Lieber Journalisten-Nachwuchs,

wir müssen reden. Echt jetzt. Das geht nicht so weiter. Weil ich euch nicht verstehe. Weil ich mich sogar über euch ärgere. Irgendwie wollt ihr alle was mit Medien machen, vielleicht auch ein paar große Geschichten hinlegen, Leitartikel schreiben oder Skandale enthüllen. Komischerweise wollt ihr dafür aber nicht wirklich etwas tun.

Ihr wollt am liebsten sofort große Artikel schreiben. Aber an Texten arbeiten, Kritik anhören und annehmen, von mir aus sie auch in Frage stellen, diskutieren, alles komplett nochmal umschreiben – da seid ihr raus. Der Biss, eine Geschichte zu Ende zu recherchieren, die fehlende Information unbedingt rauszukriegen, damit die Geschichte rund wird – nö. Oder eben nur ganz ganz selten.

Habt ihr als Praktikant irgendwas fertig geschrieben, erwartet ihr, dass man euch sofort Feedback gibt. Geht dies nicht, sitzt ihr gelangweilt rum und fragt alle fünf Minuten, was ihr als nächstes machen könnt, anstatt einfach mal selbst kreativ zu werden.

Außerdem: Was soll man eigentlich von Leuten halten, die zu Vorstellungsgesprächen gehen und sich das Produkt, für das sie sich bewerben, nicht einmal anschauen? Fragen, die man euch dann dazu stellt, beantwortet ihr lieber falsch, als zuzugeben, euch nicht vorbereitet zu haben. Was ich wirklich gern einmal wissen würde: Warum geht ihr überhaupt dorthin?

Nicht zu vergessen: Alle wollen über Kultur schreiben, am liebsten über Filme oder Musik. Oder über Sport. Und dann nur über die Vereine, die sie selbst gut finden. Sorry, aber das nennt man nicht Journalismus, sondern Fanseitenbetexter.

Ich habe mich längst davon verabschiedet, auf Menschen zu treffen, die das Internet begreifen. Ich habe mich auch davon verabschiedet, auf Menschen zu treffen, die das Internet lieben. Ich freue mich ja schon darüber, wenn ich höre, dass ihr eure für Print geschriebenen Texte auch schon mal ins Internet gestellt habt. Und bin fast begeistert, wenn ihr von euren Erfahrungen mit direkten Leserreaktionen berichtet.

Ich würde mir Engagement wünschen, Kreativität, eigene Köpfe und Neugier. Ich glaube nicht, dass ich zu viel will.

39 Antworten zu “Lieber Journalisten-Nachwuchs,”

  1. Lars Fischer sagt:

    Journalismus ist halt ein Job für Ãœberzeugungstäter. Wenn man die haben will, muss man die Einstiegshürden zumindest so einigermaßen über Fußbodenniveau halten, aber mit all den fragwürdigen neuen Journalismus-Studiengängen überall kann halt jeder mitmachen. Wenn die Leute nicht in der Ausbildung gefiltert werden musst du es halt machen.

  2. Lothar sagt:

    Gut, aufregen kann man sich immer, vor allem über andere. Aber was mögen die Ursachen sein?

    Vielleicht wird im glorifizierten Image der Medienbranche einfach zu wenig zwischen den zwei irgendwo doch sehr unterschiedlichen Betätigungsfeldern „Werbung“ und „Journalismus“ unterschieden. Vielleicht müssten sich die Journalisten hier aktiver von der Werbebranche abheben.

  3. Ein hübscher Rundumschlag, der sicherlich dem Frustabbau sehr dienlich war. Es ist viel Wahres dran, aber natürlich sind nicht alle so. Es gibt auch auf www Neugierige, Detailversessene, besessene Rechercheure und sogar Menschen, denen Sprache noch etwas bedeutet.

    LG, Rainer

  4. franziska sagt:

    Ja, der Frust hat sich angestaut und musste einfach mal raus. Und klar: Es gibt sie, die positiven Beispiele. Leider eben nur so selten.

  5. Albert Hamann sagt:

    Liebe Frau Bluhm,

    ich kannte sie bis zu diesem Posting nicht. Um mir eine Meinung bilden zu können, habe ich unter erheblichen Mühen nach Artikeln von ihnen suchen müssen. Wo sie, als schmalzige,auf Abiturzeitungsniveau operierende Hausfrauenfeder, die Berechtigung hernehmen, den „Nachwuchs“ zu tadeln, erschließt sich mir nach Lektüre ihrer Pamphlete nicht unbedingt.

    „Woran das lag? Das ist einfach. Denn wer sich die mehr als zwei Stunden lange Sendung angeschaut hat, musste leiden. So richtig. Die Moderatorin wies beharrlich an jeder erdenklichen Stelle der Sendung darauf hin, dass im Studio eine „Wahnsinnsstimmung, das können Sie sich gar nicht vorstellen“ herrsche.“

    Glücklicherweise entstehen derartige Halbsatz-Stakkato-Ergüsse nicht aus ihren eigenen Präferenzen, denn sie schreiben ja heldenhaft über Dinge, die man ihnen redaktionell aufzwingt und die sie nicht wirklich interessieren. Dazu scheint, wie meine Recherchen zu Tage förderten, auch die Analyse von Klostampfern in Videospielen zu gehören. Ich verbleibe in ewiger Dankbarkeit und ziehe angesichts ihrer Verdienste um den Qualitätsjournalismus demutsvoll den Hut!

  6. Wolfgang sagt:

    Um an diesem durchaus zu beobachtenden Phänomen etwas zu ändern, wäre es sicherlich hilfreich, den positiven Beispielen auch eine Chance zu geben. Hier sind die Publikationen und Redaktionen gefragt, nicht den Journalisten, die sich der Nachfrage nach billigem „Unterhaltungs- und Werbejournalismus“ anpassen auch noch eine einkömmliche Plattform zu bieten. Wie wärs denn, einfach mal wieder journalistische Qualität einzukaufen?

  7. Christian sagt:

    Naja…
    Grundsätzlich kann ich Deine (An-)Klage sogar verstehen, weil ich leider oft genug ähnliche Erfahrungen mit Praktis gemacht habe (auch wenn ich derzeit quasi ausschließlich für Print arbeite, die Probleme ähneln sich). So bei einer Messe für Nachwuchsjournalisten, bei der mir ein paar Leute klar gesagt haben, dass sie keine Meldungen schreiben wollen und auch keinen Sport und so, sondern nur die großen Reportagen.
    Aaaaaaber: Ich glaube, die Spreu trennt sich auch in unserem Job vom Weizen, und die Aufgabe von uns, die wir in der Ausbildung tätig sind neben unserem Hauptjob, ist es, feste das Sieb zu rütteln. Denn diejenigen, die was können, die sich engagieren und die man fördert und unterstützt, die sind irgendwann auch richtig dabei. Und bei denen ist man dann doch auch ein bisschen stolz, deren erste große Geschichte zu lesen.
    Also, liebe Franzi, nicht verzweifeln, sondern sich über die Perlen freuen und auf die konzentrieren! Zu hoffen bleibt, dass auch ein paar der Angesprochenen das hier lesen und es als Ansporn für das nächste Gespräch sehen! Berichtest Du uns, wenn Dich jemand bei einem Gespräch drauf anspricht? :)

    Christian
    … und ich weiß jetzt schon, an wen ich diesen Blog weiterleite, mit einem „das kennst du doch auch“-Kommentar… ;)

  8. Lizz sagt:

    Wenn ich mich jetzt als zum Nachwuchs dazugehörig sehen darf, dann werd ich mir die obigen Zeilen zu Herzen nehmen und sie bei meinem Arbeiten zu berücksichtigen.
    Und das mit dem „ich würd gern über Filme und Musik schreiben“-Ding kenne ich auch sehr gut. Alle wolln se wat mit Medien machen, aber dass da auch andere Sachen dazugehören als über „Kultur“ zu schreiben bzw. etwas zu promoten, das wissen wenige bzw. wollen nur wenige wissen.

  9. Inge Seibel sagt:

    Lieber Herr Hamann,
    – soweit das denn ihr tatsächlicher Name ist und nicht der Deckname für einen Praktikanten, der sich jetzt gerne mal eben bei Frau Bluhm quasi anonym für ihren Blogeintrag revanchieren will.

    Es sind Kommentare wie der Ihre, die mich manchmal an der Sinn- und Ernsthaftigkeit der Kommunikation im Internet zweifeln lassen. Da haben Sie angeblich eben mal in wenigen Minuten im Netz „recherchiert“ und glauben nun, etwas über die beruflichen Fähigkeiten der stellvertretenden Chefredakteurin von rp-online aussagen zu können. Das muss natürlich gleich in beleidigender Form stattfinden, oder würden Sie sich von einem Unbekannten gerne als „schmalzige, auf Abiturzeitungsniveau operierende Hausfrauenfeder“ titulieren lassen. Aber was haben Sie, außer Autorenbeleidigung, jetzt eigentlich zur Diskussion beigesteuert?

    Franziska Bluhm hat ihren Unmut darüber geäußert, dass offensichtlich viele Praktikanten nicht mit dem notwenigen Interesse, Lernbereitschaft und Neugierde an ihre Aufgabe gehen. Das trifft aus meiner Erfahrung als langjährige Chefredakteurin und Programmchefin nicht nur auf Praktikanten, das trifft auch auf Journalistikstudenten und das trifft auch auf andere Berufszweige zu. Und selbstverständlich gibt es auch positive Beispiele. Vielleicht hätte Frau Bluhm noch mal eine Nacht über ihr Posting schlafen sollen. Was sie hier festgestellt hat, gab es auch in der Vergangenheit: interessierter und lernbereiter Nachwuchs und eben das Gegenteil. Letztere machen einem Chefredakteur das Leben schwer und können hauptsächlich in der Regel gut intrigieren und ihr eigenes Unvermögen immer den anderen in die Schuhe schieben.
    Damit wird Frau Bluhm in ihrer Position leben müssen. Das war schon immer so.

    Ich finde es positiv, dass sie sich überhaupt damit auseinandersetzt, denn es spricht dafür, dass sie solche Leute gerne aufrütteln möchte, mehr aus ihrem Berufsleben zu machen. Die Mühe könnte allerdings vergebens sein.

  10. Enk sagt:

    Nunja, das Phänomen, das Leute am liebsten nur das machen wollen, was ihnen Spaß macht, ist ja nicht auf den Journalismus beschränkt. Auch in der Wirtschaft finden es Praktikanten nicht so toll, wenn Sie statt Vorstandspräsentationen erstmal Kopien oder langweilige Excel-Sheets machen müssen. Aber, that’s life. Und bei der derzeitigen Lage auf dem Arbeitsmarkt muss man sich glücklicherweise nicht lange mit Praktikanten aufhalten, die sich zu fein sind für wirkliche Arbeit, gibt ja genug andere Bewerber.

  11. Patrik Stäbler sagt:

    Liebe Frau Bluhm,

    da fragen Praktikanten doch glatt nach, was Sie tun könnten, anstatt kreative Ideen für Geschichten zu liefern? Welch Unverschämtheit! Schließlich kann man doch von Praktikanten erwarten, dass sie sich einem Redakteur gleich einbringen und nicht etwa Feedback verlangen und „alle fünf Minuten“ dämliche Fragen stellen.

    Doch im Ernst: In ihrem Traktat unterschlagen Sie komplett die neuen Voraussetzungen, mit denen Nachwuchs-Journalisten heute konfrontiert sind – so viel zum Stichwort „Geschichte rund machen“. Zeugt es denn von fehlendem Biss, wenn sich junge Menschen von Praktikum zu Praktikum hangeln und zig Bewerbungen schreiben, nur um irgendwann doch noch in ihren Traumberuf zu landen? Und mal ehrlich: Woher rührt diese grenzenlose Arroganz, aus ihren Eindrücken von einer handvoll Praktikanten und Volontären bei RP-Online kurzerhand auf den gesammelten Journalisten-Nachwuchs zu schließen? Wollen Sie damit Wachrütteln – dann ist der Text schlicht unzulänglich; oder wollen Sie nur Frust abbauen – dann hätten Sie es besser nichtöffentlich getan.

    Zuletzt noch zu Ihrem Appell, Jungjournalisten sollten „an Texten arbeiten (…) eine Geschichte zu Ende recherchieren, die fehlende Information unbedingt rauskriegen, damit die Geschichte rund wird“. Falls Sie das Glashaus nicht sehen, aus welchem Sie diese Forderung werfen, dann empfehle ich Ihnen, was Herr Niggemeier in seinem Blog unter dem Stichwort „Doof wie RP-Online“ (http://www.stefan-niggemeier.de/blog/tag/rp-online/) zusammengetragen hat.

    Das nächste Mal bitte vorher nachdenken! Ich glaube nicht, dass ich zu viel will.

  12. Inge Seibel sagt:

    @Patrick Stäbler
    Welches sind die „neuen“ Voraussetzungen, mit denen Nachwuchs-Journalisten heute konfrontiert werden, bzw. inwieweit rechtfertigen sie ein solches von Frau Bluhm oben – wenn auch zu pauschal – beschriebenes Verhalten wie mangelndes Interesse, fehlende Eigeninitiative und Größenwahn?

  13. Liebe Frau Bluhm,
    witziger Weise geht es aber auch genau anders herum. Ich habe das Glück gehabt, an einer sehr renommierten Stelle erst als Praktikant, später als Freier, tätig zu sein. Nun sieht es bei meinen Volo-Vorstellungsgesprächen leider häufig so aus, dass mir eben jene Große-Story-Versessenheit zum Nachteil gereicht wird – frei nach dem Motto: Der will ja eh nur nach Washington. Das kann doch auch nicht sein und muss wohl an einem ziemlichen Missverhältnis zwischen den Ansprüchen beider Parteien liegen. Woran liegt das? Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ich jetzt die Chance bekäme, gerade wegen meiner Erfahrungen, mal in einem ordentlichen Volo zu lernen, wie man eine Nachricht schreibt….

  14. Hans Peters sagt:

    Ein Praktikum dient dazu, einem jungen Menschen Einblick in die Arbeitswelt zu geben. Ziel ist es dabei, diesem in der begrenzten Zeit des Praktikums etwas über den eigenen Beruf beizubringen.

    Sie gehören jedoch wohl eher zu der Sorte Unternehmer, die Praktikanten zuallererst als billige/kostenlose Arbeitskraft begreifen und sich dann darüber ärgern, dass ihre unbezahlten und ungelernten Arbeitskräfte nicht die Leistung erbringen, die eine voll zu bezahlende Kraft erledigen würde und erdreisten sich dann auch noch diese abzuledern?

    Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass genau ihre in diesem Artikel präsentierte ätzende Art, dafür sorgt, dass ihre Praktikanten ziellos und unmotiviert ihren Frondienst bei ihnen ableisten. Denn wie man in den Wald ruft… sie wissen schon…

  15. Christian sagt:

    @Hans Peters: Gerade im Journalismus ist es doch )nicht nur) für Praktikanten unerlässlich, dass sie Meldungen schreiben, Agenturen auswerten und auch Kritik einstecken können müssen mit der Bereitschaft, einen Artikel im Zweifel auch noch mal neu zu schreiben. Denn diese „kleinen“ Sachen, die Sie als „Frondienst“ beschreiben, sind das Rüstzeug für jede gute Geschichte, und nur wer eine ordentliche Meldung schreiben kann, der wird auch später wissen, wie man eine ordentliche Reportage schreibt.

    Glauben Sie mir, WENIGER Arbeit hat man damit nicht. Wenn ich selber eine Meldung schreibe, braucht es ein paar Minuten, wenn ein Praktikant eine Meldung schreibt, dann spreche ich sie anschließend mit ihm durch, danach noch ein zweites und ein drittes Mal, je nachdem, wie die Kritik umgesetzt wird. Das kostet sehr viel mehr Zeit, als es selber zu machen. Aber das ist OK, die Zeit haben sich damals in meiner Anfangszeit auch Redakteure genommen, und ich mache es auch gerne, insbesondere dann, wenn man Fortschritte sieht und merkt, dass Kritik und Aufwand auf fruchtbaren Boden fallen.

    Einen Einblick in meine Arbeitswelt aber kann ich nur dann geben, wenn sich mein Gegenüber auch in diese Welt einzudenken versucht! Und genau daran scheitert es leider oft! Wie schon in einem Posting vorher geschrieben: Es ist lange nicht bei allen Praktikanten und Volos so, aber es gibt die beschriebenen Fälle, und das nicht selten.

    @Patrick Stäbler: Auch Praktikanten können hervorragende Themenideen bringen, mehrfach erlebt. Selbst wenn die Ideen lange nicht alle umgesetzt werden können. Es ist auch nix dagegen einzuwenden, wenn sie immer wieder fragen, was sie tun können – aber es kommt auf die Mischung an. Wenn ich einem Praktikanten einen Schwung von, sagen wir mal, 20 Seiten mit Meldungen gebe und ihn bitte mal zu schauen, welches Thema davon von Interesse für die Leser sein könnte und er kommt nach 5 Minuten wieder und sagt „Nix – was kann ich jetzt tun“… Dann grübelt man doch.

    @Inge Seibel: Ich denke schon, dass die Voraussetzungen heute anders sind als noch vor etwa zehn Jahren – und dass gerade einige (nicht alle!) altgediente Kollegen da noch ein falsches Bild an potenzielle Berufsanfänger vermitteln. Ich höre heute noch ab und an die Mär vom bösen Internet, dem man sich widersetzen muss und das per se zu verabscheuen ist. Mangelndes Interesse und fehlende Initiative hingegen rechtfertigen auch diese neuen Anforderungen nicht, das stimmt.

  16. Philipp Daum sagt:

    Liebe Frau Blum,

    in über zehn Jahren habe ich den Redaktionsalltag als Freier Mitarbeiter kennen gelernt, jetzt erlebe ich ihn als Volontär. Bei fast jedem Ihrer Ansätze kann ich nur den Kopf schütteln.

    Es stimmt, dass man am liebsten große Geschichten schreiben will – doch nach meiner Erfahrung geht das nicht, ohne dafür etwas getan zu haben. Ich habe jedenfalls schon größere Geschichten geschrieben, und diese wären nie ins Blatt gekommen, wenn sie nicht vernünftig und bis zu Ende recherchiert gewesen wären. Ich weiß ja nicht, wie das in Ihrem Arbeitsumfeld ist. Ich war auch immer für Kritik dankbar und darf mit Fug und Recht behaupten, dass ich dadurch ein besserer Journalist geworden bin.

    Informationen zu bekommen, schneller als die Konkurrenz, hat mich immer angestachelt. Und ich habe Menschen genervt, bis ich die entsprechende Info bekommen habe. Das ist der größte Reiz an meinem Beruf, und es ärgert mich immens, dass Sie pauschal sagen, junge Journalisten würden diese Arbeitsschritte nicht mehr intensiv gehen. Das ist Unfug!

    Im Ãœbrigen sollte gerade Praktikanten die Aufmerksamkeit entgegengebracht werden, die sie verdienen. Oft ist es doch so, gerade im Medienbereich, dass junge Leute noch nicht einmal einen Cent für Ihre Arbeit bekommen, und trotzdem kreative Vorschläge bringen.

    Zum drittletzten Absatz: Ich schreibe unter anderem über Sport und würde nicht gerne über meinen Lieblingsfußballverein schreiben, weil mir dafür die Distanz fehlt. Ich habe in der Vergangenheit des Öfteren Anrufe von Vereinsvertretern bekommen, die sich über meine Berichterstattung aufgeregt haben. Das ist das Beste, was einem passieren kann. Denn in der Regel hat man dann die Wahrheit geschrieben. Bis zu Ende recherchiert, natürlich.

    Ich bin Journalist geworden, weil mich gerade die Recherchearbeit so fasziniert hat und immer noch fasziniert. Wenn Sie derartige Behauptungen aufstellen, sollten Sie gleichzeitig auch Belege dafür liefern. Recherchieren Sie ihre Behauptungen bitte zu Ende, dann können wir uns weiter unterhalten.

    Viele Grüße, Philipp Daum (Rhein-Zeitung)

  17. Tane Philip sagt:

    Als interessiert mitlesende Unternehmensberaterin einige Gedanken aus meiner Beratungspraxis:

    Haben Sie Ihre Wünsche und Erwartungen an Ihre MitarbeiterInnen direkt schon mal so klar an sie herangetragen und diskutiert? Da scheinen ja zwei Erwartungenswelten gegeneinander zu stehen. Sowas muss man natürlich gemeinsam klären und identische Ziele schaffen.

    Aus Beraterperspektive ist es letztlich Ihre Aufgabe und Verantwortung als Führungskraft Ihre Mitarbeiter zu zufriedenstellenden und ihrer gemeinsamen Zeilvereinbarung entsprechenden Ergebnissen zu verhelfen. Daran lässt sich eine gute Führungskraft messen.

    Es ist sicherlich auch weniger frustrierend für Sie selber, wenn Sie sich überlegen an welchen Stellschrauben (Zielvereinbarungen, Arbeitsroutinen,…) Sie als Führungsperson drehen können, um optimale Arbeitsergebnisse zu erreichen. Diese dann zu kommunizieren und abzugleichen wäre Ihre Aufgabe und ein klares Anzeichen für Führungskompetenz.

    PS: Feedback ist dabei in der Tat ein starker Hebel.

  18. Hans Peters sagt:

    Man sollte noch anmerken, welche Rückschlüsse sich auf die Führungsqualitäten ziehen lassen, wenn Mängel zwar schon im Vorstellungsgespräch erkannt werden, jedoch dennoch eingestellt wird. Des Weiteren frage ich mich, wie sich nun wohl die aktuellen Praktikanten dieser Redakteurin fühlen müssen, wenn ihre (eigentliche) Mentorin diese lieber im Netz als nutzlose Träumer denunziert, anstatt diese zu besserer Arbeit anzuleiten. Der Fisch stinkt immer vom Kopf aus…

  19. Holger sagt:

    Kommt da noch was nach von Frau Bluhm?

  20. Lothar sagt:

    Kritik anhören und annehmen, von mir aus sie auch in Frage stellen, diskutieren? Das sollen mal schön die Praktikanten machen, die Chefredaktion hat wichtigeres zu tun.

  21. […] führten dementsprechend zu einer Vielzahl von Kommentaren, die sie seit gestern auf ihren Eintrag hin erhält. Zum einen sehr konstruktiv, zum anderen auch zu persönlich und beleidigend. Wie es […]

  22. markus kater sagt:

    Tach, es sind nicht alle so. Das will ich ausdrücklich betonen. Aber wer Leute einstellt, muss heute ganz genau hingucken. Das mit den Vorstellungsgesprächen ist tatsächlich wie beschrieben. Da fragst du dich wirklich, warum jemand fünf Stunden mit dem Zug unterwegs ist, um dann nichts sagen zu können, nichts zu wissen, nichts zu wollen. Aber wie gesagt, es sind nicht alle so…

  23. Jim Bo sagt:

    Das nenne ich mal kreativ, umgetextet und bis zur die Fotostrecke rundmachenden Info nachgefragt…

    http://www.rp-online.de/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/Der-erste-Schnee-im-neuen-Jahr-2009_bid_40637.html

  24. daniel sagt:

    Liebe junge Journalisten,

    wie wir hier in den Reaktionen sehen, gibt es einen eindeutigen Redebedarf zu diesem Thema. Gerne würden wir in einem der nächsten Medienmagazine dieses Thema aufgreifen und einen jungen Journalisten, der diesem Artikel zustimmt, und einem jungen Jouranlisten, der diesem Artikel widerspricht, zu Wort kommen lassen.

    Das ganze würde in Form eines Telefonats stattfinden. „Bewerbungen“ nehme ich gerne unter daniel@wasmitmedien.de entgegen.

    Viele Grüße,
    Daniel Fiene
    Was mit Medien. Das Medienmagazin.
    Radio Q – Campusradio für Münster und Steinfurt.

  25. Mario sagt:

    Auffällig: Alle, die sich hier abfällig über Franzis Posting äußern, tun das anonym bzw. unter Phantasie-Namen.

    Will und das was sagen?

  26. Lothar sagt:

    @Mario: Phantasienamen sind im Internet durchaus üblich. Sogar die Stiftung Warentest rät dazu, weil einmal gespeicherte Daten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für immer abrufbar sein werden.

    Abfällige Postings sollte man sich selbstverständlich trotzdem sparen, aber was macht der Name da noch für einen Unterschied?

  27. Thomas L sagt:

    „Will und das was sagen?“

    und was wollen Sie uns sagen?

  28. franziska sagt:

    So, nun komme ich endlich zum Antworten.

    @Wolfgang: Natürlich gebe ich den positiven Beispielen eine Chance.

    @Christian: Und wie ich mich über die Perlen freue! Ich, wir arbeiten sehr gerne mit eben diesen jungen Leuten, versuchen zu sieben und freuen uns, wenn wir Perlen entdecken. Oder eben Rohdiamanten, die man ein bisschen schleifen darf. Ehrlich gesagt: Ich bin gespannt, ob ich demnächst auf dieses Posting angesprochen werde.

    @Inge Seibel: Danke.

    @Patrik Stäbler: Sicher haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Aber ich glaube, dass gute Praktikanten nicht so viele Praktika machen müssen, um in ihrem Traumberuf zu landen, wenn sie es wirklich wollen. Und dies auch zeigen.

    @Hans Peters: Nein, da haben Sie leider unrecht. In unserem Unternehmen ist man sich durchaus bewusst, dass Praktikanten ein Einblick in die Arbeitswelt vermittelt werden soll. Sehr wohl kann ich unterscheiden, welche Aufgaben ich Praktikanten zumuten kann und welche eher nicht. Ansonsten kann ich nur unterstützen, was Christian auf Ihren Kommentar geantwortet hat.

    @Philipp Daum: Ich kann nur noch einmal wiederholen: Natürlich gibt es auch viele gute Beispiele. Auch ich freue mich vor allem, dass dieser Blogeintrag so viele Reaktionen hervorgerufen hat, auch wenn einige davon beleidigend sind. Offenbar gibt es zu diesem Thema einen größeren Diskussionsbedarf.

    @Tane Philip: Natürlich trage ich Wünsche und Erwartungen an meine Mitarbeiter heran. Sie glauben gar nicht, wie überraschend viele unserer Praktikanten oder Freien Mitarbeiter sind, wenn wir Feedbackgespräche führen. Das scheint nicht überall üblich zu sein.

    @Hans Peters (15.35 Uhr): Ich stelle keine Leute ein, von denen ich nicht überzeugt bin.

    @Holger: Soeben geschehen.

    @markus kater: Mein Reden: Es sind nicht alle so.

  29. […] Veröffentlicht in Uncategorized von martingiesler am 10. Februar 2010 … aus gegebenem Anlass wende ich mich an […]

  30. „Was soll man eigentlich von Leuten halten, die zu Vorstellungsgesprächen gehen und sich das Produkt, für das sie sich bewerben, nicht einmal anschauen?“

    Ehrlich gesagt, die Haltung ist nicht so ungewöhnlich. Als ich mich um ein Volontariat beworben habe, habe ich das Produkt erst am gleichen Tag zum ersten Mal gekauft und mich dafür interessiert. Im Gespräch selber ging es natürlich auch darum, allerdings bekam ich dann den Prototypen des relaunchten Ausgabe vorgelegt und da ich aus der Uni den Zeitungsdesigner (Mario Garcia) und seine Philosophie in- und auswendig kannte, konnte ich das wissen sofort auf die mir bis dahin unbekannte Zeitung anwenden (und später als Volo umsetzen – oft besser als die Redakteure). Und das genau ist der Punkt: Man muss das Grundsätzliche auf das Spezielle schnell anwenden können. Völlig desinteressiert seinem zukünftigen Arbeitgeber gegenüberstehen ist natürlich schlecht, aber man muss imho nicht gleich die ganze Firmengeschichte und alle Namen des Führungspersonals auswendig können. Damit wird man später dann noch genug konfrontiert ;)

  31. franziska sagt:

    @Thomas. Nee, das meine ich auch nicht. Namen auswendig lernen ist Quatsch. Aber wissen, worüber das Medium, für das man arbeiten will, berichtet, kann nicht schaden.

  32. Jeston sagt:

    Bei solchen Nachwuchsjournalisten wundert mich gar nichts mehr: http://hermsmeier.wordpress.com

  33. […] ist ein Blogbeitrag der Stellvertretenden-Chefredakteurin der RP-ONLINE mit dem Titel “Lieber Journalisten-Nachwuchs,“. Bei der RP handelt es sich um die “Rheinische Post”. Lese ich praktisch gar […]

  34. franziska sagt:

    Ich habe übrigens hier nochmal etwas dazu geschrieben.

  35. […] Bluhm macht eine Punkt­lan­dung mit ihrem Mini-Rant zum Jour­na­lis­ten­nach­wuchs (so Rants schei­nen diese Woche Trend zu sein). Tref­fer, ver­senkt. Im Nach­trag lie­fert sie […]

  36. carla sagt:

    Keine Sorge, die meisten Journalistik-Studenten haben eine ähnliche Meinung von RP Online…

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