FILM: Teufelsbraten (1+2)

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Foto: WDR/Thomas Kost

Ich verstehe nicht, warum der Film so heißt, wie er heißt. Die Vorlage für diesen Zweiteiler ist ein Buch von Ulla Hahn, „Das verborgene Wort“. Aber nur weil die Großmutter der kleinen Hildegard zweimal in der ersten halben Stunde das Kind als „Teufelsbraten“ bezeichnet – nein, das war ein schlechter Titel für diesen Zweiteiler.

Es geht um Hildegard, ein Kind eines ungelernten Arbeiters, der mit seiner Familie (mehrere Generationen) im Rheinland der 50er Jahre lebt. Das Problem: Das Kind ist schlau, viel zu schlau für die Familie, die die altklugen Sprüche Hildegards als schlechtes Benehmen abwatscht. Der einzige, der „dat Hildejard“ versteht, ist der Großvater. Sehr früh im ersten Teil des Filmes mahnt er an, dass Hildegard was Besonderes sei. Etwas was ihre Mutter nicht versteht. Etwas was die katholische Großmutter nicht einmal ahnt, etwas was dem Vater Angst macht, der immer wieder zum Stock greift, weil er mit Worten nicht punkten kann.

Und so sieht man Hildegard aufwachsen. Mit Nina Siebertz und Charlotte Steinhauer, die die Figur in ganz jungen Jahren verkörpern. Kurz vor Ende des ersten Teils übernimmt dann Anna Fischer (Panda-Sängerin, falls jemand nicht genau weiß) die Rolle. Und dann passt es meiner Meinung nach nicht mehr. Keine Frage, sie macht das super, aber sie ist so anders als ihre Kolleginnen und ich nehme ihr die Rolle nicht mehr ab.

Toll ist, dass es mal wieder einen Fernsehzweiteiler gibt, der nicht den klassischen Prinzipien (Große Liebe, bisschen Verwirrung und dann klappt’s doch) des Fernsehzweiteilers folgt. Denn hier geht es wirklich nur darum den Kampf von Hildegard gegen ihre proletarischen Wurzeln zu verfolgen, der Kampf um die Bildung. Diese Ruhe, die der Film dann doch die ganze Zeit ausstrahlt, ist so anders und tut deshalb gut.

Doch muss es gleich ein ganzer Zweiteiler sein? Ich meine nicht. Trotzdem war’s schön.

(Bitte bitte, könnt ihr demnächst darauf verzichten, Harald Schmidt überall mitspielen zu lassen? Er als kichernder Wäscheverkäufer ist genauso schlimm wie er als Gigolo auf dem Traumschiff. Und wenn er dann auch noch vom Traumkorsett und vom Traumrabattkorsett spricht, dann möchte man ihn einfach nur anschreien. Also ich. Also, egal.)

Wer nochmal gucken will: 12. und 13. März, jeweils 20.15 Uhr, Das Erste

Eine Antwort zu “FILM: Teufelsbraten (1+2)”

  1. […] Free-TV: 1. Teufelsbraten / Das Erste / 20.15-21.45 Wer den ungewöhnlichen aber gelungenen Zweiteiler über ein Mädchen im Nachkriegs-Rheinland noch nicht bei arte gesehen hat, kann das heute und morgen im Ersten nachholen. […]

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