Mit Charlotte Roche in den Puff

Wer sich in den vergangenen Tagen die Bestsellerliste des Internetbuchhändlers Amazon betrachtet, findet dort auf dem oberen Plätzen immer ein Buch: Es heißt „Feuchtgebiete“ und stammt von der Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin Charlotte Roche. Für ihre Musiksendung „Fast Forward“ wurde sie von den Feuilletonisten gefeiert. Jetzt ist sie also unter die Buchautorinnen gegangen.

Die ekligste Passage des Buches ist die, in der die 18-jährige Protagonistin Helen Memel erzählt, dass sie auf öffentlichen Toiletten am liebsten erst einmal mit ihren Schamlippen über die Toilettenbrille fährt. Also sich ihrer Mutter widersetzt, die ihr wie alle guten Mütter geraten hat, in solchen Situationen das Hinsetzen zu vermeiden und im Hocken zu pinkeln.

Somit sind wir auch gleich im Thema. Charlotte Roche hat ein Buch geschrieben und will vor allem eins: provozieren. Deshalb geht es um eine 18-Jährige, die sich bei der Intimrasur an ihren Hämorrhoiden geschnitten hat und operiert werden muss. Während sie das Krankenhausbett hütet, erzählt sie dem Leser von ihren sexuellen Phantasien, ihrem Verhältnis zum eigenen Körper und ihren Körperausscheidungen. Sagen wir es so: Alles wird angesprochen. Thema Sex: Sie lässt sich von einem eigentlich Wildfremden im Intimbereich rasieren und geht auch gerne mal zu Prostituierten. Thema Selbstbefriedigung: Sie mag den Kopf ihrer Dusche ganz gerne. Thema Ekel: Sie isst sehr gerne Körperausscheidungen (Stichwort: Ohr. Stichwort: Nase. Stichwort: Vagina.)

Und dann liest man und liest und fragt sich die ganze Zeit, warum muss uns diese Helen Memel all diese Dinge erzählen? Die Antwort liefert so jedes Interview, das Charlotte Roche in den vergangenen Wochen gegeben hat. Weil sie keine Slipeinlagen mag. Weil sie gegen die Komplettrasur im Intimbereich aufbegehrt. Weil sie sich einen modernen Feminismus wünscht, in dem auch Pornographie kein Tabu mehr ist.

Und da sind wir auch schon bei dem Problem dieses Buches angelangt. In einem der zahlreichen Interviews hat Charlotte Roche erzählt, dass sie eigentlich ein Sachbuch habe schreiben wollen. So liest sich „Feuchtgebiete“ dann auch. Als eine Abhandlung von Körperlichkeiten, um die noch schnell eine Geschichte gestrickt werden musste. Das ist anstrengend zu lesen. Und sicherlich nicht das Debüt einer ernstzunehmenden Schriftstellerin.

9 Antworten zu “Mit Charlotte Roche in den Puff”

  1. Maike sagt:

    Danke für den Eintrag, wurde gerade noch mehr darin bestärkt, dass ich das nicht lesen will.

  2. Lu sagt:

    und der moderne blogger ahnt / weiß: ihr neuer mentor roger w. (wohl noch völlig beseelt von der geschichte seines ersten analverkehrs, erzählt in roches youtube sendung, die so nie ins TV kam) hat sie da arg und schlecht beraten. jeder kennt ihre einstellung zu achselbehaarung, feminismus und ihre verbales geschick, da kann man sich genau vorstellen, wie die 5 minuten-beratung aussah.

    ich hab schon gar keine lust mehr, es zu lesen, ich werds direkt weiter verschenken. wer hat in den nächsten tagen geburtstag?

  3. Sanddorn sagt:

    @LU Ich frage mich gerade, wenn du das alles schon vorher wusstest/ahntest und kanntest. Warum kaufst du dir überhaupt das Buch?

  4. Anke sagt:

    Lu, bitte schenk’s nicht mir, ich will’s nicht haben. Auch schon vor diesem Eintrag nicht.

  5. Christian sagt:

    Ah merci :)
    Es scheint – habe ich so langsam das Gefühl – wirklich darum zu gehen, ob man Provokation um der Provokation Willen mag, wenn man das Buch liest.
    Und ob das alleine für ein „gutes Buch“ reicht? Hm, nee.

    Ich freu mich trotzdem auf die Lesung. Mal sehen wie weit meine Lust an Provokation geht. Mal sehen wie sowohl die Mendener auf sie als auch sie auf die Mendener reagieren :)

  6. Lu sagt:

    @sanddorn: schwacher moment, franzi hatte da ganz ganz viel mit zu tun, und: es liegt noch verpackt in meinem regal, wo andere schneller waren und es erst lasen und dann drüber bloggten. daher weiß ich jetzt aus 2. hand was drin steht, daher konnte ich mir den rest zusammen stricken. :)
    kann ja mal passieren.

    und jetzt schenke ich es auch nicht anke (mist, der plan ging in etwa so.)

  7. chilldogg sagt:

    Ich stimme zu. In jedem Punkt. Danke dafür..

  8. mama sagt:

    Danke für die Info-wusste ich schon….die Ankündigung kam per mail …ab 27.3 bei edgar wird er zu hören sein….

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