen angesagt. Und das bedeutet: viereinhalb Stunden Zug. Und obwohl ich eine Sitzplatzreservierung hatte, hieß das heute: Platz suchen. Ich hatte nämlich meinen eigentlichen Zug verpasst. Weil ich wirklich ziemlich kurz vor knapp zur S-Bahn eilen wollte und auf halbem Weg bemerkte, dass mein Portemonnaie (Fuck neue Rechtschreibung!) noch immer im Auto in der Tiefgarage liegt. Damit war der Zug abgefahren (Ja, ich weiß, aber wenn’s schon mal passt, muss ich!).

Also suchte ich einen Platz und entschied mich zunächst für den Schwerbehindertenplatz, von dem ich dann aber auch gleich (in Duisburg) von einem Gehörlosen vertrieben wurde. Dieses Vertreiben war dann allerdings doch ein Segen, weil ich als nächstes einen Platz einnahm, den ich dann auch bis Berlin behalten durfte. Am Fenster!

Die Zeit bis Berlin vertrieb ich mir mit der Süddeutschen (einem nackten Rainer Langhans im Magazin), dem Stern (ein Gruß an die bornierten Leserbriefschreiber) und Philip Roths „Exit Ghost“ (noch immer nicht ganz durch). Und Feist und dem Control-Soundtrack. Doch dann war ich schon in Berlin-Spandau und dort beginnt bei mir immer die In-Berlin-Ankommen-Zeremonie. Da wird alles, was ablenkt, beiseite gelegt und aus dem Fenster gestarrt. Es sind zwar nur die Spandau-Arkaden, aber das ist egal. Und dann schlängelt sich der Zug nach Charlottenburg und am Savignyplatz vorbei und zum Zoo und dann zum Hauptbahnhof und ich freue mich über alles, was ich sehe. Und wundere mich über mich selbst. Weil ich merke, wie sich in den vergangenen Monaten mal wieder mein Berlin-Bild verklärt hat. Weil ich Dinge wie das Alexa mal schön verdrängt habe. Und dann ganz überrascht bin, weil ich wirklich nach meinem letzten Besuch dort wirklich keinen einzigen Gedanken an dieses hässliche Etwas verschwendet habe.

Und dann steige ich am Ostbahnhof aus, gehe den weiten Weg nach vorne, auf der Suche nach dem bekannten Gesicht und ich weiß, dass sie genauso blind in die entgegengesetzte Richtung läuft und dann entdecken wir uns doch und freuen uns über unsere Kurzsichtigkeit und suchen das Auto.

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